Ich traf mich letztes Jahr mit einer Freundin, die am Vorabend auf eine Party in einem Club gegangen war, und als ich sie fragte, wies gewesen war, sagte sie leichthin, sie sei fertig mit Partys, einfach komplett und für immer.
In dem Moment wusste ich: Mein Gott, ich bin auch fertig mit Partys, komplett und für immer. Und, was für eine Offenbarung das war: Ich darf das. Ich muss nicht versuchen, Partys gut zu finden, weil ich sie theoretisch gut finde, oder weil ich irgendwelche alten Selbstbilder oder moralische Werte damit verknüpfe. Ich kann Partys einfach aus meiner Lebenswelt streichen. Und dann dachte ich: Mit welchen Dingen ich das wohl noch machen kann?!
Top 10 Dinge, die ich mögen will und sollte, aber mit denen ich einfach nichts anfangen kann und vielleicht ist das okay
Partys
Wenn man unter 35 ist und nüchtern wird, wollen ständig Leute wissen, ob man noch feiern gehen kann. Und wie man das macht, wenn man nicht mehr trinkt, und ob es immer noch genau so gut ist wie früher, oder ob dieser Teil des Lebens nun unwiderruflich vorbei ist. Die Frage ist bedeutungsschwanger, weil feiern gehen in diesem Zusammenhang das Synonym für Spaß, Sex, Jugend, Gemeinschaft, Freundschaft, Freizeit und Lebensfreude ist.
Für mich war recht schnell klar: Ja, Partys sind für mich over. Partys machen für mich ohne Drogen und Sex mit Fremden in dunklen Ecken in Wirklichkeit nicht mehr besonders viel Sinn. Nüchtern habe ich keine Lust, mit nach Bier und Schnaps stinkenden und/oder sonstwie highen Leuten in irrsinnig lauten Umgebungen unterkomplexes Zeug zu brüllen und ewig in der Schlange zur Bar oder der Schlange zum Klo zu stehen. Ohne Betäubung bin ich zu empfindlich für die ganzen brutalen Sinnesreize, die auf einer Party auf mein zartes Nervensystem einprügeln. Ich fühle mich wie eine Verräterin am Spaß, wenn ich mit klarem Kopf daneben stehe, während andere Leute eskalieren, ich hasse das Gefühl, gegen meinen Willen ihre unschuldigen Freuden zu verurteilen, aber um sie nicht zu verurteilen, müsste ich genauso knallvoll sein wie sie, und außerdem bin ich ab Mitternacht einfach wirklich, wirklich müde.
Babys
Als Frau kann es schnell passieren, dass man sich wie ein komplettes Monster vorkommt, wenn man es nicht schafft, Babys niedlich oder interessant zu finden. Ich bin immer noch nicht frei davon. Manchmal komme ich mir vor wie ein Monster, aber es ist die Wahrheit: Ich finde Babys weder besonders niedlich noch besonders interessant. Ich finde ehrlich gesagt, sie sehen meistens aus wie etwas, was David Lynch sich ausgedacht hat. Mir erscheint es wie eine große kollektive Ablenkungskampagne, dass niemand je ausspricht, was doch so offensichtlich ist: Verglichen mit einem guten Buch ist ein Baby ungefähr so interessant wie die Meinung von Felix Lobrecht zum Feminismus, verglichen mit einem einem Hundewelpen ist ein Menschenbaby ungefähr so niedlich wie ein Eimer Mulch.