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Wo bleibt das Positive?

haben Sie sich vielleicht erst gestern gefragt. Ihnen kann mit einer guten Nachricht geholfen werden: Unser Delfin hat sich auch nicht vom Feuerwerk vertreiben lassen, Gott sei Dank. Er wurde gleich an Neujahr gesichtet.

Die Redaktion von Ytali hatte noch einen Appell an den Bürgermeister lanciert, das Feuerwerk abzusagen (Abre numa nova janela), weil es nicht nur dem Delfin (und allen anderen Tieren) schadet, sondern auch der Stadt, die ja, wie es das Landei von Bürgermeister, mit dem wir hier geschlagen sind, eigentlich wissen müsste, sehr fragil ist und durch die Erschütterungen und giftigen Niederschläge (Kalium, Strontium, Barium, Schwefel, Aluminium, Titan, Mangan, Kupfer, Brom und Blei) des monströsen Feuerwerks in Mitleidenschaft gezogen wird. Aber weil der Bürgermeister in Venedig nichts anderes sieht, als die goldene Gans, passierte natürlich nichts, außer dass sich Tausende auf dem Markusplatz drängelten, um das Feuerwerk (das direkt auf dem Wasser im Markusbecken gezündet wird, da wo der Delfin lebt) zu sehen.

Jahrzehntelang haben wir in Venedig einen einigermaßen entspannten Silvesterabend verbringen können, weil die idiotische Knallerei mit Rücksicht auf die Fragilität Venedigs verboten ist - aber weil die Gier grenzenlos ist, und es irgendwie zu ruhig war, musste ein PR-Gag her, also wurde zum “Kuss auf dem Markusplatz” (Abre numa nova janela) aufgerufen. Seitdem (ungefähr seit 2007/2008) strömen Tausende kurz vor Mitternacht auf den Markusplatz, weil ein Kuss woanders ja sinnlos ist. Und weil die Masse unterhalten werden muss, kam bald noch das Feuerwerk hinzu.

Und, ja, wer Massenansammlungen betrunkener Menschen liebt, der ist an Mitternacht auf dem Markusplatz am richtigen Ort!

Jetzt aber übrigens fängt die eigentlich schönste Jahreszeit in Venedig an: Nach dem Dreikönigsfest bis ungefähr kurz vor Karneval, also knappe drei Wochen lang, ist es hier wirklich ruhig.

Der orangene Mann, dem ich ja die Krätze an den Hals gewünscht habe, hat wieder zugeschlagen. Interessant finde ich, was Nicola Gratteri, (Abre numa nova janela) einer der qualifiziertesten Antimafia-Ermittler, zu Trumps Vorwand sagt, dass sein Angriff der von Venezuela aus gesteuerten Drogenkriminalität gelte: Gratteri macht in diesem Interview (Abre numa nova janela) klar, dass Venezuelas Rolle im Handel mit Kokain eher marginal sei, und Trump, wenn er kohärent wäre, und man die Bombardierung eines Landes für eine angemessene Vorgehensweise einer Demokratie im Kampf gegen Drogenkriminalität halten würde, eigentlich eher Bolivien, Peru und Kolumbien bombardieren müsse, vor allem aber Ecuador, von wo aus 90 Prozent des Kokains für Amerika und Kanada verschifft wird - unter der Kontrolle der mexikanischen Kartelle. Kurz: Eigentlich versteht hier jedes Kind, dass es dem orangenen Mann um etwas ganz anderes geht, als darum, die Drogenkriminalität zu bekämpfen, nämlich um das Öl, woraus Trump ja kein Geheimnis macht.

Dass die Trump-Freundin Giorgia Meloni Trumps Angriff auf Venezuela begrüßt hat, war nicht überraschend. Und der watteweiche Appell (Abre numa nova janela) der EU lässt auch nicht erwarten, dass sich der orangene Mann davon beeindrucken lässt. Interessant war, dass Marine Le Pen den Angriff der USA auf Venezuela verurteilt hat - was wiederum Melonis Koalitionspartner Matteo Salvini als Chef der Lega in einen Gewissenskonflikt gestürzt hat: Eigentlich ist Trump sein Buddy - Marine Le Pen aber auch, auf wessen Seite soll er sich jetzt schlagen?

Wo Mafia ist, lässt auch die Mafiafolklore (Abre numa nova janela) nicht lange auf sich warten. Ein Leser machte mich auf das Geschäftsmodell eines italo-schweizerischen Paars aufmerksam, das Touristen zur “Nacht mit dem Padrino” (Abre numa nova janela) einlädt: »“La notte del Padrino“ ist ein Degustationessen, das die Gäste auf eine unvergessliche, kulinarische Genussreise durch die unvergleichliche Küche Siziliens mitnimmt. Küchenchefin ist Sabina, die jeden Gang sorgfältig zusammenstellt und sich von der reichen Vielfalt der sizilianischen Küche inspirieren lässt. Dabei hat jeder einzelne Menügang seine eigene Geschichte, die von den Legenden und Mythen der Insel und teils den Erzählungen über die Mafia geprägt ist. Die Kombination aus kulinarischen Köstlichkeiten, spannenden Geschichten und einer bezaubernden Inszenierung lässt die Gäste in die Welt der mannigfachen sizilianischen Traditionen und deren Geheimnisse eintauchen. “La notte del Padrino” ist mehr als nur ein Essen. Es ist ein Abend voller Spannung, Magie und Geselligkeit, der lange in Erinnerung bleibt.« lesen wir auf der Webseite des unternehmungslustigen Paars (Abre numa nova janela).

Ich hätte noch ein paar Ideen, was die "Erzählungen über die Mafia" betrifft: Zu Vorspeise würde ich die Erzählung über den kleinen Giuseppe Letizia vorschlagen, einen zwölfjährigen Schafhirten, der 1948 in Corleone zum Augenzeugen des Mordes an dem Gewerkschafter Placido Rizzotto geworden war und der, weil er an hohem Fieber litt, ins Krankenhaus eingeliefert wurde, das von keinem Geringeren als vom Boss Michele Navarra geleitet wurde, der den Jungen noch in der gleichen Nacht mit einer Giftspritze tötete.

Zur Hauptspeise würde die Erzählung der Attentate auf Giovanni Falcone und Paolo Borsellino passen - und wer nicht weiß, wer sie waren, dem kann man bei der Gelegenheit klarmachen, dass es sich um zwei Antimafia-Staatsanwälte handelt, die sich für die Hintergründe von Silvio Berlusconis Vermögen interessierten. Sie wurden in die Luft gesprengt, Berlusconi wurde Ministerpräsident. Und die Nachspeise würde durch die Geschichte der im fünften Monat schwangeren Ida Castelluccio versüßt, Ehefrau des Polizisten Nino Agostino, die zusammen mit ihrem Mann ermordet wurde, weil er Giovanni Falcone über die Drahtzieher eines mißlungenen Attentats auf ihn entdeckt hatte.

Ja, ja, ich weiß, der Kampf gegen die Mafiafolklore ist ein Kampf gegen Windmühlen. Und wird, angesichts der düsteren Weltlage, sicher von vielen als nebensächlich betrachtet - wie man erst zuletzt am Beispiel der geplanten Münchener Mafia-Night (Abre numa nova janela) sehen konnte. Aber was erst Folklore ist, verwandelt sich schnell in Propaganda. Und damit sind wir ja in Deutschland vertraut. Oder sollten es zumindest sein.

Frage mich immer, was in Deutschland los wäre, wenn jemand zu einer “Nacht mit Goebbels” einladen würde. Oder zu einem “Horst-Wessel-Drink”. Obwohl. Vielleicht gibt es das ja schon.

Aber zum Schluss noch etwas Positives: Beim Neujahrskonzert in der Fenice, das Sie hier noch mal anschauen (Abre numa nova janela)können,

trugen nicht nur die Orchestermusiker diese kleine, goldene Anstecknadel, sondern verteilten sie auch an die Besucher, als Zeichen des Protests gegen die Ernennung von Beatrice Venezi zur Direktorin, um – wie die Musiker erklärten – „ihre Einheit und Entschlossenheit zur Verteidigung der Würde ihrer Arbeit und der Zukunft des Theaters“ zum Ausdruck zu bringen.

Das hat dann diese Heimsuchung von Bürgermeister veranlasst, auf die eigentlich rituelle Begrüßung des Orchesters im Anschluss an das Konzert zu verzichten. Für das Orchester sicher kein großer Verlust.

Ich habe das Neujahrskonzert viele Jahre lang besucht - aber weil mich die Präsenz des Bürgermeisters in der Galaloge zunehmend störte, habe ich in den letzten Jahren darauf verzichtet. Kann nur hoffen, dass auf seinem Platz bald jemand sitzt, für den wir uns nicht schämen müssen.

Aus Venedig grüßt Sie herzlich, Ihre Petra Reski

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