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Tatort Hotel.

Opfer: Mode, Stil – und eine jahrhundertealte Konvention des zivilisierten Miteinanders.

Oder das, was manche mit erstaunlicher Verve dafür halten.

Wir sprechen mithin von einem Doppelmord, verübt am frühen Morgen, zwischen Café Crema und Bacon und Omelette.

Der Tatort ist öffentlich, die Beweislast erdrückend, der Täter erstaunlich selbstgewiss.

Kommissare? Fehlanzeige.

Zeugen? Zahlreich – und still leidend.

Mein Wiesel ist nicht einfach irritiert. Es ist echauffiert.

Nicht dieses beiläufige „Ach, die Jugend von heute“, sondern jene tiefere Empörung, die entsteht, wenn soziale Grammatik grob zerlegt wird – ohne Not, ohne Notwendigkeit, ohne jedes Sensorium für den Raum, den man teilt. (Denn es handelt sich nicht um rebellierende Heranwachsende, sondern die Tat verübten erwachsene Menschen, wie du und ich)

Der Anlass scheint banal, ist es aber nicht:

Kopfbedeckungen beim Essen.

Mützen.

Caps.

Schirme nach vorne, nach hinten, schräg – als sei der Frühstückstisch eine urbane Durchgangszone oder ein modisches Nebengleis zwischen Fitnessstudio und Co-Working-Space.

Beanies, tief über die Ohren gezogen. So ein Frühstückssaal ist ja auch unglaublich zügig…..

Doch Essen zu Tisch ist kein funktionaler Vorgang.

Es ist ein Ritual.

Ein Übergang vom Privaten ins Gemeinsame.

Ein stiller Akt der Anerkennung: Ich bin hier. Mit anderen. Und ich nehme das ernst.

Die Kopfbedeckung dabei ist – und ja, das Wort ist hart, aber treffend – ein Affront.

Nicht gegen Regeln um ihrer selbst willen, sondern gegen das, was sie symbolisieren: Aufmerksamkeit, Respekt, Selbstwahrnehmung.

Sie sagt: Ich bleibe bei mir, koste es, was es wolle.

Und genau darin liegt das Problem.

Was mich – und mein Wiesel ganz besonders – beschäftigt, ist die frappierende Monotonie der Täterbeschreibung.

Es sind, ausnahmslos, Männer. (Warum eigentlich?)

Junge wie ältere.

Unterschiedlich gekleidet, aber vereint in einer eigentümlichen Geste der Verweigerung.

Ich frage mich:

Halten sie sich für so unfassbar cool, dass sie glauben, Etikette sei eine optionale App, die man jederzeit deinstallieren kann?

Ist es Rebellion?

Oder schlicht Gedankenlosigkeit, getarnt als Lässigkeit?

Ein performativer Akt des „Mir-doch-egal“, der weniger Freiheit als vielmehr eine erstaunliche Form sozialer Blindheit offenbart?

Denn Etikette ist kein Korsett.

Sie ist eine Lesekompetenz des Raumes.

Wer sie beherrscht, weiß, wann man sich gehen lassen darf – und wann ein kleines Innehalten angebracht wäre.

Die Mütze am Tisch sagt nicht „Ich bin individuell“.

Sie sagt: Ich habe mich nicht gefragt, ob das hier passt.

Und als wäre diese ästhetische Grenzüberschreitung nicht bereits ausreichend, schleichen sich die Hotelschlappen ins Bild. Und schon finde ich die Mütze über den Ohren, während man isst, nicht mehr als das Seltsamste was ich heute gesehen habe…

Diese weichen Symbole der Übergangslosigkeit, gedacht für das Bad, nicht für den öffentlichen Auftritt zwischen Marmelade und Messerklirren.

Hier verliert selbst die Wasserbüffelin kurz die Contenance.

Wir urteilen nicht hart.

Aber klar.

Man darf vieles.

Doch man muss nicht alles – und schon gar nicht alles gleichzeitig.

Ich sitze da, trinke meinen Kaffee, beobachte.

Und denke: Stil ist keine Frage des Preises, sondern der Haltung.

Er beginnt auch nicht im Kleiderschrank, sondern im Bewusstsein für andere.

Der Täter

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