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Restschuld im Looping – Satiren aus dem Alltag mit Sicherheitsbügel

Bausparer, Butter-Nudeln und andere Überlebensstrategien

Foto Sebastian Heeg

Das Leben, so heißt es, sei eine Reise. Romantische Vorstellung – aber wenn wir ehrlich sind, ist es doch eher eine Achterbahn.

Langsames Rattern nach oben, Herzklopfen, kurze Aussicht von oben – und dann der Sturz ins Unkontrollierbare, Loopings, Schwindel, und am Ende steigt man zitternd aus und fragt sich: Wie habe ich das eigentlich überlebt?

Konstant bleibt dabei erstaunlicherweise selten das Glück, die Liebe oder gar die Gesundheit. Nein – die wahren Konstanten heißen: Hausdarlehen, Bausparvertrag, Versicherungen. Sie halten uns wie der Sicherheitsbügel im Wagen fest. Stramm, unbeirrbar, fast erstickend. Ein groteskes Konstrukt, das wir brav „Planung“ nennen und das sich über Jahrzehnte zieht wie Kaugummi am Schuh.

Und dann sitze ich da, während mein Teenager gegenüber vom neuesten YouTuber erzählt, von Anime-Charakteren und Songs, die ich nicht mal googeln möchte, weil ich mich dann wirklich alt fühlen würde. Seine Welt ist eine andere: grenzenlos, ohne Ordner, ohne Umschuldungspläne. Poren-Atmer, Freigeist, völlig unbeeindruckt von Restschuld und Zinsbindung.

Und ich denke: Ja, so war ich auch mal. Weniger Anime, mehr Bravo und MTV – aber genauso viel Musik im Kopf und genauso wenig Angst vor der Zukunft. Kinder sind in solchen Momenten der gnadenloseste Spiegel: Sie erinnern uns daran, dass Leben nicht zwangsläufig mit Excel-Tabellen beginnt, sondern mit Träumen, Ohrwürmern und dem Gefühl, unbesiegbar zu sein.

Und so plätschert das Leben manchmal dahin, linear, fast einschläfernd. Alles wirkt berechenbar: Raten, Versicherungen, Bausparer – wie das monotone Rattern einer Bahn, die keine Überraschungen mehr kennt. Ein bisschen öde, ein bisschen beruhigend.

Und dann – zack! – sitzt du da, bist taub und hörst nix. Einfach so. Kein sanfter Übergang, kein „Achtung, jetzt kommt die nächste Kurve“, sondern ein Sturz ins Bodenlose. Meine persönliche Achterbahn hatte beschlossen, den Looping ohne Vorwarnung einzubauen – und ich war plötzlich der Fahrgast im Wagen ohne Sicherheitsbügel.

Nach der zweiten OP hatte ich einen Bluterguss, der Richtung Auge lief. Sah blöd aus, tat aber nicht weh

Manchmal frage ich mich mit schwarzem Humor, ob mein Gehör vielleicht absichtlich den Dienst quittiert hat, just in dem Moment, als beide Kinder ins Teenager-Zeitalter rutschten. Ich weiß, das ist böse formuliert. Aber wenn man sich das Spektrum aus YouTubern, Anime-Charakteren und den neuesten Hits in Dauerschleife anhört, könnte man beinahe …

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