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Benni BK über das Netzwerken, Freundschaft und den Druck, Content zu kreieren

Wir treffen Benni in München im 25hours Hotel The Royal Bavarian. Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass wir ihm begegnen, denn seit der Weltpremiere von Die Drei ??? und der Karpatenhund verbindet uns eine kleine Vorgeschichte: Er kam dort einfach auf uns zu, weil ihm Carlotta Pahl (Öffnet in neuem Fenster) (Ausgabe #3) von uns erzählt hat. Und heute ist ein guter Tag, um nach dem Smalltalk im Kinosaal mehr über ihn und seinen Weg zu erfahren. Als wir uns im Hotel umgesehen haben und schließlich in einem noch geschlossenen Bar -Bereich ins Gespräch starten, hat Benni schon längst ein paar Videosequenzen eingefangen. Denn er ist Content Creator und sieht an solchen Tagen vermutlich immer und überall Material für sein nächstes Video. Ob ihm seine Leidenschaft auch Druck macht, jeden Tag etwas Spannendes zu erleben und welche Tipps er sich bei einem Neustart selbst geben würde, das fragen wir ihn heute.

Interview Florian Saeling Fotos & Videos Max Saeling

Ich hatte vorher zwar schon mal Videos von dir auf TikTok gesehen, aber auf der Kinopremiere hätte ich dich nicht angesprochen, weil ich den Smalltalk nicht so mag. Aber wie ist das für dich? Fällt es dir leicht, auf solchen Events mit Leuten ins Gespräch zu gehen?
Unterschiedlich. Als ich am Anfang auf Veranstaltungen war, wo ich niemanden kannte, dachte ich mir, es gibt zwei Varianten: Entweder ich stehe allein im Eck und frage mich, was ich da eigentlich mache oder ich traue mich, irgendjemanden anzusprechen, der ganz nett aussieht und auch gerade allein herumsteht. Das habe ich mittlerweile schon öfter gemacht und so sind die interessantesten und lustigsten Konstellationen zusammengekommen. Daraus können auch bleibende Kontakte und Freundschaften entstehen. Mit Linus Bruhn (Sänger und Radio-Moderator) war das zum Beispiel so. Ihn habe ich bei meiner ersten Kinopremiere einfach mal angesprochen. Aber ich muss auch sagen:

Die ungewollten, unerwarteten Gespräche sind für mich die besten.

Angenommen, ich hätte an dem Tag noch gar keine Ahnung gehabt, wer du bist und dich gefragt, was du machst. Wie beschreibst du deine Tätigkeit in solchen Situationen?
Wenn mich jemand fragt, dann sage ich: Ich bin Content Creator. Das bedeutet, ich mache Videos auf Social Media. Also, ich plane meine Videos, nehme sie auf, bearbeite sie und veröffentliche sie. Ansonsten netzwerke ich, also bin im Austausch mit anderen Creatorn und habe auch eine eigene kleine Firma gegründet, die im Hintergrund tätig ist. Ich nehme Schauspiel- und Gesangsunterricht, versuche mein Englisch weiter zu verbessern, lerne jetzt auch Spanisch und ich finde es schade, wenn man auf den Begriff Influencer reduziert wird.

Ich bin kein großer Fan davon, weil das in den Medien und vor allem bei älteren Leuten der Gesellschaft ein so verrufenes Wort ist. Viele denken, Influencer haben nichts im Kopf, filmen sich einmal am Tag und verdienen damit sehr viel Geld. Aber nicht jeder entspricht diesem Klischee. Es gibt mit Sicherheit welche, aber es gibt eben auch einige, die sich sehr viel Mühe geben, die bis spät nachts arbeiten, um am nächsten Tag ein neues Video hochzuladen. Ich glaube, viele unterschätzen, wie viel Arbeit, also Zeit und Aufwand das erfordert.

Wenn du privat neue Leute kennenlernst, ist es dann meistens so, dass sie dich schon von Social Media kennen und deshalb auf dich zukommen?
Also, ich sag mal so: Ich bekomme super liebe Kommentare und Nachrichten und es gibt immer Leute, die mir schreiben: „Hey, ich finde dich total cool. Wollen wir uns mal treffen und kennenlernen?“ Ich bin mir sicher, mit den Allermeisten würde ich mich bestimmt auch gut verstehen, aber das ist etwas, wo ich sage, das möchte ich aus Prinzip nicht. Denn warum schreibt diese Person mich an? Weil sie mich auf Social Media gesehen hat – und ich möchte mich im privaten Umfeld mit Leuten umgeben, die mich nicht deswegen mögen. Es gab schon auch mal die eine oder andere Person, die ich so kennengelernt habe und mit der ich jetzt gut befreundet bin. Ich finde es dann aber schwierig, aus dieser Zuschauer-Creator-Verbindung herauszukommen und eine engere zu beginnen. Deswegen habe ich mir vorgenommen:

Um mit einer Person privat befreundet zu sein, möchte ich auch, dass sie mich privat kennengelernt hat und nicht auf Social Media.

Spürst du oft Druck in dir, täglich neuen Content zu kreieren?
Mittlerweile ist es kein Problem mehr. Es gibt Wochen, in denen viel passiert, weil ich auf Veranstaltungen, bei jemandem zu Besuch oder in einem anderen Land unterwegs bin. Dann fällt es mir leicht, Ideen zu finden, weil dann filme ich einfach mit, was ich sowieso mache.  Es gibt aber auch immer wieder Phasen, in denen es schwierig ist, Ideen zu finden, weil ich nur zu Hause bin und nicht gerade viel ansteht. An solchen Tagen ist mein Kopf die ganze Zeit am Denken „Ich brauche noch ein Video für heute“. Das kann dann stressig, anstrengend und vor allem auch deprimierend sein.

Deswegen habe ich angefangen, mir einen Contentplan zu machen, damit ich schon ein oder zwei Wochen vorher weiß, welche Videos ich machen möchte. Seit Anfang des Jahres poste ich auch nur noch jeden zweiten Tag. Dafür habe ich jetzt aber mehr Zeit, um zu überlegen, zu planen und auch qualitativ bessere Videos zu kreieren.

Hast du einen stärkeren Drang, immer möglichst viel erleben zu wollen, seitdem du Videos auf Social Media teilst?
Ja, das ist ein typisches Social-Media-Phänomen, dass man denkt, man muss immer interessant sein, immer toppen, was man bisher schon gemacht hat und es muss alles immer schöner, schneller, toller, teurer und was auch immer sein. Aber mir ist dabei aufgefallen: Je mehr Gedanken ich mir zu einem Video mache, desto schlechter performt es. Wenn man sich sagt, es muss gut sein, dann wird es meist nicht gut, weil dann ist es nicht mehr authentisch und hat nicht mehr dieses Lockere und Sympathische, was die Leute sehen wollen.

Das habe ich für mich gelernt: Es muss gar nicht das teuerste, aufwendigste, super hochwertig produzierte Video sein. Es reicht, etwas Sympathisches und Authentisches zu machen, was die Leute kurz zum Lächeln oder zum Nachdenken bringt.

Es muss einfach nur echt sein und zu dir passen.

Gab es etwas oder jemanden, der dich dazu inspiriert hat, Videos zu kreieren?
Tatsächlich ja. Ich habe damals in einem kleinen 300-Einwohner-Dorf im Allgäu gewohnt. Dort gab es mehr Kühe als Menschen und dementsprechend war nicht viel los. Ich hatte ein paar Freunde, mit denen ich Fußball gespielt habe und einer von denen hatte regelmäßig auf YouTube gestreamt, also einfach gezockt und ein bisschen dazu geredet. Das wollte ich auch machen.

Als ich 13 geworden bin, durfte ich das dann machen, aber ohne mein Gesicht zu zeigen. Das erste halbe Jahr hatte ich dann immer ungefähr 20 Aufrufe, habe aber trotzdem durchgezogen und regelmäßig Livestreams gemacht. Später durfte ich mich auch zeigen, die Aufrufe sind gestiegen und ich habe irgendwann 1000 Abonnenten erreicht. Das war ein riesiger Meilenstein für mich. Dann passierte drei oder vier Jahre lang nicht mehr viel. Ich wusste aber immer: Das ist mein Ding. Ich möchte Social Media machen und Videos erstellen.

Ich habe schon in der Grundschule angefangen, eigene kleine Filme aufzunehmen und ich wollte immer auch der Regisseur, Kameramann und Cutter sein.

Dann bin ich umgezogen, auf eine neue Schule gekommen und habe deshalb erstmal keine Videos mehr gemacht.Seitdem habe ich auch keinen Gaming-Content mehr gemacht, habe dafür aber nach der Pause angefangen, Vlogs aus dem Urlaub und von Veranstaltungen hochzuladen. Auch das hat noch nicht gut funktioniert und ich musste mir wieder gut überlegen, ob und wie ich das weitermachen möchte.

An einem Freitag, als die Ferien begonnen haben, saß ich dann allein zu Hause, mir war richtig langweilig und ich bin einfach mal auf TikTok live gegangen. Dort hatte ich zuerst nur zwei Zuschauer und wollte schon fast wieder offline gehen. Aber dann kamen über 50 Leute rein, was ich auf YouTube nie hatte.

Das hat richtig Spaß gemacht, mit denen zu reden und ich habe gemerkt, wie sehr mir das gefehlt hatte. Ab diesem Moment bin ich jeden Tag auf TikTok live gegangen. Innerhalb von einem Monat hatte ich 10.000 Follower, nach zwei Monaten 30.000 und Ende des Jahres 100.000 Follower. Und in der Zeit kam auch auf einmal die Anfrage von der Agentur, bei der ich jetzt seit anderthalb Jahren unter Vertrag bin. So hat das alles angefangen.

Es ist so schön zu sehen, was man alles schaffen kann, wenn man etwas wirklich möchte und auch daran arbeitet.

Danke, dass du die Geschichte so ausführlich geteilt hast, weil weißt du, was ich daran besonders interessant finde? Dein Erfolg ging genau in dem Moment los, als du herausgefunden hast, was dir so viel Spaß macht, dass du es jeden Tag wieder machen wolltest.
Ja, und ich glaube auch, weil ich damit angefangen habe, ohne den Gedanken, dass ich TikToker oder Content Creator werden wollte. Ich habe einfach diesen ersten Schritt gemacht und gemerkt, mir macht das Spaß, es liegt mir und gefällt auch den Zuschauern. Deshalb habe ich immer weiter gemacht, jeden Tag, also auch an Tagen, die schon sehr voll waren und an denen ich nicht viel Zeit hatte.

Und jetzt folgen dir schon fast 100.000 Menschen auf Instagram und 200.000 auf TikTok. Was macht das mit dir?
Diese Zahlen waren für mich immer so weit entfernt. Ich dachte, das ist für mich unmöglich zu erreichen und es ist mega cool, dass ich jetzt diese Meilensteine erreichen kann, die davor nur meine größten Vorbilder erreicht haben.

Was ist das Wichtigste, dass du auf deinem Weg über dich gelernt hast?

Trau dich, so zu sein, wie du bist und trau dich aber auch, neue Dinge auszuprobieren.

Das ist mir früher sehr, sehr schwer gefallen und fällt mir ab und zu immer noch schwer. Ich glaube, das geht vielen so, dass es schwierig ist, aus der Komfortzone herauszukommen. Aber ich habe für mich gemerkt: Jedes Mal, wenn ich meine bekannte Komfortzone auch nur einen kleinen Schritt übertreten habe, sind so viele tolle neue Dinge entstanden. Ich habe neue Leute kennengelernt und neue Erfahrungen gesammelt, die ich sonst niemals erlebt hätte.

Eine Zeit lang war mein Lieblingsspruch „Nicht labern, sondern machen“, weil ich früher in meinen Livestreams erzählt habe, ich möchte mal Straßenumfragen aufnehmen, auf bestimmte Events gehen und so weiter. Was habe ich davon gemacht? Nichts! Ich habe immer nur davon erzählt, was ich gerne machen würde. Dann habe ich wirklich mal angefangen, zu einem Schauspielkurs zu gehen und mitten in München Videos aufzunehmen, was natürlich total unangenehm war, aber nur dadurch bin ich jetzt da, wo ich bin.

Stell dir vor, du startest nochmal komplett neu. Welche Tipps würdest du dir mit deinem Wissen von heute geben?
Gute Frage! Also zum einen: Mach das, was du für richtig hältst. Das ist ganz wichtig, nicht zu viel auf andere Leute zu hören, sondern auf dein Bauchgefühl, weil das ist in der Regel gut und richtig. Zweitens: Habe Geduld. Und als letzten Tipp: Mach dir nicht über alles einen Kopf, sondern probiere dich einfach aus.

Was ist für dich Erfolg?
In meinem Fall sehe ich Erfolg darin, dass ich einen Einfluss auf andere habe. Weil ich so auch etwas Positives für die Gesellschaft tun kann, indem ich mit den richtigen Themen beispielsweise einen guten Einfluss auf die junge Generation haben kann.

Und welches Wort beschreibt dein Leben am besten?
Ehrgeizig.

// Heute haben wir alle keinen Zeitdruck. Also reden wir noch ein bisschen weiter über Bennis Weg, der ganz bestimmt auch deshalb kein einfacher ist, weil das Creator Business in den Augen vieler Menschen gar kein „richtiger“ Berufsweg ist. Inzwischen ist Benni aber mit der Schule fertig, sodass er nun durchaus beruflich Creator ist. Ich frage, ob er selbst daran gezweifelt hat. Er antwortet sofort: „Definitiv. Ich habe schon ganz oft gezweifelt“ und erzählt im nächsten Moment von nächtelanger Arbeit an seinen Videos, ohne zu wissen, ob sich das irgendwann lohnt. Er erzählt von Menschen, die sich darüber lustig gemacht haben, von Vergleichen mit anderen in seinem Alter und vom Ergebnis, zu dem ihm seine Gedanken immer wieder führen: „Es ist der richtige Weg, denn wenn man seine Leidenschaft zum Beruf machen kann, sollte man alles dafür tun, um das auch hinzukriegen“.

Danke, Benni!

Jeder große Moment beginnt mit einem Schritt – also geh einfach los!

– Benni

Kategorie Interview

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