Obwohl der Klimawandel offensichtlich ist und vom Menschen verursacht wird, wird das Problem – selbst inmitten von Hitzewellen – geleugnet oder ausgeblendet. Hier drei Anregungen für all jene, die effizient und einfühlsam über die Klimakrise diskutieren wollen:
1.) Klimafakten kommunizieren
Zuerst das Wichtigste: Was wir derzeit erleben, ist nicht normal. Leider ist die Zunahme der Erdtemperatur menschengemacht. Die vom Menschen verursachten Treibhausgase führen zur vergleichsweise raschen Erwärmung und sie begünstigen Extremwetter-Ereignisse. Hier eine Grafik, die zeigt, wie sich die Oberflächentemperatur der Erde ohne menschliche Einflüsse entwickeln würde (grüner Bereich) – und wie sich die Temperatur aufgrund menschlicher Einflüsse entwickeln (brauner Bereich). Die schwarze Linie zeigt die tatsächlich gemessene Temperatur:

Diese Grafik stammt aus dem IPCC-Sachstandsbericht 2021.
Diese rasche Veränderung des Klimas ist ein Problem. Das aber schnell kleingeredet oder gar geleugnet wird. Dann heißt es: “Früher war es auch schon warm.”
Wenn Leute so etwas sagen, zeige ich ihnen gerne diese Grafik (Öffnet in neuem Fenster) – man sieht hier die Anzahl der Hitzetage in Wien seit 1873. Und man merkt sofort: In den letzten Jahrzehnten geht es steil bergauf.

Also: Früher konnte es an einzelnen Tagen schon warm sein, also mindestens 30 Grad haben – aber eben nicht an 45 Tagen im Jahr, wie etwa 2024.
Ich zeige diese Bilder, weil Bilder oft eingängiger sind – rascher verstanden werden. Und weil die Klimakrise eben so eindeutig messbar ist.
Mein erster Tipp: Selbst gutes Datenmaterial sammeln und mit anderen zu teilen. Dafür ist sinnvoll, gute Quellen zu kennen. Konkret empfehle ich die Website klimafakten.de (Öffnet in neuem Fenster). Sie bietet auch Antworten auf wiederkehrende falsche Annahmen oder rhetorische Ausweich-Manöver (etwa, dass zuerst China (Öffnet in neuem Fenster) etwas tun solle). Die Erklärungen auf dieser Website sind mit Links belegt. Überdies haben sie ein ganzes Handbuch für Klimakommunikation (Öffnet in neuem Fenster) online veröffentlicht.
Übrigens habe ich auch schon öfter über Antworten auf Klimamythen geschrieben, zum Beispiel hier (Öffnet in neuem Fenster) und hier (Öffnet in neuem Fenster).
2.) Die erwünschte Erzählung verstehen
Abseits des Fachwissens ist Folgendes wichtig: Verstehen, warum es für Menschen attraktiv sein kann, nicht an die Ernsthaftigkeit der Klimakrise zu glauben.
Viele Falschmeldungen liefern die erwünschte Erzählung: Was behauptet wird, ist zwar inhaltlich falsch, aber für einige die angenehmere Vorstellung. Wenn es keine Klimakrise gäbe, dann müssten wir nichts ändern, weder das Wirtschaftssystem noch unser individuelles Verhalten. Man könnte weiter sorglos Autos mit Verbrennungsmotoren fahren, Langstreckenflüge buchen etc. Im Gegensatz dazu ist bereits das Wort “Klimakrise” negativ: Es signalisiert Dringlichkeit, aber es signalisiert eben auch Gefahr.
Umso wichtiger erscheint mir: Nicht nur Klimafakten kommunizieren, sondern auch verdeutlichen, dass wir einen Handlungsspielraum haben. Sowohl gesellschaftlich als auch individuell können wir vieles umstellen. Viele Klimamythen reden zum Beispiel sinnvolle Technologien schlecht – wie Windräder. Doch de facto gibt es gute Schritte, die wir setzen können, um die negativen Folgen der Klimakrise einzuschränken.
Es ist sinnvoll, nicht mit Klima-Katastrophismus zu kommunizieren (Öffnet in neuem Fenster) – sondern durchaus den Ernst der Lage, aber auch einen Handlungsspielraum aufzuzeigen. Zum Beispiel ist beeindruckend, was sich technologisch getan hat; es ist enorm wichtig, Druck auf die Politik zu machen. Und auch als einzelne kann ich überlegen: Wie ginge mein Leben klimaschonender? Mir erscheint es als wichtig, auch eine gewisse Komplexität der Gefühle zuzulassen – zum Beispiel durchaus ein Entsetzen über die Situation, in der wir uns befinden, aber auch Hoffnung über mögliche Schritte.
3.) Raum geben fürs Umdenken
Ein letzter Punkt: Wenn man mit Menschen über das Klima diskutiert und sie eine eher verharmlosende Position einnehmen, dann erscheint mir sinnvoll, ihnen höflich und einfühlsam die eigene Position und Fakten zu vermitteln – aber sich auch realistische Ziele zu setzen. Ich empfehle oft den Einsatz von Ich-Botschaften. Also zum Beispiel, dass man sagt: “Für mich ist ein wichtiges Argument, dass XYZ”. Man liefert dabei sehr wohl das fachliche Argument, macht das Gesagte aber womöglich etwas leichter annehmbar, weil man es aus der eigenen Perspektive präsentiert (also indem man sagt “für mich” oder “ich finde”).
Und wenn man die eigenen Argumente geliefert hat, würde ich in der Regel empfehlen, diese gären zu lassen: Es kann sein, dass solche Argumente zur Gänze abprallen. Es kann aber auch sein, dass jemand nach dem Gespräch nach Hause geht und das Gesagte im Hinterkopf behält, es sozusagen bei der Person gedanklich gärt. Manche Menschen entwickeln ihre Meinung weiter. In meinen Augen ist dieses Umdenken oder Weiterdenken leichter, wenn Menschen nicht Druck spüren, sondern eben aus eigenem Nachdenken zu diesem Ergebnis kommen.
Umdenken wird oft nicht inmitten eines Gesprächs passieren, sondern es kann auch ein Prozess sein – und es ist sinnvoll, auf eine wertschätzende Weise zu diskutieren, die diesen Prozess in manchen Fällen potenziell mit anstößt.
Das war es für dieses Mal – bis in zwei Wochen!
Schönen Gruß
Ingrid Brodnig
Bild in der Webversion: Paraguay-Rundschau auf Flickr (Öffnet in neuem Fenster) (CC BY-SA 2.0)