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Von audiologischer Exzellenz, Stau-Ornamentik und Smart-for-Two-Philosophie – ein satirisch-akademisches Reisetagebuch

Es war einer jener Tage, deren Abfolge sich erst im Rückblick wie ein perfekt komponierter Satz entfaltet – anfangs noch unscheinbar, dann reich und warm und voller feiner Wendungen, die sich ineinanderfügen wie gut gesetzte Kommas. Die morgendliche Luft war kalt, aber nicht feindlich; sie brachte jene Art von Klarheit, aus der sich Geschichten spinnen lassen.

Ich fuhr nach Würzburg. Nicht in Fridolin, meinem vollwertigen Mobilitätsbegleiter, der weiterhin intensivmedizinisch betreut wird, sondern in einem Smart for Two – einem Bonsai-Fahrzeug, einem praktischen Miniaturwesen, das trotz seiner äußeren Zurückhaltung mit erstaunlicher innerer Grandezza glänzte. Ein kleiner Philanthrop mit Motor. Er wirkte beinahe zärtlich, als stünde er da, klein, aber entschlossen, mich in die Ferne zu tragen.

Seine Dimensionen erinnerten eher an ein großzügig bestücktes Hundebett als an motorisierte Autarkie, und doch strahlte er jene Haltung des „Ich schaffe das“ aus, die mich rührte.

Ich stieg ein, legte meine Taschen ab, schloss die Tür mit einem gefühlten „So, mein Kleiner — jetzt zeig mir, was du kannst“. Kein Bluetooth. Keine Streamingfunktion. Ein Radio. Ein Radiogerät, das mich in eine Zeit katapultierte, in der Menschen noch glaubten, Frequenzen wären etwas, das die Götter regulieren. Es war fast nostalgisch, ein wenig absurd und dennoch nicht ohne poetische Note.

Mein inneres Wiesel allerdings verlor bereits nach den ersten Kilometern die Geduld. Es zeterte, als sei es auf die Welt gekommen, um akustische Perfektion einzufordern: „Wie soll ich bitte etwas verstehen? Was ist das für ein Klangbrei? Warum gibt’s keine Podcastverbindung?“

Die Wasserbüffelin, jene majestätische Figur der Gelassenheit, die in mir wohnt, brummte nur gemächlich zurück: „Wir hören doch. Wir kommen vorwärts. Wir machen das schon.“

Ich selbst schwankte zwischen Amüsement und milder Genervtheit, denn irgendwo hatte das Wiesel ja recht — ich war Besseres gewöhnt, hatte feinere Quellen, luxuriösere Höroptionen. Doch so saß ich da, mit Radio als unfreiwilligem Trainingspartner, und merkte, wie überraschend gut ich mich auf den Inhalt konzentrieren konnte, trotz aller atmosphärischen Belastung. Ein seltsamer Triumph, der mir auf genuin menschliche Weise gefiel.

Er brachte mich über 386 Kilometer, unaufgeregt, ohne Theater, ohne Dramen – beinahe freundlich.

In Würzburg schließlich glitt der Smart for Two in eine Parklücke, als sei er aus dem Geist geometrischer Präzision geboren. Zwei SUVs flankierten mich wie zwei feudalistische Bodyguards, die dem Bonsai den Ritterschlag gewährten. Ich stieg aus, atmete tief durch, und da war sie — die stille Vorfreude auf jenen Ort, der audiologische Kunst, medizinische Erkenntnis und menschliche Wärme vereint.

Die Klinik, wie ein zweites Zuhause.

Manche Begegnungen brauchen nur Blicke, um zu funktionieren — und hier war es so.

Wertschätzung lag in der Luft, nicht als Floskel, sondern als lebendige Beziehung.

Dann begann der audiologische Teil, der nie Routine, sondern immer Begegnung mit mir selbst ist.

Der Freiburger Sprachtest öffnete den Reigen. Einsilber — präzise, nüchtern, sprachlich ohne Flankenschutz. Ich verstand. Nicht angestrengt, sondern konzentriert, als kämen die Wörter auf einem gleitenden Silberband zu mir.

Dann OLSA. Der Test, der mich immer wieder staunen lässt. Sprachfragmente, die im Störlärm nirgends zu verortet scheinen, werden mir zu erraten gegeben, wie Rätseltexte aus einer Welt hinter dem Geräusch. Je besser ich verstehe, desto leiser wird die Sprachquelle, bis sie kaum noch akustisch existent ist, aber dennoch neuroplastisch erkennbar.

Ich konnte hören, was eigentlich im Lärm verschwinden sollte.

Mein Gehirn tanzte auf einer akustischen Schwebebene, die nicht laut war, nicht präzise, sondern fremd und doch erfassbar.

Das Wiesel flippte inzwischen aus, mit jener impulsiven Dramatik, die kleine Wesen besitzen, wenn sie sich in Überforderung verlieren.

Die Wasserbüffelin dagegen wurde ruhiger, je intensiver alles wurde. Sie spürte die Konzentration, den Mut und die Fähigkeit.

Als die Tests vorbei waren, war ich nicht nur müde. Ich war leergearbeitet, ausgelaugt, wie eine Musikerin nach einem filigranen Meisterkonzert — und dennoch voller innerer Freude, voller Zufriedenheit über das, was möglich wurde.

Denn meine Ergebnisse waren herausragend. Nicht zufällig, sondern konsequent.

Dann folgte das Feintuning. Die Frequenzen, die Programme, die Millimeterchen des Hörerlebnisses. meine Audiologin und ich arbeiteten zusammen, wie Restauratorinnen an einem Fresko. Und es gelang. Klang wurde runder. Sprache fließt wärmer. Geräusche entsammten ihrer Schärfe und fanden musikalische Balance.

Später saß ich beim Arzt.

Es war kein unnahbares „man kontrolliert eben“.

Es war Begegnung.

Wir sprachen — nicht funktioniert, sondern verbunden.

Wir lachten.

Wir planten.

Wir diskutierten Möglichkeiten, Gedanken, Zukunftsperspektiven.

Ein Gespräch, das mehr war als ein medizinisches Ritual. Es war ein menschliches. Und das tat gut, tief, ehrlich.

Auf dem Heimweg begegnete mir dann der absurdeste Moment des Tages:

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