Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!
Was ich vergangene Woche öffentlich machte (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), ist seit gestern offiziell. Der Tech-Milliardär Peter Thiel wird im Rahmen der Wiener Festwochen nach Wien kommen. Ob er auftreten wird – darüber soll allerdings noch diskutiert werden.
Der Mitgründer von Palantir soll am 7. Juni mit Festwochen-Intendant Milo Rau und dem Theologen Wolfgang Palaver über „Armageddon und Antichrist? Von der Theologie zur Realpolitik“ diskutieren. Doch noch bevor die Veranstaltung stattfindet, wird öffentlich darüber verhandelt, ob sie überhaupt stattfinden soll.
Thiel gilt als eine der polarisierendsten Figuren des Silicon Valley. Seine Firma liefert Überwachungs- und Analysesoftware an Militärs und US-Behörden. Politisch zählt er zu den frühen Unterstützern Donald Trumps und steht weit rechts.
Als Reaktion auf Kritik laden die Festwochen nun zu einer öffentlichen Debatte ins Odeon. Dort soll diskutiert werden, ob Thiel eine Bühne geboten werden soll. Die Entscheidung über die Veranstaltung wollen die Organisatoren am 30. Mai bekanntgeben.
Peter Thiel ist auch das Thema eines Podcasts, der millionenfach gehört und mit dem Concordia-Preis (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) geehrt wurde. Falls Du die „Peter Thiel Story“ noch nicht gehört hast, hier kann sie gehört werden.
https://www.ardsounds.de/episode/urn:ard:episode:c7f36eed0a7fa50e/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Heute wurde auch bekannt, dass die derzeitige ORF-Chefin Ingrid Thurnher sich nicht für die Leitung des ORF ab 2027 bewirbt. Das gebe ihr die Freiheit für die nötigen Reformen: „Ich muss nicht taktieren, ich muss nicht tun, was opportun ist.“

Ansonsten geht es heute um den Iran-Krieg, Proteste in Wien und ein Urteil zu lebenslanger Haft nach Terroranschlag von Villach.

Trotz Waffenruhe: Neue Angriffe zwischen USA und Iran
Die fragile Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran gerät erneut ins Wanken. Nachdem das US-Militär in der Nacht Ziele nahe der Straße von Hormus angegriffen hatte, reagierte Teheran mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Stützpunkte in der Golfregion. Kuwait meldete Beschuss in der Nähe einer großen US-Militärbasis, ließ die Verantwortlichen jedoch offen, so der ORF (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).
Washington bestätigte Angriffe auf eine iranische Stellung bei Bandar Abbas. Dort seien Drohnen für Einsätze gegen US-Ziele vorbereitet worden. Die Operation sei „defensiv“ gewesen und habe der Sicherung der Waffenruhe gedient, erklärte ein US-Beamter. Iranische Medien berichteten von schweren Explosionen.
Die strategisch wichtige Straße von Hormus bleibt damit Zentrum der Eskalation. Der Iran kontrolliert die Meerenge seit Kriegsbeginn Ende Februar weitgehend, die USA reagierten mit einer Seeblockade iranischer Häfen. Die Spannungen treiben die Ölpreise weiter nach oben.
US-Präsident Donald Trump verschärfte zuletzt den Ton. Der Iran wolle zwar ein Abkommen, sagte er – zufrieden sei Washington aber nicht. Die iranischen Revolutionsgarden erklärten ihrerseits, man sei „mit vollen Magazinen“ einsatzbereit.

Protest gegen Uni-Sparpläne: „Wir nehmen es nicht hin“
Die Hitze flimmert über dem Universitätsring, vor der Hauptuni in Wien drängen sich Tausende. Pfiffe, Trommeln, Sprechchöre. „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut!“ – ein Satz, bekannt aus der Klimabewegung, wird nun zur Parole der Universitäten.
Laut Veranstalter*innen demonstrierten rund 28.000 Menschen gegen drohende Budgetkürzungen. Die Universitäten befürchten ab 2028 Einsparungen in Milliardenhöhe. Statt geplanter 16,5 Milliarden Euro könnten nur noch 15,5 Milliarden bleiben. Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner versucht zu beruhigen: Noch sei nichts entschieden. Doch an den Hochschulen wächst die Nervosität.
Rektor*innen warnen vor Personalabbau, überfüllten Hörsälen und schlechteren Studienbedingungen. Die Universitätenkonferenz stellt sich den Kürzungsplänen entgegen: Eigentlich brauche es mehr Geld, nicht weniger. Rund 18 Milliarden Euro seien nötig, um Inflation und steigende Kosten auszugleichen.
Der Protestzug zieht durch die Wiener Innenstadt bis zum Ballhausplatz. Auf Schildern steht: „Brains leave when budgets shrink.“ Die Botschaft ist klar: Wer bei Forschung und Bildung spart, riskiert den Verlust von Fachkräften und Zukunftschancen.
Die Demonstration soll erst der Anfang gewesen sein.

Lebenslange Haft nach Terroranschlag von Villach
Mehr als ein Jahr nach dem Messeranschlag in der Villacher Innenstadt ist ein 24-jähriger Mann zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Schwurgericht in Klagenfurt sprach ihn einstimmig des Mordes, fünffachen Mordversuchs und terroristischer Straftaten schuldig. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Bei dem Angriff war ein 14-Jähriger getötet und fünf weitere Menschen teils lebensgefährlich verletzt worden. Laut Anklage stach der Täter innerhalb von nur 84 Sekunden wahllos auf Passanten ein. Gestoppt wurde er erst durch einen Essenslieferanten, der ihn mit seinem Auto rammte.
Vor Gericht zeigte sich der Angeklagte regungslos und ohne Reue. Bereits bei der Polizei hatte er erklärt, er habe im Namen der Terrormiliz „Islamischer Staat“ gehandelt und eigentlich noch mehr Menschen töten wollen. „Das Einzige, was ich bereue, ist, dass ich nicht gestorben bin“, zitierte ihn der Richter.
Die Staatsanwaltschaft sprach von einer „Blitzradikalisierung“ über soziale Netzwerke. Der aus Syrien geflohene Mann hat sich erst in Österreich zunehmend extremistischer IS-Propaganda zugewandt.

Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

Wenn Bots Bitches jagen
Veronika Kracher bezeichnet sich selbst als „Expertin für belastende Männer im Internet“ – soeben ist ihr zweites Buch „Bitch Hunt“ erschienen. Sophia Krauss hat mit ihr über den Prozess gegen Amber Heard und Online-Hass als Geschäftsmodell für an:schläge Magazin gesprochen.
https://anschlaege.at/wenn-bots-bitches-jagen/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Plötzlich sieht es für die Ukraine besser aus
Drohnen bestimmen den Krieg und die Ukraine weiß die Technologie besser zu nutzen als Russland. Das zeigt sich seit diesem Frühjahr.
https://krautreporter.de/politik-und-macht/6382-plotzlich-sieht-es-fur-die-ukraine-besser-aus#lesen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Dok 1: Das große Handyexperiment
Was passiert, wenn Jugendliche ihr Smartphone ausschalten? Die ORF-Doku „Dok 1“ begleitet ein internationales Experiment mit mehr als 72.000 Teilnehmern. Drei Wochen lang verzichten Jugendliche freiwillig auf ihr Handy – und erleben, wie sich ihr Alltag verändert.
Plötzlich entstehen Gespräche statt Scrollen, Begegnungen statt Dauerbeschallung. Schülerinnen und Schüler organisieren Projekte, besuchen Pflegeheime oder entdecken kreative Hobbys neu. Viele berichten von besserem Schlaf, mehr Konzentration und einem ungewohnten Gefühl von Ruhe.
Die Dokumentation zeigt aber auch, wie tief Smartphones den Alltag prägen. Für manche wird der Verzicht zur Belastungsprobe, andere sprechen erstmals offen über Einsamkeit, Druck in sozialen Netzwerken und digitale Abhängigkeit.
Begleitet wird das Experiment von Wissenschaftler*innen, die die Folgen exzessiver Bildschirmzeit untersuchen. Ihr Fazit: Wer das Handy weglegt, gewinnt oft mehr als nur Zeit – nämlich Raum für echte Beziehungen und neue Erfahrungen.
https://on.orf.at/video/14324516/dok-1-das-grosse-handyexperiment (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Ist noch mit Computern aufgewachsen:
Markus

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