👋 Hallo ihr Lieben,
Ich bin im Urlaub und daher kann ich im August keine frische Folge produzieren, aber ich arbeite auch in der Sommerpause an den nächsten Folgen im Herbst. Es wird um Rape-Tropes in Filmen gehen, um female Body-Horror und um Romantasy-Bücher.
Falls du weißt, warum im Fantasy-Genre immer von einer mittelalterlich-patriarchal-autokratischen Gesellschaftsform ausgegangen wird oder wenn du Gegenbeispiele progressiver/feministsicher Fantasy-Romane kennst, schreib mir bitte an: verbittert-mail@web.de 🧐
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Hier sind meine Feministischen-Tipps des Monats:

In diesem Jahr habe ich zum ersten Mal die re:publica besucht. Zwei Vorträge haben mich besonders beschäftigt und besorgt:
re:publica 25: 🔗 Anne Brorhilker – Betrug als Business: Wie uns Finanzkriminelle überlisten (Si apre in una nuova finestra)
Die CUM-EX Staatsanwältin Anne Brohrhilker hat auf der diesjährigen re:publica über Steuerkriminialität als Businessmodell gesprochen:
100Mrd € – Das ist der geschätzte Schaden, der in Deutschland jedes Jahr durch Steuerhinterziehung entsteht. Das sind 270 Mio € pro Tag.
Anne Brohrhilker will mit der Bewegung Finanzwende e.V. aufklären, warum der Staat nichts dagegen tut und wie die Finanzlobby die öffentliche Wahrnehmung und Stigmaitisierung von Steuerverbrechen steuert.
Durch strategische Rechtskommunikation wird Finanzbetrug verharmlost und somit weitgehend unterschätzt.
Künstliche Verkomplizierung soll öffentliche Debatte verhindern.
Täter-Opfer-Umkehr → „Der Staat verlangt zu viele Steuern.“
Mit Narrativen und Mythen wie. „Das ist alles viel zu kompliziert.“ , „Da werden nur Grauzonen im Steuergesetzgebung ausgeschöpft.“ und „Der Staat greift sowieso zu stark in die Taschen hart arbeitender Bürger:innen.“ wird Steuerkriminialität zu einem Kavalirsdelikt verharmlost. Was wir vor allem brauchen ist die soziale Ächtung von Finanzbetrug!
Dem Staat Steuern vorzuenthalten oder sogar zu rauben ist nicht nur eine Straftat, es führt auch zu mehr Spaltung in der Gesellschaft. Wenn Steuerzahler:innen Geld geklaut wird, das eigentlich im Haushalt benötigt wird, bereichern sich einige wenige auf Kosten aller. Steuerkriminalität ist demokratiezersetzend, weil Geld in Sozialkassen, Bidlungs- und Gesundheitswesen, Energie-Verkehr-und Klimawende fehlt und Ministerien zum sparen aufgefordert werden.
So unangenehm mir das Thema Banken, Geld und Finanzgeschäfte ist, die Finanzwende ist auch ein feministisches Thema, das wir nicht aus den Augen verlieren sollten.

In der ZDF-Serie Die Cum-Ex-Affäre geht es um den Steuerdiebstahl internationaler Banken, der von 2012 – 2019 von der Kölner Staatsanwältin Anne Brohrhilker hartnäckig verfolgt wurde.
Die Serie ist eigentlich keine feministische Serie im engeren Sinne, aber sie lässt sich durchaus unter feministischen Gesichtspunkten gucken.
Zum Beispiel gibt es sehr spannende und ungewöhnliche weibliche Charaktere, die bewusst oder unbewusst den emotional verwahrlosten männlichen Spekulanten gegenüberstehen. In diesem Spannungsverhältnis wird auch Sexismus verhandelt.

re:publica 25: 🔗 Roland Meyer – Generative KI und die Ästhetik des digitalen Faschismus (Si apre in una nuova finestra)
„Generative KI ist kein politisch neurales Werkzeug, sondern eingebunden in ein politischen Projekt des rücksichtslosen Extraktivismus [Anm. Ausbeutung] und der schrankenlosen Expansion.“
Der Medienwissenschaftler Roland Meyer vertritt die These: Generative KI folgt einer rechten Denklogik – und trägt faschistische Züge.
1. Rechte Fantasien
Konservative und Rechte nutzen KI für ihre Narrative. Gefühlte (alternative) Realitäten werden instrumentalisiert um rassistische Stereotype zu reproduzieren.
2. Nostalgiemaschinen
KI schöpft ausschließlich aus der Vergangenheit. Damit verstärkt sie bestehende Muster – genau wie rechte Ideologien, denn sie beziehen sich ja auch auf eine künstlich wiederhergestellte Vergangenheit, die es so niemals gab – Stichwort: Re-Traditionalsierung.
3. Klischeeverstärker
KI lernt von menschlichen Geschmacksurteilen – aber wessen Geschmack? Wer definiert, was als „schön“ gilt? Wie eine Mutter aussieht, ein CEO, ein(e) Wissenschaftler(in) oder Pflegekraft?
Spoiler: Meistens orientiert sich KI an sexistischen, normschönen, weißen und rassistischen Prägungen.
4. Kann KI auch links sein?
Nein, sagt Roland Meyer. Denn KI basiert auf Ausbeutung – von natürlichen Ressourcen und von Menschen. Serverfarmen brauchen Platz, Wasser, Strom und ihre Expansion weist bereits neokoloniale Merkmale auf. (→ 🔗 Wieviel Wasser vebraucht KI? (Si apre in una nuova finestra))
Mit diesem Wissen frage ich mich selbst: Ist es eigentlich okay, eine neokoloniale Technologie zu nutzen, um Bilder für diesen Newsletter zu generieren?
Was denkst du? 📢 Schreib mir gern an: verbittert-mail@web.de (Si apre in una nuova finestra)

In meiner 🔗 Youtube-Playlist (Si apre in una nuova finestra)habe ich noch weitere spannende Talks der re:publica 25 zusammengestellt:
Natascha Strobl - Vom Schwarzhemd zu TikTok. Postmoderner Faschismus (Si apre in una nuova finestra)
Maja Göpel – Reaktionär. Generationen, Zeitgeister und Zukunft (Si apre in una nuova finestra)
Ingrid Brodnig – Desinformation je nach Generation (Si apre in una nuova finestra)
Bleibt unbequem. Eure Susi!
🎧 Im August gibt es einen Re-Upload von Folge 18. 🔨 Not am Mann – Müssen Feministinnen handwerkern können? (Si apre in una nuova finestra) (Ich finde, ja!)