
Heute schreibt dir: Nina Schick

Liebe brandmelder-Community,
es tut mir leid. Ich habe es schon wieder getan: übles Betreffzeilen-Clickbait. „Klick mich, klick mich, ich habe NACKT geschrieben!!“ Es kommt daher, dass ich wütend bin. Als Journalistin weiß ich, was funktioniert. Personalisierung und Sexualisierung gehen immer. Als Frau kenne ich es, beurteilt, bewertet und über Äußerlichkeiten definiert zu werden. Und der neueste brandmelder-Text hat mich gerade mal wieder daran erinnert.
Klimakrise und Patriarchat hängen auf vielfältige Weise zusammen. Da sind die „Männer, die die Welt verbrennen“, deren Treiben der Journalist Christian Stöcker in seinem gleichnamigen Buch durchleuchtet. Dafür, wie das Festhalten an fossilen Brennstoffen jenseits von reichen Eliten vor allem in der männlichen Breite verankert ist, hat die amerikanische Autorin Cara New Daggett den Begriff „Petromaskulinität“ geprägt, ebenfalls ein Buchtitel. Und dann gibt es den medialen Umgang mit der Klimakrise. Ein Aspekt davon ist die Berichterstattung über – oft weibliche – Klimaaktivist*innen. Womit wir bei Personalisierung und Sexualisierung wären.
Unser Redakteur Maximilian Arnhold hat ein unpassend geführtes Interview mit Luisa Neubauer zum Ausgangspunkt genommen, um über den Einzelfall, der keiner ist, hinauszublicken. Welche strukturellen Ursachen hat der falsche Fokus auf Einzelpersonen und Weiblichkeit? Was müsste passieren, damit Redaktionen patriarchale Muster in ihrer (Klima-)Berichterstattung überwinden? Wir freuen uns, wenn ihr auf LinkedIn (Opens in a new window) und Instagram (Opens in a new window) mit uns darüber diskutiert, was sich ändern müsste. Hier geht es zu Maxis Beitrag auf der brandmelder-Seite (Opens in a new window).
🔥Kampf gegen Windmühlen im ÖRR🔥
Um Strukturelles geht es auch in einem weiteren brandmelder-Beitrag. Die österreichische Journalistin Nadja Hahn hat für uns aufgeschrieben (Opens in a new window), wie sie lange versucht hat, eine fundierte Klimaberichterstattung bei ihrem Arbeitgeber ORF zu verankern und warum sie irgendwann aufgab. Inzwischen hat sie sich mit einem Podcast selbstständig gemacht (Opens in a new window). Nach langem Kampf war ihre persönliche Lösung der Ausstieg. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk bleibt dennoch in der Verantwortung.
Nadjas Geschichte hätte wahrscheinlich genauso gut in Deutschland spielen können. Und, ja, auch wenn Nadja es nirgendwo anspricht und sie (auch) an einer Chefredakteurin abgeprallt ist: Auch ihre Geschichte hat mit dem Patriarchat zu tun. Ein Satz aus ihrem Text, der hängen bleibt, lautet: „Meine Idee hätte niemandem Status gebracht.“
🔥Weitere Brandmeldungen🔥

Nun ist Timmy tot. Wochenlang hat der verirrte Buckelwal Schlagzeile um Schlagzeile produziert, sogar Live-Ticker gefüllt. Ein weiterer Fall von Personalisierung: Das Schicksal eines einzelnen Tieres fesselt die Massen, während die Tragödie des ganzen Planeten oft nur Randnotiz ist. Oder das Sterben ganzer Riffe in Australien, einschließlich zahlloser tot an den Strand gespülter Delfine. Unsere Autorin Anna-Lena Janzen analysiert die Nachrichten-Falle (Opens in a new window).
Hitzetote oder Heuschnupfen? Aus ein und derselben Studie lassen sich die unterschiedlichsten Aspekte herausgreifen. Und wie schön ist es für das Journalist*innen-Ego, den „eigenen Dreh“ zu finden, der sich von den anderen abhebt. Das Thema verfehlen sollte man dabei allerdings nicht. Jürgen Döschner hat verglichen (Opens in a new window), wie die wichtige Lancet-Studie über die Folgen der Erderhitzung für Gesundheit und Leben in Europa in den Medien aufgenommen wurde. Die ARD kommt dabei nicht gut weg.
🔥Pssst … Weitersagen!🔥
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Herzliche Grüße
Nina
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