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Hörmine, Hörlibert und die Wissenschaft – Satirische Feldnotizen aus dem Leben mit einem Vollimplantat

Medizin kann erstaunlich nüchtern klingen: TICI – Total Implant Cochlear Implant. Ein Meilenstein, so heißt es, die Zukunft des Hörens. In Wahrheit bedeutet es: Ich habe jetzt Technik im Kopf, die nicht nur futuristisch klingt, sondern tatsächlich dort wohnt, wo früher nur Gedanken hausten.

Seit September 2024 lebt also links in mir Hörmine, das vollimplantierte Cochlea-Implantat – und rechts Hörlibert, mein altgedienter Routinier. Zwei höchst unterschiedliche Charaktere: Während Hörlibert stoisch wie ein pensionierter Oberstudienrat die akustische Welt sortiert, stolziert Hörmine eher flamboyant durchs Leben – jung, experimentierfreudig, und dabei erstaunlich diskret.

Hintergrund – Die exklusive Gemeinschaft der Versuchskaninchen

Es gibt 30 Probanden. Wir nennen uns augenzwinkernd „Versuchskaninchen“, und der Titel ist nicht ganz unpassend: Statt Karotten gibt’s bei uns Anpassungen, statt Auslauf Logopädie.

Vor meiner OP gab es keine Erfahrungsberichte, kein Forum voller „Top Ten Tricks für dein Vollimplantat“. Ich musste springen – ins kalte Wasser, ohne Badekappe, ohne Rettungsring. Ein Abenteuer, das eher nach Jules Verne klang als nach nüchterner Medizin.

Heute tauschen wir uns schriftlich aus – eine Art Tagebuchzirkel der Cyber-Ohren. Und jedes Mal freue ich mich wie ein Kind, wenn eine Mail mit den nächsten Erfahrungsnotizen kommt. Pionierarbeit ist anstrengend, ja. Aber sie hat auch den Charme eines Geheimclubs, in dem jeder sein eigenes Kapitel Science-Fiction schreibt.

Technische Besonderheiten – Der Knopf am Kopf

Offiziell klingt es so: Mikrofon, Prozessor, Elektrode, Akku – alles unter die Haut verlegt. Revolutionär. Diskret. Weltneuheit.

Inoffiziell klingt es so: Ich habe einen Knopf am Kopf. Einmal am Tag für eine Stunde auflegen – und schon ist Hörmine wieder voller Energie.

Kein Kabel, kein Ohrgerät, keine sichtbaren Spuren. Außen bleibt nur mein Gesicht – und das, so versichere ich mir selbst, reicht völlig aus. (Und ist oft schon zu viel)

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