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Es ging zuletzt einfach zu weit

Ende September 2025 erschien das erste Interview von Veronika & Sebastian mit einem österreichischen Medium nach ihrem Abschied von oe24-TV. Als im nördlichen Waldviertel lebende Menschen, haben sie sich dafür bewusst die Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN (Opens in a new window)) ausgesucht - also jene Wochenzeitung, die in der Region am meisten gelesen wird. Das Interview, das von Anna Hohenbichler geführt wurde, kann man jetzt bei uns im Volltext nachlesen.

Sie gaben Ihren Abschied bei „OE24“ bekannt. Wieso?

Veronika Bohrn Mena: Für uns beide hat das lange gut funktioniert – bis wir begonnen haben, FPÖ-Politiker für Hasskommentare auf ihren Social Media-Seiten zu klagen und sie Veröffentlichungen vornehmen mussten. Unsere Diskussionspartner haben rotiert, letztlich konnten wir nicht mehr auf Sendung gehen.

Wir haben in den vergangenen Jahren viel abbekommen, auch Morddrohungen. Eine Zeit lang hatten wir Personenschutz – vieles ist also nicht neu für uns. Aber: Heuer ist ein Prozessfinanzierer an uns herangetreten, der uns bei der rechtlichen Aufarbeitung dieser Kommentare unterstützt.

Sebastian Bohrn Mena: Von 150 Klagen, die wir eingebracht haben, hängt fast ein Drittel mit FPÖ-Funktionären zusammen. Viele dieser Seiten werden somit mit Steuergeld finanziert.

Es gab aber auch positive Rückmeldungen, oder?

Sebastian Bohrn Mena: Anfangs habe ich die TV-Auftritte als eine Möglichkeit gesehen, meine ehrenamtlichen Tätigkeiten – wie für das Tierschutz-Volksbegehren oder auch das Hochmoor in Schrems – zu finanzieren. Als ich gemerkt habe, welche Reichweiten das generiert und dass ich die Sichtweisen von Menschen vertrete, die sonst keine politische Repräsentanz haben, wurde es mehr als ein Job und ich auch zur Projektionsfläche im positiven Sinn.

Zum Beispiel für Menschen mit Migrationshintergrund, von denen es in Österreich immer mehr gibt, Alleinerziehende und alle, die in der politischen Debatte oft an den Rand gedrängt werden. Durch diese Bekanntheit konnten wir zum Beispiel auch in Einzelfällen etwas bewegen, ob mit Aufmerksamkeit für ein konkretes Thema, Interventionen oder finanziellen Mitteln über die Bundesstiftung Común.

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Das Interview erschien am 24. September in der Printausgabe der NÖN

Medien beeinflussen Meinungen. Welche Veränderung sehen Sie da über die Jahre?

Veronika Bohrn Mena: Ich sehe einen enormen Rechtsruck, etwa indem die Medienpräsenz von rechten Akteuren zugenommen hat. Dazu kommt, dass sich Einzelne von ihnen über die Jahre radikalisiert haben.

Sebastian Bohrn Mena: Ja, der Diskurs hat sich verschoben. Problematisch sehe ich auch das Phänomen des „False Balancing“: Ein Wissenschaftler mit fachlich fundierten Analysen wird einem rechten Kommentator gegenübergestellt und der Eindruck erweckt, dass die Standpunkte einander ebenbürtig wären.

Boulevardmedien geben Rechten außerdem unverhältnismäßig viel Raum: Soll eine rechte Partei aktuell auf etwa 32 Prozent bei Wahlen kommen, dann sind das aber immer noch nur 32 Prozent derer, die an Wahlen teilgenommen haben – und nicht 32 Prozent der rund neun Millionen Menschen, die in Österreich leben.

Liegt es dann nicht auch an politisch links orientierten Menschen, Gegenparts zu bilden?

Sebastian Bohrn Mena: Bis vor einem Jahr war mein Zugang noch, dass wir dieser Überpräsenz der extremen Rechten in solchen Formaten durch unsere Präsenz etwas entgegensetzen. Vor Jahren wurden wir ja auch von Linken, unserer eigentlichen Peer-Group, stark für das kritisiert, was wir tun. Das hat sich zuletzt verringert, weil man es doch als wichtig erachtete.

Gerade im vergangenen Jahr bekam ich aber das Gefühl, dass es immer weniger Sinn macht, weil die Rechten radikaler wurden und – auch dank viel Steuergeld – über ihre Kanäle und Alternativmedien eine riesige Hassmaschinerie aufgebaut haben. Wir sind nicht mehr diejenigen, die sich dem entgegenstellen können, sondern verkommen zu Prügelknaben. Das ging zuletzt einfach zu weit.

Veronika Bohrn Mena: Das ist auch der Grund, warum man irgendwann einmal klagen muss. Es ist die einzige Möglichkeit. Wir haben uns eh jahrelang nicht gewehrt, auch weil wir allein die finanziellen Mittel nicht hätten. Die Dichte an Kommentaren, die Sebastian den Tod oder mir eine Vergewaltigung wünscht, hat über die Jahre extrem zugenommen.

Wenn man sich das auf Dauer gefallen lässt, denken die Verfasser, es sei okay, sowas zu tun. Das ist es aber nicht und deshalb muss der Rechtsstaat eingreifen.

Um bei der Medienkritik zu bleiben: Manchmal wirkt es wie eine Überflutung mit Inhalten.

Sebastian Bohrn Mena: Ja, das ist auch ein Instrument, das von der extremen Rechten seit Jahren eingesetzt wird. Donald Trump haut jeden Tag so viel raus, dass das einfach nicht mehr gefiltert werden kann. Medien haben nicht die Kapazitäten, all das einzuordnen, müssen also auf Durchzug schalten.

Medienpräsenz hat aber auch mit Verfügbarkeit zu tun: Manche Personen sind dafür bekannt, zu jeder Tageszeit abzuheben und Statements abzuliefern, die polarisieren und Klicks bringen. Das ist einerseits zutiefst menschlich – andererseits sollte es aber schon die Aufgabe von Medien sein, Leute zu finden, die die Mehrheitsmeinung abbilden und nicht nur die, die am lautesten schreien.

Sie beide haben die Tätigkeit bei OE24 auch als Job gesehen. Wie geht es beruflich weiter?

Sebastian Bohrn Mena: Wir sind dabei, unsere Themen über andere Wege transportieren zu können. Schweigen werden wir auch künftig sicher nicht.

Topic Medienberichte

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