Let Me Edutain You ! - Newsletter im Mai 2026
Liebe Schreibfreundin und lieber Schreibfreund,
seit letzter Woche sitze ich zwischen Farbtöpfen, Tapetenrollen, Bücherstapeln, Umzugskartons und einem halbfertigen Arbeitszimmer.
Meine große Tochter Johanna ist ausgezogen und wir renovieren gerade ihr ehemaliges Kinderzimmer. Künftig wird das mein neues Büro sein. Ein heller Raum mit Blick aus dem ersten Stock auf den Garten, auf mein Kräuterbeet und den Rosenbogen.
Eigentlich wollte ich am Vormittag schreiben.
Stattdessen suche ich seit Minuten den Akkuschrauber. Mein Mann wuselt um mich herum und ruft mir von der Leiter aus zu, was er als Nächstes braucht.
Das wird heute wieder nichts mit dem Schreiben ...!

Beim letzten Community-Treffen merkte ich: So ähnlich geht es vielen von uns.
„Ich habe keine Zeit zum Schreiben.“
Der Alltag ist voll. Beruf, Familie, Garten, Verpflichtungen. Und wenn man sich endlich einmal einen Vormittag freigeschaufelt hat, sitzt man vor dem leeren Blatt und findet keinen Anfang.
Wie Du das ändern kannst?
Auf alle Fälle nicht mit noch mehr Druck, Disziplin oder irgendwelchen Effektivitätshacks.
Sondern mit mehr Verständnis für Deinen eigenen Schreibprozess.
Die wenigsten von uns können morgens um neun die Bürotür schließen und einen ganzen Tag in Ruhe schreiben. Wir schreiben zwischen Beruf, Familie, Ehrenamt, Garten und dem ganz normalen Chaos des Lebens. Deshalb brauchen wir Schreibstrategien, die in einen echten Alltag passen. Nicht in einen perfekten.
Mir hilft dabei ein einfacher Gedanke:
Irgendwann habe ich aufgehört, „Schreiben“ als eine einzige große Aufgabe zu betrachten.
Stattdessen teile ich es in vier kleine Schritte auf.
Zuerst denke ich darüber nach, worüber ich schreiben möchte, für wen ich schreibe und was meine Leserinnen und Leser am Ende mitnehmen sollen. (Konzeption)
An einem anderen Tag wird der erste Entwurf geschrieben. Roh und unperfekt. Nur für mich und manchmal auch ziemlich chaotisch. Hauptsache, der Sand kommt als Ausgangsmaterial erst einmal in die Kiste. Die schöne Burg baue ich später.
Wenn mir dabei auffällt, dass ich noch etwas recherchieren muss, notiere ich mir das kurz und schreibe weiter. Sonst verliere ich mich schnell in irgendwelchen Internet-Recherchen und der Text bleibt unfertig.
Erst mit etwas Abstand beginne ich zu überarbeiten. Dann prüfe ich, ob der Text wirklich nach mir klingt. Ob meine eigene Stimme hörbar wird. Das kriegt keine KI hin.
Und irgendwann kommt der Moment, in dem ich den Text loslasse. Newsletter verschicken. Blogartikel veröffentlichen. Manuskript absenden.
Seit ich Schreiben so betrachte, komme ich deutlich besser voran. Und plötzlich reichen auch kleine Zeitfenster.
Zehn Minuten am Montag für Ideen.
Zwanzig Minuten am Mittwoch für einen ersten Entwurf.
Eine Stunde am Wochenende zum Überarbeiten mit etwas Distanz.
Viele nebenberuflich Schreibende warten auf den perfekten Schreibtag oder auf den zweiwöchigen Schreib-Retreat im Sommer. Ich tue das nicht mehr. Zehn gute Minuten bringen mich meistens weiter als vier Stunden schlechtes Gewissen.
Denn ganz ehrlich: „Buch schreiben“ ist kein Termin. Das ist ein langes Projekt.
Deshalb trage ich nicht täglich „schreiben“ in meinen Kalender ein.
Sondern:
Ideen sammeln.
Entwurf schreiben.
Überarbeiten.
Veröffentlichen.
Kleine Schritte in Routinen summieren sich. Oft schneller, als man denkt.
Suche Dir außerdem einen ruhigen Ort ohne Ablenkung. Kein Social Media. Keine E-Mails. Nur Du und Dein Text.
Und wenn Du magst, notiere Dir jeden Schreibtag im Kalender. Ich mache das auch. Ein kleines Kreuz für „geschrieben“ fühlt sich erstaunlich gut an.
Manchmal sind es genau diese kleinen Erfolgserlebnisse, die den Unterschied machen. Aus einem Kreuz werden zwei. Dann drei. Und irgendwann möchte man diese kleine Kette gar nicht mehr abbrechen lassen.
"I hate to write, but I love having written."
Ein Satz, den vermutlich viele Autorinnen und Autoren sofort unterschreiben würden.
Wenn Du tiefer in die Themen Schreibstimme, Mindset und Schreibroutinen eintauchen möchtest, habe ich Dir einige meiner beliebtesten Artikel zusammengestellt:
Gutes Mindset für Autorinnen
Deine Schreibstimme finden
Realistische Schreibziele setzen und Formate definieren
Sichtbar werden mit Deinem Wissen
Gut recherchieren
Und wenn Du nicht allein schreiben möchtest:
Wenn Du keine feste Schreibgruppe hast, such Dir einen Schreib-Buddy. Jemanden, mit dem Du regelmäßig Deine Fortschritte teilst. Das motiviert ungemein und hilft dabei, dranzubleiben.
In meiner Let Me Edutain You!-Schreibgruppe treffen wir uns einmal im Monat per Zoom, sprechen über unsere Schreibfortschritte und geben uns gegenseitig Feedback zu unseren Texten.
Gerade wenn man feststeckt, helfen neue Perspektiven oft mehr als noch eine Stunde Grübeln vor dem Bildschirm.
Wenn Du Interesse hast, dabei zu sein, antworte mir einfach auf diese Mail.
Und noch etwas hilft mir in solchen Phasen.
Sei freundlich zu Dir selbst!
Ich trage einen kupferfarbenen Armreif, den ich in Arcachon in einer kleinen Manufaktur gefunden habe mit einem Satz, den ich sehr mag:
« La vie te donne toujours une deuxième chance: elle s'appelle demain. »
Das Leben gibt dir immer eine zweite Chance. Sie heißt: morgen.
Nicht zu schreiben ist kein Drama.
Aber es ist auch nicht ganz egal. Zumindest dann nicht, wenn Du Dein Buch irgendwann fertig in den Händen halten möchtest ;-).
Du hast einen Tag verpasst?
Dann schreibst Du morgen weiter.
Du hast eine Woche lang nichts gemacht?
Dann fängst Du nächste Woche wieder an.
Viele Schreibende scheitern nicht am Talent.
Sie scheitern am schlechten Gewissen.
Und genau das hilft keinem Text.
Vielleicht schreibst Du heute zehn Minuten.
Vielleicht morgen.
Vielleicht erst am Wochenende.
Aber Dein Buch wartet nicht auf den perfekten Tag.
Es wartet auf den nächsten kleinen Schritt.
Und dieser Newsletter ist nun zwischen Farbeimern, Tapetenkauf und Kistenchaos trotzdem fertig geworden und hat damit sogar ein Thema dazubekommen ,-)
Mich würde interessieren:
Was hilft Dir dabei, trotz eines vollen Alltags dranzubleiben?
Hast Du feste Schreibroutinen entwickelt? Oder kämpfst Du gerade mit genau derselben Herausforderung?
Antworte mir gern auf diese Mail. Ich lese jede Antwort persönlich.
Herzliche Grüße
Deine Susanne Thiele
Komm sehr gern in meine Schreibcommunity (nächster Termin 23.6., 19:30 Uhr), wenn du mehr über unterhaltsame Wissensvermittlung lernen willst.
Egal woran du arbeitet, ob Buchprojekt, Podcast, Blogartikel. Ich bring aus meiner über 20-jährigen Erfahrung als Wissenschaftskommunikatorin und Autorin viele Tipps & Tricks mit, die dir bestimmt nützlich sein werden.
Community-Treffen 2026 | jeweils 19:30 Uhr
23.06.
Juli: Sommerpause
25.08. · 22.09. · 27.10. · 24.11. · 15.12. (Xmas-Treffen)
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Bis bald,
Deine Susanne Thiele