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Vom flüchtigen Überfliegen und der plötzlichen Erhebung zur intellektuellen Elite

– eine kleine Moritat über Eitelkeit, E-Mail und ein sehr beleidigtes Wiesel

Es gibt jene Momente im Leben, die sich zunächst wie ein leiser Triumph ankündigen – beinahe zärtlich, fast promissorisch –, nur um sich Sekunden später als elaboriert verpackte Peinlichkeit zu entpuppen. Man kennt das. Oder man kennt es fortan.

Ich hatte mich also testen lassen. Nicht aus koketter Neugier, sondern aus einer Mischung aus maternaler Verantwortung und latenter, über Jahre insistierender Ahnung: Da ist etwas. Dieses Oszillieren zwischen Hyperfokus und kompletter Zerstreuung, zwischen brillanter Gedankenschärfe und dem Verlust des Fadens irgendwo zwischen Teekanne und Kühlschrank – es hatte schließlich einen Namen verdient.

Und so trat sie ein, die Diagnose: ADHS, mittelgradig.

Ein Etikett, das sich weniger wie eine Überraschung anfühlte als vielmehr wie eine verspätete Fußnote zu meinem bisherigen Leben.

Doch damit nicht genug.

Im Zuge dieser diagnostischen Expedition flatterte eine E-Mail ein. Eine dieser vorab informativen persönlichen Mitteilungen, die man – und hier beginnt bereits die Tragikomödie – lediglich überfliegt.

Überfliegen ist übrigens ein zutiefst ambivalentes Verb: Es suggeriert Effizienz, ist jedoch in Wahrheit oft nur die elegante Schwester der Fahrlässigkeit.

Ich also, souverän, routiniert, nahezu staatsmännisch in meiner digitalen Korrespondenz: Weiterleiten.

Ein Klick. Ein Akt. Ein Schicksal.

Wenig später erreichte mich eine Nachricht, deren Inhalt mich kurzzeitig in eine andere Sphäre katapultierte:

„Freu dich – du bist klüger als 99 % der Menschen.“

Stille.

Ein inneres Innehalten.

Die Büffelin hob gemessen den Kopf.

Das Wiesel hingegen begann bereits, sich in epistemologischer Selbstüberschätzung zu suhlen.

Ich?

Ich war irritiert. Und zwar nicht in der charmanten, leicht errötenden Weise, sondern in jener tief sitzenden, fast schon ontologischen Verwunderung, die sich einstellt, wenn die Realität plötzlich einen unerwarteten Haken schlägt.

Also tat ich, was man in solchen Momenten tun sollte – und was ich vorher offensichtlich versäumt hatte: Ich las. Gründlich.

Und wie gründlich ich las. Vergleichend. Analytisch.

Und siehe da:

Ein kleiner, beinahe unscheinbarer Fehler hatte sich in die Kommunikation eingeschlichen. Eine Zahl, ein Kontext, ein Bedeutungsfragment – verschoben, verzerrt, konfabuliert durch die eigene Flüchtigkeit.

Aus einer nüchternen, fachlich soliden Aussage wurde – durch ein Missverständnis – eine intellektuelle Apotheose. (bezeichnet die Erhebung eines Menschen zum Gott oder Halbgott)

Ein kurzer Moment zwischen Stephen Hawking und… nun ja… dessen hypothetischem Schäferhund.

Man verzeihe mir das Bild. Es drängt sich auf.

Das Wiesel?

Es sitzt nun in einer Ecke, exponiert in seiner eigenen Hybris, und erwägt ernsthaft, sich selbst in den pelzigen Wieselhintern zu beißen.

Die Büffelin hingegen kaut stoisch weiter – sie wusste es vermutlich ohnehin.

Und ich?

Ich senke mein Haupt in einer Mischung aus Selbstironie und leiser Beschämung. Nicht, weil ein Fehler geschah – Fehler sind menschlich, ja beinahe konstitutiv für Erkenntnisprozesse –, sondern weil er öffentlich wurde, bevor er innerlich überprüft war.

Die eigentliche Lektion liegt also nicht in der Diagnose. Nicht im IQ. Nicht einmal im Missverständnis selbst.

Sondern in dieser feinen, oft übersehenen Differenz zwischen Wahrnehmen und Verstehen, zwischen Lesen und Begreifen, zwischen einem schnellen Klick und einer bewussten, prüfenden Zuwendung.

Oder, um es weniger akademisch und etwas wieselhafter zu formulieren:

Vielleicht sollte man E-Mails lesen, bevor man sie weiterleitet.

Ein Gedanke, so simpel, dass er fast schon wieder genial ist.

Und nun entschuldigt mich – ich gehe mein Wiesel trösten.

Es hat heute einen schweren Tag.

Und du?

Hattest du je einen dieser Momente, in denen du dich kurzzeitig für außergewöhnlich hieltest – nur um dann mit sanfter Wucht wieder auf dem Boden der Tatsachen zu landen?

Bleibt's xund, eure Frau Kruemelkuchen

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