Der junge Hacker Karl Koch, der im Deutschland der 1980er-Jahre gemeinsam mit seinem Freund David ins frühe Internet eintaucht, um militärische und wirtschaftliche Computersysteme zu knacken, ist getrieben von der Vorstellung, technische, politische und ökonomische Informationen allen Beteiligten des Kalten Kriegs zugänglich zu machen. Also lassen sich Karl und David auf einen gefährlichen Deal mit dem sowjetischen Geheimdienst KGB ein. Karls wachsende Paranoia vor weltweiten Verschwörungen und seine Drogensucht lassen die Grenzen zwischen Realität und Wahnvorstellung zunehmend verschwimmen. Er gerät immer tiefer in eine Abwärtsspirale aus Spionage, Angst und politischer Verfolgung, die schließlich in einer nationalen Staatsaffäre und mit seinem mysteriösen Tod endet.
23 - Nichts ist so wie es scheint aus dem Jahr 1998 ist von Hans-Christian Schmid, bekannt für Nach Fünf im Urwald (1995), Crazy (2000) und Requiem (2006), und beruht auf den wahren Begebenheiten des sogenannten KGB-Hacks. Das Drehbuch schrieb Schmid zusammen mit Michael Gutmann. In den Hauptrollen sehen wir August Diehl als Karl Koch, der hier sein gelungenes Filmdebüt feierte und dadurch bekannt wurde. An seiner Seite spielt Fabian Busch ebenso großartig Karls besten Freund David. Dieter Landuris als Pepe und Jan-Gregor Kremp als Lupo runden das Vierer-Ensemble ab. Ein gelungener Soundtrack mit Songs von u.a. Deep Purple, Killing Joke, Iggy Pop und Ton Steine Scherben unterstreicht die famose Stimmung des Films.
Bei dem als KGB-Hack bezeichneten Skandal ging es um eine Gruppe jugendlicher Computerhacker in den 80er-Jahren, die wegen Spionagetätigkeiten für den sowjetischen Geheimdienst KGB verhaftet wurden. Der Film legt dabei den Fokus auf Karl Koch aus Hannover, einem der KGB-Hacker, der sich in der Szene "Hagbard Celine" nannte. Das ist der Name einer wichtigen Figur aus Robert Anton Wilsons und Robert Sheas Romanreihe "Illuminatus!". Hans-Christian Schmid spinnt diese Tatsache weiter und reichert die Story seines Films mit den modernen Mythen rund um die berühmte Illuminatus-Trilogie an. Wer mehr über die wahren Hintergründe des Films, des KGB-Hacks und über Karl Koch erfahren möchte, dem empfehle ich "23 - Die Geschichte des Hackers Karl Koch", dem Sachbuch zum Film von Hans-Christian Schmid und Michael Gutmann.
Für mich war der Film Ende der 90er-Jahre wie eine Offenbarung. Die mitreißend erzählte Melange aus Chaos-Computer-Club-Hackern, Anarchismus, Drogentrips und Verschwörungstheorien war damals genau mein Ding und mit ein Grund, warum ich mich später ausgiebig mit den Schriften von Robert Anton Wilson beschäftigte. Man sollte dabei im Auge behalten, dass Verschwörungstheorien damals vor allem auch Gedankenspiele einer links-emanzipatorischen Szene waren. Cannabis, Relativismus, Okkultismus, Anarchismus und vor allem Eigenständigkeit im Denken, das waren die Ingredienzien, die mir in Wilsons Büchern begegneten und bei mir auf fruchtbaren Boden fielen. Das Hassan-i Sabbāh- bzw. Friedrich Nietzsche-Zitat "Nichts ist wahr, alles ist erlaubt" fasst die Philosophie des postmodernistischen Autors bestens zusammen.
Auch heute noch zählt 23 - Nichts ist so wie es scheint für mich zu den besten deutschen Filmen aller Zeiten; ein spannendes Zeitdokument, getragen von herausragenden schauspielerischen Leistungen und einer packenden Story.
https://www.imdb.com/de/title/tt0126765/ (Abre numa nova janela)