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Die noble Jagd nach dem akustischen Phantom

Oder: Warum eine vergessene Dunstabzugshaube eine mittlere kriminalistische Ermittlung auslösen kann

Leben mit Familie bedeutet bekanntlich Liebe, Nähe, gemeinsames Essen, Diskussionen über völlig obsolet gewordene Brotdosen und die konstante Frage, wer schon wieder die leere Milchpackung zurück in den Kühlschrank gestellt hat.

Leben mit Familie bedeutet aber auch: Es gibt niemals vollständige akustische Kontrolle.

Irgendwo geschieht immer etwas.

Ein Brummen. Ein Surren. Ein leises Rauschen. Ein kurzes metallisches Klacken. Ein ominöses Piepsen, das klingt, als hätte ein sehr kleines technisches Wesen beschlossen, psychologische Kriegsführung zu betreiben.

Und solange ich selbst die Verursacherin bin, ist die Welt noch einigermaßen geordnet. Schalte ich die Dunstabzugshaube ein, weiß ich: Aha. Das Brummen gehört zur Dunstabzugshaube. Setze ich den Wasserkocher in Gang: Aha. Das Rauschen gehört zum Wasserkocher.

Kausalität. Ordnung. Zivilisation.

Doch sobald mehrere Menschen gleichzeitig existieren, kollabiert dieses fragile System wie ein Soufflé in der Sinnkrise.

Denn Familienmitglieder bewegen sich mit einer geradezu anarchischen Selbstverständlichkeit durch Räume, drücken Knöpfe, öffnen Geräte, lassen Dinge laufen, stellen etwas an, vergessen etwas auszuschalten — und verschwinden anschließend, als hätten sie mit dem resultierenden akustischen Chaos nichts zu tun.

Zurück bleibt: ich.

Und ein Geräusch.

Das Wiesel gerät dann regelmäßig in einen Zustand maximaler nervlicher Eskalation. Es springt innerlich wie ein überkoffeinierter Ermittler durch die Synapsen.

„WAS IST DAS?“ „Warum summt es?“ „Ist das gefährlich?“ „Ist etwas kaputt?“ „Hören normale Menschen das sofort?“ „Sterben wir?“ „Ist das ein Gerät oder beginnt hier ein dimensionsübergreifendes Ereignis?“

Die Büffelin hingegen hebt nur langsam den Kopf, kaut metaphysisch auf einem imaginären Grashalm herum und murmelt: „Vielleicht sollten wir erst einmal lokalisieren, bevor das Wiesel einen Exorzisten bestellt.“

Also beginnt sie. Die große akustische Spurensuche.

Raum für Raum. Wie eine etwas verwirrte Mischung aus Sherlock Holmes, Spürhund und mittelgradig überforderter Haustechnikerin.

Man bleibt stehen. Horcht. Dreht den Kopf leicht nach links. Dann nach rechts. Geht drei Schritte zurück. Wieder vor. Prüft die Richtung. Versucht herauszufinden: Wird es lauter? Wird es leiser? Ist es diffus? Ist es intermittierend? Ist das Geräusch stationär oder reflektiert der Raum nur wieder irgendeinen akustischen Unsinn von den Fliesen zurück?

Denn genau das ist vielen Menschen nicht bewusst: Hören bedeutet nicht automatisch Verstehen oder eindeutiges Zuordnen.

Geräusche müssen identifiziert werden. Kategorisiert. Kontextualisiert. Verortet.

Und das Gehirn arbeitet dabei mit einer bewundernswerten, aber bisweilen leicht verzweifelten Akribie wie ein Bibliothekar kurz vor dem Nervenzusammenbruch.

Was höre ich? Woher kommt es? Ist es relevant? Muss ich reagieren? Oder rauscht einfach nur irgendwo seit zwanzig Minuten unbemerkt eine Küchenapparatur vor sich hin?

Gerade eben war es übrigens die Dunstabzugshaube. Stufe 1. Von der Familie eingeschaltet. Von der Familie vergessen. Von der Familie selbstverständlich nicht erwähnt.

Und während normhörende Menschen vermutlich innerhalb von drei Sekunden beiläufig gedacht hätten: „Ach, die Dunstabzugshaube“, stand ich mitten im Haus und führte eine elaborierte akustische Feldforschung durch.

Aber nun gut.

Ein blindes Huhn findet schließlich auch einmal ein Korn. Und die taube Frau Krümelkuchen irgendwann die Geräuschquelle.

Mit leicht zerzaustem Nervensystem. Einem triumphierenden Wiesel. Und einer Büffelin, die innerlich vermutlich längst wusste, dass die Küche wieder der Tatort sein würde.

Bleibt's xund eure Frau Kruemelkuchen

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