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KI 29 | 2026

Skills: Das Nützlichste, das noch kaum jemand kennt

Liebe Leserin, lieber Leser,

stellen Sie sich zwei Arbeitsumgebungen vor. Die eine ist ein Flur mit Einzelbüros. In jedem sitzt eine Spezialistin oder ein Spezialist – einer für Texte, eine für Auswertungen, einer für Übersetzungen. Wer etwas braucht, muss wissen, in welchem Büro die Zuständigkeit sitzt, dort anklopfen, das Anliegen vortragen und für die nächste Aufgabe wieder über den Flur ins nächste Büro gehen. Was die eine weiß, bekommt der andere nicht mit.

Nach dem Prinzip funktionieren die spezialisierten KI-Assistenten, die viele Anbieter in den letzten Jahren entwickelt haben.

Die andere Arbeitsumgebung ist ein Großraumbüro und heißt Skills. Ich rufe mein Anliegen in den Raum, und diejenigen, die es angeht oder die etwas beizutragen haben, machen sich unverzüglich und zielgerichtet an die Arbeit, gern auch mehrere zugleich – aber selbstverständlich in Kollaboration.

Skills wurden von Anthropic entwickelt, es gibt sie seit Dezember 2025 (Opens in a new window) als offenen Standard. Zunächst im hauseigenen KI-Modell Claude (Opens in a new window), sukzessive auch in Plattformmodellen wie Langdock (Opens in a new window) oder als ähnliche Funktion, oft unter einer anderen Bezeichnung, in weiteren KI-Modellen. Und doch bekommen wir in unserer Beratungs- und Fortbildungspraxis mit, dass diese KI-Arbeitsumgebung in vielen Einrichtungen schlicht noch unbekannt ist.

Normalerweise weisen wir Sie an dieser Stelle auf Neues hin. Heute also nichts Neues im Editorial, sondern etwas, das für viele immer noch neu ist.

Was ist ein Skill? Noch kein bestimmter Arbeitsauftrag. Eher eine Ansage an alle im Großraumbüro, einmal gemacht und dauerhaft hinterlegt: „Hört mal, Leute! Immer wenn wir das und das machen, machen wir es so und so." Der eigentliche Auftrag kommt später, im Chat, wie gewohnt. Aber alle im Raum wissen dann schon, wie in diesem Haus gearbeitet wird.

Und wie richte ich so einen Skill ein? Einfach, indem ich es sage. Ich schreibe oder spreche in den Chat: „Erstelle mir einen Skill, der immer dann, wenn ich an einem Bildungskonzept arbeite, die didaktischen Annahmen gegen den Stand der Lernforschung prüft." Das Modell fragt nach, wenn etwas unklar ist, formuliert daraus den fertigen Skill und legt ihn eigenständig dauerhaft ab. Ich muss keine Datei anlegen, keine Syntax lernen, nichts programmieren.

Die Hürde ist nicht technischer Natur. Sie besteht darin, sich die eigenen einzelnen Arbeitsschritte bewusst zu machen und sie dann in Worte zu fassen, und das können wir in der Erwachsenenbildung ziemlich gut.

Vier Beispiele, wie das auf der Leitungsebene einer Bildungsorganisation aussehen kann.

Ein Evidenz-Skill: Immer wenn ich ein neues Bildungskonzept entwickle, prüfst du die didaktischen Annahmen gegen den Stand der Lernforschung und meldest, wo sich Neuromythen wie „Lerntypen" eingeschlichen haben.

Ein Datenschutz-Skill: Immer wenn ich in einem Prompt DSGVO schreibe, denkst du die DSGVO von der Anmeldemaske bis zur Evaluationsumfrage mit.

Ein Förderantrag-Skill: Immer wenn ich an einem Förderantrag arbeite, arbeitest du die Gliederungslogik, die Kennzahlen und die typischen Formulierungen unserer wichtigsten Fördergeber ein und bringst jeden Antragsentwurf in genau diese Form.

Oder ein Halluzinations-Skill: Immer wenn du Dokumente auswertet, liest du sie vollständig, von der ersten bis zur letzten Seite, und bleibst strikt in den Materialien, die ich dir gebe, und erfindest nichts dazu.

Sie sehen es an den Beispielen schon: Jede dieser Ansagen beginnt mit „immer wenn". Genau das ist der Trigger, also der Teil, der festlegt, wann ein Skill anspringt. Auch den muss ich nicht kompliziert einrichten, ich sage ihn einfach mit: „Immer wenn ich ein Dokument auswerten lasse, machst du es so." Fertig ist der Trigger des Halluzinations-Skills. Denn nicht jeder Skill soll bei jeder Aufgabe mitlaufen; der Förderantrag-Skill hat in der Programmbroschüre nichts verloren. Ich kann den Trigger weit fassen oder eng: Der Datenschutz-Skill denkt bei allem mit, was Teilnehmendendaten berührt; der Evidenz-Skill nur, wenn ein Kurs- oder Bildungskonzept entsteht oder überarbeitet wird.

Das Entscheidende: Ich muss in keine Assistenten mehr wechseln. Ich habe mein KI-Modell einmal so eingerichtet, dass es so arbeitet, wie es zu mir und meinem Haus passt, und chatte dann ganz normal weiter. Alles, was ich im Hintergrund eingerichtet habe, springt zuverlässig und automatisch an, wenn es gebraucht wird.

Ich gehe also in mein „Großraumbüro”, rufe einen Arbeitsauftrag hinein und kann mich darauf verlassen, dass alle im Raum genau wissen, wie ich arbeite und was ich erwarte. Je nach Aufgabe machen sich einzelne oder mehrere zugleich an die Arbeit: An einem neuen Bildungskonzept arbeiten dann Evidenz-Skill, Datenschutz-Skill und Halluzinations-Skill gemeinsam, ohne dass ich sie einzeln aufrufen und koordinieren muss.

Und ich kann mich auch bei komplexen Anfragen darauf verlassen. Dass die Modelle umfangreiches, komplexes, mitunter widersprüchliches Material zuverlässig auswerten, war lange die Schwachstelle. Bei den aktuellen Frontier Modellen ist sie das nicht mehr.

Warum uns das nicht loslässt? Weil diese Architektur zur Erwachsenenbildung passt wie wenig anderes, das wir bisher gesehen haben.

Die Automatisierungsversprechen der letzten Jahre zielten auf Tätigkeiten, die sich sauber zuschneiden lassen: immergleiche Prozesse, klar umrissene Rollen.

Unser Feld ist nicht so. Wer in der Erwachsenenbildung arbeitet, ist Allrounderin und Multispezialist: vormittags Kurskonzept, mittags Förderantrag, nachmittags Teilnehmendenberatung, abends der Text für die Programmbroschüre. Für jede dieser Rollen einen eigenen Assistenten zu bauen und zu pflegen, das hat kaum jemand getan.

Skills drehen die Logik um. Nicht wir passen uns vielen kleinen Spezialisten an, sondern ein Assistent, der mitdenkt, greift auf unser dokumentiertes Wissen zu und zwar dann, wenn die Aufgabe es verlangt.

Hier erleben wir zum ersten Mal etwas, mit dem sich im Alltag von Bildungseinrichtungen wirklich Arbeit wegschaffen lässt. Nicht die Arbeit am Menschen. Die bleibt die unsere. Aber die vielen kleinen Format-, Struktur- und Routineaufgaben drumherum.

Nichts Neues also. Aber vielleicht das Nützlichste, das noch kaum jemand kennt.

Sprechen Sie uns an. Wir begleiten Sie mit Workshops, Keynotes, Moderation und Beratung. Zum Beispiel am 10. und 11.09. zu KI für Führungskräfte in Bielefeld (Opens in a new window) oder im Lehrgang Künstliche Intelligenz in der Erwachsenenbildung am bifeb (Opens in a new window)

51° Nord ist eine Gemeinschaftsredaktion von Christiane Carstensen, David Röthler und Sonya Dase
von Milenu (Opens in a new window)und Dase & Carstensen (Opens in a new window)

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Außerdem im Infobrief:

  • Warum die nächste KI-Stufe nicht „noch digitaler" heißt

  • Hörempfehlung: Warum Sprache zum Einfallstor wird

  • Neu bei OpenAI

  • Wir verschenken KI-Einsteigerplakate

  • Termine rund um KI und Erwachsenenbildung im DACH-Raum

Warum die nächste KI-Stufe nicht „noch digitaler" heißt

Wir erleben gerade: Kluge Unternehmen wählen in ihrer KI-Strategie nicht einfach nur „digitaler". Sie entwickeln einen guten Mix aus KI, Digitalem und Analogem.

Ein gutes Beispiel liefert gerade Conrad (Opens in a new window). Die legendäre „Conrad-Bibel" war der gedruckte Katalog, der Generationen von Technikbegeisterten geprägt hat, bis er vor acht Jahren eingestellt wurde und Conrad ganz auf die digitale Plattform setzte. Jetzt, in der KI-Welt, kehrt er als Printprodukt zurück. Interessanterweise nicht als Ersatz für den Online-Shop, sondern als Vorentlastung. Aus über zehn Millionen Produkten kuratiert der Katalog 7.200 und hilft Kundinnen und Kunden, sich im Online-Angebot überhaupt erst zurechtzufinden. Erzeugt wird der Katalog übrigens KI-gestützt aus dem digitalen System.

Das Analoge ist hier also kein Rückschritt, sondern Ergebnis einer klugen KI-Strategie.

Hyperdigitalisierung ist in Zeiten von KI nicht zwingend eine gute Strategie (Warum? Das begründen wir Ihnen gerne in unseren Workshops und Beratungen). Fragen Sie stattdessen, wo Ihre Stärken liegen, und spielen Sie sie aus. Wer in seiner Kommune, im Netzwerk, in einem Bildungsbereich gut verankert ist, sollte diese Stärke nicht aufs Spiel setzen, indem er sie sinnlos durch Digitales ersetzt. Er macht sie zum Herzstück eines klugen Methodenmixes.

Die nächste Entwicklungsstufe mit KI ist nicht mehr Digitalisierung. Sondern die Kunst, das Beste aller Welten – KI, digital, analog, menschlich – in einen klugen Methodenmix zu bringen. Sprechen Sie uns an. Wir begleiten Sie mit Workshops, Keynotes, Moderation und Beratung.

(Opens in a new window)
Hörempfehlung: Deutschlandfunk-Podcast KI verstehen
Warum Sprache zum Einfallstor wird

Dass wir KI in natürlicher Sprache steuern können, ist ihr großes Versprechen: kein Code, keine technische Hürde, einfach formulieren. Genau dieser Zugang ist aber zugleich ihr Einfallstor.

In der Podcast-Reihe „KI verstehen" des Deutschlandfunks erklärt die Wissenschaftsjournalistin Eva Wolfangel, wie sich Chatbots per Jailbreaking und Prompt Injection (Opens in a new window) aus ihren Leitplanken locken lassen und warum das keine Sicherheitslücke ist, die sich einfach schließen lässt.

Denn mit Sprache können wir tun, was Menschen seit Jahrtausenden mit ihr tun: lügen, täuschen, manipulieren, verführen. Gegen Sprache lässt sich keine Firewall bauen.

Sprache ist die große Herausforderung der Cybersicherheit der nächsten Jahre.

Neu bei OpenAI

OpenAI bündelt mit Chat GPT Work (Opens in a new window) sein Chatbot-Modell GPT-5.6 und die Codex-Technologie in einer gemeinsamen Umgebung, die selbstständig über Stunden an komplexen Projekten arbeiten soll. Wirklich neu ist das Konzept allerdings nicht. Anthropic hat mit dem Schritt von Claude Code zu Cowork bereits vorgemacht, wie sich ein Coding-Tool zur umfassenderen Arbeitsplattform weiterentwickeln lässt. OpenAI zieht nun mit einem ähnlichen Ansatz nach. Im Kern dürfte es sich auch hier vor allem um ein Rebranding bestehender Funktionen handeln.

Wie immer haben wir das natürlich sofort ausprobiert. (Opens in a new window)

Außerdem hat OpenAI mit GPT-Live (Opens in a new window) eine neue Generation der Voice-Funktion vorgestellt, die Gespräche mit KI natürlicher machen sollen.

Und auch das haben wir ausprobiert und die neue Voice-Funktion in einem Experiment direkt als Co-Moderation (Opens in a new window) eingebunden.

Wir verschenken KI-Einsteigerplakate

À propos Sommerloch: Der Sommer ist die beste Zeit, um sich mit den Dingen zu beschäftigen, die man immer schon mal machen wollte. Vielleicht gibt es auch in Ihrem Team Menschen, die sich bislang noch nicht so recht an generative KI herangetraut haben, aber durchaus neugierig sind.

Dase & Carstensen haben für ihre Kundinnen und Kunden ganz analog ein KI-Einsteigerplakat gestaltet. Zwanzig Exemplare sind noch übrig, die wir an Bildungseinrichtungen verschenken.

Schreiben Sie einfach eine kurze E-Mail an info@bildungs.consulting (Opens in a new window) und verraten Sie uns, warum gerade bei Ihnen ein solches Plakat gut aufgehoben wäre. Die ersten zwanzig Einsendungen bekommen ein Exemplar zugeschickt.

Terminübersicht

Neben unseren Inhouse-Schulungen und Beratungen für Unternehmen und Verbände haben wir in den nächsten Monaten auch eine kleine Auswahl offener Trainings und Keynotes:

19.08.26

Praxiswerkstatt KI in Seelsorge und Beratung
 (Opens in a new window)
10.00–18.00 Uhr, Präsenz, kostenfrei, EU-unterstützt
. Zentrum Bildung und Gesellschaft der EKHN Mainz

01.09.26
Einführung in Agentische KI (Opens in a new window)
Medienanstalt Sachsen-Anhalt
David Röthler

04./05.09.26
Lehrgang Künstliche Intelligenz in der Erwachsenenbildung Modul 3: KI in der Beratung (Opens in a new window)
Stefan Kühne
bifeb, Strobl am Wolfgangsee

10./11.09.26
Standortbestimmung: KI und Führung (Opens in a new window)
Für Führungskräfte, Leitungen und Programmverantwortliche der Erwachsenenbildung
Präsenzveranstaltung im kleinen Kreis in den Ankergärten Bielefeld, Dase & Carstensen GmbH

16./17.09.26
KI in der Gesundheitsförderung (Opens in a new window)
David Röthler
Gesundheit Österreich GÖG GmbH

09./10.10.26
Lehrgang Künstliche Intelligenz in der Erwachsenenbildung (Opens in a new window) Modul 4: KI in der Lehre
Birgit Aschemann und Gunter Schüßler
bifeb, Strobl am Wolfgangsee

16./17.10.26
Lehrgang Künstliche Intelligenz in der Erwachsenenbildung (Opens in a new window)Modul 5: KI im Bildungsmanagement
Christiane Carstensen
bifeb, Strobl am Wolfgangsee

05.11.26
Analyse und Aktion mit KI - Politik verstehen, Engagement stärken (Opens in a new window)
Online, 18–20 Uhr
Friedrich-Ebert-Stiftung
David Röthler

04./05.12.26
Lehrgang Künstliche Intelligenz in der Erwachsenenbildung (Opens in a new window)Modul 6: Gesellschaftliche und philosophische Aspekte von KI
Katrin Rossmann und Harald Russegger
bifeb, Strobl am Wolfgangsee

28.06.–02.07.27
KI souverän nutzen – verstehen, ausprobieren, einordnen (Opens in a new window)
Bildungsurlaub an der VHS Bielefeld
Christiane Carstensen

04.10.–08.10.27
KI souverän nutzen – verstehen, ausprobieren, einordnen (Opens in a new window)
Bildungsurlaub an der VHS Bielefeld
Christiane Carstensen

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51° Nord ist eine Gemeinschaftsredaktion von Milenu (Opens in a new window) und Dase & Carstensen (Opens in a new window).