(oder: Warum mein inneres Wiesel erstaunlich diskret geworden ist)

Ich spreche nur noch selten über Symptome.
Nicht, weil sie verschwunden wären. Nicht, weil mein Körper beschlossen hätte, mir eine großzügige Schonfrist zu gewähren oder sich plötzlich an die höflichen Umgangsformen gesunder Organismen zu halten.
Ganz im Gegenteil: Mein Alltag gleicht bisweilen einer vielstimmigen Konferenz körperlicher Befindlichkeiten — hier ein Ziehen, dort ein Kribbeln, eine Lähmung hier, andernorts ein Schmerz, der sich aufführt wie ein ungebetener Redner ohne Redezeitbegrenzung.
Und dennoch: Ich schweige meist.
Nicht heroisch, ach Gott - das liegt mir fern. Nicht tragisch, theatralisch. Eher pragmatisch.
Denn irgendwann tritt ein Zustand ein, den man nur als symptomatische Ermüdung zweiter Ordnung bezeichnen könnte — nicht die Müdigkeit durch Schmerz selbst, sondern die Erschöpfung durch dessen permanente Erklärung. Worte werden dann zu Verwaltungsakten des eigenen Zustands. Jeder Satz eine kleine Präsentation: So geht es mir heute. Das funktioniert nicht. Jenes kostet Kraft.
Das Ergebnis bleibt erstaunlich konstant: Die Symptome bleiben. Der Alltag ebenfalls.
Das Wiesel, grundsätzlich impulsiv veranlagt und für dramatische Lageberichte jederzeit bereit, stellte irgendwann irritiert fest: Der Bericht verändert das Wetter nicht. Es regnet weiter, auch wenn man meteorologisch korrekt darüber spricht.
Also stellte es das Kommentieren ein.
Die Büffelin nickte nur ruhig. Sie wusste das längst.
Die soziale Unschärfezone
Hinzu kommt ein Phänomen, das sich schwer quantifizieren lässt, aber zuverlässig existiert: die Reaktion der anderen.
Sie oszilliert zwischen drei Polen — Unglaube, Mitleid und jener subtilen Genervtheit, die niemand offen zugibt, die jedoch im Raum steht wie ein schlecht gelüftetes Geheimnis.
Manche blicken, als müsse Schmerz erst bewiesen werden. Andere reagieren mit übergroßer Fürsorge, die einen augenblicklich in den Status einer zerbrechlichen Porzellanfigur versetzt. Wieder andere hören höflich zu, während ihr innerer Kalender bereits den nächsten Termin aufruft.
Die Schwierigkeit liegt nicht im Einzelnen, sondern in der Unvorhersehbarkeit. Jede Offenheit wird zu einem sozialen Experiment mit unbekanntem