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#48 Eine Jahrzehnte alte Freundschaft

Gofigramm

Ein Bandauftritt Anfang der neunziger Jahre in einer Kirchengemeinde in Bremen. Ich stehe am Mikrofon, Martin sitzt am Schlagzeug.

Hinter mir liegt eine wunderschöne Woche in Bremen, in der ich an meinem neuen Roman "Wut. Liebe. Filmriss." gearbeitet habe und einen wirklich großen Schritt weitergekommen bin. Gewohnt und geschrieben habe ich in diesen Tagen bei meinen Freunden Katja und Martin. An einem Abend legte Katja dieses Foto auf den Tisch. Es zeigt mich am Mikrofon und Martin am Schlagzeug. Verrückt, oder? Ich habe gar nicht gewusst, dass von diesem Auftritt vom Anfang der neunziger Jahre noch Bilder existieren. Immerhin hat es damals keine Smartphones gegeben. 

Martin und ich haben uns in der fünften Klasse kennengelernt und sind seitdem befreundet. Noch zu Schulzeiten haben wir gemeinsam Musik gemacht und haben das zwischendurch immer wieder getan. So auch in der vergangenen Woche. Er holte eine Gitarre hervor und spielte Akkorde, ich improvisierte dazu Melodien, die mir spontan einfielen. Wir haben uns verabredet, dass wir gemeinsam auf Tour gehen werden, wenn das Buch im kommenden Frühjahr erscheinen wird. Es werden Lesungen mit Musik sein, und die Songs werden wir passend zur Handlung des Romans schreiben bzw. auswählen.

Martin und ich in der vergangenen Woche in seinem Studio.

So eine langjährige Freundschaft ist schon echt etwas Besonderes. Vor allem, wenn sie gemeinsames kreatives Schaffen beinhaltet. Ich freue mich wirklich sehr darüber, dass ich so etwas erleben darf. 

Die Kurzgeschichte, die ich dir heute mitsende, spielt übrigens in Katjas und Martins Haus. Ich habe es zu einem wichtigen Handlungsort gemacht und dem fiktiven Schriftsteller Ben angedichtet. Im Roman heißt das Haus 'Haus Stochardt'. Unser Musikprojekt nennen wir deshalb ebenfalls 'Stochardt'. Du wirst es mitbekommen, wenn es etwas zu hören gibt. 

Ich wünsche Dir eine tolle Woche. Bis nächsten Montag!

Dein Gofi

Danke für Dein Interesse! Ich bin Gofi, Künstler, lebe in Marburg und engagiere mich für den Erhalt von Kunst, Kreativität, Gemeinschaft und einer menschenfreundlichen Spiritualität. Das GOFIZINE veröffentliche ich bewusst kostenlos für alle, weil ich möchte, dass jede/r Zugang zu guten Inhalten hat, unabhängig von Einkommen und finanziellen Möglichkeiten. Wenn Du mir bei meiner Arbeit helfen möchtest, bin ich Dir sehr dankbar.

Kurzgeschichte

Wut. Liebe. Filmriss.

Der Termin der Erstausstrahlung ist immer wieder verschoben worden, aber jetzt steht das Datum fest. Anfang Juni. Ihm ist es letztlich egal. Er hat die Kohle schon gekriegt. Jetzt sollen sie halt sehen, wie weit sie mit der Scheiße kommen.

Klar. Wenn die Leute dumm genug sind, die Serie gut zu finden, und sie dann auch noch auf anderen Plattformen erscheint - umso besser. Dann kriegt er eben noch mehr. Und dagegen lässt sich natürlich erstmal nichts sagen. Wobei.

Es steht ja immer sein Name drauf: Nach einem Roman von Benjamin Stochardt-Barenbaum. Schon 'Wut. Liebe. Filmriss.' hat er nie gemocht. Er musste dem Verlag leider irgendwann nachgeben. Aber jetzt ist dieser ohnehin schon wurstige Titel mit dieser echt schlechten Serie verbunden. Und sein eigener Name auch. Das nervt, irgendwie.

Ben zündet sich eine Zigarette an. Jens ist nicht zu Hause. Und wenn schon. Der Idiot soll sich nicht so anstellen. Rauchverbot. Was für'n Scheiß. Er kann in seinem Haus machen, was er will. Sein Mieter ist erst vor knapp zwei Monaten in die Sedanstraße 98 eingezogen und geht ihm jetzt schon auf die Nüsse. War vielleicht ein Fehler. Anderseits kann er die Kohle gut gebrauchen.

Tja, die Kohle. Die war letztlich auch der Grund, warum Ben am Ende zu allem sein Okay gegeben hat. Bei der Serie. Nicht, dass er da wahnsinnig großes Mitspracherecht gehabt hätte. Er ist von Anfang an gegen den Hauptdarsteller gewesen. Das ist nie im Leben sein Tom. Never! Aber das ist denen so was von egal gewesen. Das würde er nicht verstehen, er sei eben mehr ein Mann des Wortes, das sei jetzt eine Situation, in der er einfach den Film-Profis vertrauen müsse, sie wüssten genau, was sie tun, und er wolle doch auch, dass die Serie richtig durchstarten würde, und so weiter, und so weiter.

Film-Profis my ass. Er hat den echten 'Tom' kennengelernt. Er weiß ganz genau, was für ein Typ das ist. Und die Story? Die hat er sich gar nicht ausgedacht. Die ist tatsächlich ungefähr so passiert, wie er sie im Roman erzählt. Was die in der Serie draus gemacht haben, ist einfach nur bitter.

'Tom' heißt in Wirklichkeit Tim. Und ganz eigentlich Timotheus. Er arbeitet in einer Kneipe in Huchting. Warum Ben dort aufgekreuzt ist, an einem Abend im Februar vor ein paar Jahren, das kann er nicht mehr so genau rekonstruieren. Es hatte was mit einer Frau zu tun, eine unangenehme Sache, und damit, dass er ziemlich betrunken gewesen ist. 

Der Laden sieht aus wie eine typische Opa-Tanke mit Fenstern, durch die man nichts sehen kann, mit Schiffsteuerrädern als Lampen über den Tischen und mit Typen, die dir gleich beim Reinkommen zeigen, dass du da nichts verloren hast. Hat er gar nicht so bemerkt, dafür ist er schon zu breit gewesen.

Er hat sich einfach an die Bar gesetzt und ein Haake und einen Kurzen bestellt. Ganz normal. Und dann ist er irgendwie hängen geblieben. Es hat sich niemand mit ihm unterhalten wollen, natürlich nicht, das hat er auch gar nicht erwartet. Er hat einfach die Typen interessant gefunden, Männer im mittleren Alter, desillusioniert, schon ziemlich runtergerockt, die Seelen so faltig, wie die Gesichter. Fand er spannend. In professioneller Hinsicht.

Und dann, als die Kneipe immer leerer wurde, sind sie ins Gespräch gekommen. Was ihn nach Huchting verschlägt, hat der Barkeeper gefragt. Und was er so beruflich macht. Ach, echt? Schriftsteller, ist ja interessant. Er, Tim, hätte auch mal Kunst gemacht. Und dann hat eins zum anderen geführt, bis Tim ihm die Geschichte von TimTom Guerilla erzählt hat, seiner Punkband aus Bielefeld, die es noch einmal wissen wollte und die für ein Jahr alles auf eine Karte gesetzt hat. Ben blieb, trank und hörte zu, bis Tim morgens um halb fünf den Laden dann doch mal zumachen wollte.

Er ist damals von Huchting in die Neustadt gelaufen und hat über alles nachgedacht. Beim Aufschließen der Haustür um halb sieben hat er gewusst, dass das sein nächster Roman werden würde.

Sie haben sich noch mehrere Male getroffen. Tim ist sich nicht sicher gewesen, ob er sein Leben wirklich als Roman veröffentlicht sehen wollte. Aber der Künstler in ihm hat am Ende gewonnen. Schließlich hätte er in seinen Songs ja auch nichts anderes gemacht, hat er gemeint. Außerdem gefiel ihm der Gedanke, dass die Band, nach ihrem kläglichen Crash am Ende dieses schicksalhaften Jahres, so vielleicht doch noch irgendwie Erfolg haben könnte.

Und wie! denkt Ben. Jetzt werdet ihr sogar zu Fernsehserien-Helden. Wenn das kein Erfolg ist. Tut mir bloß leid, dass du von diesem kleinen Wichser gespielt wirst. Aber ich hab mein Bestes getan, Baby. Ich hab wirklich mein Bestes getan.

Er steht am Balkonfenster, blickt über den Garten zur Waterloostraße rüber und denkt über Erfolg nach oder das, was man im Allgemeinen darunter versteht. 

Mal ehrlich, was soll das sein: Erfolg?

Ist es ein Erfolg, dass sich das Buch so gut verkauft hat? Dass Dennis Scheck es ausführlich besprochen (und verrissen) hat? Dass daraus jetzt eine Serie gemacht worden ist? Dass er von den Tantiemen leben kann? Ist das Erfolg, dass sein Name weit über Bremen hinaus bekannt ist? Dass er schon den Vertrag für das nächste Buch unterschrieben und eine beachtliche Vorauszahlung bekommen hat?

Ja, schon, irgendwie. Aber warum fühlt es sich dann nicht so an? Warum fühlt er sich dann immer noch wie ein Versager? Warum hat er immer noch Angst vor dem Schreiben und ist sich sicher, dass er es dieses Mal verkacken wird? Warum ignoriert er die Anrufe seines Agenten, der wissen will, wie er vorankommt? 

Ist Tim, der gescheiterte Punkrocker und inzwischen ganz zufriedene Schankwart nicht eigentlich erfolgreicher als er? Der steht hinter seinem Tresen, hört Leuten zu, wie sie ihm ihre Geschichten erzählen, und geht irgendwann morgens zufrieden nach Hause zu Freundin und Kind. Keine Ambitionen. Keine großen Pläne mehr. Einfach da sein, wo, und der sein, wer man ist. Das reicht. Für manche.

Für mich halt nicht, denkt Ben. Er wendet sich vom Fenster ab und geht in die Küche. Kann ich nicht. So bin ich nicht. Er öffnet den Schrank über der Spüle und sucht das Koks, das er dort versteckt hat. 

Er muss endlich anfangen zu schreiben.

News

Griechenland: Es sind noch Plätze frei

 Begleite Judith Seibold von CHAVAJA und mich auf eine Reise nach Griechenland vom 17.-24.5.2026

 Shaul von Tarsos war radikal. Was er anpackte, das erledigte er zu 150%. Und dabei konnte er rücksichtslos sein – gegen sich selbst und auch andere.

Aufgewachsen als Bürger zweier Kulturen, der hellenistischen und der jüdischen, fließend zweisprachig (Griechisch und Aramäisch), war er in einer multikulturellen, multireligiösen und globalisierten Welt zu Hause. Als Handwerker, jüdischer Theologe und Mystiker. Mit einem großen Ziel: Er wollte die Welt mit seiner Botschaft erobern.

Unter seinem Künstlernamen Paulus (der Kleine) ging er die große Aufgabe an. Wo er auftauchte, spaltete er die Geister. Während die einen ihn liebten und verehrten, war er für die anderen ein rotes Tuch. So erreichte er Europa. Und Europa empfing ihn mit Stockhieben und Gefängnis. Doch einen radikalen Aktivisten wie Paulus stachelte das nur an. Er machte weiter und legte eine Spur, der wir noch heute folgen können. 

Komm mit uns dorthin, wo für das Christentum in Europa alles begann: nach Griechenland. Wir besuchen die Orte, an denen Paulus wirkte, an denen er Zuspruch und Widerstand erlebte, an denen er Dinge sagte und tat, die die Leben von Menschen und den Lauf der Geschichte veränderten. Wir versuchen herauszufinden, was ihn antrieb, was ihn für manche so unwiderstehlich machte und welche Bedeutung sein Werk bis heute für uns hat.

Ich bin schon seit vielen Jahren von Saulus aus Tarsos fasziniert. Für mich gibt es fließende Übergänge zwischen den Propheten und Aposteln der Antike und unserem heutigen Verständnis von Künstlern. 

Als Guide konnten wir den griechenlanderfahrenen Dany Walter aus Israel gewinnen, der uns den jüdischen Paulus näher bringen wird.

Einen Einblick in Programm erhaltet Ihr hier: Programm_Die_Griechenlandreise (Öffnet in neuem Fenster) 

Mehr Informationen zu Chavaja – Bildungs- und Begegnungsreisen erfahrt Ihr hier: https://www.chavaja.de/ (Öffnet in neuem Fenster)

Danke für Dein Interesse! Wenn Du mir bei meiner Arbeit helfen möchtest, kannst Du das zum Beispiel hier.

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