
Das perfekte Zuhause, glückliche Kinder, eine heiße Beziehung – und bitte alles gleichzeitig. Life-Coach Silvia Fauck erklärt, warum Frauen sich selbst in den Wahnsinn organisieren – und wie man da wieder rauskommt. Ein Gespräch über Überforderung, Perfektion und warum manchmal Pizza die Lösung ist.
Silvia, warum sind so viele Frauen heute komplett am Limit?
Die allergrößte Belastung für Mütter ist ja, dass man meint, alles perfekt haben zu müssen. Und das ist ein totales Frauending. Ich muss alles können, alles schaffen – und am besten noch gleichzeitig. Und das wird natürlich geschürt, durch Insta und Co. Da siehst du ja nur: aufgeräumtes Haus, gedeckter Tisch, immer frisch gekocht. Keine schnelle Pizza, keine schnelle Nudel. Und überall hört man: Die haben alle super Sex. Und dann sitzt du da in deinem echten Leben – zwischen Brotdose, Wäschekorb und Kita-Abgabe – und denkst: Aha. Interessant.
Ich habe alles durch. Es gibt auch wirklich guten Ehe-Phasen, da hat man einfach keine Lust. Punkt. Wenn geschäftlich alles schiefläuft, die Kinder in der Pubertät sind, die Kleinen morgens in die Kita müssen – da ist nichts mit Leichtigkeit. Und dann kommt noch etwas dazu, was viele unterschätzen: Nichts ist planbar.
Was meinst Du damit?
Weil die kleineren Kinder ja permanent krank sind. Immer. Kaum ist ein Kind gesund, kommt das nächste. Und Mütter müssen ja auch arbeiten. Können aber nicht planen, weil: Kind krank. Und dann bricht alles zusammen.Das sind diese Überdruckmittel, die man ständig mit sich herumträgt – und die werfen immer wieder alles über den Haufen.
Und wenn dann mal alles läuft, alle gesund sind, man kurz denkt: Jetzt wird es leichter – dann passiert oft das Gegenteil. Dann bricht die Mutter zusammen. Weil sie die ganze Zeit funktioniert hat. Und irgendwann geht es einfach nicht mehr.
Eigentlich sind wir ja moderne Sklavinnen?
Ja, so ist es. Ich kann ja berichten aus den 70ern: Da war es selbstverständlich, dass die Frau nicht gearbeitet hat. Meinem Mann wäre das auch nicht recht gewesen. Hätte ich gesagt, die Kinder kommen mit 1,5 in die Kita – das gab es ja gar nicht. Und es wäre ihm vor den Nachbarn peinlich gewesen. Der Mann war der Versorger, der Held, der wurde beklatscht. Und die Frau? Die wird heute nicht beklatscht, wenn sie einen tollen Job hat und viel Geld verdient. Denn wenn sie heimkommt, hat sie noch den ganzen Haushalt. Die Kinder müssen zum Fußball, zum Ballett. Von der Stundenzahl ist das nicht zu schaffen.
Also ist es heute nicht einfacher geworden und die Überforderung kein Wunder?
Unsere Welt ist für uns Frauen nicht besser geworden. Die Emanzipation hat uns eigentlich nicht viel gebracht: Wir müssen doppelt so viel machen, haben aber nicht mehr Hilfe im Haushalt. Selbst wenn beide gut verdienen – du kannst dich auf niemanden verlassen. Die Haushaltshilfe kommt nicht. Ist krank. Hat eigene Kinder, die krank sind. Im Grunde bist du für alles selbst verantwortlich.
Was ist der wichtigste Schritt, um da rauszukommen?
Das muss man üben: Fünfe gerade sein lassen. Wirklich. Dieses Bild im Kopf loslassen, dass alles perfekt sein muss. Struktur ist wichtig, klar. Aber man darf nicht zusammenbrechen, wenn sie mal nicht funktioniert. Oma fällt auch mal aus, die vielleicht sonst immer hilft. Viele haben nicht mal diese Hilfe. Und dann steht man da. Und in bestimmten Jobs kannst du auch nicht sagen: „Ich komme heute nicht.“ Meine Tochter Nina ist Zahnärztin – die kann das nicht. Wenn du eine Firma hast, geht das auch nicht.
Wie schafft man sich denn konkret Entlastung im Alltag?
Du musst dir als Mutter Freiräume schaffen. Aktiv. Das heißt ganz praktisch: „Kinder, ich gehe jetzt mal ins Bad. Zehn Minuten. Ihr dürft euch den Fernseher anmachen.“ Und ja – dann gibt es halt Gummibärchen und dann läuft eine Serie. Egal. Auch wenn man da sonst sehr drauf achtet. Aber du brauchst diesen Moment. Sonst kippst du irgendwann. Wenn du immer alles gibst, bist du irgendwann dauerhaft gereizt. Dünnhäutig. Viele müssen ständig weinen, können nicht mehr schlafen. Und dann heißt es schnell: Hormone. Oft ist es aber einfach nur zu viel.
Muss der Mann mehr übernehmen?
Man kann schon sagen: „Hase, kannst du das machen?“ Aber man muss auch ehrlich sein: Die machen es anders. Und dann sind wir wieder unzufrieden. Das ist vorprogrammierter Ärger. Deshalb: Jeder macht das, was er gut kann. Der Mann macht Müll, Garten, Auto, Reifen aufpumpen. Solche Sachen. Und dann setzt man sich zusammen – vielleicht mit einer schönen Flasche Wein – und überlegt: Wie können wir alles so aufteilen, dass es einfacher wird? Aber, so realistisch muss man sein, die Frau wird immer mehr machen. Weil wir es besser hinkriegen. Da muss man schauen: Wie kann ich mich entlasten? Und wie halte ich die Partnerschaft frisch, damit die nicht auf der Strecke bleibt? Es auch ganz wichtig für Paare, mal ohne Kinder auszugehen. Oder ins Kino. Oder ins Hotel, wenn man jemanden findet, der ins Haus kommt und aufpasst. Der Sex im Hotelbett ist ein anderer als daheim, wenn man drumherum drei Kinderzimmer hat. Aber auch das gehört zum Leben, dass man sich wie Mann und Frau fühlt.
Und wie sieht Entlastung konkret aus?
Das Ziel wäre immer: Eine Perle, die einmal die Woche Küche und Bad gründlich macht. Das geht oft schon mit kleinem Budget. Und sonst: Dinge kombinieren. Wenn ich abends einen Film gucke, bügele ich dabei. Dann habe ich beides erledigt. Das muss man sich basteln.
Viele sagen: Ich kann erst entspannen, wenn alles ordentlich ist.
Das ist eine Typfrage. Ich mache es so: Ich stehe auf, mache sofort mein Bett. Dann ist das Schlafzimmer erledigt. Und ganz wichtig: eine ordentliche Küche. Da gehst du ständig rein und raus. Wenn die unordentlich ist, stresst das. Und die größte Erfindung ist die Spülmaschine. Wenn du alles da reinräumst, ist die halbe Küche schon aufgeräumt.Dann einmal durch die Wohnung gehen, die groben Sachen weg – und gut. Perfekt braucht es nicht.
Und die Kinder? Die helfen ja eher… na ja. Zumindest ist es oft ein Kampf.
Dann lernen sie es. Wenn ein Kind sein Zimmer nicht aufräumt: Tür zu. Am Putztag wird aufgeräumt. Dann merken die irgendwann selbst: Das ist mir zu wühlerig. Man muss loslassen. Das muss man lernen.
Und wenn gar nichts mehr geht?
Dann wird die Liste immer länger. Und dann sage ich: „Passt mal auf, Freunde der Nacht – heute bestellen wir Pizza.“ Da fällt kein Kind um, nur weil da mal nicht Bio draufsteht. Man muss sich erleichtern. Und: Lebensmittel liefern lassen. Wasserkisten schleppen? Warum? Finde den Service, den du brauchst und nutze ihn.
Und dieser ganze Schönheitsdruck obendrauf?
Der Schönheitskult ist ein Thema für sich. Wenn die Wimpern schon drei Meter vor der Tür reinkommen. Das braucht man ja alles nicht.
Dein bester Trick für den Familienalltag?
Mach’ ein Spiel draus. Alle Kinder räumen ihre Zimmer auf – und wer es am schönsten gemacht hat, darf am Wochenende entscheiden. Film aussuchen, Ausflug vorschlagen, was auch immer. Dann hast du Spaß – und weniger Stress.
Dein wichtigster Satz für Frauen, die gerade völlig erschöpft sind?
Du musst dich selbst zur Priorität machen. Sonst hältst du das nicht durch.
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Insta: silvia_fauck_coach_krisen
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