Bevor wir in diese Ausgabe starten, muss ich eine Leserin zitieren…
… vermutlich bin ich nicht die erste, die dir schreibt - verspeist wohl eher ein Sperber eine Taube. Wobei so ein einzigartiger räuberischer Wiedner Sperling dann vielleicht eine neu entdeckte Art wäre… ;-)
… und korriere sogleich an dieser Stelle: In der letzten Ausgabe über “Analoge Vögel” (Si apre in una nuova finestra)waren meine Finger schneller als der Kopf. Aus einem Sperber wurde ein Sperling. Ich bitte um Entschuldigung für diesen Dreher.
Kommen wir nun zur heutigen Ausgabe:
Text: Ylvie Veramo.
Unter einem klassischen Sonntag stelle ich mir Sonne, Kaffee und Spazierengehen vor. Heute passiert aber etwas anderes. Denn es ist der 8. März. Also Weltfrauentag. Hervorgegangen aus politischem Wiederstand. Als am 8. März Frauen für ihr Wahlrecht auf die Straße gingen.
Die “Arbeiter-Zeitung” berichtete von mehr als 20.000 anwesenden Teilnehmerinnen auf der Ringstraße. Bald wurde dieser Tag als Internationaler Frauentag gefeiert.
Das bedeutet: Im Jahr 2026 feiern wir den 115. Internationalen Frauentag.

Es mussten nach den Streiks noch einige Jahre vergehen, bis Frauen wählen durften. Im Oktober 1918 bürgerliche und sozialdemokratische Frauenvereine eine gemeinsame Petition an die Nationalversammlung. Nur kurze Zeit später, am 12. November. 1918 beschloss man die “Zuerkennung des aktiven und passiven Wahlrechts an alle volljährigen StaatsbürgerInnen ohne Unterschied des Geschlechts”.
Und wofür steht der 8. März heute?
In der Wiener Staatsoper werden heute rund 2.000 Frauen feiern. Bei „RISE! – Women’s Voices for Change“ (Si apre in una nuova finestra)wird das Opernhaus am Ring zur Bühne für weibliche Stimmen und Zusammenhalt.
Künstlerinnen aus unterschiedlichen Genres stehen gemeinsam auf der Bühne, angeführt von prominenten Sängerinnen und Musikerinnen wie Christina Stürmer, Lidia Baich, VAZISTA und vielen, vielen mehr.

Wir wollten wissen, wie man Frau so eine Veranstaltung auf die Beine stellt:
Die Idee sei entstanden, „weil wir gemerkt haben, wie viel Mut, Kraft und Zusammenhalt in Singing Circles steckt. Das sind gemeinsame Singtreffen.“, erzählt Christina Kaiser, die die Veranstaltung gemeinsam mit Christine Klimaschka und dem Verein MADITA initiiert und umgesetzt hat.
Innerhalb weniger Monate wurde das Konzept aufgebaut, Sponsoren wie UNIQA, VERBUND oder Raiffeisen eingebunden und Künstlerinnen gewonnen. Die Staatsoper sei lange ein Traum gewesen.
Der gesamte Erlös des Abends geht an drei ausgewählte Caritas-Projekte: das *peppa Mädchenzentrum (Si apre in una nuova finestra), Mutter-Kind-Häuser und Sozialberatungsstellen.
„RISE! soll nicht nur Symbolik bleiben. Die Einnahmen können für diese Einrichtungen wirklich etwas verändern“, sagt Kaiser.„Auch 2026 brauchen wir noch solche Initiativen, weil es notwendig ist, dass wir unsere Stimmen für jene erheben, die keine haben. Noch immer werden viele Frauen nicht gehört – im Beruf, in Beziehungen, in der Öffentlichkeit. Die, die eine Stimme haben, sollten sie nutzen. Dieses Verbindende zwischen Frauen gibt so viel Mut und Stärke.“
Dass das Konzert ausverkauft ist, überrascht kaum. Wer keinen Platz im Saal hat, kann die Veranstaltung live um 11 Uhr auf ORF III mitverfolgen (Si apre in una nuova finestra).
Abseits der großen Bühne passiert an diesem Sonntag in Wien noch einiges mehr. Die dritte Wiener Frauenwoche läuft, das Rathaus ist offen, der Eintritt frei, das Programm breit: über 200 Veranstaltungen wie Führungen, Ausstellungen und Gespräche (Si apre in una nuova finestra).
Und dann ist da noch die Straße.
Viele, vor allem junge Generationen bezeichnen den 8. März als “feministischen Kampftag”. Denn für sie ist dieser Begriff bewusst inklusiver als “Weltfrauentag” und inkludiert auch FLINTA* Personen (Frauen, Lesben, Intergeschlechtliche, Nichtbinäre, Trans* und Agender Personen).
Am frühen Nachmittag versammeln sich Demonstrierende zu eben diesem:
Sonntag, 14:30 Uhr
Bei „Take back the streets“ zieht der Demozug ab 14:30 von der Stadthalle Richtung Heldenplatz.
Sonntag, 15:00 Uhr
Außerdem startet um 15 Uhr im Helmut-Zilk-Park die Demonstration „Heraus zum feministischen Kampftag“.
Montag, 14:00
Am Montag folgt der „ENOUGH!“-Streik mit einer Protestaktion vor dem Parlament um 14 Uhr.
Apropos Parlament: Am Samstag fand die ersten von Männern initiierte Demonstration gegen Gewalt an Frauen statt. Wir haben einige Teilnehmer*innen befragt und in einem kurzen Instagram-Beitrag zusammengefasst. (Si apre in una nuova finestra)
[AR]TWALK Favoriten – Relaunch
Ein Hörspaziergang durch Favoriten, bei dem Kunst, Journalismus und Technologie zusammenkommen. Beim [AR]TWALK erkundet ihr den 10. Bezirk mit Smartphone und Kopfhörern: Interviews, Soundcollagen und Augmented-Reality-Kunstwerke erzählen Geschichten von Bewohnerinnen, Jugendlichen und Arbeiterinnen – jenseits der üblichen Schlagzeilen über Favoriten. Die Route führt durch Straßen, Märkte und Parks rund um den Reumannplatz und macht den Bezirk zu einer begehbaren Bühne voller Perspektiven.
Treffpunkt ist beim Eissalon Tichy am Reumannplatz. Mitbringen müsst ihr nur ein aufgeladenes Smartphone, Kopfhörer und etwas Neugier.
Bis zur nächsten Ausgabe wünsche ich dir eine gute Zeit!
Liebe Grüße,
Alexandra Folwarski
Herausgeberin Wiener Flâneur