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KRATZER IM TECH-LACK

SACHBUCH-KRITIK (Opens in a new window)

Elon Musk zählt wohl zu den schillerndsten Persönlichkeiten, die unsere Welt aktuell zu bieten hat. Er hält sich selbst für einen der klügsten und fleißigsten Menschen der Welt und trägt dieses vermeintliche Sendungsbewusstsein auch gerne in die Öffentlichkeit – egal, ob in 280 Zeichen oder mehr oder – meist – weniger. Und das muss mensch in der Tat anerkennen: Selbst wenn nicht alles, was Musk anfasst, zu Gold wird, genügend Dinge werden es eben doch.

Spätestens mit seiner Unterstützung für Donald Trump hat sich das Bild Musks für viele jedoch gewandelt, vermutlich bereits früher. Wesentlichen Anteil dürften die Handelsblatt-Journalisten Sönke Iwersen und Michael Verfürden haben, die mit ihrer Investigativredaktion in den letzten Jahren eine Reihe von kritischen Beiträgen über Tesla, Musks Flaggschiff, veröffentlicht haben.

Über ihre Recherchen und wesentliche Inhalte aus den ihnen zugespielten Daten haben sie ein ganzes Buch geschrieben. Die Tesla-Files – Enthüllungen aus dem Reich von Elon Musk ist bereits im April 2025 bei C.H. Beck erschienen und als eines der wenigen nicht unmittelbar KI-bezogenen Bücher als „Wirtschaftsbuch des Jahres“ – unter anderem vergeben vom Handelsblatt (und das hat durchaus ein ganz kleines Geschmäckle) – nominiert (siehe auch PS).

Der Inhalt ist einigermaßen schnell zusammengefasst: Iwersen und Verfürden berichten einerseits, wie die Recherchen rund um die Tesla-Files abliefen, wie der Kontakt zu ihrem Informanten lief, welche Sicherheitsmaßnahmen sie ergreifen mussten oder wie sie mit Behörden, Anwälten und einem mauernden Unternehmen konfrontiert waren.

https://steady.page/de/thelittlequeerreview/posts/d240b7e2-a7f0-4420-b4bf-3590669bed18 (Opens in a new window)

Sie gehen aber auch auf wesentliche Inhalte der Files ein: ein dysfunktionaler Autopilot, die schlechten Arbeitsbedingungen, die bei Tesla herrschen, die wenig auskunftsfreudige Datenkrake Tesla, die keine Daten für seine Kunden bereitstellt, aber gleichzeitig wohl viele, viele davon einsammelt und für die eigenen Zwecke nutzt. Große Teile wurden in den vergangenen Jahren im Handelsblatt veröffentlicht und werden an dieser Stelle noch einmal ausführlich aufgegriffen. Und auch die Person Elon Musk und sein Gebaren sparen sie an dieser Stelle nicht aus.

Das ist im Großen und Ganzen überaus informativ und eindrucksvoll. Tesla ist wie erwähnt nach wie vor eines der Vorzeigeunternehmen, ein Magnet für viele (junge) Menschen, deren Traum es war, einmal für Tesla zu arbeiten. Diesen Traum entzaubern Iwersen, Verfürden und ihr Team mit ihren Recherchen und das auf sehr effektvolle Art und Weise.

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Gerade die Teile, in denen sie ihr journalistisches Vorgehen offenlegen und die Hindernisse beschreiben, auf die sie stoßen, zeigen sehr eindrücklich, wie guter Investigativjournalismus funktioniert und welche Rolle er für unsere Demokratie spielt. Insbesondere die großen Tech-Firmen sind dabei, ihre Macht auf Märkten und über diese hinaus in die Gesellschaft auszubauen (Opens in a new window) und hier schaffen die Autoren am Beispiel des wie gesagt wohl schillerndsten Menschen der Welt Transparenz und ein Bewusstsein, welche Gefahr auch dahinter stehen kann.

Dem gegenüber stehen die Kapitel, in denen sie vor allem die technischen Details und die Probleme, die es mit den Automobilen gibt. Es mag daran liegen, dass ich persönlich nicht der größte Auto- und Technikfreak bin und mich diese Abschnitte daher weniger interessieren. Sie sind zwar handwerklich gut gemacht, zeigen bildhaft, welche Probleme es in den Fahrzeugen von Tesla gibt, aber lesen sich doch etwas sperriger und weniger wie ein Wirtschaftskrimi, wie es bei den anderen Teilen der Fall ist.

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Besonders ironisch ist, dass die Autoren in ihrem Epilog die nicht ganz ernst gemeinte Klage aufstellen, dass Musk ihnen ein Schnippchen geschlagen hätte, als er für Donald Trump mit seinem Department for Government Efficiency (DOGE) (Opens in a new window) in die Politik ging. Das habe ihre eigentlichen Pläne ein wenig zunichte gemacht. Heute, weniger als ein halbes Jahr nach Erscheinen des Buchs, ist die Bromance Trump-Musk bereits beendet, die politische Karriere des Tech-Unternehmers (zumindest vorerst) vorbei. So schnelllebig ist das Leben des Elon M. eben...

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Das ändert jedoch nichts daran, dass Die Tesla-Files von Sönke Iwersen und Michael Verfürden eine überaus einnehmende Lektüre ist, die mit Nachdruck zeigt, was unabhängiger und mutiger Journalismus kann. Der Zauber von Elon Musk und Tesla ist für viele immer noch nicht verflogen, wie auch der weiterhin hohe Aktienkurs beweist. Dennoch hat der Lack durch ihre Recherche und ihr (stark in diversen Podcasts und Polit-Talkshows präsentiertes) Buch doch ein paar Kratzer abbekommen.

HMS

PS: Die Tesla-Files sind im Rahmen der Preisverleihung des oben erwähnten Wirtschaftsbuch des Jahres am 16. Oktober 2025 mit dem Sonderpreis ausgezeichnet worden. Jeannette zu Fürstenberg und Inge Kloepfer gewann mit Wie gut wir sind, zeigt sich in Krisenzeiten und Werte von Maja Göpel erhielt den Leserpreis.

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Eine Leseprobe findet ihr hier (Opens in a new window).

Sönke Iwersen, Michael Verfürden: Die Tesla-Files – Enthüllungen aus dem Reich von Elon Musk (Opens in a new window); April 2025; 246 Seiten; Hardcover, gebunden mit Schutzumschlag; ISBN: 978-3-406-83015-0; C.H. Beck Verlag; 26,00 €

Topic Sachbuch

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