Zum Hauptinhalt springen

KW 37 | 2025

Liebe Leserin, lieber Leser,

unsere Erfahrung als Fortbildner zeigt: Gerade erfahrene Fach- und Führungskräfte in der Erwachsenenbildung stoßen beim Arbeiten mit KI, vor allem beim Prompten oder beim Bauen von KI-Assistenten, an ihre Grenzen. Viele hoffen auf den „perfekten Prompt“, eine Art Geheimformel, die man nur kennen müsste.

Doch genau das gelingt ihnen oft nicht und das aus sehr gutem Grund. Denn beim Prompten geht es im Kern darum, die eigene Arbeit präzise zu beschreiben, analytisch zu durchdringen und in klare Sprache zu fassen.

Bislang war das nicht notwendig. Berufserfahrung, Routinen und Intuition haben es ermöglicht, souverän zu handeln, ohne den eigenen Prozess explizit erklären zu müssen. Eine Führungskraft führt Mitarbeitergespräche sicher, weil sie über soziale Kompetenz, Erfahrung und Menschenkenntnis verfügt. Nicht, weil sie den Gesprächsprozess jemals in Teilschritte zerlegt und benannt hätte. Eine Dozentin steuert Lernprozesse intuitiv, weil sie den Raum lesen kann, ohne je genau aufzuschreiben, welche impliziten Signale sie dabei verarbeitet. Ein Konzeptentwickler entwirft Programme, weil er ein jahrelang geschultes Gespür für Bedarfe hat.

Aber die Anforderungen ändern sich. In einer Arbeitswelt, die zunehmend von KI geprägt ist, werden gerade Wissensarbeiter, also Führungskräfte und Menschen in Bildungsberufen herausgefordert, ihr implizites Wissen explizit zu machen.

Aktuelle Forschung zeigt, dass der gekonnte Umgang mit generativer KI in vieler Hinsicht dem Arbeiten guter Führungskräfte ähnelt: Wer delegiert, muss Ziele klar formulieren, Arbeitsschritte beschreiben und Ergebnisse prüfen.

Prompts und gute KI-Assistenten entstehen dann fast automatisch aus dieser Klarheit und nicht umgekehrt.

Am Ende gilt: Prompts sind wie Einkaufszettel: Sie helfen nur, wenn man weiß, was man kochen will.

Wir unterstützen Sie gern mit Workshops, Keynotes, Moderation und Coaching.
Sprechen Sie uns an.

David Röthler, Christiane Carstensen und Sonya Dase

51° Nord ist eine Gemeinschaftsredaktion von Milenu (Öffnet in neuem Fenster) und Dase & Carstensen (Öffnet in neuem Fenster)
Empfehlen (Öffnet in neuem Fenster) Sie uns gerne weiter …


Was Sie im aktuellen Infobrief erwartet:

  • Neu bei Chat GPT: Projekte jetzt auch für Gratisnutzer

  • Neu bei NotebookLM: kostenfreie Erklärvideos und mehr

  • Mediale Diskussion um Integrationskurse vs. KI

  • Warum gKI mit Dokumenten oft Probleme hat

  • Unternehmen investieren Milliarden in KI-Browser

  • Digitalkompetenz aus dem Silo holen

  • KI-Glossar: sykophantisch

  • ARD KI-Podcast zu KI-Personas und Silicon Sampling

  • Events, Tagungen, Workshops und mehr zu KI und Erwachsenenbildung

Neu bei Chat GPT: Projekte jetzt auch für Gratisnutzer

In endlosen Chatverläufen verliert Chat GPT oft seinen Fokus. Genau hier setzt die Projekte-Funktion an. Sie ist ab sofort für alle verfügbar, auch im kostenlosen Zugang. Sie finden sie links in der Seitenleiste direkt über den Chats.

Was kann man damit machen?

  • Alles an einem Ort sammeln: Legen Sie ein „Projekt“ an und bündeln Sie dort Gespräche, Anweisungen oder auch Dateien (im Gratiszugang bis zu fünf Dateien).

  • Personalisieren und schnell wiederfinden: Versehen Sie jedes Projekt mit einer eigenen Farbe und einem Symbol – so behalten Sie leichter den Überblick.

  • Mehr Kontext, weniger Wiederholung: Öffnen Sie ein Projekt erneut, erinnert sich Chat GPT an frühere Chats, Dateien und Prompt-Einstellungen, die Sie in diesem projekt gebündelt haben. Sie müssen also nicht jedes Mal von vorn beginnen und können sich zudem fokussieren.

  • Sprache statt Tippen: Sie können diktieren, aber auch mit dem Voice Mode in die direkte mündliche Interaktion gehen. Das funktioniert in den Projekten auch in der Browser-Funktion und nicht, wie sonst, nur in der App. Im kostenfreien Account gibt es allerdings ein zeitliches Limit für die Voice Mode- Funktion.

  • Tiefere Recherchen: Mit Deep Research lassen sich komplexere Informationen abrufen. Im Gratiszugang ist diese Funktion jedoch auf fünf Anfragen pro Monat beschränkt.

Mehr dazu im Open AI Blog. (Öffnet in neuem Fenster)

Außerdem ist bei Chat GPT eine weitere, eher kleinere neue Funktion hinzugekommen, die Sie am Ende jedes Chats unter den drei Punkten finden: ab hier neuen Chat starten.

(Öffnet in neuem Fenster)


Neu bei NotebookLM: kostenfreie Erklärvideos und mehr

NotebookLM ist ein KI-gestütztes Lern- und Arbeitstool von Google. Kernidee sind sogenannte Notebooks: Darin kann man Themen oder Texte bündeln, zum Beispiel Studien, Unterrichtsmaterialien oder Projektunterlagen. Die KI analysiert die Inhalte und bereitet sie automatisch auf, etwa als prägnante Zusammenfassungen, strukturierte Erklärtexte oder dialogartige Audio-Formate. Interessant ist, dass die KI streng an den Quellen und damit im Vergleich zu anderen Tools extrem halluzinationsarm arbeitet und solide Quellennachweise führt.

Neue Funktionen: Video Overviews, Quizze und Karteikarten

Eine zentrale Neuerung sind die Video Overviews: Komplexe Inhalte lassen sich nun automatisch in anschauliche Erklärvideos (Öffnet in neuem Fenster) (Google-Konto vorausgesetzt) verwandeln. Man lädt einfach PDFs, Präsentationen oder Webseiten hoch, und die KI erstellt daraus ein Video, das man herunterladen und mit anderen teilen kann. Über Prompts lassen sich die Videos individuell anpassen.

Zusätzlich gibt es jetzt die Möglichkeit, Inhalte in Quizze oder Karteikarten umzuwandeln. Diese können ebenfalls über Prompts personalisiert werden. Praktisch fürs Lernen oder Wiederholen.


Viele kennen NotebookLM bereits wegen seiner Podcast-Funktion. Früher bekam man nur automatisch generierte Audios, inzwischen lassen sich diese mithilfe detaillierter Prompts nach Tonalität, Schwerpunkt oder Detailtiefe steuern. Unter Berichte findet man weitere interessante Funktionen wie beispeilsweise FAQs und Mindmaps, die automatisch zu den hinterlegten Dateien generiert werden können.

Wir haben für Sie ein Beispiel-Notebook (Öffnet in neuem Fenster) (Google-Konot vorausgesetzt) erstellt, in dem eine Studie zur empirischen Forschung über generative KI im Sprachlernen von 2023 bis 2024 (Öffnet in neuem Fenster) hinterlegt ist. An diesem Beispiel haben wir die verschiedenen Features durchgespielt.

Notebook LM ist kostenlos und mit Dritten teilbar. Man muss sich allerdings mit einem Google-Konto anmelden

Mediale Diskussion um Integrationskurse vs. KI

In den vergangenen Wochen war vermehrt zu lesen, dass Künstliche Intelligenz künftig den Bedarf an Weiterbildungseinrichtungen überflüssig machen könnte. Ob in großen Leitmedien oder in pointierten Kolumnen, die Botschaft klingt simpel: KI ersetzt Sprachkurse, individuelle Begleitung oder Bildungsangebote. So zitierte eine Spiegel-Kolumne (Öffnet in neuem Fenster)jüngst eine Studie des ifo-Instituts als Beleg, man brauche in Deutschland keine Sprachkurse für Geflüchtete mehr.

Diese Erzählung ist verführerisch einfach. Sie suggeriert, Sprachlernen werde durch KI billiger, unkomplizierter und zugleich hochgradig personalisiert.

Gleichzeitig trifft diese Vorstellung auf eine deutsche Öffentlichkeit, in der die Debatte um knappe Haushaltsmittel ohnehin angespannt ist. Sie nährt Erwartungen, die mit Blick auf die Komplexität von Integration und Bildung nur bedingt tragfähig sind.

Umso wichtiger war die Einordnung, die wenig später dazu in der ZEIT (Öffnet in neuem Fenster)erschien und die Zusammenhänge differenzierter beleuchtete.

(Öffnet in neuem Fenster)

Warum gKI mit Dokumenten oft Probleme hat

Dass KI halluziniert, ist bekannt, aber warum passiert das gerade bei Dokumenten so häufig? Der Grund liegt in technologischen Grenzen: Sprachmodelle haben ein begrenztes Kurzzeitgedächtnis , verlieren bei langen Texten den roten Faden und können die Struktur von Dokumenten nur unzureichend erfassen. Dadurch steigt die Fehlerquote mit wachsender Textlänge deutlich an.

Roger Basler de Roca blickt unter die Motorhaube und erklärt in seinem Blogbeitrag diese Zusammenhänge auch für Laien sehr anschaulich und zeigt, wie man etwa durch klar strukturierte Dokumente und den Einsatz von Methoden wie Retrieval-Augmented Generation (RAG) das Halluzinationsrisiko mindern k (Öffnet in neuem Fenster)ann.

Unternehmen investieren Milliarden in KI-Browser

Warum konkurrieren die großen KI-Unternehmen so erbittert auf dem Feld der KI-Browser? Ein KI-Browser ersetzt das mühsame „Suchen, Scrollen und Klicken“. Stattdessen formulieren wir eine Frage, und die KI durchsucht im Hintergrund Websites, Datenbanken und Inhalte, um uns direkt eine Antwort zu liefern. Wir müssen keine Suchergebnisse mehr vergleichen, keine Tabs jonglieren und keine Plattformen mehr manuell durchforsten. Die Schnittstelle zum Wissen der Welt verschiebt sich also weg vom klassischen Browser, hin zu einem persönlichen Assistenten.

Genau das macht den Markt so spannend: Wer diesen Zugang kontrolliert, kontrolliert auch den Hauptweg, wie Milliarden Menschen künftig Informationen finden. Deshalb investieren Unternehmen riesige Summen in KI-Browser. Sie könnten schon bald so selbstverständlich werden wie Google-Suche oder Smartphones und gelten als Übergangstechnologie zur Ambient AI. Ambient AI“ ist ein Begriff für Künstliche Intelligenz, die nicht mehr als separates Tool genutzt wird – wie heute eine App oder ein Browser –, sondern die uns ständig im Hintergrund begleitet. digital pioneers (Öffnet in neuem Fenster)

KI-Glossar: sykophantisch

Inzwischen ist es weithin bekannt: Auch Chat GPT neigt zum Sykophantentum – sprich, zum Speichellecken. Zwar zeigt das aktuelle Modell deutlich weniger devotes Verhalten als frühere Versionen, doch bleibt es spürbar und kann die Qualität der Antworten beeinträchtigen.

Wer dem entgegenwirken möchte, kann über die Einstellungen nachjustieren. Gehen Sie dazu zu PersonalisierungIndividuelle Hinweise. Unter dem Eingabefeld „Welche Eigenschaften soll Chat GPT haben?“ können Sie gezielt Einfluss nehmen, indem Sie eigene Prompts hinterlegen.

Beispiel für einen möglichen Prompt:

“Sei ein kritischer, ehrlicher und konstruktiver Sparringspartner. Hinterfrage meine Aussagen, zeige Lücken, Widersprüche und Unklarheiten auf. Stelle gezielte Rückfragen und spiele alternative Hypothesen oder Sichtweisen durch. Achte dabei auf eine Balance zwischen kritischem Hinterfragen und kreativem Weiterdenken. Halte dich an eine sachliche, respektvolle Sprache. Verzichte auf Schmeichelei und Wiederholungen. Wenn du etwas nicht weißt, sage es direkt.”

Oder so ähnlich. Oder ganz anders. Experimentieren Sie!

Digitalkompetenz aus dem Silo holen

Laut einer aktuellen Eurostat-Erhebung verfügen nur rund 52 % der Deutschen über grundlegende digitale Fähigkeiten und damit deutlich weniger als in Ländern wie Finnland oder den Niederlanden. Doch der Blick nach Europa zeigt auch: Veränderung ist möglich. Länder wie Dänemark standen vor 20 Jahren vor ähnlichen Herausforderungen wie Deutschland und haben durch konsequente Bildungsinitiativen, Investitionen in Infrastruktur und eine klare Strategie den Sprung in die digitale Spitze geschafft. Österreich erreicht im europäischen Vergleich einen soliden 11. Platz. F.A.Z. (Öffnet in neuem Fenster)

Mit der generativen KI stehen wir jedoch insgesamt vor einer noch grundlegenderen Herausforderung. Wenn wir dieses Thema isoliert behandeln, riskieren wir, eine wichtige Basistechnologie an eine kleine Expertengruppe oder „Techies“ auszulagern. Entscheidend ist daher, KI nicht als Silo-Aufgaben zu betrachten, sondern sie als Querschnittsthemen in allen Bildungsbereichen zu verankern.

Und dabei müssen wir sowohl das Tool selbst als auch die Technologie als Transformationstreiber thematisieren:

In der Arbeitsmarktvorbereitung kann KI als Tool Bewerbungen boptimieren. Gleichzeitig verändert sie aber auch die Bewerbungsprozesse selbst. Im Sprachenlernen kann KI beim Üben und Übersetzen unterstützen. Zugleich verändert sie, wie wir Sprache erwerben und welche Kompetenzen künftig wichtig sind. In der Demokratiebildung kann KI helfen, Informationen aufzubereiten. Gleichzeitig zwingt sie uns, neue Formen von Manipulation und Desinformation zu verstehen.

ARD KI-Podcast zu KI-Personas und Silicon Sampling

Die aktuelle Folge des ARD KI-Podcasts (Öffnet in neuem Fenster) widmet sich dem „Silicon Sampling“ , dem Versuch, menschliches Verhalten mithilfe künstlicher Intelligenz nachzubilden. Während Marktforscher mit virtuellen Testgruppen arbeiten, entwickeln CEOs digitale Zwillinge von sich selbst, und auch die Politik könnte ihre Botschaften gezielt an synthetische Durchschnittsbürger richten. Doch wie realistisch sind diese Simulationen, und wo stoßen sie an ihre Grenzen?

An diese Frage knüpft auch unser aktueller Workshop von Dase & Carstensen an: Mit KI-Personas für Führungskräfte in der Erwachsenenbildung“ erkunden wir, wie künstlich erzeugte Personas für die Gestaltung von Lernangeboten genutzt werden können und wo es wichtig bleibt, die Vielfalt und Lebenswelten echter Menschen im Blick zu behalten.

Terminübersicht zu KI und Erwachsenenbildung

Die vollständige Terminübersicht zu Fortbildungen, Events und Tagungen rund um KI, Erwachsenenbildung und Bildungsmanagement finden Sie hier. (Öffnet in neuem Fenster)

Neu eingetragen:

22.09.25
denkbar #23 (Öffnet in neuem Fenster)
Offener Austausch im Lean-Coffee-Format
19.30 – 21.00 Uhr
Online

23.09.25
51° Nord-KI-Sprechstunde
Lokale KI läuft direkt auf dem eigenen Rechner ohne Cloud und ohne Datenweitergabe. Das schützt sensible Informationen. In der Sprechstunde zeigen wir live, wie sich eine lokale KI auch ohne Vorkenntnisse einrichten lässt, stellen aktuelle Tools vor und beantworten Ihre Fragen zu allen Themen rund um Künstliche Intelligenz, die Ihnen unter den Nägeln brennen.
14–15 Uhr, online
Anmeldung (Öffnet in neuem Fenster)kostenfrei

06.-10.10.25
RZ.Nordbeat (Öffnet in neuem Fenster)
Verschiedene Veranstaltungsorte

10.10.25
(In der letzten Terminübersicht hatte sich ein falsches Datum eingeschlichen. Korrekt ist der 10.10.25)
KI-Persona-Workshop für Fach- und Führungskräfte (Öffnet in neuem Fenster)
9.30 – 17 Uhr
Bielefeld
Dase & Carstensen

Newsletter abmelden

Am Ende jedes Newsletters finden Sie einen Link, mit dem Sie den Newsletter über unseren Dienstleister Steady (Öffnet in neuem Fenster) abbestellen können.

Empfehlen Sie unseren Infobrief (Öffnet in neuem Fenster) gerne weiter …

Sie erreichen uns als Redaktion unter info@51GradNord.ai.
51° Nord ist eine Gemeinschaftsredaktion von Milenu (Öffnet in neuem Fenster) und Dase & Carstensen (Öffnet in neuem Fenster)