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Warum ich Gebärdensprache lerne – obwohl ich Cochlea-Implantate habe

Freier Artikel

Und wieder wurde ich gefragt, warum ich Gebärdensprache lerne, wo ich doch so überzeugt von der Technik bin, die ich nutzen darf.

Ich bin spätertaubt. Ich bin heute eine Frau von 46 Jahren, seit drei Jahren vollständig taub, und ich bin versorgt mit MED-EL Cochlea-Implantaten. Rechts trage ich mit Stolz und sichtbar meinen Hörlibert, ein Sonnet 2. Und links ebenso stolz – wenn auch weniger sichtbar, um ehrlich zu sein gar nicht sichtbar – das MED-EL TICI.

Ich bin stolz darauf, Teilnehmerin dieser Studie sein zu dürfen und eines der weltweit ersten Vollimplantate erhalten zu haben. Ich bin stolz darauf, diese Technik nutzen zu können, die mir Teilhabe im Alltag ermöglicht. Und ich komme wunderbar mit ihr zurecht. Ich möchte sie nicht missen.

Aber.

Ich bin auch Migränepatientin. Und ich entscheide, wann ich hören möchte – und wann nicht. Denn selbst mit der besten Technik, die ich zum Glück nutzen darf, bleibt Hören für einen Menschen mit Hörbehinderung eine Herausforderung. Auch mit der besten Technik, die es diesseits und jenseits der Donau gibt.

Ein Cochlea-Implantat ist kein Zauberstab. Das habe ich schon mehrfach gesagt, und dennoch hält sich hartnäckig die Vorstellung, man schalte die Technik ein, sie hänge am Ohr – und zack – man sei wieder vollständig hergestellt, so wie früher.

Doch so ist es nicht.

Hören strengt an.

Es verlangt Aufmerksamkeit, Konzentration und eine permanente kognitive Verarbeitung der eintreffenden Reize. Stimmen, Schritte, Geschirrklappern, Straßenlärm, ein klingender Löffel auf Porzellan, Gespräche im Hintergrund – all das erreicht gleichzeitig das Gehirn, das daraus Sinn formen muss.

Mitunter fühlt sich das an wie ein Tsunami aus Geräuschen, der gefiltert, sortiert und verarbeitet werden will.

Und deshalb entscheide ich bewusst, wann ich bereit bin für diese Anstrengung – für diesen Strom an Eindrücken – und wann ich in meiner Stille bleibe.

Hier kommt die Gebärdensprache ins Spiel.

Wenn Familie und Freunde gemeinsam mit mir zumindest rudimentäre Kenntnisse aufbauen, bleiben wir in Kommunikation. Dann bin ich nicht abgeschnitten von Gesprächen, wenn ich mich aus dem akustischen Modus zurückziehe. Kommunikation bleibt möglich – ruhig, visuell, ohne die sensorische Überforderung, die das Hören manchmal mit sich bringt.

Das ist der erste Grund.

Der zweite Grund ist ein zutiefst menschlicher.

Gebärdensprache ist eine wunderbare Möglichkeit, mit Menschen in Kontakt zu treten. Ich lerne sie nicht nur für mich selbst. Ich kenne inzwischen viele gehörlose Menschen, und mein tief verankerter Herzenswunsch ist es, mit ihnen besser kommunizieren zu können. Mich austauschen zu können. Gespräche zu führen, die nicht an den Grenzen meines Wortschatzes scheitern.

Ich bin Mitglied in einem Gehörlosenverein. Und dort habe ich etwas erlebt, das mich tief berührt hat.

Ich wurde unglaublich herzlich und liebevoll aufgenommen.

Mit meinen wenigen Kenntnissen. Mit meinen noch unbeholfenen Versuchen, mich auszudrücken. Mit meiner Mischung aus Hörtechnik, Neugier und Lernwillen.

Niemand hat mir dort das Gefühl gegeben, ich sei nicht gut genug. Niemand hat mich bewertet. Niemand hat mich auf Distanz gehalten.

Im Gegenteil.

Allein mit meinen wenigen Gebärden wurde ich sofort Teil dieser Gemeinschaft.

Eine Gemeinschaft, die getragen wird von Rücksicht, Respekt und Kommunikation auf Augenhöhe.

Ich bin eine solche Selbstverständlichkeit von Rücksichtnahme aus der hörenden Welt in dieser Form nicht gewohnt. Umso tiefer empfinde ich die Dankbarkeit für diese Erfahrung.

Und genau deshalb möchte ich meinen Teil dazu beitragen.

Ich möchte besser werden.

Meine Kenntnisse vertiefen.

Diese Sprache ernsthaft lernen.

Nicht aus Pflicht, sondern aus Respekt.

Nicht aus Notwendigkeit allein, sondern aus Verbundenheit.

Gebärdensprache ist für mich kein Gegenentwurf zur Technik. Sie steht nicht im Widerspruch zu meinen Cochlea-Implantaten.

Sie ist vielmehr eine Erweiterung meiner Möglichkeiten. Eine zweite Brücke der Kommunikation. Eine Einladung zur Begegnung.

Und vielleicht ist genau das die eigentliche Antwort auf die eingangs gestellte Frage.

Ich lerne Gebärdensprache nicht trotz meiner Technik.

Ich lerne sie wegen der Menschen.

Denn Kommunikation ist mehr als Schall.

Sie ist Beziehung.

Und jede Sprache, die Menschen miteinander verbindet, ist es wert, gelernt zu werden.

Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr meine Arbeit mit einem Abo unterstützen würdet.

Bleibt's xund eure Frau Kruemelkuchen

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