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Du bist viel unterwegs, dir scheint es gut zu gehen

Es gibt Krankheiten, die tragen Uniform.

Sie marschieren sichtbar durch den Alltag: mit Gips, Krücken, Rollstuhl oder Verband. Niemand muss lange erklären, niemand muss rechtfertigen, niemand muss interpretieren. Der Körper präsentiert seine Evidenz, und die Umwelt versteht augenblicklich: Hier braucht jemand Rücksicht.

Und dann gibt es die anderen.

Die Krankheiten ohne Uniform.

Die stillen. Die unsichtbaren.

Chronische Erkrankungen gehören fast immer zu dieser zweiten Kategorie. Sie sind keine spektakulären Ereignisse, sondern ein permanenter Hintergrundzustand – eine Art körperliches Grundrauschen. Man lebt damit, organisiert sich darum herum, kalkuliert Kräfte, wägt Schritte ab, manchmal minutiös wie ein Buchhalter der eigenen Energie.

Doch nach außen hin sieht man davon erstaunlich wenig.

Die Menschen sehen einen, wenn man draußen ist.

Wenn man Termine wahrnimmt.

Wenn man lacht, redet, arbeitet, lebt.

Und daraus entsteht eine dieser wunderbar simplen gesellschaftlichen Gleichungen:

Sie ist hier. Also geht es ihr gut.

Mein inneres Wiesel nickt an dieser Stelle gerne sehr eifrig.

„Logisch!“, ruft es dann, „Wenn sie Kaffee trinken gehen kann, dann kann sie doch wohl auch alles andere!“

Die Wasserbüffelin hingegen hebt nur eine Augenbraue – eine sehr ruhige, sehr würdige Büffelinbewegung – und murmelt:

„Wiesel, mein Kind, das nennt man selektive Wahrnehmung.“

Denn der entscheidende Teil des Lebens mit einer chronischen Erkrankung findet nicht draußen statt.

Er findet zu Hause statt.

In den Stunden, in denen man sich zurückzieht.

In den Momenten, in denen der Körper plötzlich entscheidet, dass heute vielleicht doch nicht der Tag für Heldentaten ist.

In der leisen Logistik des Alltags:

Wie viele Termine gehen heute?

Wie viel Energie habe ich wirklich?

Und wo ist die Grenze, an der der Körper sagt: bis hierhin – und keinen Schritt weiter.

Chronische Erkrankungen oszillieren. Sie kennen gute Tage und schlechte Tage, manchmal im Wechselspiel weniger Stunden. Aber diese Dynamik bleibt für andere weitgehend unsichtbar.

Und genau deshalb entsteht ein Missverständnis.

Was nicht sichtbar ist, wirkt weniger real.

Weniger dramatisch.

Weniger dringlich.

Bis zu jenem Moment, in dem die Krankheit beschließt, sich doch einmal deutlich zu zeigen.

Gestern war so ein Moment.

Meine Füße – jene zuverlässigen Begleiter meines Lebens – beschlossen plötzlich, eine kleine eigenwillige Choreographie aufzuführen. Sie kamen nicht mehr ganz so mit, wie sie sollten. Ein Schritt daneben, ein kurzer Moment der Desorientierung, ein Sturz.

Das Ergebnis: ein Gips.

Und siehe da.

Plötzlich wird alles verständlich.

Menschen reagieren mit Fürsorge.

Mit Hilfe.

Mit Rücksicht.

Mit Respekt.

Der Körper trägt nun ein sichtbares Zeichen. Eine Art offizielles Attest: Hier stimmt etwas nicht.

Das Wiesel schaut sich den Gips an und flüstert beeindruckt:

„Ah! Jetzt sehen sie es!“

Die Büffelin kaut langsam ihr metaphorisches Gras und antwortet trocken:

„Siehst du, Wiesel. Sichtbarkeit erzeugt Evidenz. Evidenz erzeugt Empathie.“

Und ich sitze dazwischen und denke: Eigentlich ist das ein bisschen traurig.

Denn die Krankheit war ja nicht erst gestern da.

Der Körper kämpft nicht erst seit dem Gips.

Die Grenzen existieren nicht erst seit dem Sturz.

Nur sind sie nun plötzlich für alle lesbar geworden.

Vielleicht liegt darin eine der großen Herausforderungen im Umgang mit chronischen Erkrankungen: zu verstehen, dass das, was man nicht sieht, dennoch real ist. Dass viele Menschen jeden Tag

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