Die schlimme erste Fassung +++ die Hilfe meiner Schriftstellerinnen-Geister +++ Der perfekte Love-Addiction-Soundtrack
Ich mache mal wieder Workation. Wir haben ein fantastisches Haus am Meer, es sind genau fünf Schritte von der Terrasse ins kristallklare Wasser. Wir sind nicht am offenen Meer, unser Wasser ist umschlossen von Landzungen, deswegen ist es windstill und es gibt kaum Wellengang, kein Rauschen, nur ein leises Plätschern. Es ist generell sehr ruhig hier, das einzige, was man morgens hört, ist der Hahn, der kräht, ein paar Katzen, die miauen und das unfassbar alte und klapprige Auto der Nachbarn, das gegen halb acht unter großem Lärm los knattert, vermutlich auf dem Weg in eine Gegend, in der mehr los ist.

Ich schreibe, ohne mich groß anzustrengen, 20 neue Seiten. Was daran liegt, dass fünf Leute um mich herum auch an Texten arbeiten, in der Atmosphäre ein unaufhörliches Klappern der Tastaturen liegt, und an meiner Abwesenheitsnotiz. Es ist erstaunlich, wie viele Stunden so ein Tag plötzlich hat, wenn man nicht irgendwo hinfahren, Mails beantworten oder zur Post gehen muss.
Ich finde deswegen meinen Text nicht besser. Aber es hilft beim Durchhalten.
Ich habe vor Kurzem erst so richtig verstanden, dass die Schlechtigkeit der ersten Fassung ein totales Klischee ist. Dass alle ersten Fassungen schlecht sind. Dass so gut wie alle Leute, die keine Bücher schreiben, deswegen keine Bücher schreiben, weil sie es nicht schaffen, die erste Fassung zu schreiben. Weil sie es nicht aushalten, wie schlecht die ist.
Mit mehr Erfahrung wird es nicht leichter. Der Witz ist: Je besser man schreiben kann, desto schwerer kann man es ertragen, schlecht zu schreiben.
Wenn jemand sagt, schreiben sei total einfach! und es sei einfach so aus ihr rausgeflossen!, denke ich immer heimlich: Wahrscheinlich liegt das daran, dass du einem guten Text nicht mal erkennen würdest, wenn er dir nachts im Wald vors Auto rennt.