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Lesezeit: 5 Minuten
Gamification beim Üben
Ok, ich mach’s kurz: Ich war nie ein großer Zocker. Meine Karriere begann und endete mit FIFA 1998 - zugegeben ein Klassiker. Natürlich habe ich es hier und da immer wieder mal probiert, aber der Funke zwischen uns wollte nie so recht überspringen. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum mich der Gamification-Trend beim Üben bisher noch nie so recht gepackt hat.
Falls es dir ähnlich geht, lass uns zunächst einmal schauen, was wir unter dem Begriff verstehen. Beziehungsweise was gerade nicht: Denn Gamification meint nicht, dass du dein Üben in ein Videospiel verwandelst. Es geht darum, einzelne Spielprinzipien zu nutzen, die Videospiele so mitreißend machen:
klare Ziele
unmittelbares Feedback
sichtbarer Fortschritt
ein Gefühl von Belohnung
Wenn du also in einem Spiel in das nächste Level aufsteigst, wirst du nicht zufällig motiviert – das ist das Ergebnis eines präzise gestalteten Anreizsystems.
Was die Forschung sagt
Der Musikpädagoge Thomas Nguyen hat 2020 an einer norwegischen Hochschule untersucht, wie Gamification das Üben von 60 Studierenden beeinflusst. Die Experimentalgruppe nutzte die App Habitica – ein Retro-Rollenspiel-basiertes Aufgabenmanagement-Tool, in dem Übeeinheiten als Quests galten, abgeschlossene Songs Erfahrungspunkte einbrachten und die Gruppe gemeinsam gegen Monster kämpfte (ja, wirklich). Die Kontrollgruppe bekam dieselben Aufgaben und dasselbe Lernmaterial – nur ohne Spielelemente.
Das Ergebnis ist aufschlussreich: Die Gamification-Gruppe lernte signifikant mehr Songs auf der Ukulele als die Kontrollgruppe. Bei der reinen Übungszeit in Minuten gab es hingegen keinen messbaren Unterschied. Was durch Spielmechaniken stieg, war also weniger die Quantität des Übens als die Zielorientierung: Die Studierenden arbeiteten fokussierter auf konkrete Ergebnisse hin.
Was durch Spielmechaniken stieg, war also weniger die Quantität des Übens als die Zielorientierung: Die Studierenden arbeiteten fokussierter auf konkrete Ergebnisse hin.
Besonders interessant: Als die Teilnehmenden gefragt wurden, was sie am meisten motiviert hatte, nannten viele nicht die digitalen Belohnungen in der App – sondern einen kleinen goldenen Sticker, den sie sich für ihr Ukulele kaufen konnten. Die greifbare, reale Belohnung schlug die virtuelle.
Wo Gamification funktioniert – und wo nicht
Gamification belohnt das, was messbar ist. Intonation und Rhythmus lassen sich inzwischen solide erfassen – Klangqualität, Musikalität und Ausdruckskraft hingegen kaum. Wer also nur auf den Highscore zielt, kann sein Üben unbemerkt in eine falsche Richtung lenken.
Genau darin liegt oft die Schwierigkeit. Was beim Sport super funktioniert, lässt sich nicht 1:1 auf die Musik übertragen. Es braucht also weiterhin unser geschultes Ohr, damit die Spielprinzipien sich voll entfalten können.
Drei Ideen, die du heute umsetzen kannst
Sogar ohne App (und damit auch ohne Smartphone beim Üben), lassen sich Gamification-Elemente in dein Üben einbauen:
1. Repertoire als Questliste
Schreib dir alle Stücke auf, die du lernen möchtest – z.B. geordnet nach Schwierigkeitsgrad. Beginne mit den einfacheren und hake sie ab, wenn du sie wirklich kannst. Das Abhaken ist befriedigender, als es klingt – und du siehst, wie dein Repertoire wächst.
Wenn ich Jazz-Standards lerne unterteile ich die Liste nochmal in Thema und Akkord-Folge und übe beides getrennt von einander. Natürlich kannst du auch ein einzelnes Stück in seine Abschnitte unterteilen und sie abhaken, sobald du sie kannst.
2. Formales Üben bewusst benennen
Nguyens Studie unterscheidet zwischen formalem Üben (zielorientiert, konzentriert, mit Fehlerkorrektur) und informalem Üben (Lieblingsstücke durchspielen, “jammen”). Beides hat seinen Platz – aber es hilft, den Unterschied zu kennen und bewusst zu entscheiden, was du gerade tust. Führe für zwei Wochen ein einfaches Protokoll: Wie viele Minuten formal, wie viele informal? Im Interview mit Schlagzeuger Benny Greb hat Ähnliches über sein Üben berichtet. Wenn du dir die Folge nochmal anhören möchtest, findest du hier den Link (Opens in a new window).
3. Kleine, echte Belohnungen
Setzt dir ein konkretes Ziel – etwa ein bestimmtes Stück in drei Wochen auswendig zu können – und überleg dir eine reale Belohnung für den Erfolg. Das muss nichts Großes sein: ein neues Heft, ein Konzertbesuch, ein Abend mit Lieblingsstücken ohne Übeambition. Der goldene Sticker aus Nguyens Studie war wirksam, weil er echt war.
Neue Folge am Montag!
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Der Countdown zur 50. Folge ist gestartet und bis zum großen Finale am 15.06 gibt es nun jede Woche eine neue Folge. Nächsten Montag (25.05) geht es schon direkt weiter! Ich freue mich, wenn du dann wieder zuhörst.