Es ist Donnerstag. Und deswegen liest du heute eine neue Ausgabe meines Newsletters „Von Null auf Welt”.
Ich hab diesen Newsletter gestern Abend geschrieben. Da lief Brad Mehldau, der Dear Prudence (Öffnet in neuem Fenster) gespielt hat. Und wenn man Jazz hört, kann man auch super darüber schreiben.
Wer Jazz lernen will – also selbst spielen, nicht nur hören – der kann mit einem Buch starten.
Für Klavier gibt es da zum Beispiel ein Standardwerk: »The Jazz Piano Book« von Mark Levine (Öffnet in neuem Fenster). Man denkt: Cool, das arbeite ich jetzt Kapitel für Kapitel durch und dann geht’s zur ersten Jamsession. Oder ich kann meine Freunde beeindrucken und einfach 20 Minuten improvisieren.
Doch so funktioniert Jazz nicht.
So funktioniert Musik nicht.
Und so funktioniert auch Marketing nicht.
Ein Lehrbuch ist im Jazz (oder in jeder anderen Musikrichtung) ein super Grundgerüst und Startpunkt, um sich auf eine Reise zu begeben. Aber nur weil du ein Buch durchgearbeitet und die wichtigsten Akkorde und Skalen (Tonleitern) in der Theorie verstanden hast, bist du noch kein Bill Evans oder Brad Mehldau.
Du musst auf dieser Reise ständig abschweifen, du musst Dinge vertiefen, eigene Ideen aushecken, wieder zum Buch zurückkommen, Erfahrungen machen, viel Musik hören, andere Bücher lesen, gute Lehrer*innen finden, dich inspirieren lassen und vieles mehr.
Es ist eine lange Reise.
Wenn Jazzmusiker*innen lernen, zu improvisieren, ist es elementar, berühmte Solopassagen zu transkribieren.
Das bedeutet, sie müssen immer und immer wieder eine Aufnahme anhören und dabei die Noten mitschreiben. Oder das Gehörte Takt für Takt direkt auf dem eigenen Instrument auswendig zu lernen. Wenn man das schließlich draufhat für ein bestimmtes Solo, dann übt man es idealerweise quer durch alle zwölf Tonarten, sodass die gelernten Patterns auch für andere Akkorde und damit andere Stücke passen.
Dieser Prozess ist anfangs die Hölle.
Das dauert ewig.
Aber man wird besser und schneller mit der Zeit. Das eigene Musikvokabular wird immer größer. Es macht immer öfter Klick und du denkst: »Ach so,klar, deswegen spielt sie oder er jetzt diese Noten! Coole Idee, das über diese Changes (diese Akkordfolge) zu tun!«
Irgendwann hat man ein ganz neues Verständnis für die Musik und ein neues Fundament, auf dem man aufbauen kann.
Aufs Marketing übertragen ist das ganz genauso.
Du fängst irgendwann an, dich auf eine Reise zu begeben.
Aber das ist nur der Anfang und ein kleiner Teil des Puzzles.
Du liest Bücher, du hörst Podcasts. Du hast Mentor*innen, analysierst Kampagnen oder verfolgst, was andere Startups oder Brands tun.
Um diesen Prozess, um dieses Reinfuchsen, genau darum geht es. Du kannst die Erfahrungen einer Reise nicht mit einem Buch vermitteln. Du musst selbst los.
Du musst Lust haben, Marketing zu durchdringen und zu verstehen. Du musst »kreatives Selbststudium« betreiben.
Kreativ, weil du deine Quellen selbst kuratieren und dabei über den Tellerrand blicken musst. Inspiration kannst du überall finden – in Büchern, aber auch in der Musik, in der Natur oder unter der Dusche.
Aber die eigentliche Arbeit, die passiert im Maschinenraum.
Denn Marketing ist kein Voodoo oder bisschen ablabern oder paar Klicks im Meta-Account.
Für mich ist Marketing vor allem ein Handwerk. Ein kreatives, ja. Aber es hat viel mit Fleiß, Disziplin, Geduld und Durchhaltevermögen zu tun.
Wie das Üben im Jazz: Stundenlang und ohne, dass jemand klatscht. Nicht nur eine Woche oder einen Monat, sondern über Jahre hinweg.
Aber die Mühe lohnt sich: Denn irgendwann macht es Klick.
Gratulation, Du hast ein neues Level freigeschaltet.
Und das Schöne daran?
Lernen ist immer eine Reise. Egal ob Jazz, Marketing oder irgendetwas anderes.
Es gibt eben keinen Shortcut.
Kein Buch, das dich in drei Wochen zum Experten macht.
Aber das liebe ich so sehr daran.
Es gibt immer eine neue Idee, die dich überrascht. Immer einen Moment, in dem plötzlich etwas klickt … und jetzt, finally, ergibt es Sinn. Das nächste Level freigeschaltet.
Und je länger du auf dieser Reise bist, desto mehr Spaß macht sie.
Weil du merkst, wie weit du schon gekommen bist.
Weil du Dinge siehst, die du früher nicht gesehen hättest.
Weil du eine eigene Stimme entwickelst.
So wie ein Jazzmusiker*innen irgendwann nicht mehr wie ihre Vorbilder klingen, sondern wie sie selbst.
Also: Bei all dem Startup-Stress … genieß die Reise.
Sie ist das Ziel.
Bis nächste Woche!
Max