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Meer-Montag #49 - Vorbild und Pionierin Rachel Carson

Eines meiner Ziele in diesem Jahr war es, mehr nach Frauen im Natur- und Umweltschutz zu suchen und Neues über sie zu erfahren. Natürlich stieß ich schnell auf den Namen Rachel Carson, der mir schon zuvor in einigen Büchern begegnete. Letztendlich habe ich es nicht geschafft, so tief ins Thema einzutauchen wie ich ursprünglich geplant hatte. Trotzdem möchte euch heute etwas über Rachel Carson erzählen und euch dazu einladen, den Fokus auf weiblich sozialisierte Wissenschaftler*innen und Autor*innen zu legen, um ihnen mehr Sichtbarkeit zu verschaffen.

Rachel Carson (1907–1964) war eine US-amerikanische Meeresbiologin, Autorin und eine der wichtigen Stimmen der frühen Umweltbewegung. Sie wuchs in Pennsylvania auf und entwickelte schon früh eine Leidenschaft für die Natur und das Schreiben. Und obwohl sie erst mit Anfang zwanzig zum ersten Mal das Meer sah, war sie schon vorher fasziniert von ihm. Von ihrer Mutter (die nach der Heirat per Gesetz nicht mehr als Lehrerin arbeiten durfte) dazu animiert und darin unterstützt, streifte Rachel als Kind täglich durch die Natur und die Wälder, die ihr eher einfaches Zuhause umgaben. Ihre Erlebnisse verarbeitete sie in eigenen Geschichten und Texten für eine Kinderzeitschrift. Im Gegensatz zu ihren beiden älteren Geschwistern konnte Rachel dank Stipendien eine weiterführende Schule und anschließend sogar das Pennsylvania College for Women besuchen. Ihr Studium zog sich jedoch in die Länge, da sie zeitweise Haupternährerin für ihre Eltern und Geschwister war und mit mehreren Jobs Geld verdienen musste. Diese Pflicht und das gemeinsame Wohnen in einem Haushalt schützten die Studentin allerdings vor Forderungen nach Heirat und Familiengründung und hatten somit wahrscheinlich ihren Anteil daran, dass Rachel Carson berufliche Türen geöffnet blieben.

Nach ihrem Biologiestudium arbeitete sie zunächst für den U.S. Fish and Wildlife Service (die Aufgabe dieser Behörde ist die Erhaltung der Natur und ihrer Artenvielfalt in den Vereinigten Staaten), wo sie wissenschaftliche Erkenntnisse einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machte, indem sie Skripte für eine Radiosendung über das Leben im Ozean schrieb. Sie verband ihr biologisches Wissen, ihre Faszination für das Meer und ihre Leidenschaft für das Schreiben und verfolgte diese Weg immer weiter. Einer ihrer Texte wurde von ihrem Vorgesetzten jedoch abgelehnt: er empfand ihn als zu gut und riet ihr, diesen Text einer Zeitschrift zu senden. Dort wurde er tatsächlich veröffentlicht und erregte das Interesse eines Verlags, der Rachel Carson anbot, ein ganzes Buch zum Thema Ozean zu schreiben. Drei Jahre später, im Jahr 1941 erschien Under the Sea-Wind. Ihm folgten zwei weitere Bücher über das Meer: The Sea Around Us (das in den USA 50 Wochen lang auf der Bestsellerliste der New York Times verweilte) und The Edge of the Sea. Doch weltweite Bekanntheit bis in die heutige Zeit erlangte sie erst 1962 mit ihrem letzten Werk Silent Spring (Der stumme Frühling), einem Buch, das die ökologischen Schäden durch den Einsatz von Pestiziden im Allgemeinen und DDT im Besonderen thematisierte. Carson zeigte, wie diese Chemikalien sich in der Umwelt anreichern, Nahrungsketten stören und sowohl Tiere als auch Menschen gefährden. Trotz heftiger Kritik seitens der Chemieindustrie löste Carson damit einen gesellschaftlichen Umdenkprozess aus und trug wesentlich zur Entstehung moderner Umweltpolitik bei. Sie starb 1964 an Krebs, gilt jedoch bis heute als Pionierin des Naturschutzes und als eine der einflussreichsten Umweltaktivistinnen des 20. Jahrhunderts.

Rachel Carson ist für mich nicht nur eine spannende Person aufgrund ihrer Bedeutung für den Umweltschutz, ihre Begeisterung für den Ozean und ihren Erfolg, Begeisterung zum Beruf zu machen. Auch ihr Privatleben, über das nur wenig bekannt ist, war ihrer Zeit voraus. Mit Mitte vierzig kaufte sie sich ein Haus mit kleinem Waldgrundstück am Meer und lernte dort die verheiratete Frau Dorothy Freeman kennen. Ab 1953 schrieben sie sich elf Jahre lang Briefe während sie 600km von einander entfernt lebten und verbrachten die Sommer als Nachbarn an der Küste, wo sie ausgedehnte Exkursionen unternahmen. Viele der Briefe wurden noch vor Rachels Tod von den beiden vernichtet. Die Gefahr, dass jemand sie als queer verdächtigen könnte, war zu groß. Doch etwa 750 dieser Briefe, die zwischen 1952 und 1964 geschrieben wurden, wurden von Dorothys Enkeltochter Martha Freeman als Buch unter dem Titel Always, Rachel herausgebracht und zeigen, dass die beiden Frauen wahrscheinlich mehr als Brieffreundinnen waren und auch eine romantische Beziehung miteinander führten.

Rachel Carson hat nicht das gemacht, was zu ihrer Zeit von Frauen erwartet und gefordert wurde. Sie hat es mit großer Hilfe ihrer Mutter geschafft, trotz Armut einen hohen Grad an Bildung zu erfahren, hat gleichzeitig studiert und für ihre Familie gesorgt. Hat einen Platz gefunden, an dem sie mit ihrem Wissen und ihrem Talent dazu beitragen konnte, wissenschaftliche Erkenntnisse niederschwellig zu verbreiten. Und lebte am Ende mit ihrer Liebe am Meer und konnte vom Schreiben leben. Ich finde diese Lebensgeschichte aus so vielen Perspektiven spannend und inspirierend. Sie zeigt, das ziemlich viel möglich ist, wenn wir uns trauen, von ausgetretenen Wegen abzuweichen. Und vielleicht klingt es kitschig aber für mich ist Rachel Carson ein Vorbild dafür, dass man Begeisterungen nachgehen und Träume auch mit nur wenig Privilegien wahr werden können.

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Bücher über Rachel Carson:

Dieter Steiner - Rachel Carson, Pionierin der Ökologiebewegung, 2014

Charlotte Kerner - We are Volcanoes, Die Ökovisionärinnen Rachel Carson, Lynn Margulis, Donna Haraway, 2024

Theresia Graw - In uns der Ozean, 2025

u.v.m.

Rachel Carsons Werke:

- Under the Sea-Wind (auf deutsch als “Unter dem Meerwind” erschienen)

- The Sea Around Us (auf deutsch als “Geheimnisse des Meeres” erschienen)

- The Edge of the Sea (auf deutsch als “Am Saum der Gezeiten” erschienen)

- Silent Spring (auf deutsch als “Der stumme Frühling” erschienen)

- Man’s War Against Nature

- The Sense of Wonder (auf deutsch als “Magie des Staunens” erschienen)

Argomento Meer-Montag

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