Saltar para o conteúdo principal

Was ich unter Resonanz bei Neurodivergenz verstehe

Eine resonanzdynamische Sicht auf ADHS, Autismus und AuDHS

Willkommen im Spektrum,

wenn ich über ADHS, Autismus oder AuDHS spreche oder poste, merke ich immer wieder: Die klassischen Begriffe reichen oft nicht aus.

Unaufmerksamkeit.
Impulsivität.
Reizüberflutung.
Spezialinteressen.
Stimming.
Masking.
Meltdown.
Shutdown.
Burnout.

Das sind wichtige Begriffe. Aber sie beschreiben oft nur, was von außen sichtbar wird.

Mich interessiert zunehmend die Frage darunter:

Was passiert eigentlich im Nervensystem, bevor daraus ein Symptom wird? Also quasi die Innensicht, nicht das sichtbare Aussen oder Verhalten.

Genau dafür nutze ich den Begriff Resonanz.

Resonanz ist keine Esoterik

Wenn ich von Resonanz spreche, meine ich keine magische Energie und keine esoterische Schwingungslehre.

Ich nutze Resonanz als Metapher für die Arbeitsweise des Nervensystems.

Wir Menschen nehmen ständig Reize auf: Geräusche, Licht, Gerüche, soziale Signale, Erwartungen, Erinnerungen, Körperempfindungen, Emotionen, Aufgaben, Blicke, Worte.

Das Gehirn muss dann entscheiden:

Was ist wichtig?
Was kann ausgeblendet werden?
Was wird verstärkt?
Was wird gedämpft?
Worauf richte ich Aufmerksamkeit?
Was löst Gefühl, Handlung oder Rückzug aus?

In diesem Sinne bedeutet Resonanz:
Wie ein Nervensystem mit sich selbst und seiner Umwelt in Schwingung geht.

Bei ADHS, Autismus und AuDHS sind diese Resonanzmuster häufig anders organisiert. Das ist der Grundgedanke meiner Präsentation „Autismus, ADHS und AuDHS – Unterschiede und Gemeinsamkeiten“, auf der die Slides basieren.

Warum ist das hilfreich?

Die klassische Sprache ist oft defizitorientiert.

Bei ADHS heißt es dann:
„zu unaufmerksam“, „zu impulsiv“, „zu unruhig“.

Bei Autismus heißt es:
„soziale Defizite“, „starre Routinen“, „Stereotypien“.

Natürlich brauchen wir diagnostische Kriterien. Aber im Alltag neurodivergenter Menschen entsteht dadurch leicht ein Gefühl:

Mit mir stimmt etwas nicht.

Das Resonanzmodell verschiebt den Blick.

Nicht:
„Warum funktionierst du nicht normal?“

Sondern:
„Welche Reize, Anforderungen und Umgebungen bringen dein Nervensystem aus der stimmigen Resonanz?“

Und genauso wichtig:

„Was bringt dich wieder in gute Resonanz?“

Das ist für mich ein neuroaffirmativer Blick: Unterschiede werden nicht romantisiert, aber auch nicht vorschnell pathologisiert.

Wenn Resonanz stimmig ist

Stimmige Resonanz bedeutet nicht, dass alles perfekt ist.

Es bedeutet eher:

Ich bin mit mir selbst in Kontakt.
Ich spüre meinen Körper.
Ich kann Gefühle wahrnehmen, ohne von ihnen überrollt zu werden.
Ich kann auf Reize reagieren, ohne sofort in Überforderung zu kippen.
Ich kann bei mir bleiben, auch wenn die Welt um mich herum nicht ideal ist.



Es ist wie ein Reglerpult, was synchron zu den Reizen aussen mitreguliert.

Das ist keine dauerhafte Glückseligkeit.
Es ist eher ein Zustand von genügend innerer Kohärenz.

Also: Das Nervensystem ist nicht im Alarm, nicht im Freeze, nicht im Chaos, nicht im totalen Abschalten.

Es hat genug Spielraum.

Wenn Resonanz kippt

Bei vielen neurodivergenten Menschen kippt Resonanz sehr schnell.

Das kann in zwei Richtungen gehen.

1. Überresonanz

Reize kommen zu stark an.
Geräusche sind nicht nur Geräusche, sondern körperlich schmerzhaft.
Licht ist nicht nur hell, sondern aggressiv.
Soziale Erwartungen sind nicht nur anstrengend, sondern überflutend.

Beim Overload entsteht genau so eine massive Überresonanz: zu viele Reize, zu wenig Filterung, zu starke innere Schwingung. Das System gerät in Überlastung.

2. Unterresonanz

Das Gegenteil kann genauso belastend sein.

Nichts kommt richtig an.
Der Kopf ist leer.
Der Körper fühlt sich schwer an.
Handlungskraft ist blockiert.
Man will etwas tun, aber innerlich greift nichts.

Das ist nicht Faulheit.
Das ist häufig ein Zustand fehlender Aktivierung oder innerer Abkopplung.

Viele Menschen mit ADHS, Autismus oder AuDHS kennen beides:
zu viel und zu wenig.
Überflutung und Leere.
Hyperfokus und Abschalten.
Rastlosigkeit und Starre.


Die drei Muster: Überresonanz, Resonanzabbruch, Schwebung

In meiner resonanzdynamischen Sicht sind drei Muster besonders wichtig.

1. Über- oder Unterresonanz

Reize werden zu stark oder zu schwach erlebt.

Das erklärt, warum manche Situationen objektiv harmlos wirken, subjektiv aber kaum auszuhalten sind. Oder warum Aufgaben, die „eigentlich leicht“ sind, innerlich gar nicht erreichbar werden.

2. Resonanzabbruch

Wenn Belastung zu groß wird, kann das System abschalten.

Dann entsteht Leere.
Taubheit.
Shutdown.
Dissoziation.
Das Gefühl, nicht mehr richtig da zu sein.

Das ist keine Absicht.
Es ist ein Schutzmodus.

3. Schwebung

Die Aufmerksamkeit springt zwischen Reizen hin und her.

Wie ein Radio, das keinen stabilen Sender findet.
Mal ist alles zu laut.
Dann ist plötzlich alles weg.
Dann zieht ein Reiz die Aufmerksamkeit komplett an sich.

Diese drei Muster — Über-/Unterresonanz, Resonanzabbruch und Schwebung — bilden in meiner Präsentation einen Kern zur Erklärung vieler ADHS- und Autismus-Phänomene.

ADHS aus Resonanzsicht

ADHS erscheint dann nicht nur als Aufmerksamkeitsdefizit.

Sondern eher als instabile Resonanzdynamik.

Aufmerksamkeit ist nicht einfach „zu wenig“ vorhanden.
Sie ist wechselhaft gebunden.

Manchmal springt sie ständig.
Manchmal rastet sie extrem ein.
Manchmal ist sie für das, was „wichtig“ wäre, nicht verfügbar.
Und manchmal ist sie für etwas Interessantes, Neues oder Emotionales überstark verfügbar.

Das erklärt auch, warum ADHS-Betroffene nicht einfach „konzentrierter sein“ können.

Das Problem ist nicht der fehlende Wille.
Das Problem ist die fehlende stabile Passung zwischen Reiz, Bedeutung, Aktivierung und Handlung.

Autismus aus Resonanzsicht

Autismus verstehe ich in diesem Modell stärker als Resonanzsicherheit.

Autistische Menschen haben häufig ein besonders feines, intensives oder spezifisches Resonanzsystem.

Das kann bedeuten:

Reize werden sehr detailliert wahrgenommen.
Veränderungen erzeugen starke Irritation.
Soziale Signale sind nicht automatisch eindeutig.
Spezialinteressen werden zu stabilen Resonanzinseln.
Routinen geben Vorhersagbarkeit und reduzieren Reizchaos.

In der Präsentation werden typische autistische Resonanzphänomene unter anderem als veränderte Sensorik, intensive Interessen, asynchrone soziale Resonanz und Bedürfnis nach Stabilität beschrieben.

Das ist wichtig:
Routinen sind dann nicht „Sturheit“.
Spezialinteressen sind nicht „Fixierung“.
Stimming ist nicht „komisches Verhalten“.

Es sind oft Versuche, ein Nervensystem in stimmige Resonanz zu bringen.

AuDHS: Wenn zwei Resonanzlogiken gleichzeitig wirken

Bei AuDHS wird es besonders spannend.

Denn hier treffen zwei Dynamiken aufeinander, die sich gegenseitig verstärken, ausgleichen oder maskieren können.

Ein Teil sucht Neuheit.
Ein Teil braucht Vorhersagbarkeit.

Ein Teil braucht Bewegung.
Ein Teil braucht Reizschutz.

Ein Teil will spontan sein.
Ein Teil braucht Kontrolle.

Ein Teil sucht Kontakt.
Ein Teil ist von Kontakt erschöpft.

Von außen wirkt das oft widersprüchlich.
Von innen ist es häufig ein permanentes inneres Verhandeln.

Genau hier wird der Begriff Torque wichtig.


Torque: die innere Verdrehung

Mit Torque meine ich die innere Verdrehung, wenn die eigene Grundresonanz dauerhaft an äußere Erwartungen angepasst werden muss.

Also zum Beispiel:

Ich brauche Ruhe, aber muss sozial funktionieren.
Ich brauche Struktur, aber soll flexibel reagieren.
Ich brauche Rückzug, aber darf nicht unhöflich wirken.
Ich bin überfordert, aber muss kompetent erscheinen.
Ich spüre längst mein Limit, aber überspiele es weiter.

Dann entsteht Masking.

Man unterdrückt natürliche Reaktionen.
Man kontrolliert Mimik, Stimme, Körper, Sprache.
Man spielt eine sozial akzeptierte Version von sich selbst.
Man wirkt funktionsfähig, während innerlich immer mehr Energie verbraucht wird.

Langfristig kann diese dauerhafte Anpassung in Erschöpfung, Angst, Identitätsverlust und Burnout münden.



Neurodivergenter Burnout als Resonanzerschöpfung

Neurodivergenter Burnout ist aus dieser Sicht nicht einfach „zu viel Stress“.

Er ist eher eine tiefe Erschöpfung eines Systems, das zu lange gegen seine eigenen Resonanzbedingungen leben musste.

Zu viel Masking.
Zu viel Anpassung.
Zu viel Reizüberflutung.
Zu wenig Rückzug.
Zu wenig echte Passung.
Zu wenig sichere Resonanzräume.

In deiner Präsentation wird neurodivergenter Burnout als tiefe Erschöpfung beschrieben, wenn das interne Resonanzsystem lange konfliktären Schwingungen ausgesetzt ist; Masking und Überanpassung führen dabei zu Energieverlust und verlängerter Erholungszeit.

Das finde ich klinisch enorm wichtig.

Denn dann reicht es nicht, Betroffenen einfach mehr Belastbarkeit beizubringen.

Man muss fragen:

Welche Umgebungen erzeugen dauerhafte Dissonanz?
Welche Erwartungen erzwingen Masking?
Welche Reize überfluten das System?
Welche Beziehungen kosten mehr Resonanz, als sie geben?
Welche Routinen stabilisieren wirklich?

Was bedeutet das praktisch?

Die resonanzdynamische Frage lautet nicht nur:

„Wie reduzieren wir Symptome?“

Sondern:

„Wie schaffen wir bessere Passung?“

Das kann sehr konkret sein.

Mehr Reizschutz.
Mehr Vorhersagbarkeit.
Mehr echte Pausen.
Mehr Wahlmöglichkeiten.
Mehr ehrliche Kommunikation.
Mehr sensorische Anpassung.
Mehr körperliche Regulation.
Mehr respektierter Rückzug.
Mehr sichere Spezialinteressen.
Mehr Räume, in denen Stimming nicht beschämt wird.

Und manchmal auch: weniger soziale Dauerperformance.

Resonanz als Sprache für Würde

Für mich ist Resonanz vor allem eine Sprache.

Eine Sprache, die erklärt, ohne zu beschämen.

Sie sagt nicht:

„Du bist falsch.“

Sondern:

„Dein Nervensystem reagiert anders.“

Sie sagt nicht:

„Stell dich nicht so an.“

Sondern:

„Welche Reize sind zu stark, zu unklar, zu wechselhaft oder zu wenig regulierbar?“

Sie sagt nicht:

„Du musst dich mehr zusammenreißen.“

Sondern:

„Welche Bedingungen bringen dich in eine bessere innere Stimmigkeit?“

Das ist für ADHS, Autismus und AuDHS aus meiner Sicht ein zentraler Perspektivwechsel.

Mein Fazit

Viele sogenannte Symptome lassen sich als Resonanzmuster verstehen.

Unaufmerksamkeit kann Schwebung sein.
Hyperfokus kann Überresonanz sein.
Overload kann Reizüberflutung sein.
Shutdown kann Resonanzabbruch sein.
Stimming kann Eigenresonanz sein.
Spezialinteressen können Resonanzinseln sein.
Masking kann künstliche Anpassungsresonanz sein.
Torque kann die innere Verdrehung durch dauerhafte Fehlpassung sein.

Das ersetzt keine Diagnostik.

Aber es ergänzt sie um eine menschlichere Frage:

Was bringt dieses Nervensystem in gute Resonanz?

Und vielleicht ist genau das der Anfang von echter Unterstützung.


Mit einer Mitgliedschaft unterstützt du meine Aufklärungsarbeit bzw kannst in der Stufe Wegöffner in die ADHSSpektrum Community “hüpfen”

0 comentários

Gostaria de ser o primeiro a escrever um comentário?
Torne-se membro de ADHS Blog und Community ADHSSpektrum e comece a conversa.
Torne-se membro