Saltar para o conteúdo principal

ABSCHIEDNEHMEN FÜR ANFÄNGER*INNEN

KINDERBUCH-KRITIK (Abre numa nova janela)

Gestern Morgen erschrak ich, als ich auf die Terrasse trat: Da lag ein totes Taubenküken, das wohl aus dem Nest gefallen sein muss (oder schlimmstenfalls von einem Geschwisterküken herausgestoßen wurde). Nun war das nicht der erste tote Vogel meines Lebens (Abre numa nova janela), nicht die erste verunglückte Taube. Und doch war es irgendwie komisch. Bis ich Entsorgungs-Vorkehrungen traf, verging etwas Zeit, denn irgendwie arbeitete diese kleine, tote Tier in mir. Komisch.

Jedenfalls soll dies jetzt der Anlass sein, euch endlich vier Bücher über Trauer und Abschied vorzustellen, die mich und uns bereits geraume Zeit begleiten. Streng genommen sind es drei Bücher rund um das Themenfeld Tod und Trauerverarbeitung (Abre numa nova janela) und eines, in dem es um das Wiederaufrichten nach dem Sturm. Doch um das Heilen von Wunden geht es in jedem der ansehnlichen und intensiven Kinderbücher, die alle so ab dem Altern von circa vier oder fünf Jahren zu empfehlen sind.

Obschon alle drei Bücher zur Trauerüberwindung oder eher Trauerintegration eben dies zum Thema haben (Abre numa nova janela), könnten sie unterschiedlicher kaum sein. Okay, zwei haben – ausgerechnet! – den Tod eines Vogels zum Thema. Das heftigste der Bücher handelt vom Abschiednehmen eines Menschen und betrachtet den Weg zum Ende und den Umgang nach dem Tod. Lena Raubaum (Text) und Leonie Schlager (Illustrationen) machen direkt zu Beginn von Komm, ich trag dich ein Stück, sagte die Schildkröte klar: „[e]twas Trauriges würde passieren.“

Aus: Komm, ich trag dich ein Stück, sagte die Schildkröte // © Lena Raubaum (Text), Leonie Schlager (Illustration) / 2025 Verlagsanstalt Tyrolia Ges. m.b. H.
Aus: Komm, ich trag dich ein Stück, sagte die Schildkröte // © Lena Raubaum (Text), Leonie Schlager (Illustration) / 2025 Verlagsanstalt Tyrolia Ges. m.b. H.

Fragen wie „Warum? Warum musste das passieren? Hätte es verhindert werden können?“ stehen ebenso im Raum, wie Angst und überhaupt sehr viele, sehr unterschiedliche Gefühle (Abre numa nova janela). Gefühle, die atmen wollen. „Lass sie Luft holen (Abre numa nova janela)“, sagt die Schildkröte. Tränen werden vergossen und betrachtet, traurige wie fröhliche. Das ist von Lena Raubaum wunderbar feinfühlig, poetisch und doch frei von Kitsch geschrieben. Trauer und Trost gehen hier Hand in Hand, Wort in Bild (Abre numa nova janela).

Aus: Komm, ich trag dich ein Stück, sagte die Schildkröte // © Lena Raubaum (Text), Leonie Schlager (Illustration) / 2025 Verlagsanstalt Tyrolia Ges. m.b. H.
Aus: Komm, ich trag dich ein Stück, sagte die Schildkröte // © Lena Raubaum (Text), Leonie Schlager (Illustration) / 2025 Verlagsanstalt Tyrolia Ges. m.b. H.

Die Illustrationen von Leonie Schlager ergänzen die Texte durch ihre melancholisch-zarte Bildsprache, die die Fragen und den Gedankensalat ins Auge tragen. Dieses im Tyrolia Verlag erschienene Begleitbuch zum Abschiednehmen, das in enger Zusammenarbeit mit dem MOMO Kinderpalliativzentrum (Abre numa nova janela) umgesetzt wurde, ist eine wichtige Empfehlung für jene, die das Endgültige ein erstes Mal erleben und/oder vermittelt bekommen müssen. Es ist durch den menschlichen Bezug und somit hohe Identifikationspotenzial sodann auch das schwerste und ernsthafteste der vier Bücher. (Nun kommen ein paar der besten Filme, Bücher und Songs übers Sterben immerhin auch aus Österreich.)

Aus: Komm, ich trag dich ein Stück, sagte die Schildkröte // © Lena Raubaum (Text), Leonie Schlager (Illustration) / 2025 Verlagsanstalt Tyrolia Ges. m.b. H.
Aus: Komm, ich trag dich ein Stück, sagte die Schildkröte // © Lena Raubaum (Text), Leonie Schlager (Illustration) / 2025 Verlagsanstalt Tyrolia Ges. m.b. H.

Etwas abstrakter ist Olivier Tallecs im Gerstenberg Verlag erschienenes Werk um die Frage: Ist Amsel tot? (Spoiler Alert: Ja.) Doch bis das Eichhörnchen, dessen bester Freund Pok und Maus Günther (die famos lustig aussieht, was sicherlich hilft) dies erkennen und akzeptieren dauert es ein wenig. Schließlich aber nehmen sie den Tod der Amsel, der sie so gern zuhörten, an und setzen sie mehr oder weniger bei.

Aus: Ist Amsel tot? // © Oliver Tallec / 2025 Gerstenberg Verlag, Hildesheim
Aus: Ist Amsel tot? // © Oliver Tallec / 2025 Gerstenberg Verlag, Hildesheim

Die Worte Tallecs (gelungene Übersetzung aus dem Französischen von Ina Kronenberger) sind dabei weniger lyrisch als jene der Schildkröte. Eher deskriptiv, in einer Mischung aus lautem Denken und Handlungsbeschreibung. Was in interessantem Widerspruch zu den sehr kunstvollen Illustrationen irgendwo zwischen Graphic Novel und Aquarell steht. Ein wenig hat mensch das Gefühl, durch eine Galerie des Abschieds zu wandeln, was durch die oftmals nicht komplett farbige Seitengestaltung noch verstärkt wird. Immerhin finden wir im letzten imaginierten Raum zurück zum Gesang (Abre numa nova janela).

Aus: Ist Amsel tot? // © Oliver Tallec / 2025 Gerstenberg Verlag, Hildesheim
Aus: Ist Amsel tot? // © Oliver Tallec / 2025 Gerstenberg Verlag, Hildesheim

Ein Eichhörnchen, eine Maus und einen toten Vogel, jetzt ein Eichelhäher, gibt es auch im buntesten und, m. M. n. kindlichstem Buch der Reihe. Das „Bilderbuch zum Abschiednehmen“ Weißt du noch? von Michael Engler (Texte) und Laura Bednarski (Illustrationen) ist auch insofern einigermaßen genügsam, als es jenen, die die Engler'sche Wir zwei-Reihe im Haus haben (Abre numa nova janela), helfen dürfte, den Kindern den Zugang zum Thema zu erleichtern.

Aus: Weißt du noch? // © Michael Engler (Text), Laura Bednarski (Illustration) / 2025 Bastei Lübbe AG
Aus: Weißt du noch? // © Michael Engler (Text), Laura Bednarski (Illustration) / 2025 Bastei Lübbe AG

Thematisch geht auch im im Baumhaus Verlag erschienenen Buch zunächst um das Suchen des vermissten Vogels im Wald (Abre numa nova janela) („Wir werden ihn finden!“), der nicht gefunden wird, sowie ebenfalls die Akzeptanz. Hier allerdings kommt sie durch das Erinnern und letztlich die weisen Worte eines Uhus. (No surprise there. Bei Gerstenberg ist vor einiger Zeit ein Buch mit dem Titel Be More Owl erschienenen, das ich besten Gewissens empfehlen möchte.)

Statt durch Gesang machen die Tiere ihren Frieden mit dem Tod des Freundes in diesem Buch dadurch, dass sie ihn in Geschichten und den fallengelassenen Nüssen und Beeren, die jetzt Saat sind, wiederfinden. Oder anders: Mag der Eichelhäher nun Wurmfutter aka Dünger sein, bilden seine Hinterlassenschaften das zukünftige Lebenswachstum (Abre numa nova janela). Eine feine Message, wenn auch sehr cartoon-ish präsentiert.

Aus: Weißt du noch? // © Michael Engler (Text), Laura Bednarski (Illustration) / 2025 Bastei Lübbe AG
Aus: Weißt du noch? // © Michael Engler (Text), Laura Bednarski (Illustration) / 2025 Bastei Lübbe AG

Sehr viel künstlerischer (Abre numa nova janela) nimmt sich hingegen Der kleine Hase und die alte Weide von Anitra Rowe Schulte (Texte) und Christopher Denise (Illustrationen) aus. Übersetzt aus dem Englischen von Kristina Kreutzer ist das ästhetische Buch bei von Hacht erschienen ist. Passend zum etwas altmodischen Titel sind die schon annähernd anachronistischen Illustrationen. Was vorzüglich zur zwischen Beunruhigung und Behaglichkeit changierenden Geschichte um einen in der Weide Sicherheit suchenden Hasen passt.

Aus: Der kleine Hase und die alte Weide // © Anitra Rowe Schulte (Text), Christopher Denise (Illustration) / 2025 von Hacht Verlag GmbH, Hamburg
Aus: Der kleine Hase und die alte Weide // © Anitra Rowe Schulte (Text), Christopher Denise (Illustration) / 2025 von Hacht Verlag GmbH, Hamburg

Diese Sicherheit gerät ins Wanken, als ein Sturm – so eine Dunkelheit hatte der kleine Hoppelhase noch nie gesehen – die Weide arg in Mitleidenschaft zieht. „'Jetzt sind wir dran, dir zu helfen', sagte der kleine Hase.“ (Das Bild auf der betreffenden Doppelseite: Gänsehaut und Tränenalarm (Abre numa nova janela)!) So machen er und weitere Tiere sich daran, die Weide nicht nur zu pflegen, sondern die abgebrochenen Zweige wieder einzupflanzen und „weit und breit […] die Liebe der alten Weide“ zu säen.

Aus: Der kleine Hase und die alte Weide // © Anitra Rowe Schulte (Text), Christopher Denise (Illustration) / 2025 von Hacht Verlag GmbH, Hamburg
Aus: Der kleine Hase und die alte Weide // © Anitra Rowe Schulte (Text), Christopher Denise (Illustration) / 2025 von Hacht Verlag GmbH, Hamburg

Was irgendwie kitschig klingt, doch in Kombination mit der unsagbar ergreifenden Bildsprache Denises und Schultes zaghaftem Aufbau der Geschichte bestens passt. An sich wäre ich nun geneigt, zu schreiben, dass diese Rezension dank Hase und Weide mit Zuversicht und Lichtblick endet (Abre numa nova janela). Das allerdings wäre vollkommen fehlgeleitet, würde es doch implizieren, dass der Tod, der Abschied, das Endgültige ohne jede Hoffnung kämen und begleitet würden. (Wieso denke ich gerade an The Endless? Ach ja, weil es bei Sandman primär um Enden und Tode geht.)

https://steady.page/de/thelittlequeerreview/posts/23dfe7ba-d364-45ef-9d31-5babafd568ef (Abre numa nova janela)

Dem ist nicht so, das vermitteln alle der besprochenen Bücher auf so vielfältige wie nachwirkende und bildkräftige Art und Weise. Hervorzuheben ist, dass keiner der vier Titel so klingt, als würde er uns einen allgemeingültigen Weg aufzeigen wollen, sich der Ausschließlichkeit erdreisten. Nein, es sind Begleiter in verschiedenen Tönen bei voller Offenheit.

AS

IN EIGENER SACHE: Da unser reguläres Online-Magazin noch immer nicht wieder am Start ist, veröffentlichen wir vorerst hier. Mehr dazu lest ihr in unserem Instagram-Post (Abre numa nova janela) oder auf Facebook (Abre numa nova janela). Außerdem freuen wir uns immer, wenn ihr uns einen Kaffee spendieren wollt (Abre numa nova janela), durch unseren Merch stöbert (Abre numa nova janela) oder uns direkt via PayPal (Mail: info_at_thelittlequeerreview.de) unterstützen mögt.

Lena Raubaum (Text); Leonie Schlager (Illustration): Komm, ich trag dich ein Stück, sagte die Schildkröte (Abre numa nova janela); August 2025; 26 Seiten, durchgehend farbig illustriert; Hardcover; Format: 24 cm x 17 cm; ab 5 Jahren; ISBN 978-3-7022-4311-1; Tyrolia Verlag; 16,00 €

Olivier Tallec: Ist Amsel tot? (Abre numa nova janela); Aus dem Französischen von Ina Kronenberger; Juni 2025; 40 Seiten, durchgehend farbig illustriert; Hardcover; Format: 28 cm x 20 cm; ab 5 Jahren; ISBN 978-3-8369-6330-5; Gerstenberg Verlag; 15,00 €

Michael Engler (Texte), Laura Bednarski (Illustrationen): Weißt du noch? (Abre numa nova janela); März 2025; 32 Seiten, durchgehend farbig illustriert; Hardcover; Format: 30,4 cm x 24,8 cm; ab 4 Jahren; ISBN 978-3-8339-0968-9; Baumhaus Verlag; 15,00 €

Anitra Rowe Schulte (Texte), Christopher Denise (Illustrationen): Der kleine Hase und die alte Weide (Abre numa nova janela); Aus dem Englischen von Kristina Kreutzer; September 2025; 40 Seiten, durchgehend farbig illustriert; Hardcover; Format: 28,1 cm x 21,8 cm; ab 4 Jahren; ISBN: 978-3-96826-062-4; Von Hacht Verlag; 18,00 €

https://steady.page/de/thelittlequeerreview/posts/9d4452f2-8aac-4481-8984-9e84aaf4d8fd (Abre numa nova janela)
Tópico KINDERBUCH

0 comentários

Gostaria de ser o primeiro a escrever um comentário?
Torne-se membro de the little queer review e comece a conversa.
Torne-se membro