Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!
Nachdem Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) gestern seine Krebserkrankung öffentlich gemacht hat, reagierten Politiker*innen aller Parteien mit Genesungswünschen und Zuspruch. Bis gestern dachte ich, es wäre eine der wenigen Sachen, über die sich in Österreich alle einigen können: Wenn jemand krank ist, wünscht man sich, dass die Person geheilt wird.
Aber, nein. Dass dem nicht so ist, zeigt ein Blick in die Kommentarspalte von Onlinemedien bzw. auf Social Media. Zumindest kurzfristig. Die seriösen Medien wie Zeit im Bild (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) und Kurier (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) haben die Kommentare auf Facebook, Instagram und Co inzwischen moderiert und die ärgsten Hassnachrichten gelöscht. Als Spuren des Hasses bleiben nur noch die User-Kommentare übrig, die den Kopf schütteln. ”Wenn man so manche empathielose Kommentare liest, wird man stutzig, wie verroht einige Menschen sind,” schreibt etwa eine Userin unter einem Kurier-Beitrag.
Dass es ethisch noch eine Klasse tiefer geht, beweist der mit Medienförderung bedachte Exxpress. Stunden später sind dort noch immer Kommentare der untersten Schublade online, die ich hier nicht wiedergeben will. Mich lässt das kopfschüttelnd zurück.

Außerdem im Newsletter: Neuer Privilegienskandal in der WKO, 50.000 Jobs wackeln bei Volkswagen und die USA müssen Zölle zurückzahlen.

8.000 Euro Gehaltserhöhung nach einem Monat
Vermutlich haben Sie bis heute auch noch nie von Eva Landrichtinger gehört. Die 33-jährige Linzerin hat im ÖVP-Universum eine steile Karriere hingelegt. Direkt nach dem Jus-Studium heuerte sie als meineabgeordnete.at (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) 2017 als Referentin im Kabinett von Wirtschaftsminister Harald Mahrer (ÖVP) an. Innerhalb von nicht einmal vier Jahren stieg sie als Generalsekretärin zur höchsten Beamtin des mächtigen Wirtschaftsministeriums auf. Das Gehalt dort: 200.000 Euro brutto pro Jahr. Im November 2025 folgte der fliegende Wechsel vom Ministerium zur Lobbyistin in die Wirtschaftskammer: Landrichtinger ist dort Geschäftsführerin der Bundessparte Bank und Versicherung in der WKÖ. Allein dieser Seitenwechsel wäre kritikwürdig. Schließlich ist das Wirtschaftsministerium für die Regulierung von Banken zuständig - etwa die Bankenabgabe oder strengen Kreditvergaberegelungen.
Der Rechnungshof deckte (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) nun auf, dass die Juristin nach nur einem Monat nach Jobantritt eine vierstellige Gehaltserhöhung bekam (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Offizielle Begründung der WKO: wegen „besonders guter Leistungen“. Besonders pikant: Die Kammer beschloss die Gehaltserhöhung just zu dem Zeitpunkt, als die Kritik (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) an der 4,2-prozentigen Lohnerhöhung für Mitarbeiter*innen am lautesten war. Während einfache Kammermitarbeiter*innen zurückstecken mussten, wurden Gehälter in der Topetage dennoch erhöht.

Bis zu 50.000 Stellen wackeln bei Volkswagen
Der VW-Konzernchef Oliver Blume hat (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) in einer internen Mitteilung an Mitarbeiter*innen mit einem Abbau von bis zu 50.000 Stellen weltweit gedroht. Als Begründung gab er an, dass die sogenannten Gemeinkosten bei VW um 20 Prozent höher als bei vergleichbaren Unternehmen sei. Personalkosten machen rund die Hälfte dieser Gemeinkosten aus.
Seit Jänner wird an einem Sparplan gearbeitet, Details sind nicht bekannt. Insidern zufolge war Blume mit seinem Sparplan vergangene Woche im Aufsichtsrat gescheitert. Im Raum steht etwa die Schließung von Werken in Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm in Deutschland.
Auch die österreichische Wirtschaft könnte davon stark betroffen sein, berichtet die Presse (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Laut einer Studie weisen 135 österreichische Unternehmen mit rund 6.300 Arbeitsplätze enge Verbindungen zum deutschen Autokonzern auf. Die Automobilindustrie in Österreich ist besonders von deutschen Herstellern abhängig, 65 Prozent exportieren direkt nach Deutschland.

USA zahlen Zölle zurück
Die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump kommt den amerikanischen Steuerzahler*innen teuer zu stehen. Nachdem der Supreme Court im Februar den Großteil der Trump’schen Zölle für verfassungswidrig erklärte, müssen aus dem Budget die zuvor abgehobenen Zölle den Unternehmen zurückerstattet werden. Laut amerikanischen Budgetdaten mussten (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) unglaubliche 71 Milliarden Euro zurückgezahlt werden, das meiste davon im Mai und Juni.
Zum Vergleich, das entspricht rund einem Viertel des gesamten Staatshaushaltes Österreichs.

Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

Neos brechen ihr Transparenzversprechen
Im beliebten Karmeliterviertel in der Wiener Leopoldstadt soll eine 1893 errichtete Volksschule abgerissen werden. Warum, ist unklar.
Die Behörde beruft sich auf Statikgutachten, will diese aber trotz Informationsfreiheitsgesetz nicht rausrücken. Besonders pikant: Die zuständige Koalitionspartei Neos bricht (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) damit ihr eigenes Transparenzversprechen. Klar ist jedenfalls: Für einen Neubau der Schule ist sowieso kein Geld da.
https://zwischenbruecken.at/schule-schwarzingergasse-wird-ohne-not-abgerissen/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Auf Europas größtem Männerkongress sollte ich mit meinem Penis sprechen
250 Männer, die ihre Männlichkeit suchen. Ich war dabei – und habe mich überraschend wohlgefühlt.
https://krautreporter.de/geschlecht-und-gerechtigkeit/6456-auf-europas-grosstem-mannerkongress-sollte-ich-mit-meinem-penis-sprechen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
EU Kommission mauert bei Informationen zur Gaza-Hilfe
Nicht nur in Wien wollen Regierungsbehörden Dokumente nicht rausrücken, auch in Brüssel setzt die EU-Kommission auf Intransparenz. Im Mittelpunkt steht der österreichische EU-Beamte Michael Karnitschnig. Der EUOberserver versucht Dokumente zur EU-Förderungen im Gaza-Streifen zu erhalten. Denn zwischen 2021 und 2024 förderte die EU mit rund einer Milliarde Euro den Bau von Infrastrukturprojekten im Gazastreifen. Wofür das Geld verwendet wurde und vor allem wie viele der Infrastrukturinvestition im Gaza-Krieg zerstört wurden, lässt sich durch die Geheimhaltung nicht aufdecken.
Fragt sich zunehmend, ob echt Bürger*innen hinter Social-Media-Usern stecken:
Dominik
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