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Die schönste Krankheit taugt nix – ein Urlaub mit Handgepäck

Prolog

„Die schönste Krankheit taugt nix, wenn man sie hat.“

Ein Sprichwort, das man in gesunden Tagen leichtfüßig zitiert, als sei es ein Bonmot zum Kaffee. Heute allerdings hallt es mir nicht wie ein Kalenderspruch entgegen, sondern wie eine unerbittliche Wahrheit, die sich in meine Knochen geschrieben hat. Noch ehe der Tag zu atmen beginnt, weiß ich: Mein Körper hat andere Pläne als mein Reiseführer. Glieder schmerzen, Bauchkrämpfe tanzen ein groteskes Ballett, und das Gleichgewicht – sonst ein verlässlicher Partner – beschließt, schwankend den Piraten zu geben.

Urlaub, so hatte ich gehofft, bedeutet: Sonne, Salz, Meer. Doch schon nach den ersten Schritten ist klar: Urlaub bedeutet heute Tee, pseudo-Liege und die zähe Geduld, die man braucht, wenn Synapsengulasch vom Vortag im Hirn noch brodelt.

Und so sitze ich hier. Ausgebremst, verlangsamt, in eine Pause gedrängt, die ich mir nicht ausgesucht habe.

Akt I – Der Körper diktiert

Es gibt Tage, da ist der Körper nicht Vertrauter, sondern Diktator. Jeder Schritt, jede Bewegung wird kommentiert mit stechendem Schmerz oder einem Schwindel, der mich fühlen lässt wie eine schlecht programmierte Marionette. Bauchkrämpfe ziehen sich durch, als hätten sie einen Marathon im Sinn, und meine Gelenke knarzen, als wollten sie den Chor einer morbiden Symphonie bilden.

Man könnte sagen: Ich bin ein Gesamtkunstwerk – leider in der Kunstrichtung „dadaistisch“. Ein Körper, der im Urlaub all das vorführt, was ich eigentlich zu vergessen hoffte. Während andere die erste Schwimmrunde absolvieren oder den Strand nach der besten Liegefläche abscannen, kämpfe ich mit der Mathematik des Aufstehens: linker Fuß – rechter Fuß – Kopf oben behalten. Gar nicht so simpel, wie es klingt.

Akt II – Synapsengulasch, das Nachbeben

Gestern noch: akustisches Chaos, eine Collage aus Stimmengewirr, Musikbeschallung und dem ewigen Kreischen der Kinder, das sich durch alle Frequenzen fräst wie ein Bohrer durch die Synapsen. „Hörmine“ und „Hörlibert“, meine beiden elektronischen Wegbegleiter, haben sich wacker geschlagen. Doch nach Stunden im akustischen Hochofen ist mein Gehirn nicht etwa erschöpft, sondern überreizt. Es röhrt, es pulsiert, es kocht: Synapsengulasch.

Und wie bei jedem anständigen Gulasch gilt: Das Aroma entfaltet sich erst am nächsten Tag. Heute also, beim Versuch, leise aufzuwachen, spüre ich den Nachgeschmack der gestrigen Reizüberflutung. Jeder Gedanke zieht zäh wie Fäden im Käse. Jede Wahrnehmung tropft langsam durch die Filter, als hätte die Welt einen Gang heruntergeschaltet.

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