Am Fastnachtssonntag (nein, es heißt hier nicht Karneval) hatten wir einen Photowalk mit unserem Kollektiv Collateral Eyes (Öffnet in neuem Fenster) in Mainz. Da war ganz schön was los, und statt viel zu quatschen, haben wir tatsächlich vor allem fotografiert. Und hinterher RIESIGE Pizzen gegessen, aber das ist eine andere Geschichte.

Bei solchen Veranstaltungen zu fotografieren ist immer ein bißchen eine Herausforderung. Aber ich stelle fest, daß es mir viel leichter fällt, seit ich mich entschieden habe, was ich eigentlich will. Will ich eine Reportage fotografieren oder mach ich hier irgendwie so Kunst? Weil die Street Photography mit einem Bein in der Reportage und einem Bein in der Kunst steht, ist das nämlich gar nicht so einfach, aber dennoch entscheidend.
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Beides kommt nämlich mit Vor- und Nachteilen daher und verlangt einen anderen Blick. Wer eine Reportage fotografiert, erfüllt gewisse Anforderungen an das Genre: Überblicksbild, Close-up, Szenen, und dann ist da noch ein gewisser dokumentarischer Anspruch, Entscheidendes nicht auszulassen. Ein Bild von dem Gutenberg-Denkmal mit Narrenkappe ist ebenso Pflicht wie jeder Wagen und eine gute Mischung an Kostümen. Das ist eine Menge, gibt aber eine gewisse Sicherheit. Ein Geländer, an dem man sich festhalten kann.
andrea.diener (Öffnet in neuem Fenster)
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Ich fühle mich ehrlich gesagt total entlastet, seit ich für mich entschieden habe, halt irgendwie so Kunst zu machen. Das entbindet mich davon, Fotos aufzunehmen, von denen ich glaube, sie machen zu müssen. Ich muß gar nichts, ich werde hier nicht bezahlt, ich hab keinen Auftrag. Ich verfolge nur mein eigenes Werk. Ich muß nicht schauen, was man von mir wollen könnte, ich muß nicht irgendwas der Vollständigkeit halber fotografieren. Aber: Dadurch müssen sich die Bilder, die ich mache, ganz anderen Ansprüchen genügen. Sie sind nicht da, um irgendwas zu dokumentieren. Das genügt nicht mehr. Sie müssen für sich selbst stehen.

Je nachdem, was man will, wird man dann entweder im Gewühl oder am Rand des Geschehens glücklicher. Ab Rand sitzen ab und zu einsame Menschen in Hühnerkostümen auf Pollern und gucken, das kann wahnsinnig lustig sein. Oder man geht rein ins dichteste Gedränge und ganz nah ran an die Menschen, bis auf wenige Zentimeter, das kann krass und intensiv wirken. Manchmal gibt es bunte Hintergründe, da spring ich immer sehr drauf an, und wenn dann noch irgendwas angeschnitten ist, umso besser. Das sind so meine Trigger, ihr habt sicher andere.
Das ganze Gewimmel in kurzer Zeit kann einen ganz schön überfordern. An normalen Tagen genügt es, einfach loszulaufen und sich vom Alltag in der Stadt überraschen zu lassen. Aber in die Fassenacht oder andere Massenaufläufe geht man meiner Ansicht nach am besten nicht ganz unbedarft rein, sonst verzettelt man sich gnadenlos. Es ist einfach zu viel, und von allen Seiten gleichzeitig.
Auf Instragram hab ich ein paar sehr schöne Fassenachtsbilder (und Karnevalsbilder) gesehen. Da laufen Rheingau und Rheinland zu ähnlicher Hochform auf wie später im Jahr die Münchner beim Oktoberfest. Zwischendrin feiern wir Frankfurter noch Wäldchestag und Dippemess, und auch das sind sehr dankbare Gelegenheiten zum Fotografieren, mit ähnlichen Regeln. Zu wissen, wonach man sucht, kann auch da sehr helfen, der Überforderung vorzubeugen.
Links
Ein sehr langer Podcast über KI-Bilder, was genau eigentlich Kreativität ist und vieles andere: Picdrop-Podcast (Öffnet in neuem Fenster)mit Boris Eldagsen, hier auf youtube (Öffnet in neuem Fenster), sonst aber überall, wo es Podcasts gibt. Ja, lang, aber ich habe auch viel gelernt.
Joel Meyerowitz höre ich immer gerne zu, weil er sehr eloquent von seiner Fotografie erzählt. Hier gibt es ein schönes langes Gespräch (Öffnet in neuem Fenster) mit Melissa O’Shaughnessy.
Terminkalender
24. Februar: Streetwalk & Vernissage in Nürnberg mit dem Unposed-Kollektiv und Special Guest Guido Klumpe. 15 Uhr Treffen zum Walk vor dem Fuji-Store. Am Abend Vernissage der Ausstellung von Guido in der Fuji X-Gallery.
bis 26. Februar: Wolken, Fotos von Tobias Bohnet (Öffnet in neuem Fenster). ASB-Begegnungszentrum Wiesenhäuser, Wiesenstraße 17, Dresden.
16. Februar bis 3. März: Street Photography meets Street Food, Fotos von Dennis Gloth, Schootis Eiscafé Lemförde.
bis 17. März: Evelyn Richter, Ein Fotografinnenleben. Museum der bildenden Künste Leipzig (Öffnet in neuem Fenster).
30. März: Photowalk mit Unposed Hannover, 14 Uhr am Opernhaus.
bis 1. April 2024: Barbara Klemm: Frankfurt-Bilder, Historisches Museum Frankfurt (Öffnet in neuem Fenster).
18. April bis 27. Juni: Ute und Werner Mahler: Kleinstadt. Hamburger Werkstatt für Fotografie. (Öffnet in neuem Fenster)
26-28. April: Italian Street Photo Festival (Öffnet in neuem Fenster) in Rom.
3. bis 6. Mai: Dublin Street Photography Festival (Öffnet in neuem Fenster).
4. Mai: Eröffnung der Ausstellung vom Dorfcollective, Nebn-Galerie, Eisenstraße 91, Düsseldorf.
9. bis 12. Mai: Light Leaks Festival Luxembourg (Öffnet in neuem Fenster).
ab 29. Mai: Kaum ist die Barbara-Klemm-Ausstellung vorbei, legt das Historische Museum nach: “Stadt der Fotografinnen. Frankfurt 1844 – 2024” (Öffnet in neuem Fenster) heißt die nächste Ausstellung, und sie steht schon dick angestrichen in meinem Terminkalender.
22. Juni: Photowalk mit Unposed Hannover, 14 Uhr am Opernhaus.
23. Juni: Photowalk mit Collateral Eyes in, Achtung! – Offebach. (Ja, wir haben das aus gutem Grund nochmal geändert. Ihr werdet sehen, es war wirklich ein guter Grund.)
12./13. Juli 2024: Meet & Street Hamburg (Öffnet in neuem Fenster). Achtung, zum Warm-up in der Deichdiele gibt es auch eine Ausstellung mit Wettbewerb (Öffnet in neuem Fenster)!
Wettbewerbe
Italian Street Photo Festival, Einzelbilder und Serien (Öffnet in neuem Fenster), Deadline: 3. März.
La vie en bleu, Stipendium und Ausstellung in Nizza. Deadline: 15. März. www.ximenaechague.com (Öffnet in neuem Fenster).
Brussels Street Photography Festival, Einzelbilder und Serien (Öffnet in neuem Fenster), Deadline: 24. März.
Die guten Fasssenachtsbilder
collateraleyes (Öffnet in neuem Fenster)
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