Passa al contenuto principale

Zwischen zwei Ohren und einer gehörigen Portion Leben

Eine kleine Hörchronik aus der Perspektive einer Frau, ihres Wiesels und einer bemerkenswert stoischen Büffelin

Es gibt Lebensläufe, die verlaufen geradlinig.

Und dann gibt es jene, die sich eher wie ein akustisches Experiment lesen – mit Unterbrechungen, Umleitungen, technischen Interventionen und einem Gehirn, das in stoischer Beharrlichkeit versucht, aus all dem eine halbwegs kohärente Klanglandschaft zu komponieren.

Mein eigener Weg gehört unzweifelhaft zur zweiten Kategorie.

Es gab eine Zeit – sie wirkt rückblickend beinahe nostalgisch –, da war ich Hörgeräteträgerin.

Ein Hörgerät links, eines rechts. Technik am Ohr. Verstärkung. Anpassung. Der Versuch, die Welt ein wenig lauter zu drehen, damit Gespräche, Schritte, Stimmen und das Rascheln des Alltags nicht im diffusen Hintergrund verschwanden.

Das funktionierte.

Nicht perfekt – aber ausreichend.

Dann kam die einseitige Taubheit.

SSD, sagen die Fachleute. Single Sided Deafness.

Ein Begriff, der klinisch klingt, beinahe elegant in seiner Abkürzung – und doch beschreibt er etwas sehr Konkretes: Eine Hälfte der akustischen Welt verschwindet.

Von diesem Punkt an wurde mein Leben audiologisch interessanter.

Ich bekam ein Cochlea-Implantat auf der einen Seite und trug weiterhin ein Hörgerät auf der anderen.

Bimodales Hören nennen das die Expertinnen und Experten.

Ein schönes Wort, das suggeriert, hier würden zwei Systeme harmonisch miteinander kooperieren.

Mein inneres Wiesel kommentierte diese Phase allerdings eher trocken:

„Harmonisch? Wir nennen das hier oben Synapsen-Gulasch.“

Denn bimodales Hören bedeutet in Wahrheit: zwei komplett unterschiedliche Signalwelten im Kopf zusammenzubringen.

Das Hörgerät verstärkt Schall.

Das Cochlea-Implantat übersetzt ihn in elektrische Impulse.

Das Gehirn sitzt dazwischen wie ein überforderter Dirigent und versucht, aus zwei Orchestern, die in unterschiedlichen Tonarten spielen, eine Symphonie zu machen.

Die Büffelin – mein inneres Gegenüber von stoischer Gelassenheit – nickte in solchen Momenten meist nur ruhig.

„Geduld“, sagte sie.

„Das Gehirn kann mehr, als das Wiesel glaubt.“

Und tatsächlich: Das Gehirn kann viel.

Es lernt.

Es sortiert.

Es experimentiert.

Doch meine Hörgeschichte war noch nicht fertig geschrieben.

Weitere Hörstürze kamen.

Und irgendwann verstummte auch das Ohr, das bislang vom Hörgerät unterstützt worden war.

Von diesem Moment an musste mein rechtes Cochlea-Implantat alleine arbeiten.

Mein Hörlibert.

Ein einziges technisches Ohr für eine ganze Welt.

Wer nie mit nur einer versorgten Seite gehört hat, kann sich kaum vorstellen, wie eigenartig dieser Zustand ist.

Geräusche existieren – aber sie haben keine Richtung.

Stimmen tauchen auf – aber man weiß nicht genau, woher.

Der Raum verliert seine Tiefe.

Das Wiesel fand diese Phase unerquicklich.

„Wir hören jetzt also mono. Wie ein altes Küchenradio.“

Die Büffelin blieb gelassen.

„Mono ist auch ein Klang.“

Und so vergingen anderthalb Jahre.

Anderthalb Jahre, in denen mein rechtes Implantat mein einziges Fenster zur akustischen Welt war.

Anderthalb Jahre Training. Anpassung. Geduld.

Bis schließlich auch die linke Seite ein Cochlea-Implantat bekam.

Hörmine.

Ein Name, der gleichzeitig ein wenig nach technischer Präzision und nach liebevoller Zuneigung klingt – und der für mich inzwischen zu einem festen Bestandteil meines Alltags geworden ist.

Heute höre ich mit zwei Cochlea-Implantaten. (Bilaterale CI Versorgung)

Wenn ich zurückblicke, sehe ich nicht nur medizinische Stationen.

Ich sehe Erfahrungsräume.

Ich weiß, wie es ist, mit Hörgeräten

0 commenti

Vuoi essere la prima persona a commentare?
Abbonati a Frau_Kruemelkuchen, Diana - hört! Oder doch nicht? - e avvia una conversazione.
Sostieni