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Wiesel im Widerhall – oder:

Die Akustik des Alltags als Prüfung höherer Ordnung

Es gibt Morgen, die sich nicht einfach eröffnen – sie insistieren.

Leise. Unnachgiebig. Mit jener eigentümlichen Gravität, die sich nicht in Dezibel messen lässt, sondern im Zustand des eigenen Nervensystems.

Und so beginne ich – nicht etwa im Klang, sondern in der Stille.

In jenem Zwischenraum, in dem das Wiesel schweigt. (Vorübergehend. Wir kennen uns.)

Ein Raum, in dem selbst die Büffelin, sonst stoisch und von beinahe zen-buddhistischer Unerschütterlichkeit, den Blick hebt und – mit einer Ruhe, die fast provokativ wirkt – signalisiert: Heute wird dosiert.

Denn was folgt, ist kein Tag – es ist ein Parcours.

Ein akustischer Hindernislauf durch jene Räume, die in ihrer architektonischen Kühnheit offenbar beschlossen haben, Verständlichkeit als bourgeoises Luxusgut zu behandeln.

Wartezimmer.

Behandlungsräume

Praxen

Orte, vereint durch eine gemeinsame Obsession:

Schall so zu reflektieren, zu brechen und zu zersplittern, dass Sprache zur Aporie gerät.

Ein semantisches Rätselspiel, bei dem man mitunter nicht weiß, ob man gerade medizinisch aufgeklärt oder zur Haarspülung eingeladen wurde.

Verstehen wird hier zur Disziplin.

Zur Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen – nur dass das Heu hallt. Und spricht. Gleichzeitig.

Mein inneres Wiesel – sonst ein Meister der satirischen Sublimierung – verliert in solchen Momenten jede Contenance.

Es oszilliert zwischen resignierter Ironie und animalischer Empörung, nagt metaphorisch an Tischkanten und hinterlässt – so möchte ich behaupten – feine Bissspuren im Mobiliar der akustischen Unzulänglichkeit.

Und doch: Ich gehe hinein.

Mit Terminen. Mit Verpflichtungen. Mit diesem leicht absurden Vertrauen, dass sich Verständigung irgendwo zwischen Echo und Hintergrundgeräusch rekonstruieren lässt.

Ein Umstand, der sich in meinem derzeitigen körperlichen Zustand als – vorsichtig formuliert – ambitioniert erweist.

Denn die gebrochene Rippe – dieses kleine, insistierende Andenken an die Unberechenbarkeit des eigenen Körpers – hat beschlossen, sich nicht nur physisch bemerkbar zu machen, sondern gleich das gesamte System in eine Art überbordende Empfindsamkeit zu versetzen.

Schlaf? Fragmentarisch.

Erholung? Eher eine Idee als ein Zustand.

Das Wiesel sitzt derweil mit Augenringen, die eine gewisse Nähe zum Pandabären nicht leugnen können, vor mir und zelebriert den Konsum seiner zwölften Tasse Kaffee mit einer Inbrunst, die fast religiöse Züge trägt.

Und so geschieht, was geschehen muss:

Die Reizweiterleitung – diese feine, fragile Brücke zwischen Hörnerv und Hörzentrum – wird empfindlich. Überempfindlich.

Alles ist plötzlich zu viel. Zu laut. Zu nah. Zu grell.

Migräne betritt die Bühne. Ohne Ankündigung. Ohne Applaus.

Das Wiesel?

Es läuft nun nicht mehr metaphorisch.

Es läuft waagerecht die Wände entlang. Mit einer Energie, die man entweder bewundern oder fürchten kann. Vermutlich beides.

Und dennoch – ich bleibe.

Im Wartezimmer.

Im Behandlungsraum.

Im Frisörsalon der akustischen Verirrung.

Beim Kieferorthopäden.

Im Supermarkt.

Immer.

Augen zu. Durch.

Man entwickelt im Laufe der Zeit eine gewisse Resistenz.

Oder, weniger pathetisch formuliert: eine erstaunliche Fähigkeit zur Improvisation unter widrigsten Bedingungen.

Dass ich in diesem Jahr möglicherweise häufiger geröntgt wurde als ein durchschnittliches Lehrbuchskelett, ist dabei nur eine Randnotiz.

Sollte ich demnächst beginnen, im Dunkeln zu leuchten, erwäge ich ernsthaft, diese Fähigkeit auf Gartenpartys zu monetarisieren.

Ein kleines, lumineszierendes Alleinstellungsmerkmal – man muss ja flexibel bleiben.

Und dann, am Abend – endlich – ein Moment der Entscheidung.

Ich folge der weisen, beinahe ikonischen Empfehlung von Peter Lustig:

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