(Abre numa nova janela)Ein Bericht aus der akustischen Arena der Innovation
Man stelle sich eine Messehalle vor, in der 87 Dezibel den Grundpegel bilden – eine orchestrale Dauerbeschallung aus Stimmen, Lautsprechern, Mikrofonen, Maschinen, Menschentrauben. Dazwischen: ich. Mitten im auditiven Gewühl, halb Beobachterin, halb Versuchskaninchen, halb literarisches Wiesel auf der Suche nach Sinn, Schall und Schokolade.
Es war meine erste Messe dieser Art – und, so viel sei verraten, gewiss nicht die letzte.
Eintritt in eine neue Welt
Bereits beim Betreten dieser akustischen Arche Noah für Hörsysteme, Cochlea-Implantate und Innovationen zwischen Nanotechnik und Neurosensorik war mir klar: Hier trifft Fachwelt auf Faszination, Ingenieurskunst auf Empathie, Marketing auf Menschlichkeit.
Mein erster Weg führte mich, fast instinktiv, zum Stand der MED-EL-Familie – dem klanglichen Heimathafen meines eigenen Hörerlebens. Noch bevor ich ein Wort sagen konnte, war mein inneres Wiesel längst davongeflitzt, hatte zwischen Roll-Ups, Infomappen und Präsentationsbildschirmen allerlei Süßes, Obst und Gebäck erspäht. Man kennt seine Prioritäten.
Ich hingegen freute mich auf vertraute Gesichter – herzliche Begrüßungen, Smalltalk zum Ankommen, gefolgt von jenen Gesprächen, die rasch Tiefe gewinnen. Wie selbstverständlich ergaben sich Begegnungen, die weniger wie Zufälle wirkten, sondern vielmehr wie Verabredungen des Schicksals zwischen Fachleuten, Forschenden und Betroffenen.
Besonders freute ich mich über meine wunderbaren Freundinnen und Freunde vom DSB.
Wann immer ich sie treffe, ist das wie ein Stück Zuhause mitten im Messetrubel.
Herzliche Umarmungen, aufrichtige Freude, gemeinsames Lachen – und immer dieses Gefühl, dass Teilhabe kein theoretisches Konzept ist, sondern gelebte Realität.
Wenn sie mit dem Hörmobil unterwegs sind, bringen sie Aufklärung, Sichtbarkeit und Wärme zugleich in die Welt. Es war mir eine Freude, sie wiederzusehen.

Menschen, Technik und diese feine Prise Menschlichkeit
Ich traf Gerd, Chris und Bernd – bekannte Namen, vertraute Stimmen, endlich im direkten Austausch. Dazu Ingenieure, Forschungsleiterinnen, Akustiker, Menschen aus der Organisation der Hörberatung. Jeder Dialog war eine kleine Expedition durch Welten aus Technik, Vision und Empathie.
(Abre numa nova janela)Zwischenzeitlich lag mein Wiesel erschöpft in der Ecke, überfressen an Gratis-Gebäck und völlig überzuckert. Es behauptete später, das sei alles reine Fachfortbildung in angewandter Glukose-Akustik gewesen.
Und dann jene zufälligen Momente, die bleiben:
Eine Frau, cool frisiert, Sidecut wie ich – wir lächeln uns an, und binnen Minuten entwickelt sich ein Gespräch, das vom Frisurenvergleich zu einer tiefgehenden Unterhaltung über Hörgeräte, Umstieg aufs CI und die unfassbare Geschwindigkeit des technologischen Fortschritts führt. Mein Englisch, leicht bayerisch akzentuiert, klang wohl so charmant, dass sie schwor, sie höre das Bayrische längst nicht mehr heraus. Ich glaube, es war Höflichkeit. Aber was für eine wohlklingende!

Deaf Metal – Ästhetik trifft Akustik (Titel Foto)
Mein inneres Wiesel juchzte, als wir auf Deaf Metal trafen. Ja – die Designerin, die mit hinreißender Kreativität Schmuck für Hörgeräte und Cochlea-Implantate entwirft, war tatsächlich da. Wir kennen uns von Instagram, und nun stand sie da, lebendig, klug, inspirierend.

Mein Wiesel, sonst selten um Fassung bemüht, wollte sofort ein Selfie.
Ich bewunderte den Mut und die Kunst, Technik sichtbar, ja, schmuckvoll zu machen – ästhetisch, selbstbewusst, rebellisch gegen jene, die Unsichtbarkeit noch immer für Anpassung halten.
Innovation und Nachhaltigkeit
Ein anderer Stand widmete sich der Reinigung und Pflege von Hörsystemen – ein Thema, das in meinen Selbsthilfegruppen regelmäßig Wellen schlägt. Ein Nachfüllsystem für Reinigungsmittel, ressourcenschonend und umweltbewusst, begeisterte mich so sehr, dass ich fast eine Laudatio hielt.
Wenn Nachhaltigkeit auf Teilhabe trifft, dann schlägt mein Herz etwas lauter – auch bei 87 Dezibel Grundrauschen.

Ich sprach mit Vertreterinnen von Auracast, ließ mir die neuen Standards kabelloser Übertragung erläutern, besuchte Advanced Bionics und knüpfte wertvolle Kontakte. Viele schickten mir Infomaterial direkt für unsere Selbsthilfegruppen – ein Segen, sonst wäre ich unter dem Gewicht der Prospekte trotz Wasserbüffelin-Kraft elend eingeknickt.
Zum Glück kenne ich die liebe Eva von Cochlear, die mich ohnehin regelmäßig mit allem versorgt, was ich für unsere Gruppen brauche – Broschüren, Neuigkeiten, Fachunterlagen, Hörtrainingsideen. Eine echte Rettung im Materialmeer der Messe. Ohne sie wäre ich wohl endgültig unter Prospekten und Flyern verschüttet worden, irgendwo zwischen Stand B14 und der nächsten Kaffeestation.
Und dann – der kleine Fangirl-Moment:
Ich traf die Vorsitzende des DCIG.

Bislang kannte ich sie nur aus Artikeln und Interviews. Ihr persönlich die Hand zu schütteln, war fast feierlich. Mein Wiesel drängelte sich aufgeregt dazwischen, zupfte an meinem Ärmel und flüsterte ehrfürchtig:
„Jetzt benimm dich! Das ist schließlich kein Autogrammtermin, sondern Fachgespräch!“ – was den Moment keineswegs weniger glamourös machte.
Akustische Grenzerfahrungen
Ja, 85 bis 87 Dezibel sind eine Hausnummer. Es war laut. Unerbittlich laut.
Doch erstaunlicherweise litt ich weniger als erwartet. Vielleicht, weil ich mich an akustische Extreme längst gewöhnt habe – vielleicht, weil das Wiesel inzwischen gelernt hat, inmitten von Lärm auf Koffein umzuschalten.
Natürlich bat ich gelegentlich um Wiederholung. Natürlich verpasste ich hier und da ein Wort. Doch im großen Ganzen – und das erstaunte selbst mich – verstand ich erstaunlich viel. Mehr, so wage ich zu behaupten, als so mancher Normalhörende, der am Nachmittag mit glasigem Blick zwischen Prospekten und Prototypen dahinschmolz.
Gegen Mittag zeigten sich dann überall jene typischen Messegesichter: leicht überreizt, akustisch gesättigt, sensorisch am Limit. Man sah es ihnen an: Auch Hörende kämpfen mit der Dauerbeschallung. Eine schöne, leise Form der Gleichstellung.
Koffein und Kontemplation

Es fehlte, das sei angemerkt, an Rückzugsräumen.
Eine stille Ecke – ein Ort für fünf Minuten sensorische Rehabilitation – wäre Gold wert gewesen.
Doch meine Wasserbüffelin kennt mich. Und sie kennt die Lösung: