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Bewegungen mit Alltagsgegenständen

Einen niederschwelligen Zugang zu körperlicher Aktivierung. Oft lehnen ältere Menschen klassische Gymnastik ab – Bewegungsspiele mit bekannten Gegenständen wirken hier motivierender. So kann ein einfache Wasserflasche etwa als kleines Handgewicht dienen, mit dem leichte Bizeps- oder Schulterübungen ausgeführt werden. Eine Zeitung lässt sich zu einer weichen Kugel formen, die im Sitzen zugeworfen wird, und trainiert dabei Armkoordination und Reaktionsvermögen. Solche Alltagsmaterialien ermöglichen sanfte, intuitive Bewegungen, die die Muskeln stärken, ohne die Gelenke zu überlasten.

In der praktischen Betreuung spiegelt sich dieser Ansatz in bekannten Konzepten wider. Beispielsweise basiert die „10-Minuten-Aktivierung“ nach Ute Schmidt-Hackenberg auf den Prinzipien „Greifen um zu begreifen“ und „Ansprechen der Sinne“. Sie nutzt alltägliche Bewegungen mit Alltagsgegenständen, um verbliebene Fähigkeiten zu aktivieren. Dabei stehen die individuellen Biografien der Teilnehmenden im Zentrum: Themenkisten mit alten Werkzeugen, Bekleidungsstücken oder Haushaltsgegenständen aus früheren Zeiten wecken Erinnerungen und motivieren zum Mitmachen.

Diese Herangehensweise richtet sich an Betreuungskräfte in allen Versorgungsformen (stationär, ambulant, Tagespflege etc.) und ist für Menschen mit sehr unterschiedlichen Fähigkeiten geeignet – von körperlich eingeschränkten Bewohnern bis zu Menschen mit Demenz. Entscheidend ist, dass die Bewegungsangebote Lebensweltnähe bieten und auf vorhandenen Ressourcen aufbauen, sodass jeder aktiv mitmachen kann und Freude am Tun hat. (Hinweis: Das Lexikon - Inhaltsverzeichnis (Si apre in una nuova finestra))

Zielsetzung der Bewegungsangebote mit Alltagsgegenständen

Bewegungsangebote mit Alltagsmaterial verfolgen in der Seniorenbetreuung mehrere Ziele zugleich. Dazu gehören vor allem:

Ganzkörperliche Aktivierung: Übungen mit Gegenständen aus dem Alltag trainieren Muskulatur und Koordination. So kann zum Beispiel das Heben einer gefüllten Flasche Bizeps und Schultern stärken, während koordinative Bewegungen (z.B. das Fangen eines Luftballons) das Gleichgewicht fördern. Bewegungen, die intuitiv ausgeführt werden, sind dabei besonders gelenkschonend und kräftigen die Muskulatur auf sanfte Weise.

Sinne und Wahrnehmung anregen: Alltagsgegenstände sprechen mehrere Sinne gleichzeitig an (Tastsinn, Sehen, Hören). Beim Bewegen unterschiedlicher Materialien (z.B. glatte Flaschen vs. weiche Tücher) verbessern sich Feingefühl und Körperschema. Spielerische Aufgaben wie das Abschätzen von Gewichten, das Hören eines Raschelns oder das erfühlen von Gegenständen fördern die Wahrnehmung und das Körpergefühl.

Kognitive Aktivierung: Durch die Verknüpfung von Bewegung mit Alltagswissen werden geistige Fähigkeiten trainiert. Übungen, die Konzentration und Koordination erfordern, stimulieren nachweislich das Gehirn und fördern die kognitive Gesundheit. Beispielsweise kann das gemeinsame Werfen eines zusammengerollten Zeitungspapiers nicht nur die Motorik trainieren, sondern auch Reaktionsvermögen und Aufmerksamkeit schulen.

Motivation und Spaß: Viele Senioren reagieren positiver auf spielerische Bewegungen als auf standardisierte Gymnastikübungen. Bekannte Gegenstände und humorvolle Ideen („Tennis mit der Fliegenklatsche“) schaffen eine lockere Atmosphäre. Bewegungsspiele mit vertrauten Objekten erzeugen gute Laune und Gemeinschaftsgefühl, wie etwa eine Samba-Übung mit leeren Flaschen zeigt. Diese Freude am Mitmachen steigert die Motivation und kann auch Bewegungsmuffel aktivieren.

Ganzheitliches Training: Insgesamt werden Körper und Geist gleichzeitig angesprochen – alle Sinne werden mitbewegt. Dies stärkt nicht nur die körperliche Fitness, sondern wirkt sich ganzheitlich positiv auf Wohlbefinden und Selbstwert aus. Indem Biografie-Elemente integriert werden (z.B. ein Tanz zu früher bekannter Musik, Einkleiden in altbekannte Kleidung), wächst das Gefühl von Vertrautheit und Sicherheit. Alltagsnahe Materialien bringen somit den Alltag mit Bewegung zusammen: „Alle Materialien stammen aus dem Haushalt oder sind günstig und leicht zu besorgen“.

Vor- und Nachteile des Einsatzes von Alltagsgegenständen in Bewegungsangeboten

Bei der Planung solcher Aktivitäten gilt es, die Stärken und Grenzen des Konzepts abzuwägen.

Vorteile:

  • Niedrige Kosten und Verfügbarkeit: Viele Übungen erfordern nur Dinge, die ohnehin vorhanden sind (Wasserflaschen, Handtücher, Papier etc.). Teure oder spezielle Sportgeräte sind in der Regel nicht nötig.

  • Hohe Akzeptanz: Materialien aus dem täglichen Leben wirken vertraut und entkräften Berührungsängste. Teilnehmende fühlen sich ernstgenommen, da weder Altersgymnastik noch Hochleistungssport im Vordergrund steht, sondern das Beschäftigen mit Alltagsgegenständen.

  • Vielfältige Einsatzmöglichkeiten: Viele Gegenstände lassen sich multifunktional einsetzen. Eine Trinkflasche kann zum Heben, Rollen oder sogar als Bowlingkegel dienen; ein Tuch kann geschwungen, gedehnt oder als Hindernis genutzt werden. Dies erhält die Abwechslung und verhindert Eintönigkeit.

  • Ganzheitlicher Ansatz: Körperliche, geistige und soziale Aspekte werden kombiniert. Die Angebote integrieren Bewegungsaufgaben und Alltagsgegenstände in einem Lern- und Spielkontext. Sie sprechen also mehrere Ebenen an, fördern Fitness und Erinnerungsarbeit zugleich und bauen Ängste ab.

  • Stärkung des Gemeinschaftsgefühls: Gemeinsame Bewegungsspiele mit vertrauten Materialien schaffen Gruppendynamik und fördern soziale Interaktion. Die Aktivierung wird so als bereichernd erlebt und steigert die Lebensfreude.

Nachteile:

  • Begrenzte Belastung: Haushaltsgegenstände sind oft nur für leichte Übungen geeignet. Für konsequentes Kraft- oder Ausdauertraining fehlt meist die Intensität. Sehr schwache Teilnehmerinnen benötigen möglicherweise zusätzliche Hilfestellungen, sehr fitte Teilnehmerinnen könnten die einfachen Alltagsübungen als zu leicht empfinden.

  • Sicherheitsrisiken: Einige Alltagsgegenstände bergen Gefahren. Zerknüllte Papierbälle können scharfkantige Ecken bekommen, Glas- oder Keramikbehälter können zerbrechen. Es ist wichtig, Materialien sorgfältig auszuwählen (z.B. nur unzerbrechliche Materialien, abgerundete Kanten) und den Übungsraum frei von Stolperfallen zu halten.

  • Seriositätsbedenken: Manche Angehörige oder Pflegekräfte finden Spiele mit Alltagsgegenständen vielleicht unseriös, gar „kindisch“. Hier braucht es Aufklärung, dass es sich um ein wissenschaftlich fundiertes Aktivierungsangebot handelt, das auf Spielerisches zurückgreift.

  • Planungsaufwand: Trotz einfacher Materialien müssen die Übungen gut durchdacht sein. Die Leitung braucht Kreativität und Flexibilität, um kontinuierlich passende Aufgaben zu bieten. Ohne Variation und Kontextanpassung können die Angebote schnell langweilig werden.

Anleitung: Praktische Beispiele zur Umsetzung

Im Folgenden einige konkrete Ideen, wie übliche Gegenstände in Bewegungsrunden eingesetzt werden können (jeweils nach Fähigkeiten der Teilnehmenden angepasst):

Bunte Tücher oder Schals: Mit leichten Stofftüchern lassen sich vielfältige Bewegungen realisieren. Beispielübungen: Alle Teilnehmenden halten ein Ende des Tuchs mit ausgestreckten Armen und ziehen es langsam über den Kopf, um Arme und Schultern zu strecken. Dann „wackeln“ sie das Tuch in kleinen Wellenbewegungen, um die Rumpfmuskulatur zu aktivieren. In Sitzkreisen kann gemeinsam ein Tuch rhythmisch hoch und runter geschwungen werden (eine Variante zum „Samba-Tanz mit Flaschen“). Ein anderes Spiel: Ein Tuch wird einem Mitspieler sanft zugeworfen und gefangen, um Koordination und Aufmerksamkeit zu üben. Diese „Tanz- und Schwingübungen“ machen Spaß und animieren auch Bewegungsmuffel.

Wasserflaschen und kleine Gewichte: Gefüllte PET-Flaschen oder Milchkartons dienen als Alltags-Hanteln. Übungen: Die Senior*innen nehmen jeweils eine Flasche in jede Hand und führen einfache Bizeps-Curls (Beugen des Armes) durch oder heben beide Flaschen gleichzeitig über den Kopf und wieder hinunter. Gefüllte Flaschen können auch auf einem Stuhl als kleine Hindernisse platziert werden, um im Sitzen mit dem Fuß einen Softball gegen die Flaschen zu rollen („Flaschen-Bowling“). Eine Variante: Beim langsamen Strecken der Arme werden die Flaschen diagonal über dem Körper nach oben geschoben (wie ein großer Korkenzieher), was Bauch- und Rückenmuskulatur dehnt. Die Gewichtsübungen können im Sitzen oder Stehen erfolgen, je nach Mobilität der Teilnehmenden.

Zeitungen, Papierkugeln und Bälle: Aus Zeitungspapier können weiche Wurfbälle geformt werden. Diese werden in einem Sitzkreis zugeworfen – dies trainiert die Armaußenrotation und die Auge-Hand-Koordination. Eine spielerische Aufgabe ist es, den Papierball mehrfach auf ein Stück Zeitung fallen zu lassen und mit der Handfläche aus dem Sitzen hochzuwerfen („Tischtennis im Sitzen“). Auch ein Luftballon kann als „Federball“ dienen: Er wird möglichst lange in der Luft gehalten, indem die Senioren ihn sich vorsichtig zuwerfen, ohne dass er den Boden berührt. Dadurch werden Schwung- und Feinmotorik gefördert. Bei Bedarf kann ein leicht gezählter Rhythmus (z.B. jeder wirft in zwei Takten) eingebaut werden, um Aufmerksamkeit und Gedächtnis zu trainieren.

Kissen oder Stoffwürfel: Weiche Sitzkissen oder kleine Stoffwürfel lassen sich ähnlich wie Bälle werfen oder balancieren. Beispiel: Zwei Kissen werden aufeinandergelegt, und die Teilnehmer versuchen, sie durch leichtes Werfen mit dem Ball in einer Sitzrunde umzustoßen. Das verbessert Zielen und Körperbeherrschung. Alternativ können Kissen in den Händen gehalten und beim Heben als zusätzliches Gewicht genutzt werden. Bei Teilnahme im Stehen eignen sich weiche Kissen auch für leichte „Stoßübungen“: Wer kann das Kissen am weitesten (vorsichtig!) gegen eine Wand schieben, um Beine und Rumpf zu kräftigen?

Teller oder Tabletts: Ein einfacher Teller (nicht zerbrechlich, z. B. ein stabiler Plastik- oder Melaminteller) kann auf die Hände gestellt und weitergereicht werden, ohne zu verrutschen. Im Sitzen probieren zwei Personen, einen Teller zwischen sich im Tausch umzudrehen, ohne dass er fällt. Diese kooperative Übung fördert Feinmotorik und Zusammenarbeit. Auch ein leichtes Serviertablett kann als Balance-Station dienen: Die Senioren gehen mit dem Tablett in Händen kleine Runden durchs Zimmer und versuchen, dabei ein kleines Objekt (z.B. ein zusammengerolltes Blatt Papier) nicht vom Tablett fallen zu lassen.

Einkaufstaschen und Beutel: Einkaufs- oder Stofftaschen mit und ohne Inhalt sind vielseitig einsetzbar. Übungsidee: Teilnehmer nehmen eine Tüte in der Hand und machen langsame Auf- und Ab-Bewegungen (wie einen schwer beladenen Hebe-Kraft). Dabei soll die Tasche möglichst ruhig in der Luft gehalten werden, ohne zu wackeln. Auch ein Füllübung: Alle haben eine leere Einkaufstasche vor sich. Auf ein Zeichen holen sie von einem zentralen Korb ein kleines Objekt (Schwamm, Tuch) mit der freien Hand und legen es in ihre Tasche. Das fördert Fingerfertigkeit, greift den Alltag („Einkäufe einräumen“) auf und motiviert zum schnellen Wechsel zwischen Sitzen und Greifen.

Konkrete Hinweise zur Anpassung an verschiedene Bedarfe

Je nach körperlichen oder kognitiven Einschränkungen müssen die Übungen angepasst werden. Dabei gilt grundsätzlich: Individuelle Fähigkeiten berücksichtigen und sicherheitsorientiert handeln.

Kognitive Einschränkungen (z.B. Demenz): Verwenden Sie möglichst bekannte, leicht erkennbare Gegenstände und sprechen Sie in einfachen, klaren Sätzen. Demonstrieren Sie jede Übung vor und führen Sie sie ggf. gemeinsam mit der Person durch. Kurze, einprägsame Handlungsaufforderungen („Heb die Flasche!“ statt „Nun machen Sie einen Bizeps-Curl“) helfen. Wiederholen Sie Abläufe mehrmals mit ruhiger Stimme und unterstützen Sie mit visuellen Signalen (z. B. durch Mimik oder leichte Führung). Themenkisten mit Erinnerungsobjekten können Motivation geben, da sie an frühere Lebensabschnitte anknüpfen. Achten Sie darauf, Überforderungen zu vermeiden: Bauen Sie Pausen ein und loben Sie jeden kleinen Erfolg.

Motorische Einschränkungen: Bieten Sie viele Übungen im Sitzen an, wenn das Gehen unsicher ist. Wählen Sie besonders leichte oder fest verschlossene Gegenstände (gefüllte Plastikflaschen statt schwerer Gläser) und verkleinern Sie die Bewegungsweiten (z. B. nur Handbewegungen statt großer Armkreise). Bei Gleichgewichtsproblemen können sich Senioren im Sitzen festhalten oder nebeneinander halten, um Stabilität zu gewinnen. Achten Sie immer auf sichere Unterlagen (z.B. rutschfeste Sitzflächen) und passen Sie die Dauer der Einheit dem Ausdauervermögen an (lieber mehrere kurze, als eine lange, überfordernde Runde).

Sinnesbeeinträchtigungen: Für Sehbehinderte wählen Sie bunte Gegenstände mit Klangelement (z.B. Rassel in einer Flasche) oder betonen Sie taktile Reize (Strukturen von Stoffen spüren). Bei Hörproblemen kann Musik oder Rhythmus gegebenenfalls lauter gestellt oder die Aufgabe durch Klatschen visualisiert werden. Visuelle Hilfsmittel wie große Symbole oder klare Körperdemonstrationen unterstützen das Verständnis.

Weitere Anpassungen: Achten Sie auf Tagesform und Stimmung der Teilnehmenden. Manche ältere Menschen sind abends müder oder morgens beweglicher. Passen Sie Reigen und Tempo der Übung an, halten Sie gegebenenfalls ein kurzes, beschäftigendes Element („Kurze Denkaufgabe“ oder Singen) bereit, um Interaktion zu fördern. Das Ziel bleibt immer, das vorhandene Können zu fördern – nicht zu überfordern.

Im Kern zählt die Flexibilität des Betreuungsteams: Auf jede Person eingehen, Übungen variieren und mit Empathie begleiten. So können Alltagsgegenstände in der Bewegungsförderung einen wertvollen Beitrag leisten – sie kombinieren körperliches Training, sensorische Anregung und Alltagserinnerung und stärken damit die ganzheitliche Aktivierung der Senioren.

Aktivierungsideen mit Alltagsgegenständen

Alltagsgegenstände eröffnen vielfältige Möglichkeiten, Senioren sowohl körperlich als auch geistig zu fördern. Die Verwendung vertrauter Gegenstände kann als „Schlüsselreiz“ wirken und vergessene Fähigkeiten oder Erinnerungen aktivieren. Schon einfache hauswirtschaftliche Tätigkeiten wie Servietten falten, Kräuter schneiden oder Schwämme tasten fördern Feinmotorik und vermitteln Teilhabe am Alltag. Speziell bei Demenzkranken hilft regelmäßiges Aktivierungstraining, vorhandene Alltagskompetenzen länger zu erhalten.

Tücher und Stoffe

Viele Senioren reagieren positiv auf bunte, weiche Tücher. Tücher stimulieren visuell (Farben) und haptisch (weiches Material) und senken die Hemmschwelle für Bewegung. Sie eignen sich für Sinnesübungen, Sitztänze und Koordinationsspiele.

Bewegungsübungen mit Seidentüchern

Material: Halstücher oder leichte Stofffetzen in verschiedenen Farben.

Durchführung: Die Teilnehmenden halten das Tuch vor sich oder an den Händen. Einfache Arm- und Oberkörperbewegungen werden mit dem Tuch begleitet – z. B. das Tuch in den Händen wie eine Fahne schwenken oder über den Kopf ziehen. Sinnvoll sind regelmäßige Muster (z. B. „oben, unten, seitlich ausstrecken“). Die Blickrichtung kann je nach Fähigkeitslevel angepasst werden (Blick auf Tuch oder in die Ferne). So wird über die visuelle Reizung und die taktile Rückmeldung sowohl die Rumpf- als auch die Arm-Motorik gefördert. Bewegungsrituale (etwa zu Musik) unterstützen den Spaß.

Variante Einzel: Die Pflegekraft führt die Bewegungen langsam vor und begleitet eine Seniorin am Stuhl. Die Seniorin hält dabei ein buntes Tuch an beiden Enden. Gemeinsam ziehen sie das Tuch nach oben zur Decke und wieder herunter. Die Seniorin sitzt und folgt den Bewegungen im eigenen Tempo.
Praxisbeispiel: Frau Meier (82) sitzt auf einem bequemen Stuhl. Die Betreuungskraft erklärt, sie wolle gemeinsam ein „Farben-Tuch“ bewegen. Sie hebt ein rotes Halstuch über den Kopf und sagt: „Jetzt die roten Fahnen schwenken!“. Frau Meier greift zu und winkt das Tuch auf und ab. Anschließend zieht die Betreuungskraft das Tuch langsam vor Frau Meiers Gesicht hoch: „Riesenseidentuch!“ Dabei reißt Frau Meier begeistert ihre Augen auf und lacht. Durch diese ruhige Einzelsituation traut sie sich, die einfachen Bewegungen mitzumachen und hat Kontakt zur Betreuerin.

Variante Gruppe: Mehrere Senior*innen im Stuhlkreis erhalten jeweils ein buntes Tuch. Auf einfache Anweisungen heben sie ihre Tücher gemeinsam nach oben („Hoch in den Himmel!“) und senken sie wieder. Zur Musik („Samba“ oder ein Walzer) führen alle synchron Tanzbewegungen aus (Schritte im Sitzen, Tücher schwingen). Durch das Gruppenerlebnis entsteht Gemeinschaft und Motivation.
Praxisbeispiel: In der Sitztanzgruppe erhalten alle Teilnehmenden ein rosa Jongliertuch. Die Leitung ruft: „Alle strecken die Arme weit aus!“ – die Senioren strecken sich mit Tuch. Zum Walzersong werden die Tücher langsam zur Seite geführt. Dabei hält Herr Becker (90, mobil) sein Tuch stolz neben sich, während sich die Gruppe lächelnd im Takt bewegt. Die Gruppenleiterin lobt: „Sehr schön, jeder in seinem Tempo!“ Dadurch fühlen sich alle eingebunden und bewegen sich mit Freude.

Stoffmuster und Texturen ertasten

Material: Pro Teilnehmendem kleine Stoffmuster (Viskose, Seide, Leinen, Frottee, Jeans usw.).

Durchführung: Die Teilnehmenden fühlen blind verschiedene Stoffmuster. Die Betreuerin fragt nach Unterschieden (weich/rau, dick/dünn). Anschließend können Muster für bestimmte Kleidungsstücke zugeordnet werden (z. B. „Welches Stück wäre gut für einen warmen Mantel?“). Dieser Wechsel zwischen Fühlen, Raten und Sprechen fördert den Tastsinn und das Gedächtnis. Für Mobilitätseingeschränkte sind die Stoffmuster leicht zu handhaben.

Variante Einzel: Einer Seniorin werden nacheinander verschiedene Stoffstücke gereicht. Sie ertastet z. B. einen glatten Seidenstoff und sagt: „Das fühlt sich fein an, wie ein Tuch um den Hals.“ Die Pflegekraft motiviert: „Gut getastet – und hier?“, und legt eine raue Jeansprobe in ihre Hand. Die Seniorin reibt darüber und lacht: „Ach, das kenne ich vom Alltag, das sind meine Jeans!“ Durch gezielte Fragen („Woher kennst du das?“) wird die Biografie eingebunden.
Praxisbeispiel: Herr Klein (75) hat eine leichte Demenz und sitzt im Rollstuhl. Die Betreuungskraft hält ihm verschiedene Stoffstücke vor, die er ertasten kann. An einem rotem Samtstoff schnuppert Herr Klein überrascht: „Ah, das hatten wir früher im Wohnzimmer!“ Die Pflegekraft erinnert: „Genau, Ihre rote Decke.“ Herr Klein lächelt und erzählt von früher, wie er mit seiner Frau die Couch dekoriert hat. Gleichzeitig übt er die Pinzettengreifbewegung beim Anfassen der kleinen Stoffstifte.

Variante Gruppe: Im Stuhlkreis erhält jede Person mehrere Stoffmuster. Gemeinsam wird geraten: „Welches Muster ist das weichste?“. Die Senioren legen nacheinander Stoffe in die Mitte und beschreiben sie („Das fühlt sich wie ein Wollpullover an.“). Ein Spielleiter behält die Übersicht und fragt nach: „Wofür könnte man das hier benutzen?“ Dabei spricht man über Kleidung, Heimtextilien oder früheres Nähen. Diese Gesprächsimpel baut neben der Wahrnehmung auch Gruppendynamik auf.
Praxisbeispiel: Acht Senioren sitzen im Kreis. Die Betreuerin hält ein kleines Stück karierten Stoff in die Runde. Die Teilnehmenden fühlen und raten: „Das ist kariert, das könnte ein Hemdstoff sein.“ Eine Seniorin ergänzt: „So eins hatte ich mit meinem Mann.“ Nachdem alle geantwortet haben, lobt die Leitung die Erinnerungsleistung. Dann wird ein Seidenstoff weitergegeben, und die Runde teilt, wer früher Seidentücher oder edle Kleider kannte. So regen vertraute Texturen auch biografische Gespräche an.

Bälle und Kugeln

Bälle sprechen von Natur aus zur Bewegung an und wecken sofortige Aufmerksamkeit Werfen, Fangen und Balancieren trainiert Koordination, Reaktionsfähigkeit und Augen-Hand-Koordination. Bälle gibt es in vielen Größen und Materialien (Luftballon, Softball, Tennisball), so dass Varianten für verschiedene Fähigkeitsniveaus möglich sind.

Ballwurf mit Erinnerungsimpulsen

Material: Ein weicher Schaumstoff- oder Gymnastikball.

Durchführung: Die Senioren sitzen im Kreis oder an Tischen. Die Betreuerin wirft den Ball zu einer Person und nennt dabei ein Thema (z. B. „Tiere“). Wer den Ball fängt, muss zu diesem Thema etwas sagen oder nennen (Tier, Tiername, Tierlaut o.ä.). Anschließend wird der Ball weitergeworfen. So verbinden sich einfache Wurfübungen mit kognitiver Aktivierung. Mit steigendem Tempo oder wechselnden Themen (Blumen, Länder, Essen) kann die Schwierigkeit gesteigert werden.

Variante Einzel: Eine Seniorin wirft den Ball selbst zur Betreuungskraft hin und her. Bei jeder Rückgabe muss sie etwas zu einem vorgegebenen Thema nennen. Beispiel: Die Pflegekraft sagt: „Blumen.“, wirft den Ball zu Frau Werner, die antwortet: „Rose.“ Sie wirft zurück und sagt: „Haus.“ Die Pflegekraft fängt und nennt ein weiteres Thema. Diese Zwei-Personen-Variante ermöglicht leichtere Hilfestellung und Wiederholung, wenn nötig.
Praxisbeispiel: Die Betreuungskraft steht hinter Frau Werner (86, ohne Demenz) und ruft „Meinung“. Sie wirft den weichen Ball leicht zu Frau Werner. Die Seniorin fängt und sagt spontan: „Fußball!“ – sie ist sportbegeistert. Die Betreuerin lobt: „Richtig! Ich würfle … Fußball ist toll.“ Dann sagt sie „Sportarten“ und wirft erneut. Nun antwortet Frau Werner: „Tennis“. Durch die unterstützende Atmosphäre kann Frau Werner leicht kontern und bleibt bei Laune.

Variante Gruppe: Der Ball wird innerhalb einer Gruppe weitergereicht. Wer fängt, nennt ein Wort zum aktuellen Thema, zum Beispiel „Obst“. Daraufhin nennt die gefangene Person ein Obst (z. B. „Banane“). Anschließend wirft sie den Ball weiter und nennt ein neues Thema. Die Gruppe ist aktiv beteiligt und hört mit. Für mehr Bewegung können die Teilnehmenden mit dem Ball zusätzlich aufstehen oder im Sitzen Bälle zwischen den Knien balancieren.
Praxisbeispiel: In einer Runde sitzen sechs Senioren an einem langen Tisch. Die Betreuerin wirft Herrn Mayer (80) den Ball zu und sagt: „Tiere“. Er fängt und überlegt: „Elefant!“. Dann wirft er zum nächsten, Frau Schulze (78), und sagt: „Reisen“. Sie fängt und antwortet: „Paris.“ Alle nicken mit. Dieses Steh- und Sitzspiel löst Gelächter aus, wenn jemand stockt – so fördert der Ballwechsel nicht nur Erinnerung und Motorik, sondern stärkt auch den Gruppenzusammenhalt.

Balance- und Ballgewöhnung im Sitzen

Material: Ein leichter Gymnastikball oder Luftballon.

Durchführung: Ideal für motorisch eingeschränkte Senioren. Im Sitzen halten alle einen Ball auf der flachen Hand oder auf dem Kopf balancieren. Kleinere Aufgaben sind geeignet, etwa ein Luftballon in der Hand kreisen lassen. Dies trainiert Feinmotorik, Gleichgewicht im Oberkörper und Konzentration. Beim Balancieren kann man auch parallel geistige Aufgaben einbauen: Summen oder Singen, um Rhythmusgefühl zu integrieren. Wichtig ist dabei, Überforderung zu vermeiden.

Variante Einzel: Im Einzelsetting kann ein Senior mit leicht eingeschränkter Motorik üben. Die Betreuungskraft platziert den Ball in Frau L.s Handfläche und bittet sie, ihn ruhig zu halten, während sie leichte Atemübungen macht („Ein- und Ausatmen, bitte.“). Nach wenigen Atemzügen lässt Frau L. den Ball los und rollt ihn auf ihrem Schoß zur Betreuerin.
Praxisbeispiel: Herr Meier (88) sitzt im Rollstuhl. Die Pflegekraft legt einen weichen gelben Gymnastikball auf seine Handfläche. Sie fordert: „Halte den Ball ruhig, während wir zusammen dreimal atmen.“ Herr Meier schafft es, ihn festzuhalten. Dann soll er den Ball auf beiden Händen hin- und hergleiten lassen. So stabilisiert er seinen Oberkörper und trainiert das Kraftgefühl im Arm, ohne aufzustehen.

Variante Gruppe: Mehrere Senioren sitzen Rücken an Rücken in der Mitte des Raumes. Sie erhalten jeweils einen Luftballon. Auf Zuruf („Balance“) halten sie diesen auf der flachen Hand über ihrem Schoß – ohne ihn herunterfallen zu lassen. Wer bewegt? Musik kann gespielt werden: Bei jedem Stopp hält man den Ball. Einfache Übungen (Auf den Ball tippen, seitlich rollen) machen mit dem Takt zusätzliche Bewegung ins Spiel.
Praxisbeispiel: In einer Sitztanz-Runde halten alle Teilnehmer einen bunten Luftballon in der Hand. Die Betreuerin legt Musik ein. Bei sanften Rhythmen lässt jeder den Ball in langsamen Kreisen über der Hand drehen. Plötzlich stoppt die Musik – Frau K. (hat leichte Demenz) denkt schnell nach, streckt beide Hände aus und hält den Ball fest. Alle klatschen Beifall. Dieses kurze Spiel regt die Sinne an und fördert Aufmerksamkeit, auch wenn die Beteiligten sitzen bleiben müssen.

Flaschen, Gläser und Becher

Leere Flaschen und Trinkgläser aus dem Alltag lassen sich vielseitig für Bewegung und Wahrnehmung einsetzen. Sie können als „Instrumente“ dienen (Klangbildung beim Klappern) oder als Ziel beim Werfen. Farbige Flüssigkeiten in Flaschen erzeugen visuelle Reize. So lassen sich motorische Spiele einfach gestalten, z. B. „Kegeln“ mit Plastikflaschen. Bei kognitiven Varianten (Memory mit Getränken) wird das Gedächtnis angeregt.

Getränkememory mit Flaschen und Gläsern

Material: Kleine Flaschen mit unterschiedlichen Getränken (Wasser, Saft, Kaffee) und dazu passende Gläser oder Tassen. Jedes Getränk hat genau ein passendes Gefäß.

Durchführung: Flaschen und Gläser werden gemischt auf einen Tisch gestellt. Die Teilnehmenden sollen nun herausfinden, welches Getränk in welches Glas gehört. Dabei werden Flaschen hochgehoben (Gewicht fühlen), Deckel geschraubt (Kraftübung) und Flascheninhalt geräuschvoll geschüttelt (akustische Wahrnehmung). Parallel erzählt man kurz, wo man die Getränke früher gekauft oder getrunken hat. Dieses Spiel verbindet sensorische Aktivierung mit Gedächtnis- und Gesprächsanregung.

Variante Einzel: Die Pflegekraft stellt eine Glas-Flasch-Paare auf dem Tisch bereit. Sie fordert die Seniorin auf, nacheinander je eine Flasche zu öffnen und in ein Glas zu füllen. Gemeinsam raten sie vorher, was wohl drin ist („Das ist wohl Eistee?“). Frau Becker (80) öffnet schwer einen Kaffeeglasdeckel und riecht daran: „Sehr intensiv, ja, Kaffee!“ Gemeinsam wird das Glas gefüllt. Dieser Zweierkontakt ermöglicht gezielte Hilfestellung beim Öffnen und Sprechen über Alltagserfahrungen mit dem jeweiligen Getränk.
Praxisbeispiel: Herr Schulz (mit leichter Demenz) sitzt am Tisch. Die Betreuungskraft platziert sechs bunte Limonadenflaschen, drei Tassen und drei Gläser. Sie sagt: „Hier steht eine rote Limo und … wo ist das Glas dazu?“ Herr Schulz nimmt eine durchsichtige Limo, hebt sie an, schraubt den Deckel ab und gießt vorsichtig in eine Kaffeetasse. Er nickt zufrieden: „Stimmt, passt.“ Die Betreuerin lobt sein Bemühen. Danach lernen sie ein neues Getränk kennen, etwa schwarzen Tee, und der alte Geruch weckt Erinnerungen an Sonntagnachmittage.

Variante Gruppe: In einer Tischrunde sind mehrere Flaschen und Gläser verteilt. Jeder Senior wählt eine Flasche, öffnet sie und übergibt sie einer anderen Person im Uhrzeigersinn, die das zugehörige Glas sucht und füllt. Dabei achten alle darauf, dass niemand das falsche Glas nimmt. Im Anschluss kann man Quizfragen stellen („Wer kennt das Getränk hier?“) oder Biografisches erfragen („Welches Getränk haben Sie früher oft getrunken?“). So werden Motorik, Kooperation und Gedächtnis kombiniert.
Praxisbeispiel: Vier Senioren sitzen um einen Tisch. Frau Schneider (75) hält eine Flasche mit Wasser, Herr Fischer (83) eine mit Bier, Frau Klein (79) eine mit Saft, Herr Maier (88) eine mit Pfefferminztee. Jeder tauscht in festen Reihen. Frau Schneider gießt ihr Wasser in die ihr gegenüberstehende Tasse. Sie fragt: „Was trinkt ihr gerne?“ – Herr Fischer lacht: „Ein kleines Bierchen!“ Die Runde erzählt von früheren Kaffeekränzchen und Familienfesten, während nebenbei gegrübelt wird, wer welche Flasche bekommt.

Flaschen-Bowling

Material: Leere Kunststoffflaschen (z. B. 1,5‑Liter-Wasserflaschen) und ein Softball oder Luftballon.

Durchführung: Vier oder mehr Flaschen werden als Kegel aufgestellt (z. B. in einem V). Die Seniorinnen treten mit einem weichen Ball an und versuchen abwechselnd, möglichst viele Flaschen umzuwerfen. Auch ein aufgeblasener Luftballon kann eingesetzt werden („Luftballon-Bowling“) – er fliegt langsamer und macht das Spiel leichter. Ziel ist nicht nur Bewegung, sondern auch das Lachen bei Fehlschlägen und Erfolgserlebnissen. Nach jedem Wurf werden die Flaschen gemeinsam wieder aufgebaut (einfache Handbewegung/Fine-Motorik).

Variante Einzel: Bei eingeschränkter Mobilität stellt man die Flasche nahe vor eine Seniorin und lässt sie im Sitzen von dort aus zuwerfen. Herr Müller (90, Rollstuhl) bekommt einen weichen Schaumstoffball gereicht. Er zielt auf zwei Flaschen vor sich und wirft. Wenn er eine Flasche trifft, klatscht die Betreuerin Beifall. Danach helfen alle gemeinsam beim Aufstellen der Flaschen. Auf diese Weise übt Herr Müller fokussiertes Werfen ohne großen Körpereinsatz.
Praxisbeispiel: Eine Seniorengruppe steht hinter einer Markierung. Frau Weber (aktive 78-Jährige) nimmt einen Luftballon und wirft ihn mit voller Kraft auf die Flaschenkegel. Drei fallen krachend um – Jubel bricht aus. Die Gruppe zählt laut „Drei!“ mit. Anschließend nimmt Frau Weber die aufrechte Flasche, reicht sie Herrn Fischer (82) weiter und sagt lachend: „Jetzt du, alter Stratege!“ – er schiebt die Flaschen neu zusammen und zielt dann selbst im Gehen. Dieses Spiel weckt Begeisterung und bringt Bewegung in den Alltag.

Variante Gruppe: Zwei Teams wetteifern gegeneinander. Jedes Team hat seinen Satz Flaschen. Im Wechsel tritt je ein*e Teilnehmende aus dem Team an und wirft. Das Team, das zuerst alle Flaschen umgeworfen hat, gewinnt. Die Kooperation beim Aufstellen stärkt das Gruppengefühl. In die Runde kann man Quizfragen einbauen („Wie hieß gestern unser Lieblingslied?“) – wer die Frage richtig beantwortet, bekommt einen Bonuswurf. So verknüpft man Motorikspaß mit kognitiver Stimulation.
Praxisbeispiel: Acht Bewohner spielen abwechselnd in zwei Gruppen. Herr Wagner (Gruppe A) wirft und trifft zwei Flaschen. Die Gruppe zählt mit, er grinst. Dann muss ein Teammitglied eine Frage beantworten: „Nenne eine Frucht mit A.“ Die Gruppe A ruft „Apfel!“ und darf weiterwerfen. Die gegnerische Gruppe muss beim nächsten Wurf neu aufstellen – eine lustige Konkurrenz entsteht. Durch das gemeinsame Sortieren der Flaschen bleibt kaum Zeit für Ablenkung und alle konzentrieren sich auf die Aktivierung.

Plastikbecher, Becher und Kartons

Leichte Plastikbecher und Kartons aus Haushaltsverpackungen sind ideale Materialien für Feinmotorik- und Balanceübungen. Stapelspiele (Becher aufeinanderstellen), Balancieren (Ball oder Becher tragen) und Memoryvarianten mit verdeckten Gegenständen fördern gezielt die Handmotorik und Aufmerksamkeit. Außerdem können unter Bechern kleine Gegenstände versteckt werden, sodass ein einfaches Merkspiel entsteht.

Becherstapeln und -sortieren

Material: Plastik- oder Pappbecher in einheitlicher Größe, ggf. kleine Alltagsgegenstände.

Durchführung: Mit den Bechern werden Stapel gebaut. Aufgaben können zunehmen: Zunächst bauen alle einen Turm aus drei Bechern, dann sortieren sie farbige Becher (z. B. Rot, Blau) nach Muster. Man kann auch kleine Gegenstände (Knöpfe, Kastanien) unter Bechern platzieren – nach dem Mischen finden die Teilnehmenden heraus, wo welches Objekt steckt (einfaches Gedächtnisspiel). Dieses Training schult Fingerspitzengefühl und visuelle Unterscheidung.

Variante Einzel: Eine Seniorin soll allein einen Becher-Turm aus vier Bechern hochstapeln. Frau Lang (84) sitzt mit einem Becherset am Tisch. Sie stapelt vorsichtig die Becher, die Hände zittern leicht. Die Betreuerin unterstützt sie verbal: „Schritt für Schritt, einen nach dem anderen.“ Nach dem Turmbau löst Frau Lang die Aufgabe allein und ist stolz auf das Ergebnis. Später versteckt die Pflegekraft einen kleinen Ball unter einem der Becher. Frau Lang hebt die Becher der Reihe nach an und findet den Ball, wobei sie lacht und „Da ist er!“ sagt.
Praxisbeispiel: Herr Schulze (88) sitzt am Tisch und nimmt fünf rote Plastikbecher. Er baut unkoordiniert einen Turm – der erste Sturz wird belächelt. Die Betreuungskraft erklärt: „Nimm einen Becher, setz ihn hier oben auf – gut!“ Schrittweise gelingt es ihm. Schließlich sitzen alle gemeinsam auf dem Boden; die Gruppe beobachtet seine Arbeit und klatscht, als der Turm steht. Dieses Erfolgserlebnis fördert sein Selbstvertrauen. Nach dem Aufbau mischt die Gruppe die Becher mit einem Kissen – Herr Schulze muss sich merken, unter welchem Becher ein Papierbild versteckt ist.

Variante Gruppe: Im Teamstapelspiel treten mehrere Senioren gleichzeitig an. Jeder baut einen Turm; das Team mit dem höchsten Turm gewinnt. Alternativ setzt die Gruppe gemeinsam wechselnd einen Becher auf den Turm. Dabei muss die nächste Person jeweils den Namen des*der Vorherigen wiederholen, um das Gedächtnis zu trainieren. Bei allen Varianten sprechen Erfolgserlebnisse (Turm steht) und lustige Momente (Turm fällt um) für Motivation und Spaß.
Praxisbeispiel: Die Betreuungskraft teilt die Gruppe in Paare. Jedes Paar erhält zehn Becher. Frau Becker und Herr Maier (beide 79) sitzen zusammen. Im Takt einer Musik legen sie abwechselnd je einen Becher oben auf den Turm. Nach jedem Bauzug wird ein gemeinsames Wort gerufen („Hoch!“). Der Turm fällt nach einigen Zügen um – alle lachen. Im nächsten Durchgang merken sie sich mehr: „Denkt an den Rhythmus, lasst uns gemeinsam zählen.“ Am Ende des Spiels steht ein beachtlicher Turm aus acht Bechern. Die Gruppe klatscht begeistert; Frau Becker strahlt: „Ich hab’s geschafft!“

Zeitungen, Zeitschriften und Papier

Zeitungspapier ist ein alltägliches Material, das sowohl kognitive als auch kreative Aktivitäten ermöglich. Das Durchblättern alter Zeitungen weckt Erinnerungen, das Basteln mit Bildern fördert die Feinmotorik, und einfache Spiele wie „Zeitungskugeln-Wurf“ bringen Bewegung. Themenrunden mit aktuellen oder historischen Zeitungsartikeln regen zu Gesprächen und Gedächtnisübungen an.

Historische Zeitungsschau

Material: Zeitungen oder Zeitschriften, idealerweise aus vergangenen Jahrzehnten (z. B. nach Altersgruppe die 1950er–1980er Jahre).

Durchführung: Ältere Zeitungen werden gemeinsam betrachtet. Die Pflegekraft liest eine markante Schlagzeile vor und fragt, was die Teilnehmenden darüber denken oder ob sie sich daran erinnern („Das war der Mauerfall, wie war das für Sie?“). Bilder (Mode, Autos, Politik) werden erkundet, und die Senioren können eigene Erlebnisse schildern. Diese Beschäftigung fördert die kognitive Aktivierung durch Wortschatz (lesen/erzählen) und Emotionen durch persönliche Bezüge zu Ereignissen.

Variante Einzel: Eine Seniorin erhält ein altes Magazin und kann darin blättern. Die Pflegekraft begleitet leise und spricht über die Bilder, z. B.: „Erkennen Sie dieses Kleid, Frau Klein?“ Frau Klein lächelt, erinnert sich an ein ähnliches aus ihrer Jugend und erzählt. Im eigenen Tempo blättert sie weiter, stößt auf Werbung von damals und freut sich, ihre Erinnerung teilen zu können.
Praxisbeispiel: Herr Gerlach (85) blättert vorsichtig durch eine DDR-Tageszeitung von 1960. Er sieht ein Foto von einem Fußballstadion und meint: „Das kenne ich! Ich war damals im Stadion, als ein Tor gefallen ist.“ Die Betreuungskraft ermutigt ihn, mehr zu erzählen. Er beschreibt das Spiel und seine Freunde. Dieses Gespräch regt nicht nur Erinnerung an, sondern verbindet ihn auch emotional mit vertrauten Inhalten.

Variante Gruppe: In der Zeitungslounge sitzen mehrere Senioren zusammen. Ein Themenkreis (z. B. „Urlaub“ oder „Weihnachten früher“) wird vorgegeben. Jeder sucht in den Zeitungen oder Zeitschriften etwas Passendes (Bild, Schlagzeile) und legt es vor. Dann erzählt jeder kurz, warum ersie dieses Bild gewählt hat („Waren Sie auch mal in Italien?“). Durch das gemeinsame Betrachten entsteht ein Gesprächskreis, in dem jede persönliche Anekdote als Beitrag zählt.
Praxisbeispiel: Die Gruppenleitung hat ein altes Reisemagazin verteilt. Frau Maier (70) findet ein Foto von Venedig und berichtet: „Da war ich mit meinem Mann, 1965.“ Herr Lehmann (79) zeigt einen Artikel über Deutschlandreisen: „Ich bin jedes Jahr mit dem Bus an die Ostsee gefahren.“ Die Runde lauscht und stellt Fragen („Welches Essen hat Ihnen am besten geschmeckt?“). Dabei fördern alle Teilnehmer*innen sich gegenseitig, aktiv zu werden und ihre Erinnerungen zu teilen, was das Gedächtnis und das Gemeinschaftsgefühl stärkt.

Zeitungsschlagzeilen erraten

Material: Aktuelle Tageszeitungen oder -magazine.

Durchführung: Die Betreuungskraft liest einer Person nur die Schlagzeile eines kurzen Artikels vor (z. B. „Großes Fußballspiel endet 3:2!“). Die Seniorin soll erraten, worum es geht und Details ergänzen. Danach wird der Artikel in der Zeitung vorgelesen, so wird das Hörverständnis und die Phantasie angesprochen. Dieses Ratespiel trainiert verbales Gedächtnis und hilft, aus wenigen Informationen Hypothesen zu bilden. Variationen sind Fragen („Wer hat gewonnen?“) oder das Weitermachen einer Geschichte nach dem Lesen.

Variante Einzel: Die Pflegekraft liest die Schlagzeile langsam vor: „Eilmeldung: Konzert am Platz …“ Dann fragt sie Herrn Richter (81): „Was glauben Sie, wo das Konzert war?“ Er erwidert „Im Park!“ oder „Am Marktplatz!“. Zusammen wird der dahinterstehende Zeitungsartikel gelesen. Diese ruhige Einzelarbeit ist ideal für Senior*innen, die sich konzentrieren wollen oder sprachlich gefördert werden sollen.
Praxisbeispiel: Frau Wagner (mit beginnender Demenz) erhält die Schlagzeile „Neue Parkanlage in der Stadt eröffnet“. Sie schaut auf und sagt: „Ach, da habe ich selbst geholfen, Bäume zu pflanzen!“ Die Betreuerin schenkt ihr Aufmerksamkeit und liest den Artikel. Frau Wagner lauscht aufmerksam, freut sich, dass ihr Thema in der Zeitung steht, und die emotionale Verbindung motiviert sie, weiter zuzuhören und sich sogar zu äußern.

Variante Gruppe: Die Schlagzeilen werden in der Gruppe besprochen. Jeder hört zu und darf mitraten. Nach dem Artikel kann man diskutieren („Wer kennt diese News?“) oder kleine Quizrunden einfügen („Welche Farben hatte das neue Schild?“). Die Gruppenvariante stärkt das Gemeinschaftsgefühl und die Sprachfähigkeit, während alle an aktuellen Themen teilhaben.
Praxisbeispiel: In einer geselligen Runde liest die Leiterin eine Schlagzeile vor: „Sommerfest im Seniorenheim geplant“. Die Gruppe murmelt: „Oh, wir freuen uns schon!“ Jeder darf nun erraten, was es im Fest geben wird (Musik, Kuchen, etc.). Danach liest die Leitung den Artikel vor: „Am kommenden Freitag feiern wir …“. Anschließend teilen einige Anekdoten darüber, wie sie früher Feste feierten. Die Kommunikation läuft lebhaft, und durch diese leichte Quiz- und Gesprächsrunde wird auch die sprachliche Aktivierung gefördert.

Collage aus Zeitschriftenbildern

Material: Alte Zeitschriften, Zeitungen, Schere, Klebestift oder Klebeband, Blatt Papier oder Karton.

Durchführung: Die Seniorinnen schneiden Bilder oder Wörter aus Zeitschriften aus und kleben sie auf ein großes Blatt zu einem Thema (z. B. „Frühling“, „Hobbys“ oder „Mein Lieblingsort“). Dabei wird über jedes Bild gesprochen: Warum wurde es ausgesucht? Das Kollektive Basteln fördert Feinmotorik (Schneiden) und Kreativität. Im Anschluss kann die Collage präsentiert und besprochen werden, was die Ausdrucksfähigkeit stärkt.

Variante Einzel: Eine Seniorin bastelt eine einfache Collage. Sie erhält ein Thema („Blumen“). Herr Peters (83) schneidet Tulpenbilder aus alten Kalendern aus und klebt sie auf sein Blatt. Währenddessen erinnert er sich: „Bei Oma gab es im Garten Rosen.“ Die Pflegekraft ergänzt: „Möchten Sie das aufkleben?“ Durch diese ruhige Einzelarbeit wird das Biografiewissen aktiviert.
Praxisbeispiel: Frau Albrecht (78) bekam das Thema „Urlaub“. Sie wählt aus einer Zeitschrift ein Foto von einem Bergpanorama und spricht dazu: „Das erinnert mich an die Alpenreise mit den Enkeln.“ Dann klebt sie das Bild auf. Andere Bilder (am Strand, am See) fügt sie hinzu. Danach zeigt sie stolz ihre Collage: „Da war ich in Italien.“ Die Betreuerin lobt ihre Auswahl und fragt nach weiteren Details.

Variante Gruppe: Im Kreis sind Zeitungen und Scheren verteilt. Die Betreuerin nennt ein Motto („Frühling“). Alle suchen nun Bilder oder Wörter heraus. Einer nach dem anderen klebt und erklärt seine Wahl („Ich habe Tulpen, weil sie nach Frühling aussehen“). Die gemeinsame Gestaltung sorgt für Austausch und fördert die Fantasie. Am Ende hängt die Gruppen-Collage am Brett, wo alle sich daran erfreuen können.
Praxisbeispiel: Sechs Seniorinnen sitzen um einen großen Tisch. Jeder schneidet Bilder von Frühlingsblumen aus. Frau Brand (70) klebt ein Vogelbild dazu und bemerkt: „Vögel singen im Frühling.“ Herr Bauer (74) fügt eine Sonne hinzu. Jede Aktion wird kommentiert. Als das Bild fertig ist, halten alle ihre Hände auf die entstandene Collage und freuen sich über das gemeinsame Kunstwerk. Die Gruppenaktivierung in Form eines Bastelworkshops stärkt Kreativität und soziale Interaktion.

Haushaltsgegenstände (Schwämme, Wäscheklammern, Kleiderbügel)

Alltägliche Haushaltsgegenstände wie Schwämme, Wäscheklammern oder Kleiderbügel bieten einfache Aktivierungselemente. Sie sind haptisch erfahrbar und lösen Erinnerungen an Haushalt und Pflege aus. Mit Schwämmen kann man feine Bewegungen (Finger einzeln eindrücken) üben, mit Klammern Greiffähigkeit fördern und Alltagsgespräche (Wäsche, frühere Hausarbeit) anregen.

Schwamm-Tastspiel

Material: Verschiedene Haushaltsschwämme (weich, hart, groß, klein).

Durchführung: Die Senior*innen fühlen mit geschlossenen Augen an unterschiedlichen Schwämmen. Sie beschreiben sie („weich wie Seide“, „hart wie Stein“) und vergleichen. Mit weichen Schwämmen kann man auch leichte Übungen durchführen: Finger einzeln in den Schwamm drücken, so dass der Schwamm ganz sanft aufgibt. Wer die Unterschiede erklärt, übt Sprachfähigkeit. Da Schwämme leicht zu handhaben sind, ist diese Übung gut für Menschen mit eingeschränkter Koordination.

Variante Einzel: Die Pflegekraft gibt einer Seniorin nacheinander vier unterschiedliche Schwämme in die Hand. Frau Klein (79) ertastet zuerst einen weichen grünen Schwamm: „Der ist flauschig und saugfähig.“ Dann hält sie einen harten gelben: „Der ist hart, vielleicht für den Abwasch.“ Die Betreuerin kommentiert: „Genau, sie hatten früher alle Schwämme zuhause. Welche Farbe war Ihr Lieblingsschwamm?“ So fließt Biografiearbeit mit in die Aktivierung ein.
Praxisbeispiel: Herr Lehmann (mit Parkinson) sitzt. Die Betreuerin legt zwei unterschiedlich strukturierte Schwämme auf den Tisch. Sie sagt: „Greif zuerst den grünen.“ Herr Lehmann fühlt: „Noppen… wie meine Badebürste.“ Dann: „Drück deine Finger hier rein.“ Herr Lehmann presst sanft, die Finger schieben sich in kleine Vertiefungen. Anschließend tauschen die Rollen, und er darf raten, was die Pflegekraft ertastet. Diese ruhige, sinnliche Übung beruhigt ihn und aktiviert zugleich die Handmuskeln.

Variante Gruppe: Jeder Teilnehmende erhält einen Schwamm. Auf Ansage drücken alle gemeinsam die Finger in den Schwamm und zählen bis fünf, dann loslassen. Abwechselnd stellt die Gruppenleitung kniffelige Aufgaben: „Drückt nur den Daumen!“ oder „Fühlt nur mit dem kleinen Finger!“. Dabei wird gelacht, wenn jemand aus Versehen einen Finger mehr oder weniger benutzt. So übt die ganze Gruppe Grob- und Feinmotorik im Spiel.
Praxisbeispiel: In einem Stuhlkreis bekommen sechs Senioren jeweils einen einfachen grünen Schwamm. Die Betreuerin ruft nacheinander Finger: „Zeigefinger!“ – alle drücken damit in den Schwamm. Dann „Nur Mittelfinger!“ – einige lachen, weil sie zwei Finger nehmen. Jeder berichtet kurz, ob ihm das einfach oder schwerfiel. Diese Übung weckt über den taktilen Reiz oftmals spontane Kommentare und macht Spaß.

Klammerketten und -spiele

Material: Wäscheklammern, Schnüre oder Wäscheleine, evtl. Papierzettel.

Durchführung: Mit Wäscheklammern lassen sich Ketten basteln (eine Klammer an die nächste hängen), an Kleidung oder Leine hängen oder sogar kleine Botschaften verteilen: Eine Klammer mit einem Zettel wird an den Nächsten weitergereicht (Kettenbrief). Dadurch wird die Greifkraft geübt. Zudem bieten die Themen Waschen/Kleidung Gesprächsstoff (z. B. „Wäsche früher“). Für Menschen mit Demenz ist das einfache Hantieren mit Klammern meist gut bewältigbar.

Variante Einzel: Eine betreute Person befestigt mit Hilfe der Pflegekraft Wäscheklammern an ihren eigenen Ärmeln und an der Jacke. Dabei soll sie jeweils eine Klammer nehmen und möglichst gründlich öffnen. Dadurch trainiert sie die Greif- und Pinzettengriff-Bewegung. Beispiel: Frau Jung (85) heftet bunte Klammern an ihren Rollstuhl, einee Betreuerin hält die Klammer. Gemeinsam üben sie: „Drück mal die zwei Hälften auseinander!“
Praxisbeispiel: Herr Fischer (mit leichter Demenz) bekommt eine Klammer und ein Foto von sich. Er heftet das Foto an seine eigene Jacke. Er rutscht ein wenig ab, lacht und sagt: „Sie kleben wie meine Familienbilder!“ Die Pflegekraft ergänzt: „Ja, so hingen die Bilder bei Ihnen zuhause.“ Anschließend hängt er das nächste Bild an, eine Enkelin auf einem Kissen. Diese Tätigkeit aktiviert seine Erinnerung und gibt ihm Erfolgserlebnis.

Variante Gruppe: Im Stuhlkreis hält jeder eine Klammer und einen kleinen Zettel. Die Betreuerin nennt eine Frage („Welches Buch liest du gerade?“). Jede*r schreibt kurz seine Antwort auf den Zettel, hängt ihn mit der Klammer an das Shirt der Nachbarin. Dann liest die Gruppe einige Antworten vor. So entstehen Gesprächsimpulse. Die bloße Handhabung der Klammern bleibt dabei einfach genug für alle.
Praxisbeispiel: Eine Gruppe von acht Senioren sitzt. Die Leitung teilt Stifte und kleine Karten aus. Sie sagt: „Schreibt euer Lieblingsobst darauf und befestigt den Zettel an einem Nachbarn.“ Die Senioren stutzen, machen aber mit. Die Karten mit Apfel, Birne, Banane flattern über die Kleidung. Danach lacht die Gruppe gemeinsam darüber. Herr Maurer (82) liest zum Schluss „Banane“ und grinst: „Genau, mein täglicher Vitaminspender!“ Dieses Kurzspiel motiviert und lässt auch weniger Kommunikative mitmachen.

Kleiderbügel-Ketten und Zuordnungen

Material: Verschiedene Kleiderbügel (Holz, Draht, Kunststoff) und eventuell einige Kleidungsstücke.

Durchführung: Mit Kleiderbügeln können Ketten gebildet werden (einen Haken in den nächsten einhaken). Außerdem kann man Kleidungsstücke sortieren oder auswählen lassen (z. B. „Welcher Bügel passt zu dieser Jacke?“). Dies trainiert Feinmotorik beim Haken ein- und aushängen. Parallel regen die Betreuerinnen zum Erzählen an („Wie hingen bei Ihnen früher die Kleider?“). Das Thema Waschen und Anziehen weckt oft Erinnerungen.

Variante Einzel: Ein Senior soll eine kleine Wäscheleine herstellen. Die Pflegekraft gibt Herrn Berg (86) drei Kleiderbügel mit Stangen. Er soll die Bügel hintereinander haken, so entsteht eine Kette. Nach jeder Verbindung übt er genaues Einhaken: „Schau mal, ein Bügel ins andere!“ Durch das üben der Bewegung erinnert er sich vielleicht an früheres Aufhängen.
Praxisbeispiel: Herr Berg arbeitet konzentriert an der Kette. Als er den dritten Bügel einhakt, sagt er lächelnd: „Das haben wir früher immer gemacht, als wir die Hemden aufgehängt haben.“ Die Pflegekraft fragt nach: „Haben Sie die Leine selbst gespannt?“ Herr Berg nickt: „Mit meinem Sohn, ja.“ Durch dieses praktische Wiederholen erzählt er spontan eine Geschichte aus der Kindheit.

Variante Gruppe: Alle sitzen um einen Tisch mit je ein paar Bügeln. Die Betreuerin stellt Aufgaben: „Wer schafft aus allen sechs Bügeln die längste Kette?“ Die Gruppe arbeitet zusammen, tippt und lacht, wenn ein Haken herausrutscht. Danach gibt es ein Zuordnungs-Spiel: Verschiedene Kleidungsstücke (z. B. Tuch, Hemd) und mehrere Bügel liegen bereit. Jeder muss den passendsten Bügel auswählen. Danach wird besprochen, warum welcher Bügel zu welchem Stück passt.
Praxisbeispiel: Sechs Bewohner suchen die richtigen Bügel. Frau Reuter (81) überlegt: Ein dickes Wintermantelstück passt nur an den Holzbügel. Sie hängt konzentriert auf. Neben ihr erklärt Herr Klein (75) seiner Nachbarin, warum dieser Bügel „stärker“ wirkt. Durch diese Teamaufgabe entsteht Austausch („Wo kaufen Sie eigentlich Ihre Kleidung?“) und die Bewohner helfen einander. Das gemeinsame Ausprobieren stärkt die Beziehungen und gibt Abwechslung in den Alltag.

Kochen und Küche (Kochlöffel, Servietten, Kaffeemühle)

Küchenutensilien wecken oft starke Erinnerungen an frühere Rollen (Hausfrau, Bäcker, Wirt usw.) und sprechen alle Sinne an (Geruch, Geschmack, Geräusch). Einfache Bewegungs- und Kreativspiele mit Kochlöffeln oder Servietten können die Geschicklichkeit fördern und Lebensfreude wecken. Auch das gemeinsame Mahlen von Kaffee aktiviert Geruch und Erinnerung.

Servietten faltenspielen

Material: Stoff- oder Papierservietten (unterschiedliche Farben/Muster).

Durchführung: Die Teilnehmenden falten Servietten nach Anleitung. Eine einfache Grundfalttechnik (z. B. in der Mitte oder zum Dreieck) wird gezeigt und gemeinsam durchgeführt. Wer mag, kann kreativere Formen (z. B. Fächer) ausprobieren. Dieses Falten trainiert Feinmotorik und Geduld. Nach dem Falten können die Pflegekräfte erfragen, wie jede früher Servietten verwendete (z. B. beim Kaffee). Dies fördert Konzentration und Erinnerungsarbeit.

Variante Einzel: Eine Seniorin faltet allein eine Serviette. Die Betreuerin setzt neben sie, aufmunternd: „Nehmen Sie sie zwischen Daumen und Zeigefinger… genau so.“ Frau Schmitz (84) faltet vorsichtig, ein wenig ungeduldig. Die Betreuerin beruhigt sie mit Worten: „Ganz ruhig, Schritt für Schritt.“ Nachdem die Serviette ordentlich gefaltet ist, strahlt Frau Schmitz über ihr Erfolgserlebnis: „Habe ich gut gemacht.“
Praxisbeispiel: Herr Lehner (82) hat früher in der Gastronomie gearbeitet. Er faltet routiniert mit einer Stoffserviette einen Fächer. Dabei erzählt er: „So haben wir die Tische beim Bankett gedeckt.“ Die Pflegekraft hört interessiert zu. Herr Lehner zeigt stolz seine Serviette: „Gucken Sie, dass kann ich noch!“ Sein fachmännisches Engagement motiviert die Gruppe, und er erhält Anerkennung für seine Leistung.

Variante Gruppe: Die Gruppe sitzt um einen Tisch. Zunächst falten alle gleichzeitig eine einfache Dreiecks-Serviette. Danach zeigt die Betreuerin eine aufwendigere Falttechnik (z. B. Bestecktasche formen). Die Teilnehmenden falten Schritt für Schritt mit. Wer Schwierigkeiten hat, bekommt von Nachbarn oder der Betreuungskraft Unterstützung. Zum Abschluss decken die Senioren im Rollenspiel den Tisch für Kaffee.
Praxisbeispiel: Sechs Senioren falten Servietten. Alle folgen der Anleitung, und es wird ruhig. Plötzlich fällt Herr Maier (87) eine Serviette herunter. Er zuckt zusammen, lacht aber im gleichen Moment: „Aber nicht zum zweiten Mal!“ Die Gruppe schmunzelt. Die Betreuerin lenkt die Situation charmant: „Kein Problem, Material ist genug da.“ So bleibt die Atmosphäre locker. Jeder kann mitmalen und am Ende sind viele schön gefaltete Servietten entstanden.

Kochlöffel-Mikado

Material: Viele Holz- oder Plastikkochlöffel.

Durchführung: Die Kochlöffel werden im Bündel auf dem Boden abgeworfen (ähnlich dem Spiel Mikado). Die Teilnehmer versuchen dann, nacheinander Löffel herauszuziehen, ohne die anderen zu bewegen. Durch das genaue Greifen und Stabilisieren der Löffel werden Finger- und Armkraft trainiert. Neben dem Geschick fördert das Spiel auch Geduld und Konzentration. Als Gesprächsimpuls kann man über Lieblingsrezepte sprechen („Welches Gericht wollten Sie uns erzählen?“).

Variante Einzel: Ein Einzelner legt acht Kochlöffel auf einem Tisch aus. Die Pflegekraft fordert Herrn Schulz (85) auf, einen Löffel wegzunehmen, ohne die übrigen zu verschieben. Herr Schulz entscheidet sich für den mittleren Löffel, zögert und zieht dann vorsichtig – einige andere Löffel wackeln kaum. Er schafft es und strahlt. Die Betreuerin fragt: „Gibt es ein Rezept, das Sie besonders gut kennen?“ Er beginnt von „seinem Pfannkuchenrezept“ zu erzählen, während er noch den verbleibenden Löffel ablegt.
Praxisbeispiel: Frau Baum (79) sitzt am Tisch. Vor ihr liegen sieben bunte Holzlöffel in einem Strauß. Sie wählt vorsichtig den roten Löffel aus der Mitte aus, alle anderen bewegen sich kaum. Beim Herausziehen spricht sie über das Kochen früher: „Mit meinem Mann haben wir immer Rührei gemacht.“ Dieses Erfolgserlebnis verbindet sich mit positiver Biografiearbeit.

Variante Gruppe: Mehrere Personen spielen zugleich. Jeder nimmt reihum einen Löffel aus dem Gemeinschaftsbündel. Wer versehentlich zwei Löffel bewegt, scheidet kurz aus oder nimmt einen kleinen Ball als Strafmarke. Das hält die Spannung. Abschließend können alle gemeinsam die Löffel wieder sammeln. Diese spielerische Herausforderungs-Beschäftigung sorgt für frohe Stimmung, besonders wenn dann alle lachen: „Ups, jetzt habe ich gepatzt!“
Praxisbeispiel: Fünf Senioren sitzen um einen Holztisch. Jeder nimmt geduldig einen Löffel und versucht den Auszugs-Trick. Herr Mayer (88) tut sich schwer; als er scheitert, grinst er und sagt: „Ich hab’s doch einmal gelernt!“ Die Betreuerin ermutigt: „Langsam, nehmen Sie sich Zeit.“ Schließlich gelingt ihm ein Löffelzug ohne Zwischenfall, und er ruft: „Ah, geschafft!“. Die Gruppe applaudiert. Dadurch steigt sein Selbstbewusstsein: „Na, besser als gedacht!“.

Kaffeemühlen-Erinnerung

Material: Manuelle Kaffeemühle (mit oder ohne Keramik-Mahlwerk), Kaffeebohnen oder Kaffeepulver.

Durchführung: Die Senioren schrauben die Kaffeemühle auf, füllen Bohnen hinein und mahlen sie mit der Kurbel. Der frische Kaffeeduft wird ausgiebig eingeatmet. Dabei spricht man über Kaffeerituale („Wer hat früher Kaffee selbst gemahlen?“). Das Mahlen ist eine kraftlose, sich wiederholende Bewegung, ideal zur Feinmotorik- und Kraftförderung im Oberkörper. Am Ende wird gemeinsam genuckelt („Nur noch ein Löffel?“), was alle Sinne anspricht und Erinnerungen weckt.

Variante Einzel: Eine Seniorin sitzt an einem kleinen Tisch. Die Pflegekraft reicht ihr ein paar Bohnen, die sie in die geöffnete Mühle füllen darf. Danach dreht die Seniorin im Uhrzeigersinn an der Kurbel, der Widerstand ist nicht zu hoch. Beim Mahlen schließt sie die Augen und riecht. Die Betreuerin fragt freundlich: „Erinnern Sie sich, wie früher Kaffee gerochen hat?“ Die Seniorin nickt – oft öffnen sich spontan alte Erinnerungen („Früh haben wir samstags gemahlen!“).
Praxisbeispiel: Frau Kuhn (mit Demenz) mahlt langsam Kaffee. Ihre Stirn wirkt konzentriert, der Duft erfüllt den Raum. Die Pflegekraft hält ihr einen Becher unter und sagt: „Atmen Sie tief ein.“ Frau Kuhn lächelt leise: „So riecht meine Jugend.“ Anschließend probiert sie einen kleinen Schluck Kaffee: Die Wärme und das Aroma lösen sichtlich ein Wohlgefühl aus. Sie erzählt von der Kaffeemühle ihrer Großmutter, die ähnlich aussah. Diese Aktivierung kombiniert körperliche Tätigkeit mit starkem Sinneseindruck und Biografie.

Variante Gruppe: Alle sitzen am großen Tisch. Eine Person nach der anderen darf mahlen. Währenddessen fängt ein Erwachsener mit helfender Hand die Unterhaltung an („Wie hattet ihr früher den Kaffee?“). Gemeinsam nippen alle anschließend am warmen Getränk (oder riechen daran). Bei mehreren Mühlen kann man kleine Wettmühlen machen: „Wer schafft einen halben Mühlgang?“ Dies erzeugt ein Erfolgserlebnis, und das schöne Gemeinschaftsgefühl bei Kaffee und Plauderei.
Praxisbeispiel: Drei Bewohner*innen sind am Tisch. Frau Richter mahlt Bohnen, dann Herr Becker, dann Frau Maier. Die Leitung spricht die ganze Zeit über alte Hausfrauenweisheiten („Kein Zucker ohne Kaffee!“). Jeder fühlt sich eingebunden. Zum Abschluss erhalten alle einen Schluck des frisch Genossenen. Die vertrauten Klänge des Mahlwerks und das Zusammensitzen schaffen eine heitere Atmosphäre – ein sinnliches Aktivierungs-Highlight des Nachmittags.

Blumen, Pflanzen und Kräuter

Frische Blumen und Kräuter sind natürliche Reize für alle Sinne. Schon allein das Betrachten und Riechen von Blumen stimuliert die Sinne und löst oft Erinnerungen an frühere Gärten und Ausflüge aus. Aktivitäten mit Pflanzen (Umtopfen, Gießen) üben behutsamen Umgang und Feinmotorik und bieten gleichzeitig ein Erfolgserlebnis, wenn eine Pflanze blüht oder gedeiht.

Blumen- und Duftbetrachtung

Material: Frische Blumensträuße (z. B. Rosen, Tulpen, Geranien) oder Topfpflanzen.

Durchführung: Blumen werden herumgereicht, die Teilnehmenden dürfen sie betrachten und schnuppern. Farben und Formen werden beschrieben („rote Rose, gelbe Tulpe“). Anschließend erklärt jeder, ob und welche Blumen er früher pflegte. Dieses Spiel fördert visuelle Wahrnehmung, Sprachfähigkeit und Biografiearbeit. Auch für Bettlägerige sind Blumenduft und -blick sinnvoll, um Sinneswahrnehmung anzuregen.

Variante Einzel: Eine Senior*in bekommt einen einzelnen Zweig zum Betrachten. Frau Klein (78) hält eine duftende Chrysantheme und erinnert sich: „Meine Mutter hat diese im Herbst immer gepflanzt.“ Die Betreuungskraft fragt nach Details („Wo stand ihr Garten?“). Währenddessen ertastet Frau Klein die Struktur der Blätter. So verbindet sich Sinneserfahrung direkt mit Erinnerungsarbeit.
Praxisbeispiel: Herr Berg (85) erhält eine Narzisse. Zögernd schnuppert er. Plötzlich strahlt er und sagt: „Erinnerungen an Ostern!“ Er erzählt, dass Narzissen seinen Balkon schmückten. Die Pflegekraft notiert auf einem Kärtchen: „Ostern, Balkon, Frau Berg“. Diese Biografiehinweise können später für Gespräche genutzt werden. Die duftende Blume dient dabei als starker Emotional-Reiz.

Variante Gruppe: Mehrere Blumen werden auf dem Tisch verteilt. Jeder zieht verdeckt ein Papier mit dem Namen einer Blume und sucht den richtigen Strauch dazu. Die anderen helfen rätselnd („Hat die Blume Dornen?“). Ist die richtige Blume gefunden, wird über den Begriff gesprochen („Rosen hat doch jeder gern gehabt“). So werden alle Sinne angesprochen und es entsteht ein sprechendes Erlebnis über Blumen.
Praxisbeispiel: In der Runde zieht Herr Müller den Zettel „Geranie“ und bekommt eine Geranienblüte. Er erwähnt: „Ich habe als Kind immer mitgeholfen, diese auf dem Fensterbrett zu gießen.“ Dies wird nun mit allen besprochen. Die anderen teilen ihre Erfahrungen („Sie duften schön!“). Durch solche gemeinsamen Blumen-Aktivitäten entstehen gesellige Gesprächsrunden, die visuelle und olfaktorische Reize mit Erinnerungen verbinden.

Kräuter schneiden und riechen

Material: Frische Kräuter (z. B. Minze, Lavendel, Rosmarin) in kleinen Töpfen oder Sträußen.

Durchführung: Die Kräuter werden im Kreis gereicht. Die Teilnehmer streichen über die Blätter und riechen daran („Frisch, mentholig!“). Ein paar Blätter dürfen vorsichtig abgezupft und zerrieben werden. Anschließend kann man Speisen oder Getränke daraus würzen, oder einfach den Duft einatmen. Dabei können Fragen gestellt werden („Wo hast du früher Kräuter verwendet?“). Dieses taktile Spiel regt Geruchs- und Gefühlszentrum im Gehirn an und passt gut zur Biografiearbeit (Kochen, Garten).

Variante Einzel: Ein Seniorin sitzt am Tisch und erhält einen Topf mit Basilikum. Die Pflegekraft sagt: „Fassen Sie mal hier an den Stängel und zerreib mal ein Blatt.“ Herr Fischer (77) kneift vorsichtig und riecht: „Das riecht wie früher bei uns in der Küche, Papa hatte immer Basilikum am Fenster.“ Beide erinnern sich an alte Familienrezepte.
Praxisbeispiel: Frau Brand (80) hält Lavendelblüten. Sie zerreibt vorsichtig ein Blatt zwischen ihren Fingern und schließt die Augen: „Oh, das ist aber entspannend.“ Die Betreuerin erklärt, dass Lavendel im Bad oder zum Einschlafen verwendet wurde. Frau Brand nickt: „Ja, das hatten meine Eltern im Schlafzimmer.“ Sie zerrt an einem Zweig und schnuppert erneut. Diese Aktivität stärkt ihre Ruhe und weckt zugleich Emotionen durch den Duft.

Variante Gruppe: Jemand stellt einen Korb mit verschiedenen Kräutern in die Mitte. Die Gruppe darf reihum Düfte probieren. Eine Moderatorin fragt nach Gewürz-Vorlieben („Lieben Sie Thymian oder lieber Petersilie?“). Anschließend kann zum Kaffeetrinken ein Kräuteraufguss gereicht werden („Pfefferminztee?“). So werden alle Sinne angesprochen und gleichzeitig Ernährungsgewohnheiten thematisiert.
Praxisbeispiel: Sechs Bewohner stehen um einen Tisch mit Kräutersträußen. Einer der Gruppe schnuppert an Rosmarin und erzählt: „Die Großmutter hat Suppen damit gewürzt.“ Ein anderer fügt Minze hinzu: „Als Erkältungstee war das super.“ Die Betreuerin gießt das heiße Wasser für einen Tee auf, und alle kosten zusammen. Dieses gemeinsame Riechen und Schmecken regt Gespräche an und wirkt beruhigend.

Bastelmaterialien (Wolle, Stoffreste, Knöpfe, Stifte)

Materialien zum Basteln und Werken fördern Kreativität und Feinmotorik. Stricken, Nähen, Fädeln und Malen – all das hielt in früheren Zeiten viele Senioren geistig und körperlich fit. Wolle und Stoffreste wecken Erinnerungen an Handarbeiten; Knöpfe und Buntstifte regen Sortier- und Zeichenübungen an. Solche Aktivitäten stärken Selbstbewusstsein durch ein sichtbares Ergebnis (Fertiges Bild oder gefädelte Kette).

Wollknäuel-Werfen

Material: Ein Wollknäuel mit langem Faden.

Durchführung: Die Betreuerin wirft das Knäuel zu einer Person, die den Faden abwickelt und weiterwirft. So kann man ein Muster oder Netz gestalten, während das Knäuel kleiner wird. Dieses Spiel aktiviert Armbewegungen und fördert das visuelle Erfassen der Schnurverbindung. Zugleich wird erzählt: „Wer hat früher gestrickt?“ oder „Wofür brauchten wir oft Wolle?“ Dadurch bleibt die Biografie im Gespräch.

Variante Einzel: Eine Seniorin sitzt mit dem Wollknäuel auf dem Schoß. Sie rollt ein paar Meter ab und wirft es zum Tisch in ihrer Nähe, um Rückmeldung zu erhalten, bevor sie weiter abwickelt. Dieses Seilspringen-vermeidend-werfen nimmt den Druck: „Einfach zuwerfen, nicht auf den Faden treten.“ Gerade bei Personen mit Koordinationsschwierigkeiten ist dieses ruhige Werfen- und Einziehen angemessen.
Praxisbeispiel: Frau Braun (85) erhält das Knäuel. Sie hält das Ende fest und lässt Finger für Finger Wolle abrollen, während sie leise mitsingt. Mit etwas Schwung wirft sie das Knäuel dann zum Tisch. Einige Schnurreste liegen, und sie lacht: „Passt ja – als hätte ich früher schon Fäden gezogen!“ Diese Tätigkeit verknüpft sanfte Bewegung mit vertrauten Rhythmen und weckt angenehme Erinnerungen ans Stricken und Häkeln.

Variante Gruppe: Im Kreis steht ein Ball Wollfaden im Zentrum. Die Teilnehmenden stehen im Uhrzeigersinn. Die erste Person wirft das Knäuel zur zweiten Person und nennt laut ihr Lieblingshobby. Die zweite wickelt den Faden ein Stück weiter ab und wirft ihn weiter, nennt einen Lieblingsort usw. So wird beim Weiterreichen gearbeitet und gleichzeitig wird eine „Netz“-Struktur geknüpft. Am Ende hat das Netz viele Knoten (Beziehungen).
Praxisbeispiel: Sieben Senior*innen stehen und werfen sich abwechselnd das Wollknäuel zu. Herr Schneider wirft es zu Frau Meyer und sagt: „Kino!“ Sie wickelt etwas Wolle ab, wirft es weiter und sagt: „Mein Lieblingsfilm!“ Die Schnur zieht sich als Spur durch die Gruppe. Am Ende entsteht ein Verflechtungsmuster. Alle lachen, als das Knäuel endlich aufgebraucht ist. Die entstehende „Netz-Kartei“ bleibt aufbewahrt als Erinnerung an diesen Aktivitätskreis.

Knöpfe sortieren

Material: Verschiedenfarbige und -förmige Knöpfe in kleinen Schalen.

Durchführung: Eine einfache Aufgabe ist es, Knöpfe nach Farben, Formen oder Größen zu sortieren. Das fördert Feinmotorik und kognitive Fähigkeiten (Kategorisieren, Zählen). Dabei kann man Assoziationen wecken: „Welches Kleidungsstück könnte dazu gehört haben?“ – so entsteht ein Gespräch über Mode und Alltag von früher. Vorsicht: Bei Demenzkranken nicht verschluckbare Teile festnageln. Alternativ können große Perlen zum Fädeln benutzt werden.

Variante Einzel: Ein Senior sortiert leise vor sich Knöpfe in Schälchen. Die Pflegekraft erzählt dabei: „Die blauen Knöpfe erinnern mich an Ihre alte Jacke.“ Herr Zimmermann (79) schaut auf, überlegt und nimmt die blauen Knöpfe in die Hand: „Stimmt, die Jacke habe ich gern getragen.“ Er sortiert sie in die blaue Schale. So wird aus der motorischen Übung ein biografisch geführtes Gespräch.
Praxisbeispiel: Herr Zimmermann sitzt am Tisch. Er hält zwei verschieden große Knöpfe hoch und lächelt: „Früher hatten wir immer Uniformknöpfe, erinnern Sie sich?“ Die Betreuerin nickt: „Ja, die waren aus Metall.“ Herr Zimmermann beginnt dann, die Knöpfe nach Größe zu ordnen. Dabei kommt er ins Erzählen und erzählt von seiner Ausbildung als Schornsteinfeger, in der er damals diese Knöpfe hatte. Durch die vertrauten Gegenstände werden persönliche Geschichten wach.

Variante Gruppe: Jeder erhält einen Berg bunter Knöpfe. Auf Ansage der Leitung sortieren alle in einem Wettstreit: „Wer schafft in einer Minute die meisten blauen Knöpfe?“ Die Gruppe zählt gemeinsam. Auch visuelle Spiele sind möglich: Alle halten eine Hand auf den Tisch, in der anderen ein Knopf – derdie Spielleiterin nennt nacheinander Farben, und wer einen Knopf dieser Farbe in der Hand hat, muss sich melden. Dies schult Schnelligkeit und Gemeinschaftsgefühl.
Praxisbeispiel: Fünf Bewohner sitzen. Die Gruppenleitung ruft „Weiß!“ – sofort hält Frau Becker (80) einen weißen Knopf hoch, während Herr Lehmann „Gelb!“ ruft und einen gelben präsentiert. Jeder lacht kurz auf. Als dann der Funkspruch „Überraschung!“ kommt, müssen alle spontan irgendeinen Knopf hochhalten und darüber improvisieren: Frau Becker zeigt einen Knopf mit Blümchen und sagt: „Überraschung für Oma!“ Die Heiterkeit fördert das kreative Denken und den Zusammenhalt in der Gruppe.

Buntstift- und Zeichenübungen

Material: Buntstifte, Filzstifte, Bleistifte, Papier.

Durchführung: Mit Stiften in verschiedenen Arten und Farben können einfache Zeichenübungen gemacht werden: Linien nachfahren, Figuren malen oder gemeinsam etwas zeichnen. Abwechslungsreich ist es, einen Stift blind aus einem Beutel zu ziehen, um so andere Linien zu malen. Zeichnen und Malen fördern die Handmotorik und Kreativität. Später kann man über das Gezeichnete sprechen („Für wen ist das Bild?“).

Variante Einzel: Eine Person bekommt ein Blatt Papier. Die Pflegekraft fordert sie auf, einfache Formen zu zeichnen („Bitte zeichnen Sie einen großen Kreis.“). Dann versucht sich die Seniorin an einem einfachen Haus mit Dach. Dabei beantwortet sie Fragen der Betreuerin: „Welche Farbe hat Ihr Dach?“ So wird das Zeichnen sprachlich begleitet und wirkt entspannend.
Praxisbeispiel: Herr Stein (79) wird gebeten, ein Kreuzworträtsel zu malen. Er skizziert langsam ein Gitter aus Bleistiftlinien auf einem Blatt. Die Betreuerin fragt: „Wollen Sie ein Bild malen statt Kreuzworträtsel?“ Herr Stein lacht: „Ach, na gut.“ Er malt einen Baum mit Filzstiften und erklärt: „Das ist für meine Enkelin.“ Der kreative Impuls holt ihn ab und lässt persönliches Erzählen zu.

Variante Gruppe: Alle sitzen zusammen. Die Betreuerin beginnt eine Zeichnung und lässt ihre Linie offen („Wer möchte weiterzeichnen?“). Reihum fügt jede*r einen Strich hinzu. So entsteht ein buntes Gemeinschaftsbild. Wer lieber allein arbeiten möchte, kann heimlich weitermalen. Abschließend betrachtet die Gruppe das entstandene Bild und lobt oder benennt, was sie sieht. Dieses offene Gemeinschaftsprojekt stärkt das Gemeinschaftsgefühl und den Stolz auf das Ergebnis.
Praxisbeispiel: Auf einem großen Papier zeichnet die Gruppe „Mein Garten im Frühling“. Jeder Malt nacheinander Blumen, Sonne oder Schmetterlinge. Frau Baum fügt rote Tulpen hinzu, Herr Lehmann zeichnet Bäume. Während der Malphase sprechen alle über ihre Lieblingsblumen. Am Ende hängt das Poster an der Wand – alle freuen sich über das bunte Bild ihrer gemeinsamen Arbeit.

Mini-Näh- oder Knüpfatelier

Material: Verschiedene Stoffreste, dicke Nadel mit Sicherheitsöhr oder Schnürsenkel, bunte Wolle.

Durchführung: Einfache Näh- oder Knüpfarbeiten sind ideal für Feinmotorik. Beispielsweise kann man mit einer Holznadel durch einen groben Stoff nähten, Perlen auffädeln oder Wolle um eine Pappe wickeln. Beim Nähen in Stoff tunken, oder beim Perlenfädeln befestigen alte Themen: „Wer hat früher gestrickt oder gehäkelt?“ So bleibt man ressourcenorientiert bei alten Hobbys.

Variante Einzel: Ein Senior soll zwei Stoffstücke zusammennähen (z. B. ein Quadrat aus Filz). Die Pflegekraft bereitet die Nadel vor. Herr Fischer setzt die Nadel an, zieht sie hindurch: „Zack.“ Die Betreuerin lobt seine Handfertigkeit. Jeder Stich wird besprochen, und er wirkt stolz, als er fertig ist.
Praxisbeispiel: Frau Karl (85) erhält eine dicken Wollschnur und ein Lochbrett. Sie häkelt bunte Fransen ein. Schritt für Schritt zeigt sie der Gruppe, die anderen passen genau auf. Das Ergebnis – ein kleines Schlüsselanhänger – zeigt sie ihren Nachbarn. Jeder staunt, wie geschickt sie damit umgeht, und sie erzählt, dass sie früher oft Nähen musste.

Variante Gruppe: Wer sich traut, kann gemeinsam mit den anderen ein Tischset nähen: Jeder sticht einmal ein Stück Stoff unter Anleitung. Durch das gemeinsame Tun entsteht ein großes Bündel alter Nähgewohnheiten. Alternativ kann jeder aus Stoffresten einen kleinen Beutel basteln, der am Ende befüllt wird.
Praxisbeispiel: Eine Gruppe fertigt bunte Taschentücher mit Stoffstreifen. Jeder näht eine kleine Naht. Als das Band gebunden wird, entsteht ein Bündel bunter Flecken. Der Gruppenleiter lobt: „Seht mal, unser Engagement trägt Früchte!“ Die Gruppe applaudiert dem handwerklichen Erfolg.

Spiel „Was gehört zusammen?“

Material: Verschiedene Alltagsgegenstände (z.B. Schlüssel, Uhren, Messer, Gabel, Teller) paarweise doppelt.

Durchführung: Auf einem Tisch liegen gemischt viele Gegenstände. Jedes Objekt hat genau einen Partner (z. B. mehrere Schlüssel, aber nur ein passendes Schlossbild). Die Senioren müssen die passenden Paare finden und zusammenbringen. Das fördert Gedächtnis und kognitives Denken. Dabei erzählt man evtl. über den Gebrauch („Wofür brauchte man früher so ein Teil?“). Die Materialien sollten ungefähr gleich groß und ungefährlich sein.

Variante Einzel: Eine Seniorin soll die Paare einzeln aussuchen. Die Pflegekraft legt die Gegenstände auf ein Tablett. Frau Müller untersucht eines nach dem anderen und sortiert, bis sie ein zusammengehörendes Paar entdeckt: „Schlüssel und Schloss!“ Sie legt sie zusammen. Dieser langsame, konzentrierte Vorgang trainiert ihr Kategorisierungsvermögen.
Praxisbeispiel: Herr Meyer (83) zieht ein altes Telefonhörer in die Hand und sagt lachend: „Na, das habe ich täglich benutzt!“ Er sucht nach seinem Partner, einer Telefontastatur, den er schließlich findet. Beim Zusammenfügen lacht er zufrieden. Die Betreuerin erklärt: „Genau, zusammen gehören sie.“ Solche Errungenschaften im Spiel wecken Stolz und aktivieren die Erinnerung an den früheren Alltag.

Variante Gruppe: Ein Memory-Spiel kann in Teams gespielt werden. Zwei bis drei Personen suchen gemeinsam. Wenn ein Paar gefunden wird, darf das Team einen Punkt verzeichnen. Am Ende werden alle Funde vorgestellt („Unsere Gabel und unser Löffel“). Dies fördert die Kommunikation: Man spricht darüber, was man gefunden hat und wofür man es braucht.
Praxisbeispiel: Zwei Teams sitzen sich gegenüber. Team A findet schnell den Löffel zum Teller und ruft: „Löffel zum Teller!“. Sie legen das Paar in die Mitte und grinsen. Team B ruft aufmunternd: „Gut gemacht!“ So entsteht ein freundlicher Wettkampf. Dann ist Team B an der Reihe: Sie finden das Bild eines alten Plattenspielers und seinen Knopf. Die Gruppen erkennen, dass sie Musikgerätschaften zusammengebracht haben. Dieses Spiel trainiert sowohl kognitive als auch soziale Fähigkeiten.

Münzen sortieren und rollieren

Material: Unterschiedliche Münzen (z. B. Euro- oder Cent-Stücke) oder ähnliche runde Gegenstände. Kleines Sparschwein oder Schale.

Durchführung: Die Senioren sortieren Münzen nach Wert, Länderflagge oder Größe. Man kann sie stapeln („Wer schafft den höchsten Münzturm?“) oder rollen („Wer kann 5 m zurücklegen?“) lassen. Nach jedem Durchgang kann man über das Taschengeld oder Geldgeschichten sprechen. Solche Übungen kombinieren Feinmotorik (Münzen aufeinanderstapeln) und Koordination (Rollen). Bei Demenz sollte man darauf achten, dass niemand sich an Münzen verschluckt – besser große Holz- oder Plastikkreise nehmen.

Variante Einzel: Ein Senior zählt leise die Münzen durch und sortiert sie in seinem großen Glas. Die Pflegekraft schaut zu und fragt: „Wie viel Geld haben wir hier?“ Herr Lehmann rechnet mit: „Das sind 2 Euro und 50 Cent.“ So wird das mathematische Denken motiviert. Nach dem Sortieren rollt er Münzen über den Tisch: „Wer kann mehr Walzen machen als ich?“ Ein kleines Wettrollen stärkt das Erfolgserlebnis.
Praxisbeispiel: Frau Sommer (78) sitzt am Tisch und sortiert Centmünzen. Die Betreuerin fragt: „Erinnern Sie sich, wie viel eine Mark im Vergleich zu Euro war?“ Frau Sommer nickt: „Ach ja, das war anders.“ Anschließend lässt sie behutsam eine Münze rollen: Sie gleitet über den Tisch und fällt ins Sparschwein. Alle lachen auf: „Sparschwein gefüllt!“. Diese einfache Aktivierung verbindet Zahlenverständnis mit Spaß an einem gemeinsamen Spiel.

Variante Gruppe: Alle erhalten ein paar Münzen. Auf Ansage wickeln sie diese auf und ab, stapeln oder werfen sie in ein Sparschwein in der Mitte. Zum Beispiel: „Wer hat 5 Cent in der Hand?“. Wer sich meldet, legt den Münzwurf aus: Jeder wirft eine Münze und rät, wie viele zusammenkommen. So kann man kleine Geldrechnungen im Gedächtnis üben („Wir hatten 3 Münzen á 10 Cent, wie viel ist das?“).
Praxisbeispiel: Im Kreis rollt ein Münzschein durch die Hände: Frau Müller wirft einen 20-Cent-Stück ins Sparschwein und ruft: „Zehn!“ Herr Fischer wirft ebenfalls 20 Cent und beide zählen laut „Vierzig!“. Die Übung des lauten Zählens aktiviert das Gehirn. Danach darf jeder einzeln noch mehr Münzen stapeln. Die Runde motiviert sich gegenseitig, ohne Leistungsdruck: „Jeder in deinem Tempo!“.

Bierdeckel-Architektur

Material: Bierdeckel oder andere feste Untersetzer.

Durchführung: Aus Bierdeckeln lassen sich Türme oder kleine Häuser bauen, ähnlich wie Kartenhäuser. Die Gruppe kann sich abwechselnd beim Stapeln absprechen. Dieses feine Balancespiel schult Fingerkraft und Geduld. Wer keine Bierdeckel hat, kann Pappscheiben oder festes Kartonpapier nehmen. Dabei erzählt man Geschichten über gesellige Zusammenkünfte („Bei Oma gab es oft Federweißer mit Brettl-Spielen“).

Variante Einzel: Ein Senior baut allein an einem kleinen Turm. Herr Kremer (86) setzt konzentriert Untersetzer übereinander, die Hand leicht zitternd. Er legt zwei Deckel als Basis, ein dritter obenauf. Ein vierten Balanciert er sehr vorsichtig, dann klatschen alle. Die Betreuerin lobt: „Geschafft!“ Er strahlt über den eigenen Geschicklichkeitserfolg.
Praxisbeispiel: Frau Vogt (79) steht auf Krücken auf, um den Turm höher zu bauen. Ihr einziger Arm bleibt ruhig, sie fügt eine letzte Scheibe auf den Turm. Alle halten den Atem an und applaudieren, als es gelingt. Sie ruft stolz: „Hoch genug!“ Dieses Erfolgserlebnis stärkt ihr Selbstvertrauen. Danach verteilen alle wieder Geld und Bierdeckel, um eine Runde Brettlspiel-Witze zu machen.

Variante Gruppe: Im Wettbewerb versuchen zwei Gruppen, in je 3 Minuten den höchsten Turm zu bauen. Jedes Team arbeitet zusammen („Links ein Deckel, jetzt den anderen drauf!“) Abwechselnd nach jedem Deckelsatz motiviert man mit Musik oder Geräusch („ta-ta-ta“ bei erfolgreichem Stapel). Zum Schluss bewundern alle gemeinsam die Kunstwerke.
Praxisbeispiel: Zwei Dreier-Teams sitzen gegeneinander. Während der Aufbauphase ertönen Lacher und Anfeuerungen: „Schaff das, Heinz!“ Am Ende messen die Betreuer zwei Türme – Gruppensieg für Team Grün. Alle klatschen, auch das Verliererteam ist stolz: „Toller Spaß, beim nächsten Mal holen wir auf!“ Dieses Spiel fördert Teamgeist und motiviert auch weniger bewegungsfreudige Senioren durch gesellige Atmosphäre.

Karten- oder Erinnerungs-Memory

Material: Ein einfaches Memory-Spiel mit Alltagsmotiven (z. B. Bilder von Haushaltsgegenständen, Tieren, bekannte Szenen) oder selbstgemachte Paarkarten.

Durchführung: Klassisches Memoryspiel, bei dem Karten verdeckt liegen und zwei gleiche Motive gefunden werden sollen. Dieses Spiel trainiert Gedächtnis, Konzentration und visuelle Wahrnehmung. Bei Menschen mit Demenz kann man mit weniger Karten starten oder bekannte Paare verwenden. Nach jedem Fund kann man über das Motiv sprechen („Was fällt Ihnen dazu ein?“).

Variante Einzel: Ein Senior spielt gegen die Betreuungskraft. Dabei darf die Pflegekraft Hinweise geben („Vielleicht war dein Onkel mit Bär auf einem Plakat?“). Herr Lehmann (88) überlegt und wendet zwei Karten um – ein Paar. Er freut sich: „Guck an, unser Haustier Hund!“ Die Betreuerin: „Toll, gleich schon gefunden. Das heißt, wir haben ein gutes Gedächtnistraining gemacht.“
Praxisbeispiel: Frau Krüger (82) und die Betreuerin spielen. Frau Krüger deckt ein Bild von einem alten Auto auf. Die Betreuerin fragt: „Fahren Sie gerne Auto?“ Frau Krüger lächelt und sagt: „Früher jeden Tag.“ Sie findet kurz darauf das passende Gegenstück (Auto). Das Gespräch darüber ist Teil des Spiels.

Variante Gruppe: Im Stuhlkreis spielen alle zusammen – meist abwechselnd. Ein Memorybrett in der Mitte kann von allen genutzt werden. Wenn jemand ein Paar aufdeckt, erzählt er eine kurze Geschichte dazu („Kennst du unser altes Auto?“). Die kooperative Variante fördert soziale Interaktion: Man freut sich zusammen und hilft sich, wenn jemand aus Versehen zwei verschiedene Karten aufdeckt.
Praxisbeispiel: Sechs Senioren sitzen um einen Tisch mit einem Memory-Spiel. Jeder deckt reihum eine Karte auf. Herr Meier deckt zwei verschiedene Karten um („Schwein, Ente“) und lacht: „Tierparkvorstellung!“ Er darf weiter versuchen. Später findet Frau Müller das letzte Paar „Hahn“ – alle freuen sich. Anschließend wird über Bauernhof und Haustiere gesprochen. Durch die gemeinsame Freude bleibt die ganze Runde aktiv und der Zusammenhalt stärkt sich.

Schlüsselbund-Memory und Zuordnungen

Material: Ein Schlüsselbund mit mehreren Schlüsseln plus entsprechende Verschlussbilder (Türen, Schränke) auf Zetteln.

Durchführung: Mehrere alte Schlüssel werden zusammen mit Bildern von Türen/Schlössern gemischt. Die Aufgabe ist, jeden Schlüssel der passenden Abbildung zuzuordnen. Dies ist ein Gedächtnis- und Assoziationsspiel: Welcher Schlüssel „gehört“ wohin? Dabei wird über frühere Erfahrungen gesprochen („Zu welchem Haus gehört der Schlüssel?“). Vorsicht: Schlüssel niemals in den Mund nehmen – nur anschauen und ggf. in eine Nut legen.

Variante Einzel: Eine Seniorin versucht allein, Schlüssel und Bilder zu matchen. Die Betreuerin gibt Hilfestellung: „Dieser Schlüssel sah doch so ähnlich aus wie dein Gartentor.“ Frau Schneider schaut, nickt und legt den Schlüssel auf das richtige Schlossbild. So wird kognitive Flexibilität gefördert.
Praxisbeispiel: Herr Weber betrachtet das Bild eines kirchlichen Tores neben dem passenden alten Schlüssel: „Ja genau, der war schwer.“ Er legt den Schlüssel ab. Dabei lächelt er und sagt: „Hab den Schlüssel noch immer unter meinem Bett aufbewahrt.“ Dieser Erinnerungsfunken entsteht durch den Gegenstand und motiviert ihn zum Erzählen.

Variante Gruppe: Jeder erhält einen Schlüssel in die Hand. Auf ein Kommando zeigt jeder gleichzeitig auf das Bild, von dem er glaubt, es passe zum Schlüssel. Anschließend wird aufgelöst und die richtigen Zuordnungen besprochen. Dieses Spiel fördert Reaktionsfähigkeit und regt zum Nachdenken an („Wo stand nochmal dieser Türschlüssel?“).
Praxisbeispiel: Die Gruppe steht um einen Tisch mit großen Karten aufgestellt. Auf das Signal „Jetzt!“ zeigen alle. Herr Meyer hält einen Zimmerschlüssel und zeigt auf das Bild einer Haustür. Er grinst: „Zimmer zum Flur!“ Als Bestätigung nimmt er den Schlüssel mit sich in sein Zimmer, so wie zu früher.

Bügelbinder-Spiel

Material: Wäscheklammern, eventuell ein großes Papier oder Textilstück.

Durchführung: Ähnlich wie beim Alltags-Trainingsspiel wird ein Lied oder Reim an der Wäscheleine „gesungen“, während gleichzeitiges Klammer-Anstecken ausgeführt wird. Oder aber es wird einfach eine Reihe Wäscheklammern an einen großen Karton geheftet – als „Flaggen“ oder „Ressourcen“ im Raum. Dieses spielerische Anbringen übt erneut Greifkraft in einer lockeren Atmosphäre.

Variante Einzel: Eine Seniorin soll auf einem langen Papierstreifen (vor ihr liegend) zehn Wäscheklammern anbringen. Die Betreuerin sagt: „Jeder Klammer steht für einen Tag – häng ab, wenn dein Tag gelaufen ist!“ Frau Hartmann beginnt zu klammern und lacht. Sie endet bei drei und erklärt: „Ich bin jetzt müde!“ Diese metaphorische Variante verbindet Aktivität mit Reflexion.
Praxisbeispiel: Herr Vogel heftet mehrere Klammern an einen großen Karton. Zu jeder Klammer erzählt er kurz, was er heute erledigt hat. Am dritten Klammernende grinst er: „Eins, aus, fertig!“ Die Gruppe lacht. Dieses kleine Ritual motiviert ihn und macht Zusammenfassung des Tages greifbar.

Variante Gruppe: An einem aufgehängten Laken heften die Senioren Klammern als „Flaggen“ für gelöste Aufgaben. Als Spielanreiz wird beispielsweise eine Geschichte erzählt, bei der an bestimmten Schlüsselwörtern Klammern gesetzt werden. Oder die Gruppe bildet eine lange Girlande aus Klammern, indem jeder reihum einen ansteckt.
Praxisbeispiel: Sechs Senioren sitzen um ein Bettlaken. Gemeinsam erzählen sie eine Geschichte, in der auf „Und dann…“ jedes Mal eine Klammer gesteckt wird. Nach fünf Klammern stoppt Frau Klein den Faden: „Wow, so viel passiert!“ Die Betreuerin fragt zwischendrin: „Wer möchte hinzufügen?“ Das Klammerspiel endet in Heiterkeit und liefert Gesprächsstoff.

Basteln mit Alltagskarton

Material: Leere Kartonstücke (Schachteln, Deckel), Schere, (farbiges) Klebeband.

Durchführung: Verschiedene Aufgaben sind möglich: Einen Turm bauen, Figuren ausschneiden oder eine große Collage aus Kartonresten kleben. Dies schult die Hand-Auge-Koordination und Kreativität. Beim Ausschneiden kann man Körperbewegungen im Stehen einbauen.

Variante Einzel: Ein Senior bastelt aus einem Karton ein kleines Haus: Er schneidet Türen und Fenster ein, klebt ein buntes Dach drauf. Dabei werden Fragen integriert: „Welche Farbe soll das Dach haben?“ So übt er etwas anspruchsvollere feinmotorische Arbeit.
Praxisbeispiel: Herr Mayer (76) baut mit einem Karton einen Turm. Er braucht Unterstützung beim Schneiden („Schneide hier in die Mitte!“). Als er fertig ist, zeigt er stolz seine „Puppe, die in dem Kartonhaus wohnt“. Diese Phantasieanwendung macht ihm Freude.

Variante Gruppe: Gemeinsam an einem großen Ziel arbeiten, z. B. einem Kartonturm für den Gruppenraum. Jeder klebt nacheinander einen Kartonaufsatz fest. Alternativ: Jeder gestaltet einen Abschnitt einer großen Leinwand aus Pappe.
Praxisbeispiel: In einer Gruppenrunde bemalen und bekleben alle einen Abschnitt eines großen Karton-Raumschiffs. Herr P. klebt ein Fenster, Frau S. malt Sterne. Dieses gemeinsame Bastelprojekt motiviert zum Mitmachen und künstlerischem Ausdruck.

Knet- und Modellierspaß

Material: Ton, Knete oder weicher Modelliermasse.

Durchführung: Formen und Kneten wecken kindliche Freude und fördern die taktile Wahrnehmung. Einfache Figuren wie „Bällchen rollen“ oder „Häufchen aufstellen“ trainieren Fingerkraft. Mit Begleitung („Formen Sie doch mal ein Herz für jemanden“) wird zusätzlich emotional gearbeitet. Nach dem Kneten können die Ergebnisse verglichen oder an die Wand gehängt werden (z. B. als Knetbild).

Variante Einzel: Ein Senior formt mit Knete sanft ein kleines Herz. Währenddessen fragt die Pflegekraft: „Für wen ist es?“ Herr Klein (88) lächelt schüchtern: „Für meine Frau.“ Dieses Erlebnis ist sehr persönlich. Durch das Kneten konzentriert er sich und zeigt Zuwendung in seiner Antwort.
Praxisbeispiel: Frau Roth (81) wühlt in einer Dose feuchter Knete. Die Betreuerin bittet: „Kneten Sie doch mal eine Kugel!“. Frau Roth formt eine glatte Kugel. Sie hält sie fest in der Hand und schließt die Augen: „Es ist weich…“. Dieses taktile Erlebnis gibt ihr Entspannung. Anschließend formen alle in der Runde einen kleinen Gegenstand und tauschen sich darüber aus.

Variante Gruppe: Jeder erhält eine Portion Ton und die Gruppe formt gemeinsam ein Thema (z. B. Blume). Abwechselnd legt jeder ein Stück an. Das gemeinschaftliche Modellieren verbindet alle: Eine Blume besteht aus mehreren Blütenblättern von unterschiedlichen Händen.
Praxisbeispiel: Unter Anleitung formen zehn Senioren ein großes Osterei aus Modelliermasse. Jeder gestaltet einen Abschnitt (z. B. Muster). Nach Fertigstellung bewundert man das bunte Gemeinschaftswerk. Die Freude über das gemeinsam Geschaffene ist groß und spricht die Kreativität an.

Schreib- und Memo-Übungen

Material: Schmierpapier, Stifte, große Post-its oder Tafeln.

Durchführung: Kurze Schreibaufgaben aktivieren Kognition: einen Satz vervollständigen, eine Erinnerung notieren oder kleine Tagebucheinträge verfassen. Bei Demenz können Bilder vorgegeben werden („Male, was du siehst“). Beim Schreiben oder Malen spricht man auch laut über den Inhalt („Was denkst du beim Schreiben?“). Dies fördert Sprache, Feinmotorik und Selbstwirksamkeit.

Variante Einzel: Eine Seniorin schreibt an ihrem Tisch einen selbstgewählten Satz („Schönstes Erlebnis“). Wenn sie nicht weiterweiß, hilft die Betreuungskraft nach: „Du kannst erzählen, was du gern gemacht hast.“ Frau Keller (84) schreibt: „Der Spaziergang mit dem Hund.“ Sie hängt den Zettel auf ein Erinnerungsbrett. Das Ergebnis gibt ihr Stolz.
Praxisbeispiel: Herr Lehmann (mit Alzheimer) malt ein Bild. Auf das Blatt klebt die Pflegekraft ein Foto von dessen Sohn, und er malt eine Sonne dazu. Er fragt: „Habe ich das gut gemacht?“ – Die Betreuerin nickt lobend. Diese einfache Schreib- und Malaufgabe stärkt sein Selbstbewusstsein, auch wenn er nicht viel Wort findet.

Variante Gruppe: Im Lese- oder Schreibkreis schreiben alle auf: „Heute freue ich mich auf …“. Jeder liest dann vor. Alternativ spielen alle gemeinsam „Schreiben je einen Satz“: Jeder setzt einen Satz fort, der vorher von anderen geschrieben wurde. So entstehen lustige Geschichten, die gemeinsam gelesen werden.
Praxisbeispiel: Acht Bewohner sitzen um einen Tisch mit Papierstapeln. Eine Runde beginnt: Frau Lange schreibt „Frühstück ist fertig“ und reicht das Papier weiter. Jeder fügt einen Satz hinzu. Am Ende liest die Betreuerin die Gruppegeschichte vor, alle lachen über die Phantasie. Diese Aktivität regt verbales Denken an und das gemeinsame Lachen entspannt.

Argomento Sport, Bewegung & Tanz

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