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Vom Recht auf meinen Körper – und dem Unrecht der gut gemeinten Bemerkungen

Ja, ich habe abgenommen.

Und nein — das ist weder dein Problem noch ein Anlass, dein persönliches Bewertungssystem über meinen Körper zu stülpen.

Manchmal wirke ich schmaler, als ich bin;

an anderen Tagen müder,

ein anderes Mal leicht aufgedunsen,

und dann wieder wie das sprühende Leben.

Es sind Momentaufnahmen, nicht Diagnosen.

Momentaufnahmen dessen, was mein Körper gerade zu leisten vermag,

momentane Reflexe eines Systems, das chronisch arbeitet, kämpft, regeneriert und mit Kräften haushalten muss.

Und dennoch nehmen sich Menschen das Recht heraus, aus einem flüchtigen optischen Eindruck ein Urteil zu machen — über mich, über meine Gesundheit, über meinen Lebensstil.

Als sei das Bild einer Sekunde die Summe eines Lebensjahres.

Die vermeintliche Sorge – die in Wahrheit nur Bewertung ist

Und wenn ich dann — nicht aus Überempfindlichkeit, sondern aus Selbstschutz — reagiere,

wenn ich mich gegen diese vermeintlich harmlosen Kommentare abgrenze,

ertönt das nächste Standardargument:

„Mei, wir haben uns doch nur Sorgen gemacht! Sei doch nicht so empfindlich.“

Doch was als Sorge etikettiert wird, ist häufig nichts als Bewertung —

ein nach außen humanistisch gefärbter Kommentar, der aber im Kern exakt dasselbe tut:

er misst mich, ordnet mich ein, bewertet mich.

Die meisten verstehen gar nicht, dass ich ihre vermeintliche Sorge nicht als Sorge wahrnehme, sondern als Urteil.

Denn sie sehen lediglich das eine Bild.

Sie sehen nicht den täglichen Kampf, nicht den wöchentlichen, monatlichen, jahrelangen Kraftakt, den Menschen mit chronischer Erkrankung aufbringen müssen.

Sie sehen nicht, was ich leisten muss, um einfach nur zu sein.

Vom Weglächeln zum Selbststand

Und ja — ich gebe es zu — ich habe lange gelächelt.

Ich habe diese Kommentare heruntergespielt, höflich verharmlost,

mit einem kleinen „Ich bin immer gleich“,

mit einem „Ach, das täuscht nur“,

mit einem gut gemeinten „Alles gut — du bildest dir das ein.“

Ich habe mich entschuldigt für etwas, das nie mein Fehler war.

Ich habe versucht, das Bild anderer zu beruhigen,

mich selbst klein zu machen,

damit sie sich nicht mit ihrer eigenen Unsicherheit auseinandersetzen müssen.

Doch warum überhaupt?

Warum sollte ich mich dafür rechtfertigen, dass ich nicht so aussehe, wie andere mich gern hätten?

Warum sollte ich ein Bild erfüllen, das von außen kommt, und nicht einfach jenes, das mir entspricht?

Mein Körper ist kein Objekt,

kein Projektionsfeld für fremde Vorstellungen,

kein gesellschaftlich kommentierbarer Allgemeinplatz.

Er ist mein gelebter Alltag,

mein stiller Wille,

mein Raum des Überlebens und meine Behausung.

Ankommen – bei mir

Und so höre ich auf.

Ich höre damit auf, mich zu entschuldigen.

Ich höre damit auf, mich zu rechtfertigen.

Ich höre damit auf, die Maßstäbe anderer als meine anzusehen.

Ich sage nun, was ich denke — assertorisch, exponiert und ohne inneren Bouchoir.

Nicht provokativ, sondern souverän.

Nicht laut, sondern klar.

Ich stehe für mich ein.

Nicht aus Trotz, sondern aus Würde.

Und ich finde es richtig gut, genau das zu tun.

Denn angekommen zu sein — bei sich selbst, in sich selbst, für sich selbst —

ist kein Affekt,

keine Überempfindlichkeit,

keine Exzentrik.

Es ist Selbstachtung.

Und Selbstachtung ist niemals verhandelbar.

Fußnote (für die Deluxe-Version)

Man könnte — wenn man wissenschaftlich präzise sein wollte — die permanente verbale Kommentierung des Körpers chronisch Erkrankter als sozial performierte Fremdzuschreibung definieren; als jenes Phänomen, bei dem sich Laien mit erstaunlicher Selbstsicherheit als spontane Anthropometrie-Experten gerieren. In Wahrheit handelt es sich dabei um einen subtilen moralischen Übergriff im Gewand scheinbarer Fürsorge — oder, noch präziser, um eine ästhetische Territorialverletzung.

Denn das Problem liegt nicht in der Existenz von „Sorgen“, sondern in dem Anspruch, diese Sorgen am Körper anderer abzulesen.

Wie eine Art visuelle Biopsie, die man ohne Einverständnis entnimmt.

Mit dem unschönen Ergebnis, dass man nicht das sieht, was ist,

sondern das, was man unreflektiert hineinprojiziert.

Die Pointe der Geschichte:

Diejenigen, die meinen, „fürsorglich“ zu sein,

sind es oft nur insofern, als sie sich ausreichend wohl fühlen, ihre eigene Unsicherheit auf den Körper anderer zu externalisieren.

Wie viel ehrlicher wäre es, zu sagen:

„Ich weiß nicht, was du durchmachst — aber ich respektiere dich.“

Statt:

„Mei, ich mach mir Sorgen — hör doch mal auf, so dünn zu sein!“

Das eine ist menschlich.

Das andere ist Übergriff.

Und genau deshalb gehört das Recht auf Selbstbeschreibung —

und das Recht auf Schweigen —

immer den Betroffenen selbst.

Randglosse

Wer glaubt, „Sorge“ äußern zu dürfen, indem er spontan das Körperbild anderer taxiert, betreibt im Grunde keine Fürsorge, sondern eine improvisierte Anthropologie im Modus der Selbstüberhöhung.

Kurz gesagt: Man misst, ohne ein Maß zu haben.

Die Pointe:

Es ist wesentlich geistreicher, Respekt zu zeigen, als Expertise zu imitieren.

Bleibt's xund

Eure Frau Kruemelkuchen

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