Passa al contenuto principale

Wenn ein Möbelstück das eigene Weltbild verschiebt – und ein Wiesel versucht, die Alpen zu versetzen

Heute war ich – in einer Mischung aus altruistischer Motivationslage und latentem Selbstbeweisdrang,

vermutlich auch einem Schuss Hybris – als Umzugshelferin im Einsatz.

Ein nobles Unterfangen, dachte ich, ein freundschaftlicher Akt von beinahe heroischer Qualität.

Ein hehres Amt, das man gerne annimmt, wenn man sich selbst noch für körperlich halbwegs leistungsfähig hält.

Was ich jedoch nicht einkalkuliert hatte: dass ich mich dabei als Protagonistin in einem absurden Experimentalfilm wiederfinden würde, in dem Muskelkraft, Größenverhältnisse und physikalische Gesetzmäßigkeiten auf besonders unfreundliche Weise gegeneinander konvergieren.

Doch wie so oft im Leben kommt die Erkenntnis nicht durch philosophische Kontemplation, sondern durch ein grob geschnitztes, unverschämt massives Möbelstück, das sich weigert, kooperativ zu sein.

Noch bevor ich das Ungetüm überhaupt berührt hatte, hüpfte mein inneres Wiesel bereits enthusiastisch in der mentalen Manege herum – flamboyant, übermütig, und in jenem leicht wahnsinnigen Zustand, den man sonst nur bei Tieren beobachtet, die sich für deutlich größer halten, als sie tatsächlich sind. Mein inneres Wiesel – ein oszillierendes, vibrierendes Miniaturwesen, das sich irgendwo zwischen Napoleon, Mission Impossible und einem überzuckerten Manga-Charakter verorten lässt – war in Höchstform.

Dieses Wesen, das mit unerschütterlicher Überzeugung davon ausging, wir könnten problemlos alleine heben, tragen, wuchten.

Wir! Der Umzögling und ich.

Dieses Mini-Kollektiv aus zwei Körpern unter 165 cm, gemeinsam nicht schwerer als ein mittelmäßig ambitionierter Labradoodle.

Das Wiesel war euphorisch, voller Enthusiasmus und verkündete mit der Gravitas eines Feldherrn, der glaubt, mit 1,65 m Körpergröße eigenhändig die Alpen spalten zu können, dass wir alles alleine hieven werden.

Ohne Hilfe.

Ohne Plan.

Ohne Rücksicht auf Wirbelsäulen und orthopädische Kollateralschäden.

Ich hingegen, die traurige Verfechterin der Realität, durfte sehr bald feststellen, wie ernüchternd es ist, sich mit den Einzelteilen eines unfassbar massiven Möbelstücks abzumühen.

Die Möbelstücke waren schwer.

Und die Physik – nun, die Physik war gnadenlos.

Es fühlte sich an, als hätte irgendein Ahne im Zustand barocker Selbstüberschätzung beschlossen, ein Möbel zu erschaffen, das nicht transportiert, sondern quasi geopolitisch verhandelt werden müsste.

Der Moment der Wahrheit

Als ich mich schließlich mit den Einzelteilen des gigantischen Möbelmonuments abmühte, traf mich ein unsentimentaler Erkenntnisschlag.

Die chronische Erkrankung, jene stille Architektin meiner Belastungsgrenzen, hatte bereits deutlich mehr gefordert, als ich wahrhaben wollte. Es war, als würden meine Muskeln in einer sehr assertorischen, beinahe akademisch formulierten Fußnote anmerken:

Siehst du? Der Status deiner Kräfte ist nicht verhandelbar. Bitte zitieren Sie uns korrekt.

Während ich keuchend an irgendeiner Seitenplatte hing, kommentierte das Wiesel empört, die Schwerkraft sei heute besonders unkooperativ. Vermutlich hätte sie beschlossen, ausschließlich gegen uns zu arbeiten – ein persönliches Komplott, wie es klingt, wenn das Ego eines 30-cm-geistigen Wesens gekränkt ist.

Und dennoch: ein Triumph auf 164 Zentimetern - oder kurz Tschaaaakkkaaaa

Trotz allem: Wir haben es geschafft.

Nicht elegant. Nicht ohne Fluchen.

Aber mit einer Mischung aus Improvisation, Hebelgesetzen und einem beinahe promissorischen Vertrauen in unsere Fähigkeit, physikalische Grenzen zu überlisten.

Wir setzten Zugkraft ein, wo Muskelkraft versagte.

Hebelwirkung, wo Willenskraft ins Schwitzen kam.

Und an besonders fragwürdigen Stellen schlicht Hoffnung.

Es war ein Akt der Trotzkraft, der Kleinkörperlichkeit, der heroisch-lächerlichen Entschlossenheit.

0 commenti

Vuoi essere la prima persona a commentare?
Abbonati a Frau_Kruemelkuchen, Diana - hört! Oder doch nicht? - e avvia una conversazione.
Sostieni