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Binnenableismus – wenn wir selbst Grenzen ziehen, wo Brücken sein sollten

Ich bin traurig.

Und ehrlich gesagt: tief erschüttert.

Ich habe in einer Gruppe (auf social Media) für Menschen mit Hörbehinderung, die Beiträge mitgelesen mit gelesen – eigentlich ein Ort, an dem man sich verstanden, sicher, aufgehoben fühlen dürfte. Und doch wurde dort eine gehörlose Person bloßgestellt.

Nicht, weil sie jemanden beleidigt hätte.

Nicht, weil sie Grenzen überschritt.

Sondern, weil sie die deutsche Schriftsprache nicht beherrscht.

Weil ihre Worte holperten. Weil sie sich anders ausdrückte, tastend, suchend – und man ihr genau das zum Vorwurf machte.

Man sagte ihr, sie solle „woanders hingehen“. “Endlich lernen adäquat zu kommunizieren oder es bitte sein lassen und verschwinden”. (Die Person kommuniert in DGS)

Wohin eigentlich, wenn selbst dort, wo Inklusion gelebt werden sollte, das Tor verschlossen bleibt?

Ich habe das gelesen – und es tat weh.

Es machte mich sprachlos und wütend zugleich.

Denn das war kein Missverständnis, kein unbedachter Moment.

Es war Ausgrenzung – lautlos, aber schneidend.

Wir sprechen so oft von Teilhabe, von Barrierefreiheit, von Akzeptanz.

Wir empören uns, wenn Hörende uns nicht verstehen wollen, wenn sie uns nicht ernst nehmen oder uns in Schubladen stecken. Reagieren verletzt, wenn gemeine Sprüche uns treffen.

Aber was passiert, wenn wir selbst anfangen, das Gleiche zu tun?

Wenn wir – ausgerechnet wir – die Hand nicht reichen, sondern sie entziehen?

Das ist Binnenableismus.

Ein Wort, das sperrig klingt, aber eine leise, schmerzhafte Wahrheit birgt:

Es beschreibt die Diskriminierung innerhalb einer ohnehin schon benachteiligten Gruppe.

Wenn Betroffene andere Betroffene abwerten, weil deren Art zu kommunizieren, zu leben oder mit der Behinderung umzugehen nicht den eigenen Vorstellungen entspricht.

Wenn wir selbst anfangen, die Hierarchien der Mehrheitsgesellschaft zu reproduzieren.

Binnenableismus ist perfide, weil er nicht brüllt.

Er flüstert.

Er versteckt sich in kleinen Sätzen, in ironischen Kommentaren, in herablassenden Bemerkungen.

Und er zerstört etwas, das wir alle so dringend brauchen: Vertrauen.

Echte Inklusion misst sich nicht an Perfektion.

Nicht daran, wie klar jemand schreibt, wie gebildet er wirkt oder wie reibungslos Kommunikation verläuft.

Echte Inklusion zeigt sich in der Geduld, im Zuhören, im Respekt vor dem anderen.

In dem Willen, Brücken zu bauen, wo Mauern sind.

Respekt bedeutet, den anderen in seiner Ausdrucksform ernst zu nehmen, selbst wenn sie brüchig, unvollkommen, andersartig ist.

Respekt bedeutet, nicht zu schweigen, wenn jemand ausgelacht oder ausgeschlossen wird – sondern hinzugehen, hinzusehen, Haltung zu zeigen.

Wenn wir innerhalb unserer eigenen Gemeinschaft nicht lernen, einander anzunehmen – wer soll es dann tun?

Ich wünsche mir, dass wir aufhören, uns aneinander zu messen.

Dass wir nicht fragen, wer „behindert genug“ ist, wer sich „richtig“ ausdrückt, wer „reinpasst“.

Sondern dass wir beginnen, einander wirklich zu sehen.

Mit Milde. Mit Achtung.

Mit Menschlichkeit.

Denn Teilhabe beginnt nicht mit großen politischen Programmen.

Sie beginnt in unseren Gruppen, in unseren Kommentaren, in unseren Herzen.

Dort, wo wir uns entscheiden, nicht wegzusehen, sondern Raum zu machen.

In diesem Sinne, passt aufeinander auf. Bleibt's xund. Holt euch ein Probeabo 🫶🏼Eure Frau Kruemelkuchen

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