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Magie-Brief: Aus der Schublade

Willkommen zu einer neuen Ausgabe meines Magie-Briefs.
Heute nehme ich dich mit zu einem Moment, der alles kippte.

Beim Aufräumen fand ich unter meinen Strümpfen einen kleinen Hello-Kitty-Block. Ein Geschenk aus meiner Volontariatszeit in Dortmund an einer Akademie für Hörfunk, Fernsehen und Internet. In meiner Klasse war auch mein bester Freund. Während des Unterrichts schrieben wir uns in diesem Block kleine Botschaften hin und her.

Beim Wiederlesen wunderte ich mich über die Person, die ich damals war. Ich schrieb zum Beispiel:

Wir können ja nach der Schule kurz in die Stadt gehen, um das Wochenende einzuleiten.

Immerzu freute ich mich auf irgendetwas Besonders, das gleichzeitig ganz alltäglich war: Kartoffeln mit Möhrchen und Butter zu kochen, ins Kino zu gehen oder am Wochenende Maronen im Wald zu sammeln, um daraus ein Festessen zu bereiten.

Ich lebte damals in der Dortmunder Nordstadt, einem Viertel, das in den Medien als Brennpunkt gilt. Doch mein Haus war prächtig, mit kleinem Turm und Erker.

Ich wohnte im Erdgeschoss - den beiden Fenstern rechts neben dem Eingang.
Ich wohnte im Erdgeschoss - den beiden Fenstern rechts neben dem Eingang.

Es hieß, es habe einst Zsa Zsa Gabor gehört, und es war bunt, manchmal seltsam: Männer in Latex oder Militäruniform standen nachts neben dem Eingang, sie wollten zu der Dame aus dem obersten Stock, die ich niemals sah. Der Puppenspieler im Geschoss über mir feierte große Partys im ehemaligen Schwimmbad des Kellers, zu denen ich meine gesamte Klasse einlud.

Topic Nachtpost / Themen-Guide

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