Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!
Sechs Mal schlafen noch bis Weihnachten. Mit meinen Kindern habe ich das heute Morgen abgezählt. Die Vorfreude ist enorm. Mein Sohn rührt mich, weil er sich am meisten auf die Zeit mit der Familie freut, aber, schiebt er hinterher, auch auf die Geschenke. Meine Kinder haben so viele Wünsche, dass das Schenken nicht schwerfällt.
Für erwachsene Freund*innen und Familienmitglieder fällt es mir ungleich schwerer, etwas Passendes zu finden. Eigentlich haben sie ja alles. Lang dachte ich, mein Geschenk muss von Herzen kommen, originell und schön sein und idealerweise auch genutzt werden. In der Realität ist das kaum zu schaffen, ich irrlichtere regelmäßig am 23. Dezember über die Mariahilfer Straße und kaufe am Ende irgendetwas. Dass es nicht nur mir so geht, hat mir der amüsante Artikel von Alexander Krützfeldt gezeigt, den wir heute von Krautreporter unten im Newsletter haben – wie immer bei seinen Artikeln herrlich getextet, persönlich und witzig.

Außerdem heute im Newsletter: Ringen um Ukraine-Kredite und Mercosur-Abkommen beim EU-Gipfel, Hintergründe zum überraschenden Freispruch eines Entführers und eine verzweifelte Mutter auf der Suche nach ihren Kindern.

EU-Gipfel: Verhandlungen zu Ukraine-Kredit
Die Ukraine braucht Geld und könnte es auch bekommen: Bei einem EU-Gipfel wird heute (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) verhandelt, ob eingefrorenes russisches Vermögen als Unterstützungskredite für die Ukraine verwendet werden darf. Aufgrund der Wirtschaftssanktionen sind rund 210 Milliarden Euro aus Russland auf europäischen Konten eingefroren. Der Vorschlag: Die Ukraine könnte daraus einen 90-Milliarden-Euro-Kredit erhalten. Das Vorhaben ist juristisch extrem heikel, die Regierungen von Italien, Ungarn, Slowakei stellen sich dagegen. Belgien, wo alleine 180 Milliarden Euro der russischen Zentralbank beim Finanzdienstleister Euroclear geparkt (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) sind, fordert für eine Zustimmung eine unbeschränkte Haftungsübernahme durch die EU. Der Spiegel (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) erklärt ausführlich, warum das Unterfangen juristisch heikel ist. Russland könnte etwa zum finanzpolitischen Gegenschlag ausholen und europäische Vermögenswerte in Russland einkassieren. Langwierige Klagen sind vorprogrammiert.
Auch wenn es nicht auf der Agenda des EU-Gipfels steht, wird heute das EU-Mercusor-Abkommen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) Thema sein. Seit 25 Jahren wird das Abkommen verhandelt, für Samstag ist die Unterzeichnung in Brasilien geplant. Bevor EU-Kommissionspräsidenten Ursula von der Leyen nach Südamerika reist, verlangt sie aber einen Mehrheitsbeschluss der Mitgliedsstaaten für das Abkommen. Frankreich ist derzeit noch massiv dagegen, Italien zögert, auch Österreich hat einen gültigen Nationalratsbeschluss aus dem Jahr 2019 gegen das Wirtschaftsabkommen mit Südamerika. Das Thema hat vor allem für die ÖVP parteiintern Sprengkraft: Der Bauernbund und Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) sind gegen eine Unterzeichnung, Wirtschaftsbund und Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) dafür. Hitzige Verhandlungen sind heute vorprogrammiert.

Aufregung um Freispruch für mutmaßlichen Entführer
Bei einem Polizeieinsatz nach einem harmlosen Verkehrsunfall macht ein 6-jähriges Mädchen ein SOS-Handzeichen, die Polzist*innen reagieren schnell und nehmen den Mann fest. Schnell verbreitet sich die Meldung, der Ex-Freund habe die Frau, seine Stieftochter und das Baby unter Gewaltandrohung entführt; die Polizei stellt ein Messer fest.
Der mehrfach vorbestrafte Iraker, gegen den die Frau bereits ein Annäherungsverbot erwirkt hatte, wurde trotzdem überraschend Anfang der Woche vor Gericht freigesprochen, der Standard hat eine Gerichtsreportage (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).
Warum? Die Frau und die Sechsjährige machen vor Gericht von ihrem Recht Gebrauch, die Zeugenaussage gegen einen Angehörigen zu verweigern. Ihre bisherigen Angaben sind rechtlich als inexistent zu werten und dürfen nicht verwertet werden. Die einzige logische Folge ist ein Freispruch des Angeklagten.
Der Standard hat recherchiert, dass solche Aussageverweigerungen von Gewaltopfern keine Seltenheit sind. „Selbst Schuld, wenn sie nicht aussagt, hören wir oft“, sagt Michaela Gosch von den Frauenhäusern Steiermark zum Standard. „Gewaltbeziehungen haben so vielschichtige Dynamiken und so viele Grautöne.“ Es gebe sehr viele Gründe, warum Oper sich vor Gericht für die Entschlagung entscheiden: Druck, Drohungen, finanzielle Ängste, eigene Schuldgefühle, Angst vor Vergeltung oder die Sorge vor einer Verurteilung, aber auch eine Wiederaufnahme der Beziehung zum Täter. ORF-Wien (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) meldet indessen, dass Frau und Kinder in der Obhut der Kinder- und Jugendhilfe an einem sicheren, geheimen Ort seien. Das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl prüft jetzt, ob es Gründe für eine Ayslaberkennung des 39-jährigen Irakers gibt.

Vater hält Kinder in Ägypten fest – Mutter wendet sich an Öffentlichkeit
Seit Juli hat Liza Ulitzka ihre Kinder Lily (8) und Noah (6) nicht mehr gesehen und nichts mehr von ihnen gehört; der Ex-Mann und Vater hält sie in seinem Herkunftsland Ägypten versteckt. Wie konnte es dazu kommen? Die Journalistin Ulitzka lernt ihren Ex-Mann 2011 am Tahrir Platz in Kairo kennen, als er gegen das Regime protestiert und sie über die Demonstrationen berichtet. „Er war damals extrem liberal“, sagt (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) Ulitzka. Sie verlieben sich, ziehen nach Wien, heiraten und bekommen zwei Kinder. Bis zum Jahr 2023 lief alles gut, dann begann Ulitzkas Mann sich zu radikalisieren, einschlägige Moscheen zu besuchen. Er übt Druck auf seine Frau aus, will ihr das Reisen verbieten, die Tochter solle keine kurzen Hosen mehr tragen. Es kommt zur Scheidung, der Vater erhält ein Kontaktrecht. Mit Genehmigung des Bezirksgerichts darf er mit den Kindern im Juli zu seinen Eltern nach Ägypten reisen. Doch er kommt nie wieder, am Telefon sagt er Ulitzka „Du hast alles verloren“. Seitdem versucht die Journalistin verzweifelt, ihre Kinder wieder zu finden, das Sorgerecht ist ihm mittlerweile entzogen, auch in Ägypten hat sie eine gerichtliche Verfügung erwirkt, die Kinder mitnehmen zu dürfen. Wo sich die Kinder aufhalten, ist unbekannt, die ägyptischen Großeltern der Kinder sind unkooperativ. Freunde von Ulitzka haben nun ein Crowdfunding (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) gestartet, um ihr mit den fünfstelligen Gerichts- und Anwaltskosten zu helfen. Über Instagram (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) wendet sich die Mutter verzweifelt an die Öffentlichkeit.
Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

Ein Bier und ein Gesetz, bitte!
Das Profil hat einen neuen Morgennewsletter, das Frühstück. Dort finden sich immer wieder spannende Recherchen kompakt erklärt. Gestern deckt etwa Anna Thalhammer auf, dass ein hoher Beamter im Wirtschaftsministerium regelmäßig gemeinsam mit dem Anwalt des in Verruf geratenen gemeinnützigen Bauträgers „Neue Eisentstädter“ Branchenstammtische veranstaltet. Nun ist ein Gesetzesvorschlag im Sinne des Bauträger aufgetaucht, verfasst von eben jenem Beamten. Die Novelle sorgt laut Profil für „massiven Koalitionsknatsch“. Laut SPÖ-Wohnminister Andreas Babler sei das Vorhaben nicht koordiniert und sachlich nicht begründet. Warum der Gesetzesentwurf so brisant ist, steht in dem Newsletter.
https://www.profil.at/dasfruehstueck/knatsch-um-gemeinnuetzige-im-burgenland-ein-bier-und-ein-gesetz-bitte/403113880 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Ich habe das Geheimnis eines guten Geschenks verstanden
Reporter Alexander Krützfeldt war in seiner Familie immer bekannt dafür, der schlechteste Schenker zu sein. Dann hat er etwas Wichtiges begriffen.
https://krautreporter.de/sinn-und-konsum/5186-ich-habe-das-geheimnis-eines-guten-geschenks-verstanden#lesen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Wo humanitäre Konflikte 2026 noch schlimmer werden
Unser Fundstück heute hat einen sehr ernsten Hintergrund: Das International Rescue Commitee ist eine international tätige Hilfsorganisation, die einst auf Anregung von Albert Einstein gegründet wurde. Sie hat nun ihre neueste Emergency Watchlist (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) veröffentlicht. Diese Liste enthält 20 Länder, in denen sich im kommenden Jahr die Lage der Menschen mit großer Wahrscheinlichkeit besonders verschlimmern dürfte. Das dritte Jahr in Folge wird die Krise im Sudan auf Rang eins geführt, gefolgt von der Lage in Gaza und im Westjordanland sowie der Situation im Südsudan.
Der seit April 2023 laufende Krieg im Sudan gilt laut UN aktuell als die schlimmste humanitäre Katastrophe der Welt. Zwölf Millionen Menschen mussten dort ihr Zuhause verlassen, jede*r Zweite ist von Hunger bedroht.
Eine knappe Zusammenfassung der Liste hat der Spiegel (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)/dpa. Das ausführliche pdf steht hier (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).
Wünscht allen schnelle Erfolge beim Geschenkeaussuchen:
Dominik