
Guten Morgen, liebe Cleanthinking-Leserinnen und -Leser,
vor zwei Tagen schrieb ich (Abre numa nova janela):
„Wer den Iran angreift, spielt mit dem Nervensystem der fossilen Weltwirtschaft. Das ist kein Nebeneffekt. Das ist der Punkt.“
Damals war das eine Warnung. Heute Morgen ist es bittere Realität. Die Straße von Hormus – Lebensader für 20 Prozent des globalen Öls und Gases – liegt lahm. 150 Tanker ankern vor der Küste, Brent-Öl schießt auf 82 Dollar (plus 10 Prozent), Gaspreise explodieren um 25 Prozent, der DAX taumelt um 1,7 Prozent abwärts. Europa spürt es zuerst und am härtesten.
Donald Trump hat Ajatollah Khamenei getötet und eine Region ohne Plan dem Chaos überlassen. Wolfgang Bauer nennt es in der ZEIT (Abre numa nova janela) „ein großes Unrecht“ – völkerrechtswidrig, ohne stichhaltige Gründe, ohne Aussicht auf Stabilisierung. Die US-Geheimdienste selbst widersprechen Trumps Raketen-Narrativ.
Und Friedrich Merz? Der Kanzler verurteilt nicht den Angriff, sondern nur Irans Vergeltung. Er duckt sich weg, aus Angst vor Trumps Zollhammer.
Doch die eigentliche Tragödie liegt tiefer. Wie Susanne Götze und Annika Joeres in den Blättern analysieren (Abre numa nova janela), sitzen wir Europäer in einer Falle, die wir uns selbst gebaut haben: „Weaponizable dependencies“ – Abhängigkeiten, die als Waffe eingesetzt werden können. 90 Prozent unseres Gas- und Öls kommen aus dem Ausland. Putin drehte den Hahn zu, Katar erpresst mit LNG, Trump handelt 750 Milliarden Euro Gas-Deals aus.
Die Merz-Regierung pumpt Milliarden in Aufrüstung, schwächt aber den Green Deal und lässt unsere Solarindustrie verrotten. Währenddessen finanzieren wir mit jedem Liter Benzin Kriegsmaschinen – russische, katarische, saudische.
Erneuerbare sind keine Klimareligion. Sie sind die einzig rationale Sicherheitspolitik
Solarpaneele auf Dächern und Windräder in Wiesen brauchen keine Hormus-Straße, kein LNG aus Krisenherden, kein russisches Gas. Sie sind dezentral, resilient, unangreifbar. Das fränkische Dorf Großbardorf zeigt es vor: Mit Bürgergenossenschaften ersetzt es 400.000 Liter Heizöl jährlich, schüttet Gewinne von 500 bis 4.000 Euro pro Anteil aus und verdreifacht Gewerbesteuern. Während die Welt brennt, wächst dort Wohlstand – fossilfrei.
Und Katherina Reiche? Sie versucht verzweifelt, ihre vermurksten Gesetze schönzureden. Dieser Interview-Unfall ist bezeichnend (Abre numa nova janela).
Die fossile Panik ist kein Zufall. Sie ist ein System. Trump zündet Bomben, Merz zündet Paragraphen, Europa zahlt die Preise. Aber wir haben die Wahl: Entweder wir bleiben Spielfiguren in einem Krieg um fossile Vorräte – oder wir bauen Souveränität auf, Stück für Stück, Modul für Modul, Rotor für Rotor.
Die Trümmer im Iran liegen nicht nur dort. Sie schlagen morgen an jeder Zapfsäule, jeder Heizkostenabrechnung auf. Zeit, die Energiewende nicht nur zu fordern, sondern zu leben.
Mit nachdenklichen Grüßen,
Martin Jendrischik
P.S.: Teilen Sie diesen Newsletter. Der Iran-Krieg ist nicht „irgendwo da draußen“. Er erreicht über den Preis-Hammer jeden von uns.