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Neo über Vertrauen, die innere Stimme und den nächsten großen Schritt

Zum ersten Mal beginnt eine neue Interview-Tour in Süddeutschland. Während die Regionalbahn zum Stehen kommt, entdecke ich Neo und seine Mama auf dem Bahnsteig. Beim Aussteigen finden sich unsere Blicke sofort. Die Begrüßung fühlt sich an, als würden wir uns längst kennen – und in dem Moment merke ich, dass es eine gute Entscheidung war, Neo zu besuchen. Richtig ist sie ohnehin, denn der 15-Jährige ist der Gewinner von The Voice Kids 2025. Ich frage ihn heute, was die aufregende Zeit mit ihm gemacht hat, wie er seine größten Träume verfolgt und wer er ist, wenn niemand zuschaut.

Interview & Fotos Florian Saeling

Dein Jahr 2025 war schon von außen betrachtet eine ganz verrückte und aufregende Zeit deines Lebens. Wenn du diesem Jahr eine Überschrift geben könntest, wie würdest du es beschreiben?
Spektakulär. Das wäre die ganz große, fettgedruckte Überschrift. Weil das war echt das krasseste Jahr meines Lebens. Allein schon von den Erfahrungen her und vor allem auch von der ganzen Reise, die ich hinter mir habe. Manchmal bin ich jetzt noch am Verarbeiten von Erlebnissen, die eigentlich schon ein halbes Jahr her sind, weil es so eine intensive Zeit war.

Was beschäftigt dich jetzt gerade?
Ein Stück weit beschäftigt mich, wie ich diese Möglichkeiten, die ich bekommen habe, nutzen möchte. Ich möchte dieses Sprungbrett nicht verschwenden, indem ich warte, bis ich achtzehn bin. Deswegen versuche ich gerade, meinen Bereich zu finden und frage mich jetzt schon:

Welcher Neo möchte ich in Zukunft sein?


Möchte ich der Neo sein, der Coversongs auf Social Media hochlädt? Möchte ich eigene Songs herausbringen, auf Bühnen singen oder Schauspieler werden? Da gibt es ganz viele Wege, die sich durch dieses eine Erlebnis für mich geöffnet haben.

Hast du das Gefühl, dass die Leute von dir erwarten, dass der nächste große Schritt kommen muss?
Ja, auf jeden Fall – und das erwarte ich von mir selber auch. Ich habe eine ganz große Erwartung an mich selbst und bin sehr ehrgeizig. Das kann ich von mir sagen. Wenn ich mir etwas als Ziel setze, dann will ich das erreichen. Ich habe einen Disney-Song aufgenommen – okay, was kommt als nächstes? Ich habe ein Fan-Screening gemacht – okay, was als nächstes? Ich bin in der Porsche Arena – okay, was als nächstes? Man versucht da schon, die Leute zu unterhalten, aber man darf sich selbst darin nicht verlieren. Followerzahlen sagen ja auch überhaupt nichts darüber aus, wer du bist.

Man darf sich selbst darin nicht verlieren.



Hast du eine Stimme im Kopf, die sagt: Musik und Social Media sollen dir Freude und keinen Druck machen?
Ja, und das war auch von Anfang an so, dass ich mir gesagt habe, ich möchte einfach Spaß am Singen haben. Weil du kannst noch so viele Angebote haben – wenn es dir keinen Spaß macht, kannst du es hinschmeißen. Aber ich liebe es, Coversongs aufzunehmen und bin auch total gerne im Mittelpunkt. Das war ich schon als kleines Kind. Ich mag das alles sehr gerne, aber ich will mich selbst natürlich auch ein bisschen schützen.

Wie machst du das? Also wie schützt du dich davor, dass du irgendwann den Spaß daran verlieren könntest?
Einfach, indem ich nicht alles preisgebe. Man muss nicht jedes Glück und jede gute Stimmung mit der Außenwelt teilen.

Ich versuche einfach, immer bei mir zu bleiben.


Die Leute werden immer irgendwas an dir auszusetzen haben. Wenn du zweimal am Tag postest, ist es ihnen zu viel. Wenn du einmal in der Woche postest, ist es „nichts Halbes und nichts Ganzes“. Wenn du laut singst, sagen sie „Du schreist“. Wenn du leise singst, sagen sie „Du flüsterst“. Wenn du Whitney Houston singst, sagen sie „Du bist ein Mädchen“. Wenn du Justin Bieber singst, sagen sie „Du bist schwul“. Also, die haben ja immer irgendwas. Man muss auf sich selbst hören. Und ich weiß, wer ich bin und was ich liebe und deswegen lasse ich mich davon auch nicht beeinflussen, was die Leute sagen.

Richtig stark, dass du das so siehst! Wer bist du, wenn niemand zuschaut, also wenn nichts öffentlich geteilt wird?
Ich bin meistens glücklich. Ich mag gute Laune. Ich bin lustig und aufgeweckt, gerne unter Leuten, kümmere mich um andere und habe gerne Freunde, mit denen ich reden kann. Aber ich brauche dann immer wieder meinen Rückzugsort – mein Zimmer. Also ich bin gerne auch einfach bei mir oder gehe mit meinem Hund raus auf die Wiese und singe vor mich hin. Das bin ich.

Und wann hast du entschieden, dass du nicht nur für dich singen möchtest?
Mit Jugend musiziert hat es angefangen, dass ich mich gezeigt habe. Da hatte ich schon Erfolg und meine Gesangslehrerin hat deshalb gesagt: „Der nächste Schritt wäre dann jetzt The Voice Kids“ – und da wollte ich schon immer hin. Dass wir darüber gesprochen haben, war nur der ausschlaggebende Punkt. Danach habe ich gegoogelt und gesehen, dass zu der Zeit Bewerbungsphase war. Das habe ich meinen Eltern gesagt und dann haben wir an einem Abend Videos mit Coversongs aufgenommen.

Nur diese eine Entscheidung, dieses Video abzuschicken, hat mein Leben so verändert und so auf den Kopf gestellt.


Das hat schon sehr viel mit mir gemacht, dieser ganze Prozess auch. Und dann zu realisieren, dass ich es geschafft habe – allein schon ins Fernsehen zu kommen und am Ende auch noch die Show zu gewinnen, das hätte ich nie gedacht. Ich dachte, ich singe halt gerne, schicke das mal ab und gucke, was passiert – und dann ist sehr viel passiert.



Was ist für dich ein ganz großer Wert, etwas ganz Wichtiges in deinem Leben?
Vertrauen. Ich brauche Leute, denen ich vertrauen kann und ich brauche auch Vertrauen zu mir selbst. Wenn ich jemandem etwas anvertraue, dann möchte ich, dass es da sicher ist. Ich mag es nicht, wenn Leute lügen. Das bricht mich dann so ein bisschen und es verändert auch die Beziehung zu der Person komplett. Deswegen brauche ich Menschen, die mir Halt geben und da ist vor allem meine Familie ganz stark und wichtig für mich, die schon seit Jugend musiziert bei jedem Auftritt dabei war und immer noch für mich da ist. Ich brauche diesen Safespace, dass ich nach Hause kommen kann und weiß: Jetzt bin ich hier. Jetzt bin ich der Neo.

Vertrauen ist für mich wirklich das Wichtigste im Leben.


Das hat für mich den größten Wert und das verbindet sich mit allem: Das verbindet sich mit der Liebe, das verbindet sich mit Freundschaft und mit Erfolg. Ich habe auch ganz viel Vertrauen zu mir selbst gebraucht, als ich mich dafür entschieden habe, zu The Voice Kids zu gehen und auf der Bühne zu stehen. Ich musste mir oft einreden „Das schaffst du!“ und bin deshalb auch häufig aus dem Apartment rausgegangen, um ein bisschen um die Blöcke zu laufen und mit mir selbst zu reden. Das mache ich oft. Ich rede sehr viel mit mir.

Das klingt aber zum Glück nach einer sehr positiven inneren Stimme.
Ja, auf jeden Fall. Die war wirklich schon immer sehr präsent und die hilft mir einfach auch gut. Aber das kommt ja nicht von irgendwo. Das kommt natürlich von vertrauenswürdigen Menschen, die mir das mit auf den Weg geben. Und ich weiß natürlich auch nicht immer, was richtig ist. Meine innere Stimme ist halt auch keine Weisheit, aber sie weiß schon sehr gut, wer ich bin und was ich brauche.

Ich habe gelesen, dass es dein Traum ist, eigene Musik zu veröffentlichen. Hast du schon eine Vorstellung, wie sie klingen soll und was für Geschichten du damit erzählen möchtest?
Ich möchte auf jeden Fall im nächsten Jahr zusammen mit einem Team versuchen, an eigener Musik zu arbeiten und damit meinen Weg zu finden. Weil mich beschäftigt schon vieles, das ich gerne erzählen würde. Das gewöhnliche Teenagerleben halt: Wer will ich sein? Wer liebt mich? Wen liebe ich? Wie fühlt es sich an, groß zu werden?

Und wenn du dann in ein paar Jahren zurückschaust auf deinen Weg, was wäre für dich der schönste Moment – der erste eigene Song im Radio, ein volles Konzert oder etwas ganz anderes?
Tatsächlich der erste erfolgreiche Song – ein Song, der wirklich ankommt bei den Leuten, die den fühlen und damit relaten können. Ich glaube, das wird für mich dieser „I made it“-Moment sein, wie man ihn manchmal sieht, wenn Künstler auf der Bühne Tränen in den Augen haben, weil sie hören, wie die Fans mitsingen.

Ich kann mir vorstellen, dass du für viele deiner Fans schon jetzt ein Star bist. Was bedeutet das Wort für dich persönlich
Verantwortung, weil man als Star ganz viel Reichweite hat und sie gut nutzen sollte. Und Vertrauen, weil Leute dir Vertrauen schenken und du ihnen in den Songs auch persönliche Dinge anvertraust.

Würdest du gerne als Star bezeichnet werden oder eigentlich lieber nicht?
Ich wäre schon sehr gerne ein großer Star. Also wahrscheinlich viel schneller, als meinen Eltern das lieb wäre. Wenn ich zum Beispiel daran denke, irgendwann mal Stadien zu füllen – das fühlt sich magisch an. Und dieser ganze Prozess bis dahin ist, glaube ich, die wertvollste Zeit.

War denn The Voice Kids früher für dich das Größte, das dir vorstellen konntest?
Nein, das war schon immer ein größerer Traum. The Voice Kids war aber dieses Puzzleteil, das genau gepasst hat, um schon so einen großen Schritt an diesen Traum heranzukommen. Ich meine, es wird ja jetzt immer realer. Ich bin schon im Fernsehen, darf bald meinen ersten Song herausbringen und dann kann es ja eigentlich schon soweit sein. Dann kommst du in vier Monaten wieder hierher und auf einmal erzähle ich dir „Letzte Woche war mein Song in den Charts“. Das klingt jetzt sehr surreal, aber das geht ja alles unfassbar schnell und manchmal rechnet man gar nicht damit.

Welchen Rat gibst du dir selbst mit auf deinen weiteren Weg?
Zeit lassen für alles. Weil es ging jetzt wirklich alles sehr schnell und mir macht das unfassbar viel Spaß. Das ist das, wofür ich brenne. Aber ich darf auch mal Pause machen. Ich darf auch Nein sagen und auf ein Angebot verzichten. Ich darf einfach ich sein. Ich bin ja gerade mal fünfzehn. Und auch, wenn andere in meinem Alter schon eigene Songs haben, kann ich mir damit Zeit lassen und warten, bis der Zeitpunkt für mich richtig ist. Weil das ist das Wichtigste: Dass man auf sich selbst hört und sich nicht hetzen lässt. Lieber langsam und gut als schnell und schlecht.

Unkraut wächst schnell. Eine Rose lässt sich Zeit.


Das ist ein schöner Schlusssatz. Danke, Neo!


Vertrau nicht jedem! Vertrau dir selbst :)

– Neo

Topic Interview

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