
Vorbereitung, so heißt es, sei die halbe Miete. In meinem Fall eher drei Viertel, denn zwischen Migräneattacken, Schüben und dem ganz normalen Alltagswahnsinn gestaltet sich das Packen eines simplen Koffers zur logistischen Großübung, die jeder Armee-Einsatzplanung Konkurrenz machen könnte.
Also: Wäsche waschen, Haushalt regeln, Steuerunterlagen sortieren (denn das Finanzamt wartet bekanntlich niemals), nebenbei Recherche betreiben, und dann – Trommelwirbel – den Hund zum Krallenschneiden bringen. Halleluja. Mein Hund ist, mit Verlaub, eine Diva von solch empfindsamer Anmut, dass sich Thomas Mann an ihm für seine „Buddenbrooks“ hätte inspirieren lassen können. Kaum berührt die Schere eine Kralle, setzt er zu einem klagenden Gesang an, der in den Ohren unbedarfter Passanten eher nach rituellem Schlachtfest klingt. Ich schwöre, fremde Menschen bleiben stehen und blicken mich an, als hielte ich heimlich eine Metzgerei im Hinterhof. Dabei sind es – nur Krallen. Mein Hund sieht das selbstverständlich völlig anders, und mein inneres Wieselchen nickt emsig und ruft: „Skandal!“ – während die Wasserbüffelin gelassen den Kopf schüttelt und brummt: „War doch gar nicht so schlimm.“
Der Koffer indes ist fast fertig. „Fast“ bedeutet in meinem Sprachgebrauch: Es liegen für fünf Klimazonen vorsorglich Klamotten bereit. Der Herbst ist schließlich eine Jahreszeit, die meteorologisch zwischen karibischer Hitze, sibirischem Schneesturm, fränkischem Dauerregen und alpenländischem Föhn pendelt – und zwar gerne alles am selben Tag. Wer also leicht packt, hat schlicht das Leben nicht verstanden.