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„Wer will die schon vergewaltigen?“: Wie ein Mob versucht meine Frau zu zerstören

Beschimpfungen wie „Dreckiger Kameltreiber“, „Wixer-Flüchtling“, „Anden-Kokser“ und alle möglichen Gewaltfantasien über mich kursieren in sozialen Netzwerken. Ich kämpfe derzeit mit rechtlichen Mitteln darum, dass sie gelöscht werden müssen, bevor meine Kinder ein Alter erreichen, in dem sie selbst damit in Berührung kommen. Diese Kommentare ärgern und verletzen mich, das möchte ich nicht verheimlichen.

Richtig schmerzen und wütend machen mich aber Hasskommentare über meine Frau. Maßgeblich, weil ich sie so sehr liebe und respektiere. Sie sind aber auch von einer anderen „Qualität“ als die über mich. Sie sind noch eine Stufe persönlicher, noch untergriffiger. Fast immer wird dabei ihre Körperlichkeit thematisiert, ihr Gesicht oder ihre Stimme, sehr oft schwingen Fantasien von sexualisierter Gewalt mit.

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Viele Diskussionen, noch mehr Hass

Und gerade jetzt dreht dieser digitale Mob offenbar komplett durch. Veronika hat vor einigen Wochen schon eine Vergewaltigungsdrohung zur Anzeige gebracht. Sie hat schon viele solcher Drohungen erhalten, diesmal war sie sehr explizit und mit pornographischen Fotos bebildert. 10 Wochen nach der Anzeige schrieb ihr die Staatsanwaltschaft, dass sie nicht ermitteln lassen wird. Ein Schlag in die Magengrube.

Meine Frau hat ihrem Ärger dann Luft gemacht und darüber in sozialen Netzwerken geschrieben. Viele Menschen haben ihre Gedanken aufgegriffen, Fachleute haben darüber im Netz diskutiert, auch Medien haben berichtet – geändert hat sich nichts. Außer, dass der Hass gegen meine Frau noch größer wurde. Am sichtbarsten wurde das unter einem Posting der Tageszeitung „Heute“ vom 27. Oktober 2025.

https://www.newsflix.at/s/autorin-mit-vergewaltigung-bedroht-aber-justiz-will-nicht-ermitteln-120139729 (Opens in a new window)

Völlige Enthemmung

Die Zeitung hatte einen hervorragenden Beitrag von „Newsflix“ übernommen und erneut über ihre Kanäle ausgespielt. „Autorin mit Vergewaltigung bedroht – aber Justiz will nicht ermitteln“ lautete der Titel, ein Foto meiner Frau war groß zu sehen. Und was dann passierte, damit hätte ich nicht gerechnet – und ich habe schon viel erlebt. Unter dem Posting arbeitete sich ein Mob an meiner Frau ab, völlig enthemmt.

Einer von dutzenden Kommentaren unter dem Posting von "Heute"

Vielfach mit Klarnamen spotteten Männer, dass ohnehin niemand meine Frau vergewaltigen wolle, angereichert mit Lach-Emojis. „Wer will die schon vergewaltigen?“, schrieb einer, andere unterstellten ihr, sie habe das doch selbst provoziert. Und wieder andere bezichtigten sie der vorsätzlichen Lüge, um mehr Aufmerksamkeit zu erlangen. Hunderte Kommentare, 95 Prozent davon einfach nur der pure menschliche Abgrund.

Rechtliche Grenzen und Hürden

Viele davon kann man nicht rechtlich ahnden, weil sie so formuliert sind, dass es nach Einschätzung unseres Anwalts noch unter die Meinungsfreiheit fällt. Und wir klagen nichts ein, von dem wir nicht überzeugt sind, dass es strafrechtlich relevant ist. Wieso? Weil es Zeit und Geld kostet und wir keine Präzedenzfälle schaffen wollen, wonach dann jemand eine gewisse Formulierung gegen uns oder andere verwenden darf.

Ein weiterer Kommentar unter dem "Heute"-Posting

Manches kann man klagen und das machen wir dann auch. Weil wir der Meinung sind, dass niemand sich sowas gefallen lassen muss. Aber auch, weil wir die Grenze des Sagbaren wieder dorthin zurückschieben wollen, wo sie hingehört. Die Grenze sollte nicht das Strafrecht sein, eigentlich sollte es sowas wie eine moralische Linie geben. Aber zumindest die geltenden Gesetze müssen gewahrt bleiben.

Es geht nicht um Unmut, es geht um rechten Hass

Wichtig ist zu verstehen, dass es hier nicht um eine zufällige Vielzahl von Unmutsäußerungen geht, sondern um den systematischen Versuch, einen Menschen zu zerstören. Wir haben inzwischen rausgefunden, dass es eine vergleichsweise überschaubare Gruppe von einigen hundert Personen in Österreich gibt, die sich immer wieder an solchen digitalen Hetz-Mobs beteiligt – nicht nur gegen meine Frau und mich.

Noch ein Kommentar

Es sind immer die gleichen Personen, die hunderte Kommentare liken und selbst dutzende davon verfassen. Die alle nur erdenklichen Beleidigungen und Schmähungen teilen und sich gegenseitig dabei noch anheizen. Darunter befinden sich natürlich in erster Linie Männer, wie unsere Statistik zeigt. Und überraschend viele Unternehmer, Anwälte, Architekten und solche, die sich selbst als „Privatiers“ bezeichnen.

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Rechtsextreme digitale Echokammern

Und festgestellt haben wir mittlerweile auch, dass diese Menschen sich vorwiegend in rechtsextremen und extrem-rechten Bubbles bewegen. Sie konsumieren die Inhalte „alternativer“ Medienplattformen und verbreiten mit großem Einsatz den Parteicontent von FPÖ & AfD. Und zwar fast ausschließlich. Auf ihren Profilen findet sich daher neben Frauenhass auch Rassismus und allerlei Verschwörungstheorien.

Die Menschen hinter solchen Kommentaren sind uns mittlerweile bekannt.

Sogar vor Gericht geben sie freimütig an, dass sie sich in ihren Kommentaren an den Äußerungen von Menschen wie FPÖ-Chef Herbert Kickl oder rechten „Influencern“ wie Gerald Grosz orientieren. Und wundern sich dann, wieso sie sich rechtlich dafür verantworten müssen, während ihre Idole davon verschont bleiben. Ein echtes Unrechtsbewusstsein war aber in den allermeisten Fällen bislang leider nicht erkennbar.

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Wir müssen viele werden, die sich wehren

Und trotzdem bin ich davon überzeugt, dass rechtliche Gegenwehr wichtig ist. Denn gerade weil es nicht zigtausende, sondern „nur“ hunderte Menschen sind, die sehr laut und gut vernetzt an der Entsolidarisierung unserer Gemeinschaft arbeiten, werden die Urteile eine Wirkung entfalten. Wichtig wird aber sein, dass nicht nur wir uns wehren.

In 90 Prozent der Fälle schreiben Männer sowas.

Deswegen ist es so bedeutsam, wenn prominente Menschen wie Armin Wolf jetzt auch rechtliche Schritte gegen Plattformen ergreifen. Und wichtig wäre auch, wenn die Politik sich dem endlich annimmt und dafür sorgt, dass die passiven Verbreiter von Hass, die Seitenbetreiber, auch stärker zur Verantwortung gezogen werden. Sie haben die Spaltung zum Geschäftsmodell erkoren und dieser Motor muss gestoppt werden.

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Topic Meinung

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