Saltar para o conteúdo principal

Geblitzt. Oder: Wenn das Selbstbild kurz flackert

Es gibt diese Momente, die nicht dramatisch sind – und sich dennoch anfühlen wie ein kleiner Einschnitt ins eigene Narrativ.

Ich wurde geblitzt.

Ein Satz, der sich in meinem inneren Koordinatensystem eigentlich nicht vorsieht. Ich werde nicht geblitzt. Ich fahre aufmerksam. Ich lese Beschilderungen. Wenn dort 80 steht, dann fahre ich 80. Keine heroischen Eskapaden, kein Bedürfnis nach Geschwindigkeit als Selbstvergewisserung. Struktur. Achtsamkeit. Disziplin.

Und dann – Autobahn. Gedanken, die für einen Atemzug oszillieren. Kein Überbordern, kein Rausch, kein Triumph der Hybris. Nur ein kleiner Moment nicht hundertprozentiger Präsenz.

Und plötzlich dieses rote Aufblitzen.

Es war, als würde jemand mit einem assertorischen Marker in mein Selbstbild schneiden. Keine Vorwarnung. Kein diskreter Hinweis. Nur Licht.

Der Puls schoss nach oben. Herz im Hals. Adrenalin, das insistierte. Mein inneres Wiesel lief im Auto Amok. „Ausgerechnet wir?“, rief es empört und warf symbolisch sämtliche Aktenordner der Selbstgewissheit aus dem Fenster.

Die Wasserbüffelin hingegen saß ruhig daneben, sah aus dem Seitenfenster und murmelte trocken: „Fakt ist Fakt.“

Was mich in diesem Moment weniger erschütterte als die mögliche Höhe eines Bußgeldes, war der kleine Riss im Selbstverständnis. Ich bin aufmerksam. Ich habe alles im Blick. Ich bin keine, die Dinge übersieht.

Und nun das.

Vielleicht stand dort ein Schild. Vielleicht auch nicht. Vielleicht war es temporär. Vielleicht war ich nur einen Atemzug zu sehr in Gedanken. Wir neigen im Nachhinein zum Konfabulieren, ergänzen Erinnerungslücken mit Plausibilitäten, versuchen die Kognition zu beruhigen.

Doch die nüchterne Wahrheit ist: Ein Blitzer ist kein moralisches Urteil. Er ist ein Messinstrument. Technik ohne Emotion. Keine Anklage, keine Charakterdiagnose. Nur eine Zahl.

Und an dieser Zahl kann ich jetzt nichts mehr ändern.

Das ist der eigentliche Prüfstein solcher Situationen. Nicht die Sanktion, sondern der Umgang mit der eigenen Ohnmacht. Ich kann nicht zurückspulen. Ich kann nicht korrigieren. Ich kann nur annehmen.

Also habe ich vor, mich heute bewusst mit höchstmöglicher Aufmerksamkeit, die mir zur Verfügung steht, meinen Aufgaben zu widmen. Nicht aus Angst. Nicht aus Trotz. Sondern aus Integrität. Als leise Reskription dieses Moments.

Fehler – oder nennen wir es realistischer: menschliche Unschärfe – sind keine Bankrotterklärung. Sie sind eine Erinnerung daran, dass selbst disziplinierte Systeme kleine Varianzen aufweisen.

Vielleicht wird es ein moderates Bußgeld. Vielleicht ein Punkt. Vielleicht nur eine Mahnung. Oder ich werde einige Zeit zu Fuß unterwegs sein? Die deutsche Bußgeldsystematik

0 comentários

Gostaria de ser o primeiro a escrever um comentário?
Torne-se membro de Frau_Kruemelkuchen, Diana - hört! Oder doch nicht? - e comece a conversa.
Torne-se membro