
Es gibt diese Menschen, die bereits bei zarten 18 Grad beginnen, die Fenster aufzureißen, weil ihnen angeblich „die Hitze im Raum steht“.
Und dann gibt es uns.
Die Frostfraktion.
Die thermodynamisch leicht unterversorgten Wesen dieser Welt.
Ich gehöre – ganz ohne falsche Bescheidenheit – zur aristokratischen Spitze dieser Spezies.
Während andere bereits die Ärmel hochkrempeln und von „frischer Luft“ sprechen, sitze ich in einer textilen Mehrschichtarchitektur, die entfernt an eine Expedition in die Arktis erinnert: Weste, Pullover, zwei Decken, dicke Socken. In der Hand ein Becher heißen Tees, der in etwa so viel Dampf produziert wie ein mittelgroßes Dampfkraftwerk.
Thermisch gesehen fühle ich mich erst ab ungefähr 25 Grad aufwärts halbwegs kompatibel mit meiner Umwelt.
Alles darunter ist für meinen Körper offenbar eine Art Eiszeit-Simulation.
Das Wiesel übrigens auch.
Der kleine Kerl sitzt aufgeplustert wie ein Wintervogel auf einem Stromkabel, Fell in maximaler Volumenexpansion, Zähne klappernd wie ein schlecht gewarteter Kastagnetten-Spieler. Man hat fast den Eindruck, er versuche durch pure Luftpolster-Technologie eine Art internes Thermosystem zu etablieren.
Die Büffelin hingegen beobachtet das Ganze mit dieser stoischen Gelassenheit, die nur Wesen besitzen, deren Kreislauf offenbar direkt an ein geothermisches Kraftwerk angeschlossen ist.
„Zieh halt noch eine Decke drüber“, meint sie lakonisch.
Ja.
Sehr hilfreich.
Zwischen Wärmflasche und Heizkörper entwickelt sich inzwischen eine Beziehung von beinahe symbiotischer Intensität. Ich klebe an der Heizung wie ein Eidechsenersatz auf mediterraner Steinmauer – nur dass meine Steinmauer eben ein deutscher Heizkörper ist.
Die Sitzheizung im Auto läuft übrigens zuverlässig bis ungefähr Juli.
Man weiß ja nie.
Und irgendwo zwischen Teetasse Nummer drei und der strategischen Überlegung, ob ein kleines Wohnzimmer-Lagerfeuer atmosphärisch nicht eigentlich ganz entzückend wäre (brandschutztechnisch vermutlich weniger), stellt sich eine existenzielle Frage:
Wo bleiben eigentlich diese legendären Hitzewellen der Perimenopause, wenn man sie einmal wirklich brauchen könnte?
Andere klagen über tropische Nächte.
Über plötzliche Hitzeschübe.
Über Schweißausbrüche.
Ich hingegen sitze hier mit klappernden Zähnen, einem zitternden Wiesel und eiskalten Füßen und denke mir:
Universum.
Hormonsystem.
Endokrines Chaos.
Wenn ihr schon die Dramaturgie der Wechseljahre orchestriert –
könntet ihr vielleicht eine kleine, wohltemperierte Hitzewelle zu mir schicken?
Nur eine.
Ganz diskret.
Das Wiesel und ich wären ausgesprochen dankbar.
Bleibt's xund und packt euch warm ein. Eure Frau Kruemelkuchen
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