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Mind the Gender Gap

Redaktion free.fem.minds Magazin

Wir haben keinen Gender Gap. Wir haben viele.

Gender Pay Gap

Kennen wir. Der Wert benennt die Einkommenslücke für Frauen gegenüber ihren männlichen Kollegen am Arbeitsmarkt. Und hier gibt es sogar gute Nachrichten. Zum ersten Mal seit vier Jahren sank der Wert und damit die Lohnlücke von Frauen von 18 Prozent im Vorjahr zu 16 Prozent. (2024, Quelle: Statistisches Bundesamt)

Doch wusstet ihr auch, dass der Pay Gap Folgen hat und unter anderem weitere Lücken bedingt? Und die sind mehr denn je besorgniserregend.

Gender Care Gap

44,3 – so groß ist die Lücke und meint, dass Frauen 44,3 Prozent mehr unbezahlte Sorgearbeit leisten als Männer. (2022) Die Zahlen des Statistischen Bundesamts teilt etwa UN Women Deutschland und weist daraufhin, wie die umgerechnet 29,5 Wochenstunden Frauen für Karriere, finanzielle Sicherheit und Absicherung im Alter fehlen. Sorgearbeit ist keine Privatsache, sondern ein ernstzunehmendes strukturelles Problem zulasten von Frauen. Wenn Männer mehr verdienen und Frauen daher zuhause bleiben oder weniger arbeiten, verfestigt das den Problemkreislauf.

Gender Pension Gap

Wer weniger verdient, bekommt weniger Rente. Was offensichtlich logisch ist, wird seit Jahren kaum korrigiert. Dem Statistischen Bundesamt nach ist ist etwa jede fünfte Frau in Deutschland ab 65 Jahren armutsgefährdet. Ein Blick in die Zahlen (2023) macht die Rentenlücke deutlich. So beziehen Männer im Schnitt nach 65 Jahren 25.600 Euro Rente. Frauen kommen dagegen nur auf 18.700 Euro pro Jahr. Markus Söder (CSU) kündigte zuletzt an, die sogenannte Mütterrente erhöhen zu wollen. Kritik folgte sofort. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger mahnte gegenüber der Augsburger Allgemeinen, diese Erhöhung schwäche nicht nur die Konjunktur und belaste die Jungen, sondern sei zudem wenig geeignet, soziale Ungerechtigkeit bei der Rente zu bekämpfen. Die eigentlichen Probleme im System lägen woanders.

Gender Health Gap

Noch nie gehört? Bei einer Befragung des Versicherungskonzerns AXA gaben 70 Prozent der Befragten an, noch nie vom sogenannten Gender Health Gap gehört zu haben, zeigte das Deutsche Ärzteblatt in einem Bericht im Juni. Der Gender Health Gap gibt Auskunft darüber, wie häufig Frauen in der Medizin Nachteile erleiden, weil sie Frauen sind. Etwa, weil manche Krankheitssymptome jahrelang nur an Männern und ihren Erscheinungsformen erforscht wurden oder auch, weil Medikamente, deren (Über-)Dosierung und Wirkweise nicht an Frauenorganismen getestet wurde, sondern ebenfalls nur an Männern. Geschlechtsspezifische Medizin für Frauen steckt sozusagen noch in den Kinderschuhen. Ein besonders schlimmes Beispiel sind Herzinfarkte bei Frauen. Sie bleiben oft unentdeckt, weil die Symptome wie Kieferschmerzen, Übelkeit, Rückenschmerzen falsch zugeordnet werden. Ein vermeidbares Risiko wissen Ärzt:innen, gerade wenn man bedenkt, dass mit der Menopause für Frauen das Risiko steigt, einen Herzinfarkt zu erleiden.

Gender Save/Savings Gap

Ein geringes Einkommen führt zu ebenfalls geringen Sparraten. Gestiegene Lebenshaltungskosten und niedrige Einkommen aus Teilzeitmodellen haben für Frauen finanziell schwere Folgen. Eine Befragung von Innofact im Auftrag von Finanztipp ergab, dass rund 30 Prozent aller Frauen gar nichts für ihre Altersvorsorge zurücklegen können. Bei den Männern sind das mit nur 19 Prozent deutlich weniger. Das hat Folgen. Auf die Absicherung im Alter und den Ausgleich auf die Rentenlücke.

Gender Investment Gap

Stehen Frauen nicht so auf Aktien wie Männer? Diese Frage warf ein Wirtschaftsblatt 2024 ernsthaft auf, um den gender investment gap zu besprechen. Investieren ist ein Luxus, den man sich leisten können muss und die traurige Realität in Zahlen ist, Frauen können das oft nicht. Nur 12,3 Prozent der Frauen in Deutschland besaßen 2024 Aktien, Fonds oder ETFs. Das ist nur etwa jede sechste Frau. Bei den Männern ist der Wert deutlich höher. Rund 22,2 Prozent der Männer in Deutschland investiert regelmäßig. (Quelle: Deutsches Aktieninstitut)

LESETIPP

Noch mehr Ungerechtigkeiten zum Nachlesen finden sich in diesem Buch von Caroline Criado-Perez (2020), das in keiner feministischen Bibliothek fehlen sollte.

Caroline Criado-Perez. Unsichtbare Frauen: Wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert. btb. 2020

Kategorie Karriere und Finanzen

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